Heinze ArchitekturAWARD 2026: Teilnehmer
Revitalisierungspotenzial eines 70er-Jahre-Schulbaus - Nachhaltige Transformation der ehemaligen „Heidelberg Middle School“
Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: Technischen Universität Wien, Holzbau und Entwerfen im urbanen Raum, Kristin Heußer
Basisdaten zum Objekt
Lage des Objektes
Deutschland
Objektkategorie
Objektart
Art der Baumaßnahme
Entwurfskonzept
Fertigstellungstermin
11.2025
Zeichnungen und Unterlagen
Gebäudedaten
Bauweise
Holzbau
Tragwerkskonstruktion
Holz
Anzahl der Vollgeschosse
3- bis 5-geschossig
Beschreibung
Objektbeschreibung
Erhalt des Gebäudes vorsieht, favorisierte die Stadtplanung lange Zeit einen Abriss. Eine funktional und wirtschaftlich tragfähige Umnutzung wurde bislang kaum in Betracht gezogen. Angesichts der ökologischen Dringlichkeit im Bausektor – verantwortlich für ca. 40 % der globalen CO2-Emissionen – ist jedoch ein Umdenken hin zu ressourcenschonenden Strategien unumgänglich, insbesondere im Umgang mit Bestandsbauten.
Ziel dieser Diplomarbeit ist es, das Transformationspotenzial des Schulgebäudes aus den 1970er Jahren systematisch zu analysieren und nachhaltige, zukunftsfähige Lösungsansätze für eine Umnutzung zu entwickeln. Der Fokus liegt dabei auf dem Einsatz von Holz als nachwachsendem, CO2-bindendem Baustoff, der eine nahezu klimaneutrale Sanierung ermöglicht. Das Projekt untersucht zudem, wie moderne pädagogische und räumliche Konzepte in den bestehenden Baukörper integriert werden können, um eine zeitgemäße und dem Lernen förderliche Umgebung zu schaffen. Dabei steht die Frage im Zentrum, welche architektonischen Maßnahmen eine ressourceneffiziente und emissionsarme Umsetzung ermöglichen.
Das Projekt versteht sich als modellhafter Beitrag zum Diskurs um klimaneutrales Bauen und nachhaltige Bildungsarchitektur. Es zeigt exemplarisch auf, wie durch die Transformation von Bestandsbauten nicht nur ökologisch sinnvolle, sondern auch sozial und funktional zukunftsfähige Lösungen entwickelt werden können – über den Schulbau hinaus und überregional übertragbar.
Beschreibung der Besonderheiten
Das ehemalige Schulgebäude der „Heidelberg Middle School“ steht seit rund zehn Jahren leer. Vor dem Hintergrund der hohen CO₂-Emissionen im Bausektor verfolgt das Projekt das Ziel, das Transformationspotenzial des Bestands systematisch zu analysieren und eine nachhaltige, zukunftsfähige Umnutzung zu entwickeln. Im Fokus steht der Erhalt der bestehenden Struktur in Kombination mit einer ressourcenschonenden Weiterentwicklung.
Bestand und Tragstruktur
Das zweigeschossige Gebäude ist als Stahlbeton-Skelettbau in Fertigteilbauweise errichtet und befindet sich trotz punktueller kleiner Schäden in einem guten Zustand. Die vorhandene Tragstruktur bietet ausreichend Reserven für eine Aufstockung. Diese erfolgt in leichter Holzbauweise unter Beibehaltung des bestehenden Stützenrasters. Ergänzende Maßnahmen zur Aussteifung gewährleisten die statische Sicherheit.
Entwurfskonzept
Zentrales Entwurfselement ist eine durchgehende Mittelachse, die als räumliches und funktionales Rückgrat dient. Sie organisiert die Erschließung, schafft Orientierung und verbindet die verschiedenen Nutzungsbereiche.
Großzügige Lufträume fördern visuelle Bezüge und soziale Interaktion. Eine zentrale Treppe fungiert als kommunikativer Treffpunkt und erweitert die Erschließung um Aufenthaltsqualitäten.
Ein vorgelagertes Holzregal bildet eine neue Fassadenebene. Es übernimmt funktionale Aufgaben wie Sonnenschutz und Rettungsweg und schafft gleichzeitig zusätzliche Aufenthaltsbereiche.
Nutzungskonzept und Pädagogik
Das Gebäude wird als dreizügige Gemeinschaftsschule der Sekundarstufe I mit rund 800 Schüler:innen konzipiert. Das Raumprogramm basiert auf dem Cluster-Prinzip: Mehrere Klassenräume gruppieren sich um eine offene Lernmitte, die flexible und vielfältige Lernformen ermöglicht.
Offene Strukturen, visuelle Verbindungen und differenzierte Raumangebote fördern eigenständiges Lernen, soziale Interaktion und Identifikation mit dem Lernort. Das Erdgeschoss dient als öffentlich zugängliche Basis mit Mensa, Bibliothek und Veranstaltungsflächen und stärkt die Einbindung in das Quartier.
