Heinze ArchitekturAWARD 2026: Teilnehmer
Wachturm am Ochsen
Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: Hochschule Anhalt | Dessau, Architektur, Franz Klemm
Basisdaten zum Objekt
Lage des Objektes
Deutschland
Objektkategorie
Objektart
Art der Baumaßnahme
Entwurfskonzept
Fertigstellungstermin
02.2026
Zeichnungen und Unterlagen
Gebäudedaten
Bauweise
Mauerwerksbau
Tragwerkskonstruktion
Stahlbeton
Anzahl der Vollgeschosse
3- bis 5-geschossig
Beschreibung
Objektbeschreibung
Gefordert war eine Neudefinition der Gedänkstätte im Roten Ochsen in Halle (Saale). Bei dieser handelt es sich um eine Strafvollzugsanstalt, welche bereits zu Zeiten des NS-Regimes als auch später in der DDR als solche genutzt wurde. Der Ort soll in Zukunft potenziell durch ein Stasi-Unterlagen-Archiv ergänzt werden, weshalb auch ein weiterer Ausbau als Gedenkort in Frage kommt. In welcher Form kann dieser Ort mit seiner Historie heute von uns neu verstanden werden?
Konzept und Leitidee.
Dem Entwurf liegt die Neuauffassung eines Wachturmes als städtebauliches Motiv zugrunde. Der Bau funktioniert in seiner Form jedoch nicht als Nutzarchitektur, sondern wird zur Kulisse von Stadtleben. Wie auch Aldo Rossi die Typologie Turm als Teil des kollektiven Gedächtnisses von Stadt versteht, soll auch der Neubau ähnliche Aufgabe für die Gedenkstätte am Roten Ochsen übernehmen. Der Turm selbst ist als Leerraum geplant und stimmt auf den Ort in Verbindung mit seiner Historie ein.
Anschluss findet er über einen Zwischenbaukörper, der eine weitere Abgrenzung schafft und für die Vermittlung zwischen den Architekturen verantwortlich ist. Hier ist auch der neue Haupteingang der Gedenkstätte vorgesehen, Hier werden Wachturm, Ausstellungen und die Außenanlagen zugänglich. Auch in Materialität wird eine harte Grenze zur Geschichte gezogen. Die neu angeordneten Baukörper übernehmen nicht die klassisch, rote Klinkeroptik des Roten Ochsen. Stattdessen setzen langformatige Wasserstrichziegel in hellbraun, beiger Optik einen neuen Akzent für den Zubau. Das neue Archiv wird flächig in den Untergrund des Innenhofgeländes eingelassen. So sind die schweren Rollregalanlagen auf dem natürlich gewachsenen unteren Boden abgesetzt und die Lastabtragung erfolgt optimal. Der Außenbereich bleibt infolgedessen frei von großflächigen Eingriffen und die eher nicht für Lagerraum ausgelegten Bestandsstrukturen müssen nicht durch übergriffige Umbauprozesse zerformt werden.
Beschreibung der Besonderheiten
Der Turm ist das Leitmotiv des Entwurfsgedanken. Entsprechend bedeutsam ist der Innenraum, welcher hier von den Besuchenden erwartet wird. Vielleicht überrascht er anfänglich durch seine klaffende Leere in Verbindung mit seiner hohen Proportion - schlussendlich soll er jedoch auf die Gedenkstätte einstimmen. Eintreten kann man durch die skulptural eingeschnittene Spalte an der Seite des Turmes. Folglich erwartet eine Lichtsituation, welche aus den Öffnungen am oberen Ende des Turmes entsteht. Sie verkörpern von außen das Auge des Wachturmes - heute werfen sie im Gegensatz dazu Licht auf die Namen der Opfer des Roten Ochsen und deren Geschichte. Hierzu werden Gedenktafeln und Inschriften an den Innenwänden des Turmes vorgeschlagen. Durch die umlaufende Belichtungssituation über den Tag hinweg werden immer andere Bereiche erhellt. So kann auch mehrfach der Turm betreten werden, um immer wechselnde Eindrücke zu erhalten. Manche Tage lassen den Raum jedoch auch gänzlich im Dunkeln. Eine zweite, autarke Ausstellung kann auch hier platziert werden, solange sie im Ton dem Raum nicht übergriffig wird.
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