Ein Wärmedämm-Verbundsystem kann Bestandsfassaden energetisch, optisch und dauerhaft aufwerten. Voraussetzung ist eine sorgfältige Bestandsanalyse: Feuchte, Risse, Tragfähigkeit, Anschlüsse und vorhandene Altsysteme bestimmen, welches WDVS technisch sinnvoll ist. Mit der passenden Systemwahl und fachgerecht geplanten Details wird aus der Fassadensanierung eine nachhaltige Lösung für Energieeffizienz, Werterhalt und Gestaltung.

WDVS als Lösung für die Fassadensanierung

Brillux bietet für die Sanierung im Bestand keine einzelne „Altbau-Linie“, sondern einen Systembaukasten:

EPS für wirtschaftliche Standardfälle

PUR bei engem Platz

Mineralwolle bei hohen Brandschutzanforderungen

zugelassene Lösung zur Aufdopplung vorhandener WDVS

Entscheidend sind vorab Untergrundprüfung, Zustand eines etwaigen Altsystems, Brandschutz, Anschlussdetails und die gewünschte Dämmwirkung.

Wichtig

Ein WDVS kann eine instand gesetzte Fassade energetisch und dauerhaft ertüchtigen. Es ist jedoch keine Sanierungsmethode für ungeklärte Feuchteursachen oder aktive Bauwerksrisse. Die Qualität der Untergrunddiagnose und der Detailplanung ist im Bestand maßgeblich für die Dauerhaftigkeit der Maßnahme.

Welches System eignet sich für welchen Anwendungsfall?

Anwendungsfall im Bestand

Geeignete Brillux Systeme

Warum diese Wahl naheliegt

Wichtige Prüf- und Planungspunkte

Standard-Fassadensanierung mit ausreichendem Platz für Dämmung

EPS Prime

Wirtschaftliche und vielseitige Lösung für typische Wohngebäude und Fassadenflächen.

Untergrundtragfähigkeit, Ziel-U-Wert, notwendige Dämmstoffdicke, Brandschutzdetails sowie Anschlüsse an Fenster, Dach und Sockel prüfen.

Unebene Altbaufassade; rationelle und saubere Verarbeitung gewünscht

EPS Qju

Das System mit Klebeschaum eignet sich insbesondere für einen effizienten Bauablauf und kann bei entsprechend vorbereitetem Untergrund auch auf unebenen Altbauuntergründen eingesetzt werden.

Unebenheiten, lose Putzschichten, Risse und Feuchteursachen vorher beurteilen und beseitigen. Der Untergrund muss trotz Klebeschaum tragfähig und systemgerecht vorbereitet sein.

Begrenzte Aufbauhöhe, etwa an Grundstücksgrenze oder unter knappem Dachüberstand

PUR Smart

PUR ermöglicht bei geringer Dämmstoffdicke eine hohe Dämmleistung.

Kollisionen mit Fensterbänken, Dachüberständen, Balkonen, Fallrohren, Vordächern und Außenbauteilen planen; Mehrkosten gegenüber EPS gegen den gewonnenen Platz abwägen.

Begrenzte Aufbauhöhe und zugleich schneller, leichter Bauablauf

PUR Qju

Kombiniert die platzsparende PUR-Dämmung mit der Qju-Verarbeitung.

Kritische Anschlussdetails besonders sorgfältig planen; Wärmebrücken an Laibungen, Deckenrändern und Befestigungspunkten vermeiden.

Erhöhte Brandschutzanforderungen, z. B. bei größeren oder höheren Gebäuden

MW Top

Mineralwolle ist nicht brennbar und für anspruchsvolle Brandschutzsituationen geeignet.

Gebäudehöhe, Gebäudeklasse, Nutzung, Gebäudestandort und die jeweils geltenden bauordnungsrechtlichen Vorgaben berücksichtigen. Befestigung, Windlast, Gewicht des Systems und erforderliche Brandriegel nachweisen.

Nichtbrennbare Fassade mit besonderem Nachhaltigkeitsanspruch

MW Ecotop

Mineralwolle-System mit ökologischem Schwerpunkt; laut Brillux erfüllt es Kriterien des Blauen Engels.

Neben Brandschutz und Befestigung auch projektspezifische Nachhaltigkeitsanforderungen, Ausschreibungskriterien und Nachweispflichten prüfen.

