Architekturobjekt 2 von 3.730

Architekturobjekte


Gut Alt-Biesdorf

12683 Berlin, Gisela-Reissenberger Platz 1

Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: D/FORM Gesellschaft für Architektur + Städtebau mbH

Fachwerktragwerk und Dachreiter im Kuhstall auf Gut Alt-Biesdorf - Gut Alt-Biesdorf

© Marcus Bredt

Giebelseite des Kuhstalls - Gut Alt-Biesdorf

© Marcus Bredt

Der Kuhstall in Alt-Biesdorf - Gut Alt-Biesdorf

© Marcus Bredt

Pferdestall und Speicher - Gut Alt-Biesdorf

© Marcus Bredt

Der umgenutzte Speicher mit kleinen Einheiten für lolake Mieter - Gut Alt-Biesdorf

© Marcus Bredt

Dachgeschoss des Kuhstalls mit Fachwerk und Dachreiter - Gut Alt-Biesdorf

© Marcus Bredt

Das Erdgeschoss des ehemaligen Kuhstalls - Gut Alt-Biesdorf

© Marcus Bredt

Erhaltene Holzbalkendecken und Stahlkonstruktion im Speicher - Gut Alt-Biesdorf

© Marcus Bredt

Schall-und Wärmeschutzverglasung hinter den aufgearbeiteten Hokzfenstern - Gut Alt-Biesdorf

© Marcus Bredt

In Anlehnung an das Stahltragwerk verbinden schwarze Stahltreppen die Geschosse in allen Bauten - Gut Alt-Biesdorf

© HW / Studio Bowie

Der Veranstaltungsraum im Stadtteilzentrum - Gut Alt-Biesdorf

© HW / Studio Bowie

Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: D/FORM Gesellschaft für Architektur + Städtebau mbH

Basisdaten zum Objekt

Lage des Objektes

Gisela-Reissenberger Platz 1, 12683 Berlin, Deutschland

Objektkategorie

Objektart

Art der Baumaßnahme

Sanierung / Modernisierung

Fertigstellungstermin

12.2025

Projektbeteiligte Firmen und Personen

Generalplanung

D/FORM Gesellschaft für Architektur + Städtebau mbH

Leibnizstr. 33

10625 Berlin

Deutschland

Tel. +49 30547 109-26

info@d-form.eu

Fachplanung: Brandschutz

GSE Ingenieur-Gesellschaft mbH Saar, Enseleit und Partner

Von-der-Gablentz-Str. 19

13403 Berlin

Deutschland

Tel. +49 30 417760

info@gseggmbh.com

Fachplanung: Tragwerksplanung

GSE Ingenieur-Gesellschaft mbH Saar, Enseleit und Partner

Von-der-Gablentz-Str. 19

13403 Berlin

Deutschland

Tel. +49 30 417760

info@gseggmbh.com

Architektur: Landschaftsarchitekt

Simons & Hinze Landschaftsarchitektur GmbH

Neue Kantstraße 14

14057 Berlin

Deutschland

Fachplanung: Gebäudetechnik

Janowski Ingenieure GmbH

Kissinger Str. 1

14199 Berlin

Deutschland

Tel. +49 30 330998660

mail@janowski-ingenieure.de

Verwendete Produkte

Gebäudedaten

Bauweise

Mauerwerksbau

Tragwerkskonstruktion

Ziegelmauerwerk

Anzahl der Vollgeschosse

2-geschossig

Raummaße und Flächen

Bruttorauminhalt

10.800 m³

 

Bruttogrundfläche

2.550 m²

 

Nutzfläche

1.850 m²

 

Verkehrsfläche

305 m²

Kosten

Gesamtkosten der Maßnahme (ohne Grundstück)

11.030.000 Euro

Beschreibung

Objektbeschreibung

Südlich von Schloss Biesdorf und dem historischen Dorfanger gelegen, war Gut Alt-Biesdorf ursprünglich Teil einer landwirtschaftlichen Anlage und später gewerblich genutzt. Mit der Entwicklung eines neuen Wohnquartiers in der Umgebung erhielt das Areal eine neue Bedeutung für die Nachbarschaft. Die behutsame Transformation der verbliebenen historischen Wirtschaftsgebäude verbindet die Identität des Ortes mit zeitgemäßen Nutzungen.
Die drei denkmalgeschützten Gebäude – Pferdestall, Kuhstall und Speicher – stammen aus der Zeit um 1900. Durch Instandsetzung und Umnutzung konnten sie als prägende Bausteine des Ensembles erhalten werden. Der ehemalige Pferdestall dient heute als Stadtteilzentrum und wurde durch einen neuen innenliegenden Aufzug barrierefrei erschlossen; ergänzend ist im Erdgeschoss eine Tierklinik untergebracht. Im Kuhstall und im früheren Getreidespeicher entstanden rund 2.000 Quadratmeter Gewerbeflächen in zehn Mieteinheiten.
Der Entwurf setzt auf einen respektvollen Umgang mit dem historischen Bestand. Ziegelfassaden, Stahlstützen, Fachwerkkonstruktionen sowie Ziegelkappen- und Holzbalkendecken wurden instandgesetzt, freigelegt und sichtbar belassen. Erhaltene historische Fenster wurden durch innenliegende Zusatzfenster für Schall- und Wärmeschutz und durch Nachbauten ergänzt. Eine Innendämmung mit integrierter Wandtemperierung verbessert die Energieeffizienz, ohne das äußere Erscheinungsbild der Ziegelbauten zu verändern.
Auch konstruktive Besonderheiten wie die frühe Eisenbetondecke des Kuhstalls blieben erhalten und wurden durch die Rekonstruktion des statisch relevanten Dachreiter für höhere Nutzlasten ertüchtigt. Der Ausbau respektiert die großzügigen Hallenräume:​ Einbauten wie WCs, Teeküchen und Lager bleiben niedrig und freistehend, Installationen werden offen geführt und halten die industrielle Geschichte der Gebäude ablesbar.
Pferdestall und Speicher erhielten neue Holzbalkendächer, deren Konstruktion – wie bei den Geschossdecken – von innen sichtbar bleibt. Die bestehenden Holzbalkendecken im Speicher wurden durch Massivholzwände ergänzt. In allen drei Gebäuden wurden skulpturale Stahltreppen eingebaut, die an die vorhandenen gusseisernen Stützen und Fachwerke anknüpfen. Details wie innenliegende Fensterläden und Fragmente der Futterklappen konnten trotz heutiger Anforderungen an Brand-, Schall- und Wärmeschutz erhalten werden.
Mit der Umnutzung von Gut Alt-Biesdorf entsteht ein Ort, der Arbeiten, Nachbarschaft und kulturelle Aktivitäten miteinander verbindet und den historischen Bestand in eine zeitgemäße Nutzung überführt.

