Heinze ArchitekturAWARD 2026: Teilnehmer
Haus am Jägerberg
Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: Cordula Jacobi, Studio für Architektur & Innenarchitektur
Basisdaten zum Objekt
Lage des Objektes
82335 Berg, Deutschland
Objektkategorie
Objektart
Art der Baumaßnahme
Neubau
Fertigstellungstermin
12.2022
Zeichnungen und Unterlagen
Projektbeteiligte Firmen und Personen
Verwendete Produkte
Gebäudedaten
Bauweise
Holzrahmenbau
Tragwerkskonstruktion
Holz
Anzahl der Vollgeschosse
2-geschossig
Raummaße und Flächen
Bruttorauminhalt
1.702 m³
Bruttogrundfläche
528 m²
Nutzfläche
333 m²
Verkehrsfläche
57 m²
Wohnfläche
294 m²
Grundstücksgröße
1.020 m²
Kosten
Veranschlagte Rohbaukosten des Bauwerks
422.300 Euro
Gesamtkosten der Maßnahme (ohne Grundstück)
1.285.000 Euro
Beschreibung
Objektbeschreibung
Das Haus am Jägerberg liegt auf einer leichten Anhöhe am Ortsrand unweit des Starnberger Sees. Es wurde für eine junge Familie mit 3 Kindern und Hund konzipiert.
Das Grundstück zeichnet sich durch Blickbeziehungen in zwei Richtungen über Wald, Wiesen und Felder aus. Bei klarer Witterung sind auch die Alpen sichtbar. Ziel war es, die Qualität des Ortes zu bewahren und architektonisch zu fassen.
Der Einseithof - neu interpretiert
Aufgrund der Lage im Übergang zum Außenbereich durfte nur etwa ein Drittel der Fläche bebaut werden.
Wie viele alte Höfe dieser Gegend, liegt der Baukörper deshalb nah an der Straße und lehnt sich in seiner klaren Gestalt an die in dieser Gegend traditionell übliche Bauform eines Einseithofes an.
Die Setzung folgt einer präzisen Orientierung nach den Himmelsrichtungen und ermöglicht differenzierte Belichtungs- und Ausblickssituationen, abgestimmt auf die jeweilige Nutzung im Innen- wie im Außenraum.
Die südwestliche Dachfläche ist vollständig mit einer PV-Anlage belegt. Auf Dachöffnungen wurde hier zugunsten einer homogenene Fläche bewußt verzichtet.
Die Fassade - archetypische Elemente in eine zeitgenössische Architektursprache übersetzt
Die Fassade übersetzt archetypische Elemente ländlicher Baukultur über Materialität und Rhythmus in eine reduzierte, zeitgenössische Architektursprache.
Die Nordostfassade ist weitgehend geschlossen und evoziert die Anmutung eines Scheunengebäudes.
Demgegenüber öffnen sich die südöstlichen und südwestlichen Fassadenflächen im Erdgeschoss mit großzügigen Verglasungen zur umgebenden Landschaft. Im Obergeschoss sind die Fensteröffnungen reduziert und präzise gerahmt.
Außen klar, innen vielschichtig - ein Raumgefüge zwischen Offenheit und Rückzug
Im Kontrast zur klar gefassten äußeren Kubatur, entfaltet sich im Inneren eine differenzierte Raumstruktur.
Großzügige, luftig offene Kommunikationsbereiche stehen introvertierten Rückzugsorten gegenüber, die sich bis hin zu nahezu zellenartigen Räumen im Obergeschoß verdichten.
Gezielte Blickbeziehungen in Längs-, Quer- und Vertikalrichtung vernetzen die Räume untereinander und verstärken die räumliche Tiefe sowie den Bezug zur Landschaft. Zum Schutz der Privatsphäre ist der Eingangsbereich bewußt davon ausgenommen.
Die Wegeführung im Grundriss läßt dort Zirkulation zu, wo Betrieb und Kommunikation gewünscht ist. Rückzugsräume sind gezielt davon ausgenommen sind. Eine bewußte Umlenkung findet im Eingangsbereich statt.
Reduzierte Materialität - präzise komponiert und dauerhaft gedacht
Die Materialität folgt dem Anspruch an Nachhaltigkeit, Langlebigkeit und einer qualitätsvollen Alterung.
Die dunkel lasierte Lärchenholzverschalung ist eine Reminiszenz an die Patina traditioneller Heuschober und verankert den Baukörper im landschaftlichen Kontext. Die tragenden Außenwände sind als gedämmte Holzmassivwand ausgeführt, die Trennwände im Inneren als Holzständerwand.
Ein fugenloser geschliffener Sichtestrich als Heizestrich und eine sichtbar geführte, weiß lasierte Brettschichtholzdecke unterstreichen die offene Grundrissgestaltung im Erdgeschoss. Im Übergang zum tiefer liegenden Wohnbereich findet als bewußte Zäsur ein Belagswechsel von Sichtestrich zu Naturstein statt. Die Verwendung von Eschenholz für Treppe und Bodenbeläge im Obergeschoss betont den privaten Charakter.
Im Außenbereich wurden Muschelkalkplatten als Terrrassenbelag und Douglasie für das Holzdeck eingesetzt.
Einbauten als integraler Bestandteil der Raumstruktur
Den Innenausbau charakterisieren wandbündige Einbauten als integraler Bestandteil der Raumstruktur. Sie wurden von Anfang an mitgedacht und bieten nicht nur den erforderlichen Stauraum, sondern verbergen auch gleichzeitig wesentliche Teile der Gebäudetechnik.