Vorhandenes WDVS ist technisch intakt, aber energetisch nicht mehr ausreichend

Aufdopplung mit EPS Prime oder MW Top

Bestehendes WDVS kann unter bestimmten Voraussetzungen erhalten und durch ein neues System ergänzt werden.

Vorher zwingend Bestandsprüfung: Haftung, Hohlstellen, Risse, Durchfeuchtung, vorhandene Befestigung, Brandriegel und Tragfähigkeit des Untergrunds. Aufdopplung nur im Rahmen der zugelassenen Systemlösung.

Fassade mit Feuchte-, Putz- oder Schadensproblemen

Zunächst kein WDVS-System auswählen; nach Instandsetzung z. B. EPS, PUR oder MW

Ein WDVS darf Schäden und Feuchteursachen nicht verdecken.

Ursache klären: aufsteigende Feuchte, defekte Abdichtung, Dach-/Rinnenleckagen, Risse, Salzbelastung oder Schlagregen. Erst sanieren und einen trockenen, tragfähigen Untergrund herstellen.

Empfindlicher Sockel- und Spritzwasserbereich

WDVS der Hauptfassade plus passender Sockel-/Perimeteraufbau

Der Sockel ist mechanisch und durch Feuchte deutlich stärker beansprucht als die übrige Fassade.

Abdichtung, Geländeanschluss, Spritzwasserzone, Perimeterdämmung und robuste Beschichtung separat planen; kein normaler Fassadenaufbau im erdberührten Bereich.

Sanierung mit gestalterischen oder denkmalpflegerischen Anforderungen

Je nach Dämmziel und Brandschutz: EPS Prime, PUR Smart oder MW Top

Die Systemwahl richtet sich zusätzlich nach der gewünschten Putzstruktur, Farbtiefe, Gliederung und den konstruktiven Details.

Zustimmung der Denkmalbehörde bzw. Vorgaben aus Gestaltungssatzung früh einholen; Laibungen, Gesimse und historische Fassadenelemente detailliert planen.

Bewertung des Bestandes

Unabhängige Auswahlkriterien

Unabhängig vom Anwendungsfall sollten vor der endgültigen Systementscheidung mindestens diese Punkte geklärt werden:

Bestandsaufnahme: Wandaufbau, Putzhaftung, Feuchte, Risse, Algenbefall und vorhandene Beschichtungen.

Energetisches Ziel: erforderlicher U-Wert, gewünschte Dämmstoffdicke, Förderfähigkeit und Wirtschaftlichkeit.

Brandschutz: Gebäudeklasse, Gebäudehöhe, Nutzung und erforderliche Systemdetails.

Anschlüsse: Fensterlaibungen, Fensterbänke, Sockel, Dachüberstände, Balkone, Leitungen und Befestigungselemente.

Befestigung: Untergrund, Windlast, Dübelart und Dübelmenge – besonders wichtig bei Altputz, Mischmauerwerk und Aufdopplungen.

Feuchteschutz: Schlagregenbeanspruchung, Sockelabdichtung, vorhandene Baufeuchte und dauerhaft funktionierende Entwässerung.

Gestaltung: Oberputz, Farbton, Fassadengliederung sowie mögliche Einschränkungen durch Denkmalschutz oder örtliche Vorgaben.

Welche Prüfungen braucht der Untergrund?

Leitfragen vor der Untergrundprüfung

Die Prüfung des Untergrunds sollte vor der Systemwahl, Ausschreibung und Montage erfolgen.

ist die Fassade für WDVS geeignet

ist eine Vorbehandlung erforderlich, wenn ja welche

ist eine Verklebung ausreichend oder ist zusätzliche Verdübelung nötig

ist bei einem vorhandenen WDVS – eine Aufdopplung möglich

Prüfmatrix für Bestandsfassaden

Prüffeld

Was ist zu prüfen?

Geeignete Prüf- und Erhebungsmethode

Bewertung / mögliche Konsequenz

Untergrundart und Wandaufbau

Mauerwerk, Beton, vorhandener Putz, Beschichtung, Bekleidung, altes WDVS; Wanddicke und bekannte Umbauten

Bestandsunterlagen auswerten, Sichtprüfung, ggf. Öffnungen bzw. Sondagen anlegen

Der Wandaufbau entscheidet über WDVS-System, Kleber, Dübeltyp und Befestigungskonzept. Unklare Schichten müssen vorab erkundet werden.

