Heinze ArchitekturAWARD 2026: Teilnehmer
ZK/U - Zentrum für Kunst und Urbanistik
10551 Berlin, Siemensstraße 27
Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: Peter Grundmann Architekten
Basisdaten zum Objekt
Lage des Objektes
Siemensstraße 27, 10551 Berlin, Deutschland
Objektkategorie
Objektart
Art der Baumaßnahme
Umbau
Fertigstellungstermin
09.2025
Zeichnungen und Unterlagen
Projektbeteiligte Firmen und Personen
Verwendete Produkte
Gebäudedaten
Bauweise
Stahlbau
Tragwerkskonstruktion
Stahl
Anzahl der Vollgeschosse
3- bis 5-geschossig
Raummaße und Flächen
Bruttorauminhalt
14.902 m³
Bruttogrundfläche
3.534 m²
Nutzfläche
2.960 m²
Verkehrsfläche
436 m²
Grundstücksgröße
2.341 m²
Kosten
Gesamtkosten der Maßnahme (ohne Grundstück)
6.166.200 Euro
Lage und Umgebung
Beschreibung
Objektbeschreibung
Im Jahr 2016 fiel die Entscheidung, das ZK/U zu erweitern. Da das Gebäude vollständig von Grünflächen umgeben ist, musste die Erweiterung ohne zusätzlichen Grundstückflächenverbrauch erfolgen. Die Lösung bestand darin, dem bestehenden, ungedämmten Lagerhaus ein weiteres Geschoss und eine räumliche Umhüllung hinzuzufügen. Das alte Holzdach wurde zurückgebaut und als Kunstobjekt zu einem "Boot" umgebaut, um auf dem Wasserweg zur Documente Kassel zu fahren. Der Keller wurde sowohl für die Technik als auch für die neue Nutzung erweitert und energetisch saniert. Auf den Bestand wurde ein weit spannendes Fachwerk-Stahlskelett aufgesetzt, die die zwei Geschossdecken aus Spannbetonhohlkammer-Fertigteildecken für Obergeschoss und Dachterrasse tragen.
Im Keller- und Erdgeschoss befinden sich große Veranstaltungsräume. Im Erdgeschoss steht die Glasfassade auf der Südseite 1,80 Meter von der alten Ziegelwand entfernt, wodurch ein galerieartiger Raum als Pufferzone für Schal- und Wärmeschutz entsteht. Auf der Nordseite steht die Glasfassade 6 Meter weit von der alten Ziegelmauer, so dass hier ein zusätzlicher Raum entsteht. Zwei Außentreppen führen in das Obergeschoss, das von Galerie-Gängen umgeben ist. Über diese Gänge erhalten alle Räume, neben ihrer inneren Erschließung auch außen einen Zugang. Dies ermöglicht eine flexible Teilung des Obergeschosses und eine störungsfreie parallele Nutzung der Räume. Die Dachterrasse, die ebenfalls durch die beiden Außentreppen ereicht wird, erweitert die Fläche des umliegenden Stadtparkes und ist die urbanen Bühne, die das Nutzungspotential des Gebäudes erweitert: Sie wird sowohl als Workshop- oder Veranstaltungsfläche, als auch als Außenraumgalerie genutzt und bietet einen Panoramablick auf den Westhafen und Moabit.
Das Low-Tech-Energiekonzept basiert auf dem Haus-im-Haus-Prinzip: Die historischen Mauern im Erdgeschoss werden von einer Hülle aus Dreifachverglasung umschlossen. Die Galerien um die Erdgeschosshalle temperieren den großen Raum, während die bestehende Masse die Energie speichert. Im Obergeschoss übernehmen die Laubengänge nicht nur die Funktion der zweiten Erschließung, sondern dienen zugleich als natürlicher Sonnenschutz und Aufenthaltsfläche. Bewusst wurde darauf verzichtet, das historische Mauerwerk mit einer zusätzlichen Wärmedämmung zu überdecken. Ein entsprechender wärmeschutztechnischer Nachweis bestätigt die Funktionsfähigkeit dieses Low-Tech-Ansatzes.
Die alten und neuen Elemente – die Treppen, die Galerie-Gänge, die Stahlstruktur selbst, die Glasfassade, die Ziegelwand sowie die Innen- und Außenräume – sind offen und nacheinander angeordnet und schaffen eine komplexe räumliche Wahrnehmung. Dieses dynamische Zusammenspiel der architektonischen Elemente wird durch die vielen Künstler, Kulturschaffenden und Gemeinschaftsgruppen, die zu diesem Raum beitragen, weiter bereichert und macht das ZK/U zu einem lebendigen Zentrum für Kunst und urbane Interaktion.
Das Gebäude ist wie die Hinterbühne eines Theaters geplant. Eine rohe, bewusst unfertige Ästhetik, robuste Materialien und vielfältig teilbare und erreichbare Raumstrukturen erleichtern die Aneignung.
Die Architektur erlaubt Fehler, Veränderungen und Weiterentwicklungen.
