Heinze ArchitekturAWARD 2026: Teilnehmer
Umbau & Sanierung des ehem. Kaufhauses "Josephkonsum" in Leipzig
Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: Blässe Laser Architekten bla°
Basisdaten zum Objekt
Lage des Objektes
04229 Leipzig, Deutschland
Objektkategorie
Objektart
Art der Baumaßnahme
Sanierung / Modernisierung
Fertigstellungstermin
01.2026
Zeichnungen und Unterlagen
Projektbeteiligte Firmen und Personen
Verwendete Produkte
Gebäudedaten
Bauweise
Mauerwerksbau
Tragwerkskonstruktion
Stahlbeton
Anzahl der Vollgeschosse
3- bis 5-geschossig
Raummaße und Flächen
Bruttorauminhalt
23.212 m³
Bruttogrundfläche
6.608 m²
Nutzfläche
5.504 m²
Verkehrsfläche
270 m²
Grundstücksgröße
1.770 m²
Kosten
Veranschlagte Rohbaukosten des Bauwerks
2.222.550 Euro
Gesamtkosten der Maßnahme (ohne Grundstück)
13.082.560 Euro
Beschreibung
Objektbeschreibung
1912 eröffnete der Konsum-Verein Leipzig Plagwitz das Geschäftshaus Karl-Heine-Straße 46. Der Rufname „Josephkonsum“ erklärt sich aus den Erweiterungen 1913 und 1929/30 in die Josephstraße hinein. Der Gebäudeentwurf stammt vom Leipziger Architekten Emil Franz Hänsel, der unter anderem auch das Nachbargebäude der Schaubühne Lindenfels entworfen hat. Der Josephkonsum fungierte bis zu seiner Schließung 1992 als Kaufhaus und wurde danach zu einem Bürogebäude umgebaut. Seitdem beherbergte das Gebäude neben Einzelhandel und Gastronomie im Erdgeschoss eine Mischung an Büro- und Ateliernutzungen der Kreativbranche. Ziel war es, die Bausubstanz mit maximaler Achtung der vorhandenen Struktur und Typologie in ein halböffentliches Mietobjekt für neues Arbeiten zu überführen und dabei dem historischen Denkmal seine ehemalige Ausstrahlung zurückzugeben. Das Denkmal wird mit Geothermie und Heiz- und Kühldecken energieeffizient betrieben und erreicht den Standard KfW-Denkmal.
Der Josephkonsum wird in der Leipziger Denkmalliste geführt. Durch einen sensiblen handwerklich geprägten Umgang mit dem Bestand und dem achtsamen Umgang mit jedem Stein, Tür oder Knauf wird der Geist dieses Denkmals und dessen Atmosphäre verdichtet.
KONZEPT/ ENTWURF
Zur Rettung des wertvollen, stark überformten und auch in der Substanz stark geschädigten Bestandsgebäudes wurden ab 2017 im Rahmen einer integrierten Planung verschiedene Nutzungs- und Umbauszenarien erforscht. Über einem öffentlichen Erdgeschoss mit differenzierten Gastronomieangeboten stapeln sich auf fünf Ebenen insgesamt zehn Mieteinheiten für etwa 250 Personen. Nun stehen 5.240 m² Mietfläche für hybrides und vernetztes Arbeiten regionaler
Unternehmen aus der IT- oder Mobility-Branche zur Verfügung. Der stadtbekannte Josephpub im Erdgeschoss wurde während der gesamten Bauzeit im Betrieb gehalten.
Funktional sind alle Kommunikations- und Dialogbereiche wie beispielsweise Beratungszonen und Küchen hofseitig angeordnet und somit visuell vernetzt. Sinnbild dafür ist die zwei-Meter-große, schwebende Lichtkugel im Mittelpunkt des gemeinsam genutzten Hofes. Die offenen Arbeitsbereiche und vereinzelten Zellenbüros bilden einen äußeren, straßenseitigen Ring. Das vorgegebene Raster des Tragwerks wurde zur verbindlichen Schablone für den Entwurf. Größere bauliche Veränderungen betreffen das neue zentrale Foyer, eine Geschosserweiterung am mittleren Treppenhaus sowie eine Dachraumerweiterung im 5. Obergeschoss als Maisonette.
