Architekturobjekte

Heinze ArchitekturAWARD 2026: Teilnehmer


ZK/U - Zentrum für Kunst und Urbanistik

10551 Berlin, Siemensstraße 27

Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: Peter Grundmann Architekten

Obergeschoss Mehrzweckraum Giebel - ZK/U - Zentrum für Kunst und Urbanistik

© Yizhi Wang

Süd Ansicht Straße - ZK/U - Zentrum für Kunst und Urbanistik

© Yizhi Wang

Nordansicht Park - ZK/U - Zentrum für Kunst und Urbanistik

© Yizhi Wang

Küche - ZK/U - Zentrum für Kunst und Urbanistik

© Yizhi Wang

Recycled Schultafeln und Stahltragwerk - ZK/U - Zentrum für Kunst und Urbanistik

© Yizhi Wang

Nordtreppe - ZK/U - Zentrum für Kunst und Urbanistik

© Yizhi Wang

Ostgiebel - ZK/U - Zentrum für Kunst und Urbanistik

© Yizhi Wang

Westgiebel - ZK/U - Zentrum für Kunst und Urbanistik

© Yizhi Wang

Nord-West Ansicht - ZK/U - Zentrum für Kunst und Urbanistik

© Yizhi Wang

Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: Peter Grundmann Architekten

Basisdaten zum Objekt

Lage des Objektes

Siemensstraße 27, 10551 Berlin, Deutschland

Objektkategorie

Objektart

Art der Baumaßnahme

Umbau

Fertigstellungstermin

09.2025

Projektbeteiligte Firmen und Personen

Architekt/Planer

Peter Grundmann Architekten

Hochstr. 33

13357 Berlin

Deutschland

Tel. +49 30 66406175

petergrundmann@gmx.info

Bauherr

KUNSTrePUBLIK e.V.

Siemensstraße 27

10551 Berlin

Deutschland

Fachplanung: Tragwerksplanung

Quittenbaum Bauingenieure GmbH

Jänkendorfer Str. 8

02906 Niesky

Deutschland

Tel. +49 3588 2225810

mail@qbauing.de

Fachplanung: Brandschutz

Studio XPO

Brunnenstraße 113

13355 Berlin

Deutschland

Verwendete Produkte

Geberit

Sanitärausstattungen

Waschbecken, WC-Becken, Armaturen

GROHE

Sanitärausstattungen

Paul Bauder

Dachbahnen

Elastomerbitumen-Schweißbahn

Remmers Gruppe SE

Abdichtungen gegen Bodenfeuchtigkeit

Remmers MB 2K

Diversey Deutschland

Bodenbeläge

DURAVIT

Sanitärausstattungen

DW Systembau

Stahlbetonfertigdecken

EPIFloors

Estrich im Außenbereich

PU-Estrich

Huber & Ranner

Lüftung

OCHSNER Wärmepumpen

Heizungsanlagen

Osmo Holz und Color

Holzanstriche

Holzlasuren

RZB Rudolf Zimmermann

Beleuchtung

thomas betonbauteile Betonwerk Fehrbellin

Stahlbetonfertigteile

Thyssenkrupp Schulte tk accelis Materials GmbH

Stahlprofile

Stahlprofile

VIGOUR

Sanitär

Gebäudedaten

Bauweise

Stahlbau

Tragwerkskonstruktion

Stahl

Anzahl der Vollgeschosse

3- bis 5-geschossig

Raummaße und Flächen

Bruttorauminhalt

14.902 m³

 

Bruttogrundfläche

3.534 m²

 

Nutzfläche

2.960 m²

 

Verkehrsfläche

436 m²

 

Grundstücksgröße

2.341 m²

Kosten

Gesamtkosten der Maßnahme (ohne Grundstück)