Nicht zuletzt spielten die Kosten eine entscheidende Rolle in der Entwurfslogik. Der Ausbau wurde durch Mittel der Europäischen Union, des Bundes, des Landes Berlin sowie des Quartiersmanagements Beusselstraße finanziert. Ziel war es, mit minimalen Mitteln ein Maximum an Raum zu erreichen. Durch eine effiziente Konstruktionslogik, einen radikaler Leichtbau, den Verzicht auf Beschichtungen und Verkleidungen, und die Wiederverwendung gebrauchter Materialien konnte ein Gesamtbudget für alle Kostengruppen von 6.166.200 €. Dadurch gibt sich ein Preis von ca. 2.000 € pro m² brutto.
Beschreibung der Besonderheiten
- Weiterentwicklung eines bestehenden Gebäudes statt Neubau
- Aneignungsfähige Architektur durch Low-Budget (2.000€/m² brutto, KG 100 - 700), durch offene Oberflächen und robuste Materialien ohne Verkleidung
- radikal offene Konstruktion als narrative Eigenschaft des Hauses
- sichtbare Überlagerung von Bahnsteig-Treppenhaus-Laubengang-Konstruktion-Glasfassade-Innenraum-alte Ziegelwände, als Verdichtung der Nutzung des Hauses
- Flächenvergrößerung und Aufstockung ohne zusätzlichen Fußabdruck
- Low-Tech-Energiekonzept nach dem Haus-im-Haus-Prinzip
- kompletter Erhalt des historischen Ziegelmauerwerks und aller historischen Fußböden
- räumliche Einbindung in das Energiekonzept, in dem vor dem Hauptraum im EG, vorgelagerte Zwischenzonen entstanden sind
- Flexible räumliche Organisation für unterschiedliche Nutzmodelle (Räume können über viele Wege erreicht werden)
- Laubengänge als Erschließung, Sonnenschutz und räumliche Pufferzone
- Dach als Erweiterung der Parkfläche und als urbane Bühne mit Veranstaltungsfläche und Blick auf den Westhafen
- Verbindung von Kunst, Bildung, Kiezarbeit und öffentlichem Raum
- Kosteneffiziente Umsetzung mit hoher räumlicher Qualität
Nachhaltigkeit
Materialseitig steht der Erhalt vorhandener Bauteile im Vordergrund; das alte Holzdach wurde zurückgebaut und als Kunstobjekt wiederverwendet. Die Innenwände im Gebäude wurden mit Schultafeln, die wir aufgrund der Umstellung auf digitale Tafeln kostenfrei von den Schulbehörden erhalten haben, verkleidet. Alle alten Bauteile wie Ziegelwände, Fußböden, Gewölbe und Decken blieben komplett erhalten, sogar die in den vergangenen 40 Jahren entstanden Graffitis. Durch konsequenten Leichtbau in der gesamten Stahlkonstruktion wurde eine erhebliche Menge an Material eingespart. Alle einzelnen Elemente, wie Zug- und Druckstäbe, Ober- und Untergurt wurden exakt nach den tatsächlichen statischen Belastungen dimensioniert, so dass sich in einem Fachwerkträger viele verschiedene Profile bzw. Dimensionen der Profile befinden. Die Geschossdecken bestehen aus Spannbetonhohldecken, wodurch sich der Betonanteil im Vergleich zu monolitischen Stahlbetondecken um über 30 % reduziert hat.
Die Aluminiumprofile der Glasfassade konnten in ihrer Dimension halbiert werden durch Diagonalstreben von der Mitte der Fassadenpfosten zur Decke. Die Verwendung der Bestandswände zur Windaussteifung des Gebäudes hat weiter zur Materialreduzierung geführt. Das Gebäude und das Warmwasser wird mit einer Luftwärmepumpe beheizt. Durch die Einhüllung mit einer 3-fach-Verglasung mit einem U-Wert von 0,5W/(m²K) und die hochgedämmte Dachdecke konnte ein Heizenergieverbrauchswert von 42kWh/(m²a) erreicht werden. Auch die Pufferzonen der auf Bedarf niedertemperierten Pufferzonen (Galerie im Süden und 6m breiter Raum im Norden, jeweils über die gesamte Länge des Gebäudes verlaufend) führen zu einer Reduzierung des Heizenergieverbrauchswert.
Auszeichnungen
DAM Preis 2026
Energetische Kennwerte
Energiestandard
Energetische Kennwerte
Primärenergie
Umweltthermie (Luft / Wasser)
Sekundärenergie
Umweltthermie (Luft / Wasser)
Energetische Kennwerte
Primärenergiebedarf ("Gesamtenergieeffizienz")
175,00 kWh/(m²a)
Heizenergieverbrauchswert
42,00 kWh/(m²a)
Stromverbrauchswert
56,00 kWh/(m²a)
Energiebedarf (Prozentuale Verteilung)
Heizung
41 %
Warmwasser
4 %
Beleuchtung
10 %
Lüftung
45 %
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