Tragfähigkeit der Oberfläche

Ob Putz, Altbeschichtung oder Betonoberfläche fest mit dem Untergrund verbunden sind

Gitterschnitt-/Kratzprobe bei Beschichtungen, Klopfprobe, Abreiß- bzw. Haftzugprüfung bei kritischen Flächen

Lose, kreidende, absandende oder abplatzende Schichten entfernen. Ist der Putz nicht tragfähig, reicht ein WDVS nicht als „Überdeckung“ – der Untergrund muss instand gesetzt oder zurückgebaut werden.

Haftung für die Verklebung

Ob der gewählte Kleber sicher auf dem vorhandenen Untergrund haftet

Probefläche bzw. Probe-Armierungslage; bei Bedarf Haftzugprüfung

Bei unzureichender Haftung: geeignete Grundierung, mechanische Befestigung, Untergrundsanierung oder Systemwechsel.

Feuchte und Durchfeuchtung

Schlagregenfeuchte, Durchfeuchtung des Mauerwerks, Leckagen, aufsteigende Feuchte, hygroskopische Salze

Sichtprüfung, Feuchtemessung als Orientierung, Sondagen; Prüfung von Dach, Fallrohren, Fensteranschlüssen, Sockelabdichtung und Geländeanschluss

Stark durchfeuchtete Untergründe dürfen nicht überdämmt werden. Ursache beseitigen, Bauteil trocknen lassen und Sockel-/Abdichtungskonzept prüfen. Der Untergrund darf vor Beginn nicht stark – etwa durch Schlagregen – durchfeuchtet sein.

Risse und Bewegungen

Putzrisse, Mauerwerksrisse, Setzungsrisse, Fugen, Bewegungs- und Dehnfugen

Kartierung und Dokumentation der Risse; bei unklaren bzw. dynamischen Rissen: fachplanerische Beurteilung und ggf. Rissmonitoring

Starre bzw. konstruktive Risse dürfen nicht einfach überarbeitet werden. Ursache klären und sanieren; vorhandene Bauwerksfugen müssen im WDVS systemgerecht übernommen werden.

Ebenheit und Geometrie

Ausbuchtungen, Unebenheiten, Versätze, schiefe Laibungen, fehlende Fluchten

Messlatte, Richtscheit, Schnurgerüst, Aufmaß an Fassadenflächen sowie Fenster- und Türöffnungen

Große Unebenheiten vorab ausgleichen oder bei der Wahl des Systems berücksichtigen. Auch bei Qju-Systemen bleibt ein tragfähiger, ausreichend vorbereiteter Untergrund erforderlich.

Sauberkeit und haftungsstörende Stoffe

Staub, Schmutz, Ruß, Öl, Schalöl, Trennmittel, Ausblühungen, Algen, Moose, alte nicht tragfähige Anstriche

Sichtprüfung, Wischprobe, ggf. Laboranalyse bei unbekannten Belastungen

Reinigen, entfetten, mechanisch entfernen oder fachgerecht behandeln.

Biologischer Befall

Algen, Pilze, Moose, mikrobieller Bewuchs

Sichtprüfung, insbesondere auf Nord- und Wetterseiten sowie in Bereichen mit geringer Austrocknung

Befall fachgerecht entfernen; die Feuchteursache prüfen, etwa defekte Entwässerung, Spritzwasser oder unzureichende Lüftung. Keine Dämmung auf aktiv befallenem, feuchtem Untergrund aufbringen.

Salzbelastung und geschädigter Putz

Ausblühungen, abplatzender Putz, feuchtebedingte Versalzung – vor allem im Sockel

Sichtprüfung, Klopfprobe, bei Verdacht Material-/Salzanalyse

Ursache der Durchfeuchtung zuerst beseitigen. Geschädigte Putzbereiche entfernen und mit geeignetem Sanierungs- bzw. Sockelaufbau neu herstellen.