6.166.200 Euro

Beschreibung

Objektbeschreibung

Das Zentrum für Kunst und Urbanistik (ZK/U) wurde 2012 durch die Umnutzung eines ehemaligen Güterbahnhofs in Berlin-Moabit gegründet. Das Gebäude liegt eingebettet zwischen dem Westhafen, einem stark frequentierten Park sowie angrenzender Nachbarschaft und Gewerbenutzungen. Neben einer Künstlerresidenz umfasst das Programm ein vielfältiges Angebot für den Kiez:​ Gütermarkt, Kino, Konzerte und Workshops. Mit der Zeit erwies sich der vorhandene Raum angesichts der wachsenden Nachfrage als unzureichend, zudem war der energetische Zustand des Bestandsgebäudes dringend sanierungsbedürftig.
Im Jahr 2016 fiel die Entscheidung, das ZK/U zu erweitern. Da das Gebäude vollständig von Grünflächen umgeben ist, musste die Erweiterung ohne zusätzlichen Grundstückflächenverbrauch erfolgen. Die Lösung bestand darin, dem bestehenden, ungedämmten Lagerhaus ein weiteres Geschoss und eine räumliche Umhüllung  hinzuzufügen. Das alte Holzdach wurde zurückgebaut und als Kunstobjekt zu einem "Boot" umgebaut, um auf dem Wasserweg zur Documente Kassel zu fahren. Der Keller wurde sowohl für die Technik als auch für die neue Nutzung erweitert und energetisch saniert. Auf den Bestand wurde ein weit spannendes Fachwerk-Stahlskelett aufgesetzt, die die zwei Geschossdecken aus Spannbetonhohlkammer-Fertigteildecken für Obergeschoss und Dachterrasse tragen.
Im Keller- und Erdgeschoss befinden sich große Veranstaltungsräume. Im Erdgeschoss steht die Glasfassade auf der Südseite 1,80 Meter von der alten Ziegelwand entfernt, wodurch ein galerieartiger Raum als Pufferzone für Schal- und Wärmeschutz entsteht. Auf der Nordseite steht die Glasfassade 6 Meter weit von der alten Ziegelmauer, so dass hier ein zusätzlicher Raum entsteht. Zwei Außentreppen führen in das Obergeschoss, das von Galerie-Gängen umgeben ist. Über diese  Gänge erhalten alle Räume, neben ihrer inneren Erschließung auch außen einen Zugang. Dies ermöglicht eine flexible Teilung des Obergeschosses und eine störungsfreie parallele Nutzung der Räume. Die Dachterrasse, die ebenfalls durch die beiden Außentreppen ereicht wird, erweitert die Fläche des umliegenden Stadtparkes und ist die  urbanen Bühne, die das Nutzungspotential des Gebäudes erweitert:​ Sie wird sowohl als Workshop- oder Veranstaltungsfläche, als auch als Außenraumgalerie genutzt und bietet einen Panoramablick auf den Westhafen und Moabit.
Das Low-Tech-Energiekonzept basiert auf dem Haus-im-Haus-Prinzip:​ Die historischen Mauern im Erdgeschoss werden von einer Hülle aus Dreifachverglasung umschlossen. Die Galerien um die Erdgeschosshalle temperieren den großen Raum, während die bestehende Masse die Energie speichert. Im Obergeschoss übernehmen die Laubengänge nicht nur die Funktion der zweiten Erschließung, sondern dienen zugleich als natürlicher Sonnenschutz und Aufenthaltsfläche. Bewusst wurde darauf verzichtet, das historische Mauerwerk mit einer zusätzlichen Wärmedämmung zu überdecken. Ein entsprechender wärmeschutztechnischer Nachweis bestätigt die Funktionsfähigkeit dieses Low-Tech-Ansatzes.
Die alten und neuen Elemente – die Treppen, die Galerie-Gänge, die Stahlstruktur selbst, die Glasfassade, die Ziegelwand sowie die Innen- und Außenräume – sind offen und nacheinander angeordnet und schaffen eine komplexe räumliche Wahrnehmung. Dieses dynamische Zusammenspiel der architektonischen Elemente wird durch die vielen Künstler, Kulturschaffenden und Gemeinschaftsgruppen, die zu diesem Raum beitragen, weiter bereichert und macht das ZK/U zu einem lebendigen Zentrum für Kunst und urbane Interaktion.
Das Gebäude ist wie die Hinterbühne eines Theaters geplant. Eine rohe, bewusst unfertige Ästhetik, robuste Materialien und vielfältig teilbare und erreichbare Raumstrukturen erleichtern die Aneignung.
Die Architektur erlaubt Fehler, Veränderungen und Weiterentwicklungen.
Nicht zuletzt spielten die Kosten eine entscheidende Rolle in der Entwurfslogik. Der Ausbau wurde durch Mittel der Europäischen Union, des Bundes, des Landes Berlin sowie des Quartiersmanagements Beusselstraße finanziert. Ziel war es, mit minimalen Mitteln ein Maximum an Raum zu erreichen. Durch eine effiziente Konstruktionslogik, einen radikaler Leichtbau, den Verzicht auf Beschichtungen und Verkleidungen, und die Wiederverwendung gebrauchter Materialien konnte ein Gesamtbudget für alle Kostengruppen von 6.166.200 €. Dadurch gibt sich ein Preis von ca. 2.000 € pro m² brutto.
 

