Heinze ArchitekturAWARD 2026: Teilnehmer
Wo findet Sorge Stadt - Feministische Mappings zum Offenlegen des Raumsystems der Care-Arbeit
Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: Technische Universität Dresden, Architektur, Lea Knuth
Basisdaten zum Objekt
Lage des Objektes
Dresden, Deutschland
Objektkategorie
Objektart
Art der Baumaßnahme
Entwurfskonzept
Fertigstellungstermin
03.2026
Zeichnungen und Unterlagen
Beschreibung
Objektbeschreibung
Vor diesem Hintergrund besteht die zentrale Aufgabe der Arbeit darin, diese bislang weitgehend unsichtbaren räumlichen Strukturen von Care offenzulegen und methodisch zugänglich zu machen. Ziel ist es, das entstehende Care-Raumsystem sichtbar, analysierbar und bewertbar zu machen. Die Bearbeitung erfolgt zunächst über eine Literaturrecherche zu feministischer Stadtplanung, mit Schwerpunkt auf Care-Theorien. Dabei werden zentrale Themen wie Gender und Raum, Wohnen, Mobilität sowie historische Planungsansätze untersucht, um die strukturellen Bedingungen für die Organisation von Care-Arbeit im urbanen Raum zu verstehen. Darauf aufbauend wird ein theoretischer Fokus auf Care im öffentlichen Raum gelegt, gestützt durch raumsoziologische Ansätze.
Zur Eingrenzung des Gegenstands wird der Fokus auf den öffentlichen Raum gelegt, in dem gemeinschaftlich organisierte Care-Arbeit sichtbar wird. Die Arbeit untersucht dabei jene Formen von Sorgearbeit, die weder eindeutig dem privaten Haushalt noch einer institutionell geregelten Versorgung zugeordnet werden können. Diese Zwischenform von Care wird als räumlich relevante Praxis verstanden, die in der städtischen Alltagsorganisation eine wichtige Rolle spielt, bisher jedoch nur unzureichend erfasst und berücksichtigt wurde.
Die methodische Umsetzung erfolgt mittels Critical Mapping. In Anlehnung an das Projekt fem*MAP der TU Berlin wird eine eigene Kartierungslogik entwickelt, die unterschiedliche Organisationsformen von Care – trägerbasiert, community-basiert und hybrid – berücksichtigt. Auf dieser Grundlage werden die Dresdner Stadtteile Omsewitz, Gorbitz und Hechtviertel aufgrund ihrer unterschiedlichen Siedlungsstrukturen ausgewählt und untersucht.
Durch die Kombination aus Online-Recherche und Vor-Ort-Erhebung werden relevante Care-Orte, deren räumliche Einbettung, Zugänglichkeit und Nutzungsformen erfasst und in drei Kartierungen überführt. Diese stellen das Care-Raumsystem als Zusammenspiel von gebauter Umwelt, sozialer Organisation und alltäglicher Praxis dar. In der anschließenden Auswertung wird das offengelegte Raumsystem hinsichtlich seiner räumlichen Logiken und Konfliktfelder analysiert. Ergänzende Antikarten verdeutlichen dabei die Spannungen und Problemlagen, die aus der informellen und häufig ungeplanten Organisation von Care entstehen.
Die Arbeit zeigt, dass Care-Strukturen eine eigenständige räumliche Wirksamkeit entfalten und zur Reproduktion sozialer Ungleichheiten im Stadtraum beitragen. Gleichzeitig wird ein deutlicher planerischer Handlungsbedarf sichtbar. Die Arbeit leistet damit einen Beitrag zur systematischen Sichtbarmachung von Care im urbanen Raum und schafft eine Grundlage für deren stärkere Berücksichtigung in der Stadtplanung.
Beschreibung der Besonderheiten
Besonders ist zudem der methodische Zugriff über Critical Mapping, der nicht nur Orte erfasst, sondern ein verborgenes Raumsystem lesbar macht. Durch die Entwicklung einer eigenen Legende, die Differenzierung nach Organisationsformen sowie die Ergänzung durch Antikarten wird Care auf mehreren Ebenen analysiert: als Nutzung, als Struktur und als Konfliktfeld. Damit geht die Arbeit über eine reine Kartierung hinaus und zeigt, wie sich Unsichtbarkeit, Zugänglichkeit und soziale Aushandlung räumlich ineinanderschreiben.
Ein wesentlicher Schwerpunkt liegt auf dem Vergleich dreier sehr unterschiedlicher Dresdner Siedlungsformen. Gerade in diesem Vergleich wird deutlich, dass Care-Orte je nach baulicher und sozialer Struktur andere Räume besetzen, andere Zugänge benötigen und andere Formen der Aneignung hervorbringen. Die Arbeit zeigt somit nicht nur einzelne Care-Orte, sondern die jeweiligen räumlichen Bedingungen, unter denen Community-Care entsteht, funktioniert und zugleich prekär bleibt.
Die Ausgangsthese wird vor allem dadurch beantwortet, dass das sichtbar gemachte Raumsystem nicht als Nebenprodukt, sondern als eigenständige räumliche Ordnung verstanden wird. Die Analyse zeigt, dass fehlende Planung nicht zu Leere führt, sondern zu informellen, oft selbstorganisierten Care-Strukturen, die den öffentlichen Raum umdeuten und umlagern. Gerade darin liegt der zentrale Beitrag der Arbeit: Sie legt jene Ebene frei, auf der Care räumlich wirksam wird, ohne planerisch anerkannt zu sein, und macht damit die Konflikte, aber auch die Potenziale dieser Strukturen nachvollziehbar.
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