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Bauen mit Ressourcen aus Vorarlberg - Lokale Materialbeschaffung als Beitrag zur regionalen Wertschöpfung am Beispiel eines Waldkindergartens
Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: Kunstuniversität Linz, Institut für Raum und Design, Wiebke Krüger
Basisdaten zum Objekt
Lage des Objektes
Österreich
Objektkategorie
Objektart
Art der Baumaßnahme
Entwurfskonzept
Fertigstellungstermin
08.2025
Zeichnungen und Unterlagen
Gebäudedaten
Bauweise
Holzbau
Tragwerkskonstruktion
Holz
Anzahl der Vollgeschosse
1-geschossig
Beschreibung
Objektbeschreibung
Die besondere Herausforderung des Entwurfs bestand darin, sämtliche Bauteile und Materialien konsequent aus den innerhalb Vorarlbergs verfügbaren Ressourcen abzuleiten. Der Entwurfsprozess wurde daher nicht von einer vorgegebenen Konstruktion, sondern von der Verfügbarkeit regionaler Rohstoffe und deren Verarbeitungsmöglichkeiten bestimmt. Holz aus heimischer Forstwirtschaft, regionale Erd- und Gesteinsressourcen sowie weitere lokal verfügbare Naturmaterialien bildeten die Grundlage für die architektonische und konstruktive Entwicklung. Bauteile welche als Primärrohstoffe nicht innerhalb Vorarlbergs zu finden sind, aber notwendig für die Funktionalität des Gebäudes sind, wurden aus Bestandsobjekten gewonnen und in der Planung als sekundäre Ressource wiederverwendet.
Das Gebäude wurde als kompakter Pavillon konzipiert, der den Anforderungen eines zeitgemäßen Waldkindergartens gerecht wird und gleichzeitig die Prinzipien einer materialgerechten, ressourcenschonenden Architektur umsetzt. Durch die bewusste Reduktion auf einfache, langlebige und nachvollziehbare und materialgerechte Konstruktionen entsteht ein Bauwerk, das die Potenziale regionaler Wertschöpfung sichtbar macht und einen Beitrag zu einer nachhaltigen Baukultur leistet. Die Architektur entwickelt ihre Identität unmittelbar aus den vorhandenen Materialien, den lokalen Handwerkstraditionen und den natürlichen Gegebenheiten des Ortes.
Beschreibung der Besonderheiten
Die Tragstruktur besteht überwiegend aus Holz aus Vorarlberger Wäldern, das durch regionale Sägewerke und Handwerksbetriebe verarbeitet wird. Ergänzt wird die Konstruktion durch weitere lokal verfügbare Materialien wie Lehm, Naturstein oder natürliche Faserstoffe. Die einzelen Bauteile wurden so konzipiert, dass sie materialgerecht gefügt, reparierbar und langfristig wieder in Stoffkreisläufe zurückgeführt werden können.
Ein besonderer Fokus liegt auf der Einbindung sekundärer Ressourcen. Materialien, die in Vorarlberg nicht oder nicht in ausreichender Qualität und Menge als Primärrohstoffe verfügbar sind, werden gezielt aus bestehenden Gebäuden, Rückbauprojekten sowie regionalen Materialteillagern bezogen. Bauteile wie Fenster, Türen, Beschläge und Metallteile oder weitere technische Komponenten erhalten dadurch eine zweite Nutzungsphase und werden innerhalb der Region erneut in den Materialkreislauf eingebracht. Anstatt neue Produkte zu beschaffen, werden vorhandene Ressourcen aktiviert und als wertvolle Baustoffe verstanden. Dieser Ansatz reduziert den Bedarf an Primärrohstoffen, vermeidet zusätzliche Herstellungsenergie und verlängert die Lebensdauer bereits produzierter Bauteile erheblich.
Durch die Kombination regional gewonnener Rohstoffe und wiederverwendeter Bauteile entsteht ein ganzheitliches Kreislaufkonzept. Das Gebäude fungiert dabei nicht nur als Nutzungsraum, sondern zugleich als temporärer Speicher regionaler Ressourcen. Die Architektur macht sichtbar, dass nachhaltiges Bauen sowohl auf lokalen Materialvorkommen als auch auf dem bewussten Umgang mit dem bereits vorhandenen Gebäudebestand aufbauen kann.