Beschreibung der Besonderheiten


  • Weiterentwicklung eines bestehenden Gebäudes statt Neubau
  • Aneignungsfähige Architektur durch Low-Budget (2.000€/m² brutto, KG 100 - 700), durch offene Oberflächen und robuste Materialien ohne Verkleidung
  • radikal offene Konstruktion als narrative Eigenschaft des Hauses
  • sichtbare Überlagerung von Bahnsteig-Treppenhaus-Laubengang-Konstruktion-Glasfassade-Innenraum-alte Ziegelwände, als Verdichtung der Nutzung des Hauses
  • Flächenvergrößerung und Aufstockung ohne zusätzlichen Fußabdruck
  • Low-Tech-Energiekonzept nach dem Haus-im-Haus-Prinzip
  • kompletter Erhalt des historischen Ziegelmauerwerks und aller historischen Fußböden
  • räumliche Einbindung in das Energiekonzept, in dem vor dem Hauptraum im EG, vorgelagerte Zwischenzonen entstanden sind
  • Flexible räumliche Organisation für unterschiedliche Nutzmodelle (Räume können über viele Wege erreicht werden)
  • Laubengänge als Erschließung, Sonnenschutz und räumliche Pufferzone
  • Dach als Erweiterung der Parkfläche und als urbane Bühne mit Veranstaltungsfläche und Blick auf den Westhafen
  • Verbindung von Kunst, Bildung, Kiezarbeit und öffentlichem Raum
  • Kosteneffiziente Umsetzung mit hoher räumlicher Qualität

Nachhaltigkeit

Das Energie- und Materialkonzept des ZK/U basiert vor allem auf Effizienz und Suffizienz. Durch das Low-Tech-Konzept "Haus im Haus", hüllt den Bestand ein mit einer Dreifachverglasung ein. Dadurch konnten alle alten Oberflächen erhalten werden. Die Bestandswände dienen zugleich als thermische Speichermasse. Die vorgelagerten Laubengänge sorgen für eine natürliche Verschattung. Diese Maßnahmen führen zu einer Reduzierung des Energiebedarfes. Durch die Aufstockung des Bestandes konnte die Flächenerweiterung ohne neuen Fußabdruck erreicht werden. Der allseitig umlaufend Stadtpark erhält mit der begrünten Dachterrasse eine Erweiterung. Die Grundrissstrukturen verfügen über vielfältige Wege. Alle Räume sind somit mehrfach erreichbar, so das sie unabhängig vom Gesamtgebäude betreten werden können. Dadurch können im Gebäude viele unterschiedliche Workshops, Ausstellungen, Vorträge, Veranstaltungen gleichzeitig und ohne gegenseitige Störung stattfinden. 
Materialseitig steht der Erhalt vorhandener Bauteile im Vordergrund; das alte Holzdach wurde zurückgebaut und als Kunstobjekt wiederverwendet. Die Innenwände im Gebäude wurden mit Schultafeln, die wir aufgrund der Umstellung auf digitale Tafeln kostenfrei von den Schulbehörden erhalten haben, verkleidet. Alle alten Bauteile wie Ziegelwände, Fußböden, Gewölbe und Decken blieben komplett erhalten, sogar die in den vergangenen 40 Jahren entstanden Graffitis. Durch konsequenten Leichtbau in der gesamten Stahlkonstruktion wurde eine erhebliche Menge an Material eingespart. Alle einzelnen Elemente, wie Zug- und Druckstäbe, Ober- und Untergurt wurden exakt nach den tatsächlichen statischen Belastungen dimensioniert, so dass sich in einem Fachwerkträger viele verschiedene Profile bzw. Dimensionen der Profile befinden. Die Geschossdecken bestehen aus Spannbetonhohldecken, wodurch sich der Betonanteil im Vergleich zu monolitischen Stahlbetondecken um über 30 % reduziert hat.
Die Aluminiumprofile der Glasfassade konnten in ihrer Dimension halbiert werden durch Diagonalstreben von der Mitte der Fassadenpfosten zur Decke. Die Verwendung der Bestandswände zur Windaussteifung des Gebäudes hat weiter zur Materialreduzierung geführt. Das Gebäude und das Warmwasser wird mit einer Luftwärmepumpe beheizt. Durch die Einhüllung mit einer 3-fach-Verglasung mit einem U-Wert von 0,5W/(m²K) und die hochgedämmte Dachdecke konnte ein Heizenergieverbrauchswert von 42kWh/(m²a) erreicht werden. Auch die Pufferzonen der auf Bedarf niedertemperierten Pufferzonen (Galerie im Süden und 6m breiter Raum im Norden, jeweils über die gesamte Länge des Gebäudes verlaufend) führen zu einer Reduzierung des Heizenergieverbrauchswert.

Auszeichnungen

DAM Preis 2026

Energetische Kennwerte

Energiestandard

Sonstiges

Energetische Kennwerte

Primärenergie

Umweltthermie (Luft / Wasser)

 

Sekundärenergie

Umweltthermie (Luft / Wasser)

Energetische Kennwerte

Primärenergiebedarf ("Gesamtenergieeffizienz")

175,00 kWh/(m²a)

 

Heizenergieverbrauchswert

42,00 kWh/(m²a)

 

Stromverbrauchswert

56,00 kWh/(m²a)

Energiebedarf (Prozentuale Verteilung)

Heizung

41 %

 

Warmwasser

4 %

 

Beleuchtung

10 %

 

Lüftung

45 %

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