Gut Alt-Biesdorf
12683 Berlin, Gisela-Reissenberger Platz 1
Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: D/FORM Gesellschaft für Architektur + Städtebau mbH
Basisdaten zum Objekt
Lage des Objektes
Gisela-Reissenberger Platz 1, 12683 Berlin, Deutschland
Objektkategorie
Objektart
Art der Baumaßnahme
Sanierung / Modernisierung
Fertigstellungstermin
12.2025
Zeichnungen und Unterlagen
Projektbeteiligte Firmen und Personen
Verwendete Produkte
Gebäudedaten
Bauweise
Mauerwerksbau
Tragwerkskonstruktion
Ziegelmauerwerk
Anzahl der Vollgeschosse
2-geschossig
Raummaße und Flächen
Bruttorauminhalt
10.800 m³
Bruttogrundfläche
2.550 m²
Nutzfläche
1.850 m²
Verkehrsfläche
305 m²
Kosten
Gesamtkosten der Maßnahme (ohne Grundstück)
11.030.000 Euro
Lage und Umgebung
Beschreibung
Objektbeschreibung
Die drei denkmalgeschützten Gebäude – Pferdestall, Kuhstall und Speicher – stammen aus der Zeit um 1900. Durch Instandsetzung und Umnutzung konnten sie als prägende Bausteine des Ensembles erhalten werden. Der ehemalige Pferdestall dient heute als Stadtteilzentrum und wurde durch einen neuen innenliegenden Aufzug barrierefrei erschlossen; ergänzend ist im Erdgeschoss eine Tierklinik untergebracht. Im Kuhstall und im früheren Getreidespeicher entstanden rund 2.000 Quadratmeter Gewerbeflächen in zehn Mieteinheiten.
Der Entwurf setzt auf einen respektvollen Umgang mit dem historischen Bestand. Ziegelfassaden, Stahlstützen, Fachwerkkonstruktionen sowie Ziegelkappen- und Holzbalkendecken wurden instandgesetzt, freigelegt und sichtbar belassen. Erhaltene historische Fenster wurden durch innenliegende Zusatzfenster für Schall- und Wärmeschutz und durch Nachbauten ergänzt. Eine Innendämmung mit integrierter Wandtemperierung verbessert die Energieeffizienz, ohne das äußere Erscheinungsbild der Ziegelbauten zu verändern.
Auch konstruktive Besonderheiten wie die frühe Eisenbetondecke des Kuhstalls blieben erhalten und wurden durch die Rekonstruktion des statisch relevanten Dachreiter für höhere Nutzlasten ertüchtigt. Der Ausbau respektiert die großzügigen Hallenräume: Einbauten wie WCs, Teeküchen und Lager bleiben niedrig und freistehend, Installationen werden offen geführt und halten die industrielle Geschichte der Gebäude ablesbar.
Pferdestall und Speicher erhielten neue Holzbalkendächer, deren Konstruktion – wie bei den Geschossdecken – von innen sichtbar bleibt. Die bestehenden Holzbalkendecken im Speicher wurden durch Massivholzwände ergänzt. In allen drei Gebäuden wurden skulpturale Stahltreppen eingebaut, die an die vorhandenen gusseisernen Stützen und Fachwerke anknüpfen. Details wie innenliegende Fensterläden und Fragmente der Futterklappen konnten trotz heutiger Anforderungen an Brand-, Schall- und Wärmeschutz erhalten werden.
Mit der Umnutzung von Gut Alt-Biesdorf entsteht ein Ort, der Arbeiten, Nachbarschaft und kulturelle Aktivitäten miteinander verbindet und den historischen Bestand in eine zeitgemäße Nutzung überführt.
Beschreibung der Besonderheiten
Die vorhandene schlaff bewehrte Eisenbetondecke (Koensche Voutendecke), die vom Dachtragwerk abgehängt ist, erfüllt die heutigen Nutzlastanforderungen einer Büronutzung nicht. Historische Untersuchungen ergaben, dass ursprünglich ein statisch wirksamer Dachreiter vorhanden war, der höhere landwirtschaftliche Lasten ermöglichte. Dieser wurde entsprechend wiederhergestellt. Dadurch entstanden charakterstarke Räume mit hoher räumlicher Qualität, die über den Dachreiter zusätzlich natürlich belichtet und belüftet werden und durch die Fachwerkträger eine räumliche Gliederung erhalten.
In die großen Hallen wurden freistehende Einbauten als „Boxen“ integriert, die Nebenräume wie WCs, Teeküchen, Lager- und Technikflächen aufnehmen, ohne den großzügigen Raumeindruck zu beeinträchtigen. Gläserne Pfosten-Riegel-Konstruktionen zonieren die Nutzungseinheiten, während historische Spuren wie Futterklappenhalterungen weiterhin ablesbar bleiben.
In Pferdestall und Speicher wurden kleinteiligere Nutzungseinheiten ausgebildet. Ein neu eingefügter, innenliegender Aufzug gewährleistet die barrierefreie Erschließung des Stadtteilzentrums. Im Speicher ermöglicht eine flexible Verschaltung der Einheiten auf Geschossebene eine variable Anpassung der Mietflächen an unterschiedliche Nutzeranforderungen. Stahlstützen und Holzbalkendecken wurden in enger Abstimmung mit Tragwerksplanung und Brandschutz freigelegt und sichtbar belassen, anstatt sie konstruktiv zu verkleiden.
Zur Verbesserung der schallschützenden und thermischen Eigenschaften der zur stark befahrenen Bundesstraße orientierten Fassaden wurden die aufgearbeiteten Bestandsfenster innenseitig durch eine zweite Ebene aus Kastenfenstern ergänzt.
Nachhaltigkeit
Das Projekt verfolgt damit insbesondere Ansätze der Suffizienz und Materialkonsistenz durch den Erhalt des Bestandes, die Reduktion des Materialeinsatzes sowie kreislauffähige Konstruktionen.
Für das gesamte Stadtquartier wurde zudem ein quartiersbezogenes Nahwärmenetz im Contracting-Modell der GASAG realisiert. Zwei gasbetriebene Blockheizkraftwerke versorgen die Wohngebäude und Denkmäler über Kraft-Wärme-Kopplung effizient mit Wärme und erzeugen zugleich Strom, der als Mieterstrom genutzt wird. Das Energiekonzept verfolgt damit einen Effizienzansatz durch die gekoppelte Wärme- und Stromerzeugung sowie die zentrale Versorgung des Quartiers.
Schlagworte
Energetische Kennwerte
Energiestandard
Energetische Kennwerte
Primärenergie
Gas
Fernwärme
Sekundärenergie
Strom
Energetische Kennwerte
Primärenergiebedarf ("Gesamtenergieeffizienz")
113,00 kWh/(m²a)
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