Befestigungsgrund für Dübel

Festigkeit und Schichtdicke des tragenden Wandbaustoffs; Hohlräume, Lochstein, Altputzdicken, schwache Fugen

Probebohrungen, Auszugsversuche mit vorgesehenem Dübel; Bauteilöffnung bei unklarer Konstruktion

Dübeltyp, Verankerungstiefe und Dübelanzahl werden objektbezogen festgelegt. Bei verdübelten Systemen ist die Ermittlung von Windlast und Tragfähigkeit des Untergrunds für den gewählten Dübeltyp notwendig.

Windlast und Fassadenzonen

Gebäudehöhe, Lage, Gebäudeecken, Randbereiche, exponierte Fassadenflächen

Windlastberechnung bzw. objektbezogene Befestigungsplanung

Die Ergebnisse beeinflussen Dübelanzahl, Dübelraster und gegebenenfalls die Systemwahl. Rand- und Eckbereiche sind meist stärker zu befestigen.

Vorhandenes WDVS

Material, Dämmstoffdicke, Befestigung, Putzschäden, Hohlstellen, Feuchte, Brandriegel und Anschlüsse

Bestandsunterlagen, Klopfprobe, Sondagen, ggf. Zugversuche und Öffnungen bis in den tragenden Untergrund

Vor einer Aufdopplung ist eine besonders gründliche Beurteilung nötig. Bei Hohlstellen, Durchfeuchtung, unklarer Befestigung oder gravierenden Schäden ist ein Rückbau bzw. eine Teilinstandsetzung zu prüfen.

Sockel und erdberührte Bereiche

Abdichtung, Spritzwasserzone, Geländeanschluss, Perimeterdämmung, Salz- und Frostschäden

Sichtprüfung, Sondage am Geländeanschluss, Prüfung von Entwässerung und Abdichtung

Normaler Fassadenaufbau ist im erdberührten bzw. stark feuchtebeanspruchten Bereich nicht ausreichend. Sockelabdichtung und geeignete Sockel-/Perimeterdämmung separat planen.

Anschlüsse und Einbauten

Fenster, Türen, Fensterbänke, Rollläden, Dachüberstände, Balkone, Fallrohre, Leitungen, Markisen, Vordächer und Blitzschutz

Bestandsaufmaß, Fotodokumentation, Detailplanung

Die zusätzliche Dämmstoffdicke kann Anschlüsse und Befestigungen verändern. Vor Ausführung müssen die Details, erforderliche Verlängerungen und Montageelemente feststehen.

Besondere Schadstoffe / problematische Altbeschichtungen

Beispielsweise belastete Beschichtungen, unbekannte Fassadenplatten oder spezielle Altmaterialien

Baualtersanalyse, Sichtung vorhandener Unterlagen, bei Verdacht fachkundige Probenahme

Bei Schadstoffverdacht Arbeiten stoppen bzw. nur nach fachlicher Untersuchung und Schutzkonzept fortsetzen. Das ist insbesondere vor Schleif-, Fräs- oder Rückbauarbeiten wichtig.

Kann ich auf Altputz oder Bestandsfassaden direkt ein WDVS aufbringen?

Für Gebäude, die bereits ein altes WDVS haben, stellt Brillux eine Zulassung zur Aufdopplung bereit. Dabei wird ein neues EPS-Prime- oder MW-Top-System auf das bestehende System geklebt und mit zugelassenen Dübeln im tragenden Wanduntergrund befestigt.

Eine Aufdopplung ist nur innerhalb der zugelassenen Systemlösung und nach fachkundiger Prüfung von Zustand, Standsicherheit und Tragfähigkeit des Altsystems zulässig. Art, Anzahl und Verankerung der Dübel sind objektbezogen festzulegen.

Die allgemeine Bauartgenehmigung gilt für die Aufdopplung der Systeme EPS Prime und MW Top auf bestehende WDVS oder Holzwolle-Leichtbauplatten. Das ersetzt ausdrücklich nicht die objektspezifische Prüfung und gegebenenfalls erforderliche Genehmigungen.

Allgemeine Bauartgenehmigung Z-33.49-1117 zur Aufdopplung der Wärmedämmverbundsysteme (WDVS) EPS Prime und MW Top

Was passiert, wenn der Bestand bereits feuchtebelastet oder rissig ist?

Der erste Schritt ist die bauphysikalische und konstruktive Ursachenklärung.

