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Von Allem Wenig - Umbau einer Typenschule in Leipzig
Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: Bauhaus-Universität Weimar, Architektur und Urbanistik, Daniel Hiebsch
Basisdaten zum Objekt
Lage des Objektes
Deutschland
Objektkategorie
Objektart
Art der Baumaßnahme
Entwurfskonzept
Fertigstellungstermin
07.2025
Zeichnungen und Unterlagen
Gebäudedaten
Bauweise
Stahlbau
Tragwerkskonstruktion
Stahl
Anzahl der Vollgeschosse
3- bis 5-geschossig
Raummaße und Flächen
Bruttorauminhalt
23.000 m³
Bruttogrundfläche
1.370 m²
Nutzfläche
3.900 m²
Verkehrsfläche
850 m²
Grundstücksgröße
11.700 m²
Beschreibung
Objektbeschreibung
-Umbau einer Typenschule
Ausgangslage I Typenschule mit zwei Gesichtern
Die Aufgabenstellung des Entwurfs mit dem Thema „Von allem wenig“ widmet sich der Frage nach Materialeffizienz, dem unkonventionellen Fügen unterschiedlicher Materialien und der daraus resultierenden Gestaltqualität. Im Zentrum steht der An- bzw. Umbau einer Typenschule der DDR-Zeit, deren räumliche Struktur erweitert und an gegenwärtige pädagogische Anforderungen angepasst werden soll.
Als Ausgangspunkt diente Typenschule Leipzig, eine sogenannte Gangschule, die durch ihre klar strukturierte Organisation und rationalistische Gestaltung geprägt ist. Der Typus wirkt im Kontext der umgebenden Wohnsiedlungen zugleich fremd und eigenständig: Als serielles, industriell hergestelltes Bauwerk hebt er sich von seiner Umgebung ab, schafft aber damit auch einen eigenen Kosmos, eine in sich geschlossene Welt des Lernens.
Ziel des Projekts war es, diesen Charakter nicht aufzulösen, sondern zu stärken – und zugleich eine räumliche wie konzeptionelle Öffnung zu schaffen, die neue Formen des Lernens und der Gemeinschaft ermöglicht. Die Intervention sollte die strukturelle Logik des Bestands respektieren und gleichzeitig seine monolithische Geschlossenheit in eine durchlässige, adaptive Struktur überführen.
Konzept I Addition und Balance
Der Entwurf versteht den Umbau als Balanceakt: Eingriffe werden dort gesetzt, wo sie bestehende Qualitäten ergänzen oder neue Verbindungen schaffen. Es handelt sich um vier präzise Additionen, die jeweils auf spezifische Schwächen des Bestands reagieren und diesen funktional wie räumlich erweitern.
Als Grundlage dafür dient der Umbau des bestehenden Gebäudes. Das vormals geschlossene Untergeschoss wird durch gezielte Öffnungen mit dem Erdgeschoss verbunden. Durch das Entfernen einzelner Deckenplatten entsteht eine großzügige öffentliche Zone, die gemeinschaftliche Nutzungen aufnimmt und eine neue Beziehung zwischen Innen und Außen herstellt. Die Schule öffnet sich dadurch zum Quartier hin, schafft eine neue Adresse und wird Teil des öffentlichen Lebens.
Die erste strukturveränderte Addition ist die „Laube“. Ein neuer Laubengang entlang der Nordfassade ermöglicht die Vergrößerung und gleichmäßige Belichtung der Klassenzimmer. Er ordnet die Erschließung neu und schließt an zwei Gemeinschaftsräume, die die Treppen beinhalten, an. Gleichzeitig schafft die Laube eine formale Balance zwischen Nord- und Südfassade: Während die Südfassade des Bestands durch ihre kleinteilige Gliederung lebendig wirkte, war die Nordseite bislang geschlossen und massiv. Durch die neue Struktur erhält das Gebäude eine kohärente, rhythmisierte Hülle, die Alt und Neu visuell miteinander verzahnt.
Zwei freistehende Türme, der „Rundling“ und der „Eckling“, an die neue Erschließung herangestellt. Beide folgen einer identischen konstruktiven Logik und beherbergen neue Lern- und Aktivräume, die das traditionelle Klassenzimmerkonzept erweitern. Sie sind nur an den Bestand herangestellt, wodurch die tragende Struktur des Altbaus unverändert bleibt. Die Türme agieren als autonome Architekturen im Dialog mit dem Hauptgebäude. Sie stellen Additionen und keine Anbauten dar.
Den Abschluss bildet ein aufgesetzter, leichter Aufbau, der sogenannte „Hut“. Er komplettiert die neue Gebäudekomposition volumetrisch und schafft zusätzliche Flächen für gemeinschaftliche oder experimentelle Nutzungen. Gleichzeitig vermittelt er Balance und Maß, indem er das Ensemble in seiner Proportion ausgleicht.
In ihrer Gesamtheit bilden diese Eingriffe ein präzises, balanciertes System aus Ergänzungen und Leerräumen. Der Bestand bleibt klar erkennbar, während die neuen Elemente ein Narrativ der Weiterentwicklung formulieren – kein Bruch, sondern eine fortgesetzte Geschichte.
Fazit
Der Entwurf versteht die DDR-Typenschule nicht als Relikt, sondern als offenes System, das durch gezielte Eingriffe aktualisiert werden kann. Die Kombination aus präziser konstruktiver Logik, räumlicher Neuorganisation und materialbewusster Haltung führt zu einem neuen architektonischen Ausdruck, der sowohl die Geschichte des Ortes respektiert als auch eine Perspektive für die Zukunft formuliert.