Beschreibung der Besonderheiten

Zur Erhaltung der denkmalgeschützten Gebäudehülle mit Ziegelfassaden und teilweise originalen Fenstern wurde eine innenseitige Dämmung mit Wandtemperierung (ergänzend zur Fußbodenheizung) umgesetzt. Im Kuhstall trifft im Dachgeschoss das prägnante Fachwerk, das den darunterliegenden stützenfreien, 15 x 50 m großen Raum ermöglicht, unmittelbar an die Außenwand. Um dieses konstruktive System nicht zu beeinträchtigen, wurde die Innendämmung in diesen Anschlussbereichen ausgespart. Die Heizschleifen der Wandtemperierung werden dort sichtbar geführt und tragen zur Reduzierung von Wärmebrücken bei.
Die vorhandene schlaff bewehrte Eisenbetondecke (Koensche Voutendecke), die vom Dachtragwerk abgehängt ist, erfüllt die heutigen Nutzlastanforderungen einer Büronutzung nicht. Historische Untersuchungen ergaben, dass ursprünglich ein statisch wirksamer Dachreiter vorhanden war, der höhere landwirtschaftliche Lasten ermöglichte. Dieser wurde entsprechend wiederhergestellt. Dadurch entstanden charakterstarke Räume mit hoher räumlicher Qualität, die über den Dachreiter zusätzlich natürlich belichtet und belüftet werden und durch die Fachwerkträger eine räumliche Gliederung erhalten.
In die großen Hallen wurden freistehende Einbauten als „Boxen“ integriert, die Nebenräume wie WCs, Teeküchen, Lager- und Technikflächen aufnehmen, ohne den großzügigen Raumeindruck zu beeinträchtigen. Gläserne Pfosten-Riegel-Konstruktionen zonieren die Nutzungseinheiten, während historische Spuren wie Futterklappenhalterungen weiterhin ablesbar bleiben.
In Pferdestall und Speicher wurden kleinteiligere Nutzungseinheiten ausgebildet. Ein neu eingefügter, innenliegender Aufzug gewährleistet die barrierefreie Erschließung des Stadtteilzentrums. Im Speicher ermöglicht eine flexible Verschaltung der Einheiten auf Geschossebene eine variable Anpassung der Mietflächen an unterschiedliche Nutzeranforderungen. Stahlstützen und Holzbalkendecken wurden in enger Abstimmung mit Tragwerksplanung und Brandschutz freigelegt und sichtbar belassen, anstatt sie konstruktiv zu verkleiden.
Zur Verbesserung der schallschützenden und thermischen Eigenschaften der zur stark befahrenen Bundesstraße orientierten Fassaden wurden die aufgearbeiteten Bestandsfenster innenseitig durch eine zweite Ebene aus Kastenfenstern ergänzt.
 

Nachhaltigkeit

Die graue Energie des Bestandes wurde weitgehend erhalten und der Eingriff auf wenige zusätzliche Baustoffe reduziert. Die neu eingesetzten Materialien wurden möglichst sortenrein, demontierbar und ohne Verbundstoffe konstruiert, um eine spätere Wiederverwendung zu ermöglichen. Zum Einsatz kamen überwiegend nachwachsende Rohstoffe und materialeffiziente Konstruktionen wie Brettsperrholzwände, Holzsparrendächer sowie Holzfaserdämmung. 
Das Projekt verfolgt damit insbesondere Ansätze der Suffizienz und Materialkonsistenz durch den Erhalt des Bestandes, die Reduktion des Materialeinsatzes sowie kreislauffähige Konstruktionen.
Für das gesamte Stadtquartier wurde zudem ein quartiersbezogenes Nahwärmenetz im Contracting-Modell der GASAG realisiert. Zwei gasbetriebene Blockheizkraftwerke versorgen die Wohngebäude und Denkmäler über Kraft-Wärme-Kopplung effizient mit Wärme und erzeugen zugleich Strom, der als Mieterstrom genutzt wird. Das Energiekonzept verfolgt damit einen Effizienzansatz durch die gekoppelte Wärme- und Stromerzeugung sowie die zentrale Versorgung des Quartiers.

Schlagworte

Umbaukultur, Bauen im Bestand, Denkmalpflege, Alt-Biesdorf, Umnutzung, Ziegel, Quartiersentwicklung

Energetische Kennwerte

Energiestandard

Sonstiges

Energetische Kennwerte

Primärenergie

Gas

Fernwärme

 

Sekundärenergie

Strom

Energetische Kennwerte

Primärenergiebedarf ("Gesamtenergieeffizienz")

113,00 kWh/(m²a)

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