Blau-grüne Dächer: Wie Retentionsdächer zur Klimaresilienz beitragen können

Paul Bauder

Extreme Hitze, lange Trocken­perioden und häufiger Stark­regen stellen Städte und Gemeinden vor wachsende Heraus­forde­rungen. Besonders in dicht bebauten und stark versiegelten Quartieren geraten Kanal­netze schnell an ihre Grenzen. Gefragt sind Lösungen, die Regen­wasser gezielt managen und gleich­zeitig zur Klima­anpassung beitragen. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Dach.

Moderne Dachflächen sind längst mehr als reiner Witterungs­schutz. Sie verbinden Begrünung, Energie­erzeugung und Regen­wasser­manage­ment. Besonders blau-grüne Dächer beziehungs­weise Retentions­dächer gewinnen dabei an Bedeutung. Sie speichern Nieder­schlags­wasser direkt auf dem Dach und geben es zeit­verzögert und kontrolliert ab oder führen es durch Verdunstung zurück in den natür­lichen Wasser­kreis­lauf. So werden Kanalisa­tionen entlastet und Über­flutungs­risiken reduziert.

Wasserrückhalt neu gedacht

Ein besonderes Potenzial bieten gefällelose Retentions­dächer, sogenannte 0°-Dächer. Anders als bei klassischen Dach­konstruk­tionen steht hier nicht die möglichst schnelle Ableitung des Wassers im Mittel­punkt. Stattdessen kann die gesamte Dach­fläche als temporärer Wasser­speicher genutzt werden. Dadurch lassen sich hohe Retentions­volumina erzielen. Aktuelle Regel­werke berücksichtigen diese Bauweise zunehmend und schaffen damit zusätzliche Planungs­sicherheit.

Auch wirtschaftlich können Retentions­dächer überzeugen. Zwar entstehen Kosten für Retentions­elemente und Drossel­systeme, gleichzeitig kann beispiels­weise auf aufwendige Gefälle­dämmungen verzichtet werden. Zudem lassen sich erforderliche Rück­halte­maß­nahmen auf dem Grund­stück, etwa Rigolen oder Rück­halte­becken, je nach Planung reduzieren. Das spart Flächen und kann die Gesamt­kosten positiv beeinflussen.

Mehrwert für Stadtklima und Artenvielfalt

Das gespeicherte Wasser steht der Dach­begrünung auch in Trocken­perioden zur Verfügung und unterstützt die Verdunstungs­kühlung. Dadurch kann sich das Mikroklima verbessern und die Aufheizung dicht bebauter Bereiche reduzieren. Gleich­zeitig ermöglicht die bessere Wasser­versorgung eine viel­fältigere Vegetation und kann die Arten­vielfalt der Dach­vegetation begünstigen. Auch Photo­voltaik­anlagen können von niedrigeren Umgebungs­temperaturen profitieren.

Damit Retentions­dächer ihre Wirkung voll entfalten, ist eine frühzeitige Abstimmung von Architektur, Statik, Entwässerung und Retentions­planung entscheidend.

Das 0°-Retentions­dach ist damit längst mehr als eine Zukunfts­idee: Es verbindet Über­flutungs­vorsorge, Hitze­schutz und wasser­sensibles Regen­wasser­manage­ment und macht das Dach zu einem aktiven Bestandteil der blau-grünen Infrastruktur.

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