Architekturobjekte
Heinze ArchitekturAWARD 2026: Teilnehmer
Ob dem Himmelreich
Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: B KRAUS Z
Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: B KRAUS Z
Basisdaten zum Objekt
Lage des Objektes
72074 Tübingen, Deutschland
Objektkategorie
Objektart
Art der Baumaßnahme
Sanierung / Modernisierung
Fertigstellungstermin
10.2022
Zeichnungen und Unterlagen
Projektbeteiligte Firmen und Personen
Verwendete Produkte
Gebäudedaten
Bauweise
Mauerwerksbau
Tragwerkskonstruktion
Holz
Anzahl der Vollgeschosse
3- bis 5-geschossig
Raummaße und Flächen
Bruttogrundfläche
1.090 m²
Nutzfläche
810 m²
Wohnfläche
755 m²
Beschreibung
Objektbeschreibung
Ausgangspunkt war ein über Jahrzehnte hinweg mehrfach verändertes Gebäude, dessen historische Raum- und Nutzungsstrukturen teilweise überlagert worden waren. Ziel der Maßnahme war die behutsame Wiederannäherung an die räumlichen Qualitäten des Ursprungszustands, ohne die Spuren seiner Entwicklung zu negieren. In enger Abstimmung mit der Denkmalpflege wurden spätere Einbauten überprüft, reversible Lösungen entwickelt und die historische Substanz restauratorisch begleitet gesichert. Die Transformation versteht den Bestand dabei als vielschichtige, über die Zeit gewachsene Struktur, deren unterschiedliche Zeitschichten erhalten, freigelegt und weitergeschrieben werden.
Das Gebäude ist als Massivbau mit tragenden Mauerwerkswänden, Holzbalkendecken und traditionellem Holzdachstuhl errichtet. Die bestehende Tragstruktur wurde weitgehend erhalten und lediglich punktuell ergänzt. Der Erhalt dieser konstruktiven Substanz bildete eine wesentliche Grundlage für die ressourcenschonende und zukunftsfähige Weiterentwicklung des Hauses.
Ein wesentlicher Schwerpunkt lag auf der Wiederherstellung und Stärkung der ursprünglichen Raumzusammenhänge. Im Atelier wurden spätere Einbauten zurückgebaut und die charakteristische Raumgeometrie wiederhergestellt. Im Wohnhaus blieb die historische Grundstruktur weitgehend erhalten und wurde durch wenige präzise Eingriffe ergänzt, um zeitgemäße Wohnformen zu ermöglichen. Die neuen Elemente folgen dabei nicht dem Prinzip der Rekonstruktion, sondern verstehen sich als eigenständige, klar ablesbare Ergänzungen.
Auch die Gebäudehülle wurde mit dem Ziel instand gesetzt, den Bestand langfristig zu erhalten und zugleich energetisch zu ertüchtigen. Die Fassaden aus Gönninger Kalktuff wurden restauriert und in ihrem Erscheinungsbild bewahrt. Historische Holzfenster konnten überwiegend erhalten und aufgearbeitet werden. Die Bestandsfenster wurden unter Wahrung ihrer ursprünglichen Konstruktion restauriert und – je nach Eignung der vorhandenen Rahmen – mit Isolierverglasungen energetisch verbessert. Nicht originale Bauteile wurden zurückgebaut oder durch neue Elemente ersetzt, die sich in Maßstab, Proportion und Materialität auf den Bestand beziehen. Die Dachsanierung erfolgte unter weitgehender Bewahrung der vorhandenen Konstruktion und Erscheinung.
Die neuen Einbauten entwickeln ihre Eigenständigkeit aus Materialität und Detail. Holz, Naturstein und textile Oberflächen greifen die Atmosphäre des Hauses auf, werden jedoch in einer zeitgenössischen Formensprache eingesetzt. Ein grauer Travertin wird dabei als Bekleidung verstanden und nicht als massiver Stein inszeniert; seine Anwendung macht die neue Schicht des Eingriffs bewusst lesbar. Ebenso verweist der robuste Edelstahl der Küche auf funktionale Arbeitsräume und setzt einen präzisen Kontrast zu den historischen Oberflächen. Die Gestaltung sucht weder die Angleichung an den Bestand noch den bewussten Bruch, sondern einen Dialog zwischen historischer Substanz und zeitgenössischer Nutzung.
Die Transformation der Villa Zundel folgt dem Verständnis des Bestands als vielschichtige, über die Zeit gewachsene Struktur. Historische Raumfolgen, Materialien und Ausstattungen wurden erhalten, freigelegt und präzise ergänzt. Neue Eingriffe orientieren sich nicht an einer Rekonstruktion des Ursprungszustands, sondern machen ihre Entstehungszeit bewusst sichtbar. So entsteht ein Haus, das Vergangenheit und Gegenwart nicht gegeneinander ausspielt, sondern beide als Teil einer kontinuierlichen Entwicklung begreift. Die Lesbarkeit dieser unterschiedlichen Zeitschichten bildet die Grundlage für die langfristige Weiterentwicklung und Aneignung des Ensembles.
Beschreibung der Besonderheiten
Durch gezielte Öffnungen zwischen Küche, Ess- und Wohnbereich wurden Wege verkürzt und die räumlichen Beziehungen innerhalb des Hauses gestärkt. Im Atelier konnten durch die Verlagerung von Nebenräumen in das Untergeschoss spätere Einbauten entfernt und der ursprüngliche, zusammenhängende Arbeitsraum wiederhergestellt werden. Die Neuordnung der Treppe stärkt die innere Verbindung der Ebenen.
Die Umnutzung der Flächen unter und über dem Atelier ermöglichte die Schaffung zusätzlicher Wohneinheiten mit eigenständiger Erschließung. Dadurch können die unterschiedlichen Nutzungen unabhängig voneinander organisiert werden, ohne die historische Struktur des Ensembles zu beeinträchtigen.
Nachhaltigkeit
Die energetische Ertüchtigung erfolgte unter Berücksichtigung der denkmalpflegerischen Anforderungen. Historische Fenster wurden restauriert und – je nach Eignung der Bestandsrahmen – mit Zwei- oder Dreifachverglasungen ausgestattet. Die Gebäudehülle wurde partiell innengedämmt, während der Dachstuhl durch eine neue Dämmung energetisch verbessert wurde. Dadurch konnte die Energieeffizienz des Gebäudes gesteigert werden, ohne dessen charakteristische Erscheinung wesentlich zu verändern.
Neue Bauteile wurden auf Dauerhaftigkeit, Reparaturfähigkeit und eine lange Nutzungsdauer hin entwickelt. Der Einsatz langlebiger Materialien wie Holz, Naturstein und Edelstahl unterstützt die langfristige Anpassungsfähigkeit des Gebäudes und ermöglicht zukünftige Veränderungen. Die Maßnahme folgt damit insbesondere den Prinzipien der Suffizienz und Konsistenz: Bestehende Ressourcen werden weiter genutzt, Eingriffe auf das notwendige Maß beschränkt und die Voraussetzungen für eine langfristige und zukunftsfähige Nutzung des Gebäudes geschaffen.
Schlagworte
Energetische Kennwerte
Energiestandard
Energetische Kennwerte
Primärenergie
Fernwärme
Objektdetails
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