Beschreibung der Besonderheiten
Die vier Additionen sind eigenständige Akteure, die sich in ihrer Struktur bewusst vom Massivbau des Bestands absetzen. Ihr gemeinsamer Nenner ist die Konstruktion aus Stahl, die sich durch eine hohe Präzision, Kleinteiligkeit und Wiederverwendbarkeit auszeichnet.
Der Stahlbau steht dabei nicht nur für technologische Effizienz, sondern auch für eine ästhetische Haltung: Das Fügen einzelner Elemente wird zum sichtbaren, gestalterischen Prinzip. Diese Logik des Zusammenfügens knüpft an die bestehende Kleinteiligkeit der südlichen Fassade an und übersetzt sie in eine zeitgenössische, leichte Architektursprache. Die neuen Bauteile erscheinen so nicht als Fremdkörper, sondern als Fortführung eines vorhandenen Themas.
Zu Beginn des Entwurfsprozesses wurden verschiedene Bauweisen miteinander verglichen, insbesondere Stahl- und Betonbau. Die Untersuchung zeigte, dass ein vergleichbarer Umbau in Beton ein Vielfaches an CO₂-Emissionen verursacht hätte und keine Wiederverwendung von Bauteilen erlaubt. Der Stahlbau hingegen erwies sich als die nachhaltigere Lösung: leicht, präzise, reversibel und nahezu vollständig aus wiederverwendeten Elementen realisierbar. Erst durch diesen Vergleich wurde das Potenzial des Stahlbaus als konstruktives und ökologisches Prinzip deutlich – seine Materiallogik prägt den gesamten Entwurf.
Denn ein zentrales Element des Projekts ist der Umgang mit bestehenden Ressourcen. Die Stahlprofile und Fassadenelemente der Additionen stammen aus lokalen Rückbauprojekten in Leipzig und Umgebung. Durch das Zusammenfügen standardisierter, wiederverwendeter Profile entsteht eine neue, hybride Struktur, die sowohl konstruktiv als auch ökologisch überzeugt.
Eine überschlägige Berechnung der CO₂-Bilanz zeigt das Potenzial dieser Strategie: Da keine neuen Materialien produziert werden müssen, entstehen kaum zusätzliche Emissionen. Dabei nähert sich der rechnerische Wert nahezu null und berücksichtigt lediglich notwendige Brandschutzmaßnahmen.
So wird das Motto „Von allem wenig“ nicht nur formal, sondern auch ökologisch und materiell eingelöst: Aus der Addition weniger, bereits vorhandener Elemente entsteht ein komplexes, funktionales Ganzes.
Nachhaltigkeit
Die vier Additionen sind eigenständige Akteure, die sich in ihrer Struktur bewusst vom Massivbau des Bestands absetzen. Ihr gemeinsamer Nenner ist die Konstruktion aus Stahl, die sich durch eine hohe Präzision, Kleinteiligkeit und Wiederverwendbarkeit auszeichnet.
Der Stahlbau steht dabei nicht nur für technologische Effizienz, sondern auch für eine ästhetische Haltung: Das Fügen einzelner Elemente wird zum sichtbaren, gestalterischen Prinzip. Diese Logik des Zusammenfügens knüpft an die bestehende Kleinteiligkeit der südlichen Fassade an und übersetzt sie in eine zeitgenössische, leichte Architektursprache. Die neuen Bauteile erscheinen so nicht als Fremdkörper, sondern als Fortführung eines vorhandenen Themas.
Zu Beginn des Entwurfsprozesses wurden verschiedene Bauweisen miteinander verglichen, insbesondere Stahl- und Betonbau. Die Untersuchung zeigte, dass ein vergleichbarer Umbau in Beton ein Vielfaches an CO₂-Emissionen verursacht hätte und keine Wiederverwendung von Bauteilen erlaubt. Der Stahlbau hingegen erwies sich als die nachhaltigere Lösung: leicht, präzise, reversibel und nahezu vollständig aus wiederverwendeten Elementen realisierbar. Erst durch diesen Vergleich wurde das Potenzial des Stahlbaus als konstruktives und ökologisches Prinzip deutlich – seine Materiallogik prägt den gesamten Entwurf.
Denn ein zentrales Element des Projekts ist der Umgang mit bestehenden Ressourcen. Die Stahlprofile und Fassadenelemente der Additionen stammen aus lokalen Rückbauprojekten in Leipzig und Umgebung. Durch das Zusammenfügen standardisierter, wiederverwendeter Profile entsteht eine neue, hybride Struktur, die sowohl konstruktiv als auch ökologisch überzeugt.
Eine überschlägige Berechnung der CO₂-Bilanz zeigt das Potenzial dieser Strategie: Da keine neuen Materialien produziert werden müssen, entstehen kaum zusätzliche Emissionen. Dabei nähert sich der rechnerische Wert nahezu null und berücksichtigt lediglich notwendige Brandschutzmaßnahmen.
So wird das Motto „Von allem wenig“ nicht nur formal, sondern auch ökologisch und materiell eingelöst: Aus der Addition weniger, bereits vorhandener Elemente entsteht ein komplexes, funktionales Ganzes.
Schlagworte
Objektdetails
Gebäudespezifische Merkmale
Anzahl Klassen
12
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