Neben den ökologischen Vorteilen besitzt dieser Ansatz eine erhebliche volkswirtschaftliche Relevanz. Die Wertschöpfung verbleibt weitgehend innerhalb der Region, da sowohl die Gewinnung und Verarbeitung lokaler Rohstoffe als auch die Aufbereitung und Wiedernutzung bestehender Bauteile durch regionale Akteure erfolgt. Forstwirtschaft, Rohstoffgewinnung, Handwerk, Rückbauunternehmen, Materialteillager und lokale Verarbeitungsbetriebe werden zu einer gemeinsamen Wertschöpfungskette verbunden. Dadurch werden regionale Arbeitsplätze gesichert, handwerkliche Kompetenzen gestärkt und neue wirtschaftliche Potenziale im Bereich der Kreislaufwirtschaft erschlossen.
Der Waldkindergarten wird somit zu einem prototypischen Beispiel für eine Architektur, die ökologische Verantwortung, zirkuläres Bauen und regionale Wertschöpfung miteinander verbindet. Das Projekt zeigt, wie ein Gebäude nicht nur aus den Ressourcen einer Region entstehen, sondern gleichzeitig als Impulsgeber für nachhaltige Materialkreisläufe und resiliente lokale Wirtschaftsstrukturen wirken kann.
Nachhaltigkeit
Der Suffizienzgedanke zeigt sich in der bewussten Reduktion auf das funktional Notwendige. Der kompakte Pavillon nutzt passive Potenziale des Standorts wie natürliche Belichtung, Verschattung und Lüftung und minimiert dadurch den Bedarf an technischer Gebäudeausrüstung. Die Konstruktion folgt dem Prinzip der Einfachheit und Langlebigkeit und vermeidet unnötigen Materialeinsatz.
Im Sinne der Konsistenz werden überwiegend nachwachsende und natürliche Baustoffe eingesetzt, die aus den regional verfügbaren Ressourcen Vorarlbergs gewonnen werden können. Holz aus heimischer Forstwirtschaft bildet die konstruktive Grundlage des Gebäudes. Ergänzt wird es durch weitere regionale Materialien wie Lehm, Naturstein und natürliche Faserstoffe. Die Materialwahl orientiert sich an geschlossenen Stoffkreisläufen und einer der Möglichkeit diese Materialien vor Ort zu gewinnen, zu verarbeiten und einzubauen.
Dort, wo bestimmte Bauteile nicht aus regional verfügbaren Primärrohstoffen hergestellt werden können, werden vorhandene Ressourcen aus Bestandsgebäuden und Materialteillägern genutzt. Fenster und weitere Bauteile werden als Sekundärressourcen in einen neuen Nutzungskreislauf überführt. Dadurch wird der Verbrauch neuer Rohstoffe reduziert und die im Bestand gebundene Energie erhalten.
Über die ökologischen Aspekte hinaus verfolgt das Projekt einen konsequent regionalwirtschaftlichen Ansatz. Die Verwendung lokaler Rohstoffe sowie deren Gewinnung, Verarbeitung und Weiterverarbeitung innerhalb Vorarlbergs stärkt bestehende Wertschöpfungsketten und bindet Investitionen an die Region. Forstwirtschaft, Rohstoffgewinnung, Handwerksbetriebe, Verarbeitungsunternehmen, Rückbauunternehmen und Bauausführende werden Teil eines regionalen Produktionsnetzwerks. Kurze Transportwege, transparente Materialherkünfte und die Einbindung lokaler Kompetenzen erhöhen nicht nur die ökologische Qualität des Gebäudes, sondern auch dessen wirtschaftliche Effizienz. Wertschöpfung entsteht dabei nicht ausschließlich im fertigen Bauwerk, sondern entlang der gesamten Liefer-, Verarbeitungs- und Wiederverwendungskette.
Der Entwurf folgt damit wesentlichen Grundgedanken des Cradle-to-Cradle-Ansatzes. Die Konstruktion ist materialgerecht aufgebaut, sortenrein trennbar und auf Rückbau, Wiederverwendung sowie zukünftige Kreislaufführung ausgelegt. Die in Vorarlberg vorhandenen Materialien werden dort eingesetzt, wo ihre jeweiligen Eigenschaften den größten Mehrwert bieten. Gleichzeitig integriert das Gebäude Bauteile aus vorangegangenen Nutzungszyklen und versteht sich selbst nicht als Endpunkt eines Materialflusses, sondern als temporärer Speicher von Ressourcen. Auf diese Weise verbindet das Projekt ressourcenschonendes Bauen, regionale Wertschöpfung und zirkuläre Materialströme zu einem ganzheitlichen Entwurfskonzept und zeigt, wie nachhaltige Architektur ökologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Mehrwerte gleichermaßen schaffen kann.
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