Heinze ArchitekturAWARD 2026: Teilnehmer
werkstattwohnen - Umbau einer Tischlerei zu Wohnraum
28203 Bremen, Prangenstraße 63
Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: Kollektiv nach oben Architektur und Design PartGmbB
Basisdaten zum Objekt
Lage des Objektes
Prangenstraße 63, 28203 Bremen, Deutschland
Objektkategorie
Objektart
Art der Baumaßnahme
Umbau
Fertigstellungstermin
03.2026
Zeichnungen und Unterlagen
Projektbeteiligte Firmen und Personen
Verwendete Produkte
Gebäudedaten
Bauweise
Mauerwerksbau
Tragwerkskonstruktion
Ziegelmauerwerk
Anzahl der Vollgeschosse
3- bis 5-geschossig
Raummaße und Flächen
Bruttorauminhalt
966 m³
Bruttogrundfläche
389 m²
Nutzfläche
310 m²
Verkehrsfläche
13 m²
Wohnfläche
252 m²
Grundstücksgröße
153 m²
Kosten
Veranschlagte Rohbaukosten des Bauwerks
330.000 Euro
Gesamtkosten der Maßnahme (ohne Grundstück)
600.000 Euro
Lage und Umgebung
Beschreibung
Objektbeschreibung
Öffnet sich die Haustür des unscheinbaren, 160 Jahre alten Reihenhauses im Bremer Viertel, offenbart sich eine überraschende Gebäudetiefe von mehr als 18 Metern. Dahinter verbirgt sich ein typisches Merkmal des ehemaligen Arbeiter- und Handwerkerviertels: In den unteren Geschossen wurde gearbeitet, darüber gewohnt. Einige Werkstätten reichten über die gesamte Grundstückstiefe bis in die Innenhöfe hinein – so auch die Tischlerei, einer der letzten verbliebenen Handwerksbetriebe inmitten des heute überwiegend von Wohnen geprägten Quartiers.
Nach jahrelanger erfolgloser Nachfolgesuche stand der zweigeschossige, L-förmige Werkstattanbau vor dem Verfall. Der Bestandsschutz galt ausschließlich für die Nutzung als Tischlerei. Da das Grundstück nahezu vollständig überbaut war, hätte eine Umnutzung umfangreiche brandschutztechnische Maßnahmen erfordert, insbesondere die Ausbildung von Brandwänden und das Verschließen bestehender Fensteröffnungen. Neben der nachhaltigen und energetischen Sanierung der historischen Bausubstanz wurde daher die Schaffung eines Innenhofs als neue Licht- und Luftquelle zur zentralen Entwurfsaufgabe. Das eingeschnittene Atrium sichert den Erhalt eines Großteils der vorhandenen Gebäudefläche und schafft die Voraussetzung für eine langfristige Nutzung des Bestands.
KONZEPT
Die Lage des zweigeschossigen Atriums entwickelte sich aus der Geometrie des L-förmigen Anbaus und wurde in dessen Ecke eingeschnitten. Als primäre Licht- und Luftquelle organisiert es die vier angrenzenden Aufenthaltsräume sowie die rückwärtigen Nebenräume. Die konsequente Ausrichtung aller Räume zum Innenhof schärft die Raumstruktur und verleiht dem Haus eine neue innere Ordnung. Um die räumliche Großzügigkeit zu bewahren, wurde auf Türen weitgehend verzichtet. Sichtbeziehungen zwischen den Ebenen entstehen über den Außenraum ebenso wie über die Galerie, die Küche und Wohnbereich miteinander verbindet.
Fließende Übergänge zwischen Innen- und Außenraum schaffen großformatige Schiebetürelemente, eingefasst von einer reflektierenden Fassade. Der Verzicht auf eine Attika lenkt den Blick zum Himmel und verstärkt die räumliche Wirkung des Hofes. Durch das Atrium konnten die historischen Fassadenöffnungen des Bestands erhalten werden. Im Hochparterre überdeckt ein Balkon etwa ein Drittel des Luftraums und eröffnet Ausblicke in die rückwärtigen Gärten. Im Gegensatz dazu wurden die Öffnungen des Patios im Souterrain zugunsten größerer Privatheit mit Glasbausteinen geschlossen. Mitten in einem der lebendigsten Quartiere Bremens entsteht so ein bemerkenswert geschützter Außenraum.