Feuchte und Risse dürfen nicht lediglich überdeckt werden: Sie können die Haftung des Systems beeinträchtigen, zu weiteren Schäden im Wandaufbau führen und im Extremfall die Dauerhaftigkeit sowie die Standsicherheit der Fassadenbekleidung gefährden.

Bei Feuchtebelastung

Vor der Dämmmaßnahme muss unterschieden werden, ob es sich um temporäre Oberflächenfeuchte oder um eine dauerhafte bzw. konstruktiv bedingte Durchfeuchtung handelt:

Temporäre Feuchte, etwa nach Schlagregen, verlangt eine ausreichende Austrocknung vor Beginn der Arbeiten. Brillux fordert für WDVS einen Untergrund, der unter anderem trocken, fest, standsicher und tragfähig ist.

Dauerhafte Feuchte – beispielsweise durch defekte Dachentwässerung, undichte Fensteranschlüsse, mangelhafte Sockelabdichtung, aufsteigende Feuchte oder Risse mit Wassereintritt – muss zunächst an der Ursache saniert werden.

Versalzter oder geschädigter Sockelputz ist in der Regel zurückzubauen und mit einem abgestimmten Abdichtungs- und Sockelaufbau neu herzustellen. Im Spritzwasser- und erdberührten Bereich reicht ein normaler Fassadenaufbau nicht aus.

Bei lang anhaltend feuchtebelasteten Fassadenflächen besteht ein erhöhtes Risiko für Algen- und Pilzbefall. Die Konstruktion sollte daher so geplant werden, dass Wasser sicher abgeführt wird und die Fassade ausreichend abtrocknen kann.

Wie ist mit Rissen umzugehen?

Risse sind zunächst nach Art, Ursache und Bewegungsverhalten zu bewerten:

Feine, ruhende Putzrisse

Häufig oberflächlicher Putzschaden

Lose oder nicht tragfähige Bereiche entfernen, Untergrund instand setzen und die Armierung systemgerecht ausführen.

Netz-, Schrumpf- oder Haarrisse

Oft putzbedingt; Ursache dennoch prüfen

Je nach Zustand kann eine Überarbeitung bzw. zusätzliche Armierung möglich sein – jedoch nur auf tragfähigem, trockenem Untergrund.

Breitere, durchgehende oder wiederkehrende Risse

Möglicher Hinweis auf Bauwerksbewegungen, Setzungen oder konstruktive Mängel

Ursache durch Fachplanung klären; Riss nicht einfach überdämmen. Gegebenenfalls statische bzw. konstruktive Sanierung und Rissmonitoring erforderlich.

Bewegungs- und Dehnfugen

Planmäßige Bauwerksfugen

Im WDVS konstruktiv übernehmen; sie dürfen nicht starr überarbeitet werden. Das Brillux-System EPS Prime kann beispielsweise zur Überbrückung bestimmter Dehnungsfugen in Außenwandflächen eingesetzt werden – die konkrete Systemvorgabe ist jedoch entscheidend.

Anwendungsbeispiel Sanierung einer 104 Jahre alten Villa

Fassadensanierung mit WDVS EPS Qju

Die mehr als 100 Jahre alte Villa wurde bis auf die Grundmauern modernisiert und energetisch auf KfW-Niveau gebracht. Für die unebene Fassade kam das WDVS EPS Qju zum Einsatz. Der Qju Klebeschaum 3700 wirkt untergrundneutral. Der gesamte Systemaufbau schützt die Altbausubstanz.

Im weiteren Aufbau machen der Silicon-Putz KR K2 3649 und die Siliconharz-Fassadenfarbe Secolux 918 die Fassade wetterfest und langlebig. Helle Grau- und Cremetöne setzen die Details – angelehnt an das historische Original – optisch in Szene und betonen Fenstertaschen, Sockel und Ecken.

Planungsfragen kompakt

Wann ist die Aufdopplung eines vorhandenen WDVS sinnvoll und wann ist Rückbau erforderlich?

Die Aufdopplung ist eine geregelte Bauart nach DIBt-aBG Z-33.49-1505 und setzt voraus, dass Art, Zustand, Standsicherheit und Tragfähigkeit des Altsystems geprüft und für geeignet befunden werden. Rückbau ist erforderlich, wenn das Alt-WDVS lose, schadhaft, feuchtebelastet oder in seiner Zusammensetzung unklar ist.

