Johanna Strunz
LAMILUX
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Webinar: Entwässerung, Abdichtung & Tageslicht im Fokus
Tageslicht ist mehr als nur Beleuchtung – es steigert die Produktivität, prägt die Arbeitsplatzqualität und steuert sogar unseren Biorhythmus. Gleichzeitig stellen großflächige Flachdächer Planende vor anspruchsvolle Aufgaben: Brandschutz nach DIN 18234, natürliche Lüftung über den Kamineffekt und die Integration von Rauchabzugssystemen müssen von Anfang an mitgedacht werden.
In diesem Webinar vermitteln drei Experten praxisnahes Wissen zu normgerechter Planung, modernen Abdichtungssystemen, Sanierungsstrategien sowie zu Oberlichtern im Kontext von Brandschutz und Rauchableitung. Ziel ist es, sichere, wirtschaftliche und zukunftsfähige Flachdachlösungen ganzheitlich zu verstehen und umzusetzen.
Brandschutz und Tageslicht im Flachdach: Expertenwissen kompakt
FAQ: Brandschutz im Flachdach
Was regelt die DIN 18234 und wann ist sie verpflichtend anzuwenden?
Die DIN 18234 regelt den Brandschutz großflächiger Dächer. Im Industriebau ist sie laut Industriebaurichtlinie ab einer Dachfläche von 2.500 m² zwingend einzuhalten. Die Norm selbst definiert „großflächig" nicht abschließend – empfehlenswert ist die Anwendung daher auch bei anderen großflächigen Gebäuden wie Sport-, Verkaufs- oder Versammlungsstätten ab dieser Schwelle.
Die Norm umfasst vier Teile:
Teil 1 & 2: Anforderungen und Prüfungen an die Dachfläche (Tragschale bis Abdichtung)
Teil 3 & 4: Anforderungen und konkrete Ausführungsbeispiele für Durchdringungen (z. B. Lichtkuppeln)
Besonders wertvoll: Teil 4 enthält einen Ausführungskatalog mit Regelbeispielen – wer diese einhält, erfüllt die Norm ohne aufwendige Einzelprüfung.
Welche fünf Fragen entscheiden über die normgerechte Planung einer Lichtkuppel?
Wie wird die Dachbahn angeschlossen? → Unteranschluss vermeidet Zusatzmaßnahmen
Welches Material hat der Aufsatzkranz? → GFK oder Stahlblech statt PVC/Aluminium
Hat das Kuppeloberteil einen Einfassrahmen? → Ja, um schweren Oberflächenschutz zu vermeiden
Wo wird der Kranz eingebaut? → Direkt auf die Tragschale, nicht auf die Dachabdichtung
Womit wird die Höhe ausgeglichen? → Stahlprofil statt Holzbohle
Warum sind PVC- und Aluminium-Aufsatzkränze brandschutztechnisch ungünstig?
Brandversuche haben gezeigt:
PVC-Kränze brennen durch und ermöglichen den Brandeintrag in den Dachaufbau
Aluminium-Kränze schmelzen bereits bei ca. 600 °C und legen den Dachaufbau frei
Die Folge: Der Brand wandert unbeobachtet zwischen Trapezblech und Dachbahn weiter – etwa in der Dämmung – und tritt an anderen Stellen wieder aus. Deshalb verlangt die DIN 18234 bei diesen Kränzen umfangreiche Zusatzmaßnahmen:
nicht brennbare Dämmung mit Schmelzpunkt über 1.000 °C
einen halben Meter umlaufend und einen schweren Oberflächenschutz (z. B. Kiesschüttung oder Betonwerksteinplatten).
Bessere Wahl: Aufsatzkränze aus GFK oder Stahlblech – sie machen Zusatzmaßnahmen überflüssig.
Gilt die DIN 18234 auch für Einfamilien- und Mehrfamilienhäuser?
Nein. Die DIN 18234 greift ausschließlich bei großflächigen Dächern (im Industriebau ab 2.500 m²). Im Wohnungsbau spielt sie keine Rolle.
Tipp für den Wohnbau: Statt klassischer Lichtkuppeln sollten heute Flachdachfenster mit Echtglas geplant werden – sie bieten bessere optische Qualität, höhere Wertigkeit und sind mittlerweile in vielfältigen Varianten verfügbar.
FAQ Tageslichtplanung im Flachdach
Wie viel Lichtfläche braucht ein Raum mit Flachdach?
Die meisten Regelwerke fordern ein Achtel bis ein Zehntel der Grundfläche (also ca. 10 %) als Lichtfläche. Diese Werte liegen am unteren Rand und reichen für die visuelle Versorgung aus.
Wichtig: Für biologisch wirksames Tageslicht – das den Biorhythmus, die Konzentration und das Wohlbefinden positiv beeinflusst – ist ein Tageslichtquotient von mindestens 5 % empfehlenswert. Dieser beschreibt das Verhältnis zwischen Innen- und Außenhelligkeit.
Warum ist natürliches Tageslicht besser als künstliches Licht?
Tageslicht wirkt auf drei Ebenen:
Visuell – wir sehen besser bei Tageslicht
Emotional – Tageslicht hebt nachweislich die Stimmung
Biologisch – über spezielle Rezeptoren im Auge (erst Ende der 1990er entdeckt) steuert insbesondere der Blauanteil im Tageslicht unseren Biorhythmus
Im Tagesverlauf verändert sich die Lichtfarbe natürlich: Morgens und abends dominiert Rot, mittags Blau. Diese Variation steuert Melatoninspiegel, Blutdruck und Körpertemperatur – Effekte, die künstliches Licht nur unzureichend nachbilden kann.
Konsequenz für die Planung: Arbeitsplätze, Schulen, Pflegeeinrichtungen und Wohnräume profitieren erheblich von hoher Tageslichtversorgung – auch als Faktor für Arbeitsplatzattraktivität in Zeiten des Fachkräftemangels.
Welche Mehrwerte bieten moderne Tageslichtsysteme über die Belichtung hinaus?
Moderne Dachoberlichter vereinen drei Funktionen in einem Bauteil:
Natürliches Tageslicht für Komfort und Produktivität
Natürliche Lüftung über den Kamineffekt – funktioniert auch ohne Wind und Temperaturunterschied
Rauchabzug im Brandfall (RWA-Systeme)
Besonders effektiv: Hallen mit 4–7 m Höhe lüften allein über den Höhenunterschied zwischen Tor und Oberlicht ausgezeichnet – ohne Energieeinsatz für Ventilatoren.
Praxisleitfaden: : Lichtkuppel im großflächigen Flachdach
Planungs-Checkliste
Dachfläche > 2.500 m² ? → DIN 18234 anwenden
Profilfüller an mittleren Durchdringungen einplanen
Aufsatzkranz aus GFK oder Stahlblech wählen
Kuppel mit Einfassrahmen spezifizieren
Aufsatzkranz direkt auf Tragschale aufsetzen
Dachbahn unten anschließen (wärmegedämmter Fußflansch)
Lichtfläche min. 10 % der Grundfläche
Für biologische Lichtwirkung: Tageslichtquotient ≥ 5 %
Sonnenschutz bei großen Lichtflächen prüfen
Lüftungs- und RWA-Funktion integrieren
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