Tragende Lehmwände im Dünnbett: Conclay von KIMM im Praxiseinsatz

Kimm

Tragender Lehmbau scheitert selten am Material, oft aber an der Baustelle: Nach DIN 18940 werden Lehm­steinwände in Lager- und Stoßfugen mit mindestens 12 mm dickem Lehmmauermörtel vermauert. Das kostet Zeit und erfordert Lehmbau-Erfahrung.

Genau hier setzt die KIMM GmbH & Co. KG mit ihrem System Conclay an. Die Plan-Lehmsteine werden im Dünn­bett vermauert, mit den Werkzeugen und Abläufen, die Rohbauteams vom großformatigen Planmauerwerk kennen.

Präzise Steine, geregelte Bauart

Das Prinzip

Conclay-Steine sind formgepresste Lehmvollsteine nach DIN 18945 aus Baulehm und natürlicher Gesteinskörnung. Ihre Lager­flächen sind so eben, dass eine Dünnbettfuge genügt (trocken min­des­tens 2–3 mm). Seitlich greifen sie über Nut und Feder ineinander, die Stoßfugen bleiben unvermörtelt – ein Arbeitsgang entfällt.

Die allgemeine Bauartgenehmigung Z-17.6-1325 regelt Pla­nung, Bemessung und Ausführung von unbewehrtem Mauer­werk nach DIN 18940 aus den Steinen und dem Lehmdünnbettmörtel ‚maxit mur 900 clay‘. Bei 248 mm Länge und Höhe decken die Steine Wand­dicken von 115 bis 365 mm ab.

In der Praxis

Ein 8DF-Stein für die 24-cm-Wand wiegt rund 32 kg und wird über Dornenlöcher mit Versetzzange und Minikran gesetzt. Laut Hersteller ist kein Lehmbau-Spezialgewerk nötig, die Arbeitszeitrichtwerte entsprechen denen von Kalksandstein.

Geliefert wird auf Euro­paletten unter diffusionsoffener Folie; trocken gelagert, sind sie unbegrenzt haltbar. Die Paletten dürfen nicht gestapelt werden, das braucht Platz auf der Baustelle.

Ob eine Wand die Umweltbilanz eines Gebäudes verbessert, zeigt erst die Berechnung im Projekt. Relevant dafür: Die Steine werden formgepresst, nicht gebrannt, und die Wand kommt ohne Stoß­fugen­mörtel aus. Wird das Mauerwerk getrennt von anderen Baustoffen wie Dämmung oder Bekleidung zurückgebaut, kann der Lehm erneut aufbereitet werden. Weitere Infos in der Produktinformation.

Im Einsatz: Reallabor-Projekt „Kleiner Wohnen@Land“

Wie das System im Wohnungsbau eingesetzt wird, zeigt ein Pro­jekt in Redwitz an der Rodach. Die Gemeinde und die RAAB Bau­gesellschaft haben es gemeinsam entwickelt. Mit der Hoch­schule Coburg werden dort in mehreren Gebäudeclustern mit unter­schied­lichen Baustoffkonzepten Formen genossenschaftlichen Wohnens erprobt. Für das Lehm-Cluster liefert KIMM als System­hersteller die tra­gen­den Wände. Das Cluster umfasst drei zwei­ge­schossige Wohn­häuser mit 24 cm dicken Außenwänden aus Conclay-Steinen im Format 8DF.

Witterungsschutz von der Rohbauphase bis zur Fassade

Conclay-Steine gehören zur Anwendungsklasse II. Sie dürfen nur in Außenmauerwerk eingesetzt werden, das konstruktiv witte­rungsgeschützt ist. Was konstruktiver Feuchteschutz konkret be­deu­tet, beschreibt DIN 18940 in Abschnitt 6.10. Die Zulassung schreibt diese Vorgaben ausdrücklich vor. Im Reallabor-Projekt wurde das in jeder Bau­phase berücksichtigt. Am Wandfuß besteht die unterste Steinlage aus Ziegeln, die Lehmsteine beginnen erst darüber. Während des Rohbaus wurden Mauerwerk und Stein­paletten mit Folien ab­ge­deckt. Fertige Geschosse wurden mit einer Fas­sa­den­bahn ge­schlos­sen, während darüber noch gemauert wurde. Im fertigen Zustand liegen die Lehmwände nicht frei: Laut Planunterlagen erhalten die Häuser eine vertikal gegliederte Fassadenbekleidung.

Fünf Punkte für Ihre Planung

1.

Witterungsschutz: Schutzkonzept für Bauphase und End­zustand festlegen. Die Zulassung fordert konstruktiven Feuchteschutz nach DIN 18940, Abschnitt 6.10.

2.

Druckfestigkeit: Die Zulassung umfasst die Festigkeits­klassen 3 und 4. Je nach Klasse sind 1,7 bzw. 2,0 N/mm² (Nutzungsklasse 1) und 1,1 bzw. 1,3 N/mm² (Nutzungsklasse 2) ansetzbar. Lieferbare Klasse beim Hersteller erfragen.

3.

Brandschutz: 24-cm-Wände erreichen F 30-AB. Voraussetzung sind ein Ausnutzungsfaktor ≤ 0,70 und innen mindestens 15 mm faserbewehrter Lehmputz.

4.

Wärmeschutz: Mit λR = 1,3 W/(mK) ist eine zusätzliche Dämmebene einzuplanen.

5.

Gültigkeit: Die Zulassung gilt nur mit „maxit mur 900 clay“ und bis zum 18.11.2027. Der Bescheid muss auf der Baustelle vorliegen.

▶ Formate und technische Daten: www.lehmbaustoffe‑conclay.de

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