„Haus Stall Scheune“: Neue Bücherei Gundelsheim
96163 Gundelsheim, Bachstraße 12
Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: Schlicht Lamprecht Kern Architekten BDA PartGmbB
Basisdaten zum Objekt
Lage des Objektes
Bachstraße 12, 96163 Gundelsheim, Deutschland
Objektkategorie
Objektart
Art der Baumaßnahme
Neubau
Fertigstellungstermin
10.2020
Zeichnungen und Unterlagen
Projektbeteiligte Firmen und Personen
Verwendete Produkte
Gebäudedaten
Bauweise
Holzbau
Tragwerkskonstruktion
Holz
Anzahl der Vollgeschosse
1-geschossig
Raummaße und Flächen
Nutzfläche
300 m²
Lage und Umgebung
Beschreibung
Objektbeschreibung
Denn nicht nur eine Medienausleihe, sondern einen Ort der Begegnung und Weiterbildung, „einen Kulturort und eine Integrationsschmiede“ zu schaffen, war der Wunsch des Bürgermeisters Jonas Merzbacher für die Bücherei. Mit zeitgemäßer Architektur, die sich gleichsam in die gegebene Stadtgestalt einfügt. Mit Schlicht Lamprecht Architekten gewann ein in der Region ansässiges Büro den Wettbewerb, das den Anspruch verfolgt, die bestehenden Strukturen sichtbar zu lassen und neue Nutzungen mit zeitlosen aber zeitgemäßen Materialien, wie hier dem Holzbau, einzufügen. Die „Haus im Haus“ Idee verwebt dabei mit spannenden Raumbezügen alte und neue Elemente.
Die Bücherei ist ein herausragendes Beispiel dafür, dass baukultureller Anspruch und die Umsetzung qualitativ hochwertiger Architektur auch jenseits der Ballungszentren möglich sind. Darüber hinaus steht die Gemeinde Gundelsheim mit der Entscheidung zum Ideen- und Realisierungswettbewerb als Einladungswettbewerb beispielhaft dafür, kleineren und jüngeren Architekturbüros im Rahmen der immer komplexer werdenden Verfahren eine Chance zu geben, Bauaufgaben zu realisieren und die nötige Erfahrung in der Praxis zu sammeln.
Die neue Bücherei – Fortschreibung des Stadtgefüges
Für die neue Bücherei sollte das ortsbildprägende Bauernhaus mit Stall aus dem 19. Jahrhundert saniert sowie in den Um- und Neubau miteinbezogen werden.
Giebelständig an der Bachstraße und damit in unmittelbarer Nähe zum Leitenbach und dem Ortskern auf der nördlichen Uferseite, reiht sich das historische Gebäude in die Nachbarbebauung ein. Mit ihrem Entwurf für den Neubau der Bücherei gelingt es Schlicht Lamprecht Architekten, auf behutsame Weise die Maßstäblichkeit und Körnung des Ortbildes aufzugreifen und wie selbstverständlich fortzuschreiben.
„Wohnstallhaus“ als Entwurfskonzept
Die Bestandsbauten riefen bei den Architekten den „vertrauten Dreiklang eines typisch fränkischen Bauernhauses, Haus – Stall – Scheune“ hervor. Da die Scheune nicht mehr existierte, entschieden sie, diese historische dreiteilige Struktur durch einen Neubau wiederherzustellen. Dabei entfernten sie sich allerdings von der üblichen Abfolge hintereinander liegender Gebäude zugunsten eines Doppelgiebelbaus parallel zum ehemaligen Wohnhaus.
Zum einen, um auf der rückseitigen Fläche des Bauplatzes ausreichend Raum für Wohnbebauung zu erhalten, die hier im Rahmen der Nachverdichtung angedacht ist. Zum anderen wird dem zur Straße liegenden Platz durch diese Anordnung des Ensembles ein räumlicher Bezug gegeben und der Eingang in die Bücherei akzentuiert.
Das „Haus im Haus“: Gestalterisches und konstruktives Prinzip
Der neue Doppelgiebelbau „schiebt“ sich gleichsam über den alten Stall, der Ausgangspunkt für das „Haus in Haus“-Thema, das sich als roter Faden durch den Entwurf zieht – gestalterisch wie konstruktiv. Auf der Fläche des eingeschossigen und ebenerdigen Baus ergeben sich dadurch immer wieder unterschiedliche spannende Raumeindrücke und neue räumliche Qualitäten.