Räumliche Qualität - eine unterschätzte Ressource
Das Haus versteht sich als Beitrag zu einem Bauwandel, der Ressourcenschonung durch räumliche Qualität, Reduktion und Robustheit ermöglicht.
Die Adaption einer regional tradierten Bauform ermöglicht die präzise Einbindung in seine Umgebung und schafft damit die Grundlage für eine langfristig tragfähige Wohnform.
Suffizienz als architektonisches Prinzip
Die kompakte Kubatur, die präzise Orientierung des Baukörpers sowie die Reduktion auf wenige langlebige Materialien folgen dem Prinzip einer suffizienten
Architektur, die mit einfachen Mitteln hohe räumliche und atmosphärische Qualität erzeugt.
Das Projekt versteht Nachhaltigkeit nicht als additive Ebene, sondern als integralen Bestandteil architektonischer Gestaltung.
Das Haus entwickelt seine Qualität aus Proportion, Lichtführung, konstruktiver Einfachheit und der präzisen Beziehung zwischen Innenraum, Landschaft und Nutzung.
Räumliche Großzügigkeit entsteht nicht über maximale Fläche, sondern über differenzierte Raumfolgen, gezielte Blickbeziehungen und die bewusste Abstufung zwischen Gemeinschaft, Rückzug und Privatheit.
Die langfristige Nutzbarkeit des Hauses entsteht weniger aus maximaler Flexibilität als aus seiner räumlichen und atmosphärischen Qualität.
Passive klimatische Strategien wie die gezielte Ausrichtung des Gebäudes, differenzierte Öffnungen und die kompakte Gebäudeform unterstützen den ressourcenschonenden Betrieb des Hauses.
Eine PV-Anlage ist als Teil der Dachlandschaft in die architektonische Gesamtfigur eingebunden.
Beschreibung der Besonderheiten
Suffiziente Architektur mit kompakter Kubatur und hoher räumlicher Qualität.
Holzmassivbauweise
langlebige, natürliche Materialien.
Präzise Verknüpfung von Innenraum, Nutzung und Landschaft.
Fossilfreies Energiekonzept mit Wärmepumpe, PV-Anlage und Batteriespeicher.
Sehr niedriger Primärenergiebedarf und geringe CO₂-Emissionen.
Nachhaltigkeit als integraler Bestandteil von Architektur, Konstruktion und Betrieb.
Passive Klimastrategie durch Gebäudeausrichtung, kompakte Form und optimierte Fassadengestaltung.
Nachhaltigkeit
Ergänzt wird das System durch eine leistungsstarke Photovoltaikanlage mit 20,4 kWp sowie einem Batteriespeicher. Die Anlage erzeugt jährlich rund 16.450 kWh Strom aus erneuerbaren Energien und deckt einen erheblichen Teil des Eigenbedarfs. Durch die Kombination aus Wärmepumpe, Photovoltaik und Stromspeicher wird ein hoher Grad an energetischer Eigenversorgung erreicht und die Abhängigkeit von externen Energiebezügen reduziert.
Die Gebäudehülle wurde mit sehr guten Wärmeschutzstandards ausgeführt. Hochwertig gedämmte Außenbauteile und energieeffiziente Fenster minimieren die Wärmeverluste und senken den Heizenergiebedarf nachhaltig. Die hohe Ausführungsqualität wird zusätzlich durch den nachgewiesenen Luftdichtheitstest bestätigt, dessen Ergebnis deutlich unter den zulässigen Grenzwerten liegt.
Das Gebäude erreicht einen Jahres-Primärenergiebedarf von lediglich 21,9 kWh/(m²·a) und unterschreitet damit die gesetzlichen Anforderungen des Referenzgebäudes um rund 58 %. Der Endenergiebedarf beträgt lediglich 14,9 kWh/(m²·a), was der Energieeffizienzklasse A+ entspricht.
Mit berechneten CO₂-Emissionen von lediglich 2,8 kg/(m²·a) leistet das Energiekonzept einen wesentlichen Beitrag zum klimafreundlichen und ressourcenschonenden Wohnen. Die Kombination aus erneuerbarer Umweltwärme, eigener Solarstromerzeugung und einer hocheffizienten Wärmepumpentechnologie schafft die Grundlage für einen dauerhaft niedrigen Energieverbrauch und eine nachhaltige Gebäudenutzung.
Der Outdoor Pool ist ein Salzwasserpool und kann über eine separate kleine Wärmepumpe beheizt werden.
Schlagworte
Energetische Kennwerte
Energetische Kennwerte
Primärenergie
Umweltthermie (Luft / Wasser)
Sekundärenergie
Solarthermie
Energetische Kennwerte
Primärenergiebedarf ("Gesamtenergieeffizienz")
21,90 kWh/(m²a)
Heizenergieverbrauchswert
5.898,00 kWh/(m²a)
Stromverbrauchswert
7.426,00 kWh/(m²a)
Energiebedarf (Prozentuale Verteilung)
Heizung
80 %
Warmwasser
20 %
Weitere Dokumente zum Objekt
Objektdetails
Gebäudespezifische Merkmale
Anzahl Arbeitsplätze
2
Anzahl Betten
5
Anzahl Kinder
3
Anzahl Wohneinheiten
1
Anzahl Stellplätze
2
Das Objekt im Internet
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