Für die Brillux-Systeme EPS Prime und MW Top gilt die allgemeine Bauartgenehmigung Z-33.49-1117

Nach welchen Kriterien wird der Dämmstoff bei einer WDVS-Sanierung im Bestand gewählt?

Die Dämmstoffwahl ist eine Systementscheidung: WDVS-Komponenten dürfen nur in der zugelassenen Kombination verwendet werden. Maßgebliche Auswahlkriterien sind bauordnungs- und brandschutzrechtliche Anforderungen nach Gebäudeklasse, Untergrundeignung und -ebenheit, Feuchte- und Schlagregenbeanspruchung, verfügbare Dämmdicke an Anschlüssen sowie die geforderte Robustheit.

Welche Anschlussdetails entscheiden bei einem Sanierungs-WDVS über die Schadensfreiheit?

Die größten Planungsrisiken liegen an den Unterbrechungen der Dämmebene – Fensterposition, Laibung, Fensterbank, Rollladen- und Raffstorekästen, Dachrand, Balkonanschluss sowie definierte Befestigungspunkte für Markisen, Klimageräte oder Leuchten. Diese Details müssen vor der Ausschreibung festgelegt und wärmebrückenarm ausgebildet werden.

Wie ist der Sockelbereich bei einem Sanierungs-WDVS fachgerecht auszuführen?

Der Sockel erfordert ein eigenständiges Detail mit aufeinander abgestimmtem Geländeanschluss, Bauwerksabdichtung nach DIN 18533-1 mindestens 30 cm über Geländeoberkante, Spritzwasserschutz, Perimeterdämmung und geeigneter Sockeloberfläche. Geländeanschluss, Feuchteschutz und Sockelputz müssen als zusammenhängendes Detail geplant werden, um Durchfeuchtung und Abplatzungen zu vermeiden.

Kann ein WDVS auf feuchtes Bestandsmauerwerk aufgebracht werden?

Ein WDVS ersetzt keine Ursachenbeseitigung. Bei feuchtem Mauerwerk muss zunächst geklärt werden, ob aufsteigende Feuchte, Schlagregen, undichte Anschlüsse oder eine fehlende Horizontalabdichtung vorliegen. Erst nach Sanierung der Feuchteursache kann ein geeignetes Dämm- und Detailkonzept festgelegt werden.

Wann reicht eine partielle Reparatur am WDVS aus und wann ist eine systemische Sanierung nötig?

Risse, Hohllagen oder zu geringe Putzdicken sind nicht automatisch nur optische Mängel. Eine systemische Sanierung ist näherliegend, wenn Schäden wiederkehrend an Plattenstößen, Laibungen oder Fensterbänken auftreten, Feuchte oder Hohllagen hinzukommen oder Schichtdicken die Systemvorgaben erkennbar verfehlen.

Wie lässt sich Algen- und Pilzbewuchs auf sanierten WDVS-Fassaden planerisch reduzieren?

Algen- und Pilzbewuchs ist in erster Linie ein Feuchte- und Oberflächenproblem. Er beeinträchtigt meist die Optik, kann aber auf eine erhöhte Feuchtebelastung und ungünstige Austrocknungsbedingungen hinweisen.

Planerisch wirksamer als Biozide sind konstruktive Maßnahmen wie Tropfkanten, Dachüberstände, gezielte Wasserführung und die Wahl geeigneter Putz- und Beschichtungssysteme.

Wie koordiniere ich Fenstererneuerung und Fassadensanierung sinnvoll?

Fenstererneuerung und WDVS-Sanierung sollten als zusammenhängende Maßnahme geplant werden, da die Fensterposition in der Dämmebene, Laibungsdämmung, Anschlussfolien und Fensterbankdetails nur bei gleichzeitiger Ausführung wärmebrückenfrei und luftdicht gelöst werden können. Werden Fenster vorab ohne Kenntnis des späteren Dämmaufbaus getauscht, entstehen häufig zu geringe Laibungstiefen, fehlende Überdämmung des Blendrahmens oder nicht anschließbare Abdichtungsebenen, die nachträglich nur mit erheblichem Aufwand korrigierbar sind.

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