Beschreibung der Besonderheiten
Die Herausforderung bestand darin, das Gebäude als Denkmal langfristig in eine zeitgemäße Arbeitswelt mit den entsprechenden Ansprüchen an Flexibilität, Vernetzungsfähigkeit und Resilienz zu überführen. Gleichzeit galt es, das volle Potenzial an vorhandener Atmosphäre, an Bau- und Speichermasse und Raumreserve zu mobilisieren. Alle Gestaltungselemente wurden aus historischen Vorlagen u. restauratorischen Befunden mit Augenmaß interpretiert, ergänzt und neu zusammengefügt. So entstanden das neue Foyer und die Treppenhäuser in einem kräftigen Farb- u. Materialkonzept. Gemäß dem Reuse-Prinzip wurden historische Brandschutztüren als Raumabschlüsse aufgearbeitet und wiederverwendet.
Das bisher ungenutzte Mansarddach konnte für die Arbeitswelt gewonnen werden. Krönendes Element des Dachgeschosses ist ein neuer, verglaster Stirnbogen mit Ausblick über den Stadtteil Leipzig - Plagwitz. Den komplexen Ansprüchen zum Trotz trägt ein über 100 Jahre altes Gebäude zur nachhaltigen Dynamik eines ganzen Stadtteils und damit sichtbar zur Baukultur bei.
INNENRAUM
Im Innenraum zeigt sich ein Wechselspiel aus historischer Substanz und moderner Adaption. Gut erhaltene Details des Bestandes, wie beispielsweise die gründerzeitlichen Treppengeländer konnten zu neuem Glanz verholfen werden. Das über hundert Jahre alte Dachgebälk bestimmt eindrucksvoll den Büroraum des obersten Geschosses und lässt die Geschichte des Gebäudes auch
im Innenraum erlebbar werden. Die restlichen Räume prägt eine helle, ruhige Ästhetik mit den besonderen Qualitäten der großen historischen Fenster und des Bestandsbetonskeletts. Langlebige Materialien wie profilierte glasierte Feinsteinzeuge, unbehandeltes Messing, natürliche Eiche oder farbiges Linoleum ziehen sich durch das gesamte Gebäude.
ENERGIE
Die erste Prämisse bei der Entwicklung des energetischen Konzeptes war die Ausschöpfung der passiven Vorteile der Substanz wie Raumhöhen, Masse des Stahlbetonskelettes, Spannweiten oder solare Gewinnflächen der großen Fenster. Nachfolgend wurden bauliche Standards moderner Arbeitswelten kritisch hinterfragt: Über die Fassade mit wenigen Wandeinlässen wird dezentral Frischluft ein-
geführt. Dadurch konnte auf eine technische Lüftungsanlage (außer in der Gastronomie) verzichtet werden. Adaptiv auf die bauliche Struktur kamen Heiz-/Kühldecken zum Einsatz, die neben effizienten Systemtemperaturen auch zur Verbesserung des Schallschutzes beitragen und die thermische Speichermasse der Betondecken aktivieren. Das haustechnische Konzept kombiniert eine lärmoptimierte, mechanische Entlüftung mit Wärmerückgewinnung sowie ein hybrides Wärmesystem aus zwei Solewärmepumpen und Gas, das entstehende Abluftwärme effizient zur Versorgung und Regeneration nutzt.
Der Josephkonsum erreicht den Standard KfW-Denkmal.
Nachhaltigkeit
Der innerstädtisch, an einer stark befahrenen Karl-Heine-Straße in Leipzig gelegene, denkmalgeschützte Gebäudekomplex des Josephkonsums wurde grundlegend – auch energetisch - saniert. Das ab ca. 1900 in mehreren Bauabschnitten als Kaufhaus errichtete Gebäude wird in Zukunft für Büro- und Gastronomiezwecke genutzt. Die Sanierung, inkl. deren energetischer Komponenten, muss diesen grundsätzlich anderen Nutzungsrandbedingungen gerecht werden. Von besonderer Bedeutung ist dabei die Belüftung, die Verbesserung des inneren und äußeren Schallschutzes und die Sicherung des sommerlichen Wärmeschutzes. Andererseits sollte die historische Gebäudestruktur möglichst weitgehend erhalten und erlebbar bleiben.
Das als Massivbau mit Ziegelaußenwänden und in diese einbindende, auf Betonstützen gelagerte Betondecken errichtete Gebäude ist komplett unterkellert. Es hat größere Verglasungsanteile die im Zuge der Sanierung mit neuen, denkmalgerechten Fenstern versehen wurden. Es kamen 2-Scheiben-Wärmeschutzverglasungen zum Einsatz, wobei der g-Wert und die Lichttransmission der Verglasungen mit Blick auf Belange des Denkmalschutzes, des sommerlichen Wärmeschutzes und der Tageslichtversorgung abgestimmt wurde. Nur die straßenseitig orientierten Süd-Fenster zur Straße konnten in den Obergeschossen außenliegende Sonnenschutzanlagen erhalten. Für die übrigen Fenster konnte nur auf innenliegende Sonnenschutzanlagen zurückgegriffen werden.