Städtebau und Freiraum
Der Entwurf stärkt die klare Zonierung des Quartiers und positioniert den Schulbau als zentralen Bestandteil eines Bildungscampus. Ein differenziertes Freiraumkonzept mit variierenden Platzsituationen, reduziertem Versiegelungsgrad und hohem Grünanteil schafft qualitätsvolle Aufenthaltsräume. Der Campus ist weitgehend autofrei und über ein attraktives Fuß- und Radwegenetz erschlossen.
Konstruktion und Gebäudehülle
Die Bestandsfassade wird durch eine vorgehängte, hochgedämmte Holzfassade ergänzt. Diese reduziert Wärmeverluste, minimiert Wärmebrücken und verbessert den sommerlichen Wärmeschutz. Die vorgefertigten Holzbauelemente ermöglichen eine effiziente Umsetzung und tragen zur Reduktion grauer Energie bei.
Energie- und Gebäudekonzept
Das Gebäude folgt einem Low-Tech-Ansatz. Eine natürliche Belüftung über den zentralen Luftraum nutzt den Kamineffekt und reduziert den Bedarf an mechanischer Technik. Heizung und Kühlung erfolgen über ein Fußbodensystem in Kombination mit Wärmepumpe und solarbetriebener Kühlung. Photovoltaik und Dachbegrünung unterstützen die energetische und ökologische Performance.
Materialkonzept
Das Materialkonzept verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz, der natürliche und nachhaltige Baustoffe in den Mittelpunkt stellt: In den Innenräumen kommen hochbelastbares Buchen-Industrieparkett, feinkörniger Lehmputz sowie Weißtanne für den Innenausbau zum Einsatz, wodurch ein gesundes Raumklima, eine helle Atmosphäre und eine harmonische Materialwirkung geschaffen werden. Die offen gestaltete Lernmitte wird durch einen gewachsten Lehm-Kasein-Boden sowie Sitzmöbel in pastellfarbenen Textilien ergänzt, die eine warme, einladende Umgebung mit ruhiger Lernatmosphäre fördern. Im Außenbereich sorgen Balkone und Fassaden aus regionaler Lärche für Witterungsbeständigkeit und ein freundliches Erscheinungsbild, während die Verwendung von Weißtanne und Lärche aus dem Nordschwarzwald kurze Transportwege ermöglicht und den CO₂-Fußabdruck des Gebäudes reduziert.
Fazit
Der Entwurf zeigt, dass die Transformation eines Bestandsgebäudes aus den 1970er Jahren eine nachhaltige und zukunftsfähige Alternative zum Neubau darstellt. Durch die Kombination aus strukturellem Erhalt, gezielter Ergänzung und integrativem Konzept entsteht ein ressourceneffizienter, pädagogisch zeitgemäßer Schulbau mit übertragbarem Modellcharakter.
Nachhaltigkeit
- Low-Tech-Gebäudekonzept mit natürlicher Lüftung (Kamineffekt)
- Reduktion mechanischer Lüftungssysteme
- Fußbodenheizung + -kühlung (effiziente Flächenverteilung)
- Wärmepumpe + Erdkollektor
- PV-Anlage (Ost-West)
- adaptive Sonnenschutzsysteme
- Nutzung von Speichermassen (Beton, Lehm)
Konsistenz
- Holzbau (Weißtanne, Lärche, Buche)
- Lehmputz + Lehm-Kasein-Boden
- Holzfaserdämmung
- natürliche Belüftung (statt Technik)
- begrünte Dächer + Retention
- Nutzung regionaler Materialien (Holz aus dem Nordschwarzwald)
- CO₂-reduzierte Baustoffwahl
Suffizienz
- Weiterbauen statt Abriss (Bestandserhalt)
- Nutzung vorhandener Tragstruktur
- kompakte Organisation über Cluster + Mittelachse
- multifunktionale Räume (Erdgeschoss öffentlich)
- Reduktion technischer Systeme (Low-Tech)
- weniger Versiegelung im Freiraum
Cradle to Cradle/ Kreislauf
- vorgefertigte Holzbauelemente (potenziell rückbaubar)
- natürliche Materialien (Lehm, Holz → kreislauffähig)
- sortenreine Materialien zum Großteil möglich
- Bestandserhalt statt Neubau (graue Energie bleibt erhalten)
Schlagworte
Objektdetails
Gebäudespezifische Merkmale
Anzahl Schüler
800
Das Objekt im Internet
Objekte in der Umgebung
Ähnliche Objekte
Beliebte Objekte
- Aula der David-Roentgen-Schule Neuwied
- Neubau der Grundschule 38, Erfurt OT Kerspleben
- Initiative Rising Star - Schulgebäude für Hopley, Simbabwe
- Oranje School - Eine neue Montessori Schule in Holland
- Berufliches Gymnasium, Bebra
- Zu- und Ersatzneubau für die STS Walddörfer, Hamburg
- Erweiterung Schulzentrum Haßfurt