Im Souterrain des Vorderhauses befinden sich Technik- und Hauswirtschaftsraum sowie ein Gästezimmer mit eigenem Bad und separatem Außenzugang. Dadurch kann dieser Bereich unabhängig genutzt oder an Gäste vermietet werden.
Die Maisonettewohnung im ersten und zweiten Obergeschoss wurde behutsam saniert. Neben der Modernisierung des Badezimmers wurde die Decke zum bislang ungenutzten Spitzboden geöffnet. Zusätzliche Nutzflächen und ein neues Dachfenster verbessern die Belichtung des zuvor dunklen Treppenraums. Die aufgrund aktueller Brandschutzanforderungen versetzte Wohnungseingangstür ermöglichte zugleich die Ausbildung eines zuvor fehlenden Flurbereichs.
Beschreibung der Besonderheiten
Das Hochparterre fungiert als logistischer Verteiler des Hauses. Von hier aus erschließen sich das Büro im Vorderhaus, die Werkstattwohnung im Anbau sowie die Maisonettewohnung in den oberen Geschossen. Im Souterrain ergänzen Technik- und Hauswirtschaftsräume ein separat zugängliches Gästezimmer mit eigenem Bad, das unabhängig genutzt oder vermietet werden kann.
Die eigentliche Besonderheit des Projekts liegt jedoch darin, dass sämtliche wesentlichen Entwurfsentscheidungen aus den komplexen und teilweise widersprüchlichen Anforderungen des Baurechts entwickelt wurden. Die nahezu vollständige Überbauung des Grundstücks und die damit verbundenen Brandschutzanforderungen hätten bei einer konventionellen Lösung zum Verlust der bestehenden Belichtungssituation und großer Teile der nutzbaren Fläche geführt.
Das neu eingeschnittene Atrium bildet die Antwort auf diese Rahmenbedingungen. Es sichert Belichtung, Belüftung und die Umnutzbarkeit des ehemaligen Werkstattgebäudes zugleich. Als räumliches Zentrum organisiert es sämtliche Abläufe der Werkstattwohnung, trennt Aufenthalts- und Nebenräume, ermöglicht flurfreie Grundrisse und schafft vielfältige Sichtbeziehungen zwischen den Ebenen. Aus einer baurechtlichen Restriktion entsteht so die prägende räumliche Qualität des Hauses.
Über den Einzelfall hinaus versteht sich das Projekt als Modell für den Umgang mit historischen Hinterhofstrukturen in verdichteten innerstädtischen Quartieren. Es zeigt, wie durch gezielte Eingriffe bestehende Bausubstanz erhalten, Leerstand vermieden und zusätzlicher Wohnraum geschaffen werden kann, ohne die räumliche Identität des Ortes aufzugeben.
Nachhaltigkeit
Die Grundlage der Nachhaltigkeitsstrategie bildet der Erhalt und die Weiterentwicklung der vorhandenen Bausubstanz. Die Weiternutzung des Bestands bewahrt erhebliche Mengen grauer Energie, reduziert den Ressourcenverbrauch und verlängert den Lebenszyklus des Gebäudes.
Der Umgang mit dem Bestand war geprägt von großer Wertschätzung gegenüber den vorhandenen Materialien und Konstruktionen. Zahlreiche Bauteile wurden freigelegt, aufgearbeitet oder in neuer Form weiterverwendet. Im Innenhof wurden die historischen Mauerwerksflächen vom Putz befreit, statisch ertüchtigt und mit einer Kalkschlämme geschützt. Das Freilegen der Stahlträgerdecke mit Betonausfachung macht die ehemalige Nutzung als Werkstatt weiterhin ablesbar und bewahrt einen prägenden Teil der Gebäudegeschichte.