Die Bücherei erreicht man von der Bachstraße kommend barrierefrei über die „neue Scheune“. Die großen Eingangstüren in beiden Giebelfassaden erinnern bereits an die typische fränkische Scheune mit ihrem hohen Mittelteil und den Toren zur Durchfahrt. Auch das niedrige „Seitenschiff“ entlang der Längsfassade – hier für den Servicebereich der Bücherei – ist eine Reminiszenz an die traditionelle Gebäudestruktur, an der Fassade nun durch die Verdichtung der Lamellenverkleidung als „kleines Haus“ ablesbar.
Daran angrenzend liegt der alte Stall, unter dessen Preußischer Kappendecke die Literaten auf die Lesenden warten. Die Decke ist nicht ganz geschlossen, um sowohl Konstruktion als auch durch visuelle Beziehungen den Haus-im-Haus-Eindruck erlebbar zu halten. Auf der Decke befindet sich eine Galerie, die einzige zweite Ebene im Gebäude und als Rückzugsmöglichkeit für die Jugendlichen gedacht, ebenso zum konzentrierten Arbeiten.
Vom alten Stall aus führt der Weg in das ehemalige Wohnhaus. Raumbestimmend ist das „Haus im Haus“, das die jüngsten BesucherInnen empfängt. Hier übernimmt das Volumen auch eine tragende Funktion: die Stahlrahmenkonstruktion wirkt als ein aussteifender Kern im Bestandsgebäude. Die für diese Häuser typische kabinettartige Raumstruktur konnte nicht erhalten werden, dafür definiert nun das an den Kinderbuchbereich angrenzende Lesecafé als leeres Volumen um so stärker den Raumeindruck. Sämtliches Mobiliar in allen Bereichen ist beweglich, um flexible Nutzungen der Räume zuzulassen – von Versammlungen, Lesungen bis hin zum Bilderbuchkino.
Förderung und Unterstützung:
Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat, Bayerisches Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr, Regierung von Oberfranken und die Oberfrankenstiftung (Städtebauförderungsprogramm und Programm „Investition Soziale Integration im Quartier“); Sankt Michaelsbund (finanzielle Förderung und fachliche Beratung bei der Zusammenstellung und Präsentation der Medien)
Beschreibung der Besonderheiten
Authentische und natürliche Materialien bestimmen das Innere: Die Farben des Terrazzobodens erinnern an einen einfachen Nutzboden, an Stampflehmboden. Gebürstete Fichtenholzoberflächen an rohes Holz. Geschlämmte Wände im Stall geben ein vertrautes Bild. Ohne die hohe handwerkliche Fertigkeit und Begeisterung der Beteiligten wäre die Qualität in der Ausführung so nicht möglich gewesen, betonen die Architekten. Das Gleiche gilt für das Dach, dem man weder die Edelstahlhaut noch die Komplexität und hochtechnischen Anforderungen ansieht.
Für die Fassade der Scheune kam für die Architekten allerdings nur ein Material in Frage: naturbelassenes Holz, das hierfür aber thermisch vorbehandelt ist. Dessen Vorvergrauung unterstreicht das Selbstverständnis, mit dem dieser Bau sich hier eingliedert.
Zahlreiche Veranstaltungen, 7.000 ausleihbare Medien – mit Unterstützung des Sankt Michaelsbund kuratiert – in einer vielfältigen Sprachauswahl (u.a. Englisch, Persisch, Farsi, Arabisch, Serbisch), digitale Angebote und die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen heißen seit Sommer 2020 die unterschiedlichsten Nutzergruppen im Ort und aus der Region willkommen. Integration und das Verständnis der Gemeinde als „Mehrgenerationenort“ sind hier nicht nur Konzept. Sie werden in Gundelsheim tatsächlich auch gelebt.
Auszeichnungen
Regionaler Holzbaupreis der Bayerischen Staatsregierung 2023 (Auszeichnung)
BDA Preis Bayern 2022 (Preisträger)
Preis Bauen im Bestand 2021 (Preisträger)
Auszeichnung Guter Bauen in Franken 2021 (Auszeichnung)
Schlagworte
Objektdetails
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