Zur dämmtechnischen Verbesserung der Außenhülle wurden darüber hinaus die Außenwände überwiegend mit Innendämmputz versehen, die Dächer im Zuge der Neudeckung bzw. Abdichtung neu gedämmt und die Kellerdecke unterseitig mit Dämmung bekleidet. Die mittleren U-Werte der thermischen Hülle sind damit besser als vom GEG für ein saniertes Bestandsgebäude nach § 51 (Gesamtbilanz) gefordert, erreichen aber keinen Neubaustandard.
Auf Grund der gegebenen Konstruktion des Gebäudes wurden Heiz/Kühldecken installiert. Diese ermöglichen nicht nur effiziente Systemtemperaturen für das Heizungs- und Kühlsystem. Sie dienen darüber hinaus auch der Verbesserung des inneren Schallschutzes. Die Speichermasse der Betondecken ist oberseitig nicht vom Raumvolumen entkoppelt und wird indirekt über die Heiz-/Kühldecken aktiviert.
Eine ausschließlich freie Lüftung über Fenster ist auf Grund der Außenschallsituation nicht möglich. Vor diesem Hintergrund wurde eine Abluftanlage mit Nachströmung über schalldämmende Außenluft-durchlässe im Bereich der Fensterbrüstungen installiert. Die Luftführung der mechanischen Lüftung reduziert sich damit im Gebäude stark auf die innenliegenden Bereiche (Sanitär, Flur etc.), wo die Abluft abgesaugt wird. Nur in den Gastronimiebereichen kommen Zuluft-/Abluftanlagen mit Wärmerückge-winnung zum Einsatz. Die Lüftungsanlagen werden auch zur Nachtauskühlung im Sommer genutzt.
Die Wärmebereitstellung erfolgt über eine bivalent mit einem Gas-Brennwertkessel betriebene Sole-Wärmepumpenanlge. Die Bereitstellung der Kälte erfolgt überwiegend passiv über das Solefeld der Wärmepumpenanlage und dient damit der saisonalen Regeneration des Solefeldes. Da das innerstädtische Grundstück nur ein begrenztes Potential für Sole-Bohrungen aufweist, wird die Abluft aus der Lüftungsanlage über Wärmetauscher in den Solekreislauf der Wärmepumenanlage eingebunden. Die so aus der Abluft entnommene Wärme wird sowohl als Quelle für eine direkte Heizungsunterstützung über die Wärmepumpe als auch zur Regeneration des Solefeldes genutzt.
Auszeichnungen
Veröffentlichung in der Bauwelt 12.2026 "Leipziger Versprechen"
Engere Wahl Sächsischer Staatspreis für Baukultur 2026
Schlagworte
Energetische Kennwerte
Energiestandard
Energetische Kennwerte
Primärenergie
Geothermie
Sekundärenergie
Gas
Energetische Kennwerte
Primärenergiebedarf ("Gesamtenergieeffizienz")
147,80 kWh/(m²a)
Heizenergieverbrauchswert
111,38 kWh/(m²a)
Stromverbrauchswert
16,94 kWh/(m²a)
Energiebedarf (Prozentuale Verteilung)
Heizung
86 %
Beleuchtung
9 %
Lüftung
4 %
Kühlung inkl. Befeuchtung
1 %
Objektdetails
Gebäudespezifische Merkmale
Anzahl Arbeitsplätze
250
Anzahl Stellplätze
15
Das Objekt im Internet
Objekte in der Umgebung
Ähnliche Objekte
- Umbau/ Sanierung Druckerei- und Magazingebäude und historische Feldscheunen in den Franckeschen Stiftungen Halle
- Evangelisches Augustinerkloster zu Erfurt - Wiederaufbau der historischen Bibliothek und der Waidhäuser
- Vom abgeriegelten Militärbau zum offenen Zukunftsort – Die Defensionskaserne auf dem Erfurter Petersberg
- Funkhaus 89.0 RTL, Halle
- Neumarkt Dresden, Neubau eines Geschäftshauses
- FEG Verwaltungsgebäude, Naila
- Licht als Baustoff - Neue Foyergestaltung mit innovativem Lighting Design, für die Semperlux AG, Berlin