Die energetische Sanierung erfolgte mittels einer Innendämmung aus Holzfaserdämmplatten mit Lehmputz. Ergänzend wurden ökologische und diffusionsoffene Materialien wie Linoleum, Kautschuk, Wasserglas-, Lehm- und Silikatfarben eingesetzt. Eine vollflächige Fußbodenheizung ermöglicht den Betrieb mit niedrigen Vorlauftemperaturen und schafft die Voraussetzung für den zukünftigen Anschluss an das geplante Fernwärmenetz. Nachhaltigkeit wird dabei nicht allein technisch verstanden, sondern als Zusammenspiel aus Ressourcenschonung, Langlebigkeit und gesunden Materialien.
Besonderes Augenmerk galt dem Re-Use vorhandener Bauteile und Materialien. Die Stahlträger der zurückgebauten Decke wurden für den Ringanker und den Balkon wiederverwendet. Die alten Dachziegel wurden gemeinsam mit Ziegeln einer abgebrochenen Scheune gereinigt und erneut verlegt. Ausgediente Travertinfensterbänke fanden als Waschtisch und Sitzbank eine neue Nutzung, ein altes Türblatt wurde zur Tapetentür und das Pflaster des Innenhofs stammt von einem regionalen Bauernhof. Auch die Multiplexküche wurde übernommen und weitergenutzt; Küchenrückwand und Schrankfronten entstanden aus dem Verschnitt der Fassadenplatten. Re-Use wird damit nicht als Einzelmaßnahme verstanden, sondern als durchgängiges Entwurfsprinzip.
Ein besonderes Beispiel für zirkuläres Bauen ist die in Eigenleistung entwickelte Treppe. Sie besteht aus 28 CNC-gefrästen Holzplatten, die ausschließlich über mechanische Verbindungen mittels Gewindestangen und Muttern gefügt sind. Die Konstruktion kommt vollständig ohne Verklebungen aus, ist sortenrein trennbar, reparierbar und vollständig rückbaubar. Planung, Fräsdaten und Montage wurden in Eigenleistung erbracht. Die Treppe demonstriert, wie digitale Fertigung, einfache Fügetechniken und handwerkliches Wissen zu einer ressourcenschonenden, wirtschaftlichen und kreislauffähigen Konstruktion führen können.
Auch der Innenhof trägt zur ökologischen Qualität des Projekts bei. Durch die Entsiegelung zuvor vollständig überbauter Flächen verbessert er das Mikroklima, erhöht die Biodiversität und schafft einen hochwertigen Freiraum innerhalb der dichten Blockstruktur. Als Licht- und Luftquelle steigert er nicht nur die Wohnqualität, sondern wirkt zugleich den zunehmenden Hitzebelastungen im urbanen Raum entgegen.
„Werkstattwohnen“ verbindet Bestandserhalt, Kreislaufwirtschaft und Klimaanpassung zu einer nachhaltigen Strategie für den Umgang mit historischen Hinterhofstrukturen. Die konsequente Weiterverwendung vorhandener Ressourcen, die Reduzierung versiegelter Flächen und die langfristige Nutzbarkeit des Gebäudes zeigen, wie nachhaltige Transformation im Bestand gelingen kann.
Schlagworte
Energetische Kennwerte
Energiestandard
Energetische Kennwerte
Primärenergie
Gas
Sekundärenergie
Gas
Objektdetails
Gebäudespezifische Merkmale
Anzahl Wohneinheiten
2
Das Objekt im Internet
Objekte in der Umgebung
- Evangelische Friedenskirche
- Casino Futur_Auf den Häfen fahren keine Schiffe
- POPO Sitzmöbel und Stehschränke GmbH, Bremen
- Umbau der Matthäi-Skylounge und Weser-Lounge im Weserstadion Bremen
- Weser-Stadion
- Hulsbergspitze – Neubau eines Wohn- und Geschäftshauses in Bremen
- KARL Solidarisch Bauen und Wohnen
Ähnliche Objekte



