Heinze ArchitekturAWARD 2026: Teilnehmer
Vom Klinker zum Lehm - Die Hamburger Gummi-Waaren Compagnie
Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: Bauhaus Universität Weimar, Architektur, Amelie Kotte
Basisdaten zum Objekt
Lage des Objektes
Deutschland
Objektkategorie
Objektart
Art der Baumaßnahme
Entwurfskonzept
Fertigstellungstermin
04.2026
Zeichnungen und Unterlagen
Gebäudedaten
Bauweise
Lehmbau
Tragwerkskonstruktion
Lehm
Anzahl der Vollgeschosse
3- bis 5-geschossig
Beschreibung
Objektbeschreibung
Jede Epoche hat so die Freiheit für sich eine neue Sprache zu entwickeln und die zeitgemäßen technischen Möglichkeiten zu entfalten, ohne das Material und seine Konstruktionsmethode verändern zu müssen. In dieser Überlagerung entsteht ein Bauwerk, das seine Zeitspuren nicht verbirgt, sondern als lesbare Schichten weiterträgt:
Nebeneinander angebaut, hintereinander geschichtet und übereinander aufgestockt. Er wird zum verbindenden Element zwischen den Zeiten.
Der Hamburger Klinker weist als lokales Identiätsmerkmal in seiner Zusammensetzung als massives, langlebiges und klimaregulierendes Material großes Potenzial für nachhaltige Bauweisen auf, die zeitgemäß weitergedacht werden müssen, denn 70% bis 90% der CO2 Emissionen entstehen hier beim Brennen. Der Entwurf geht mit dem Material einen Schritt zurück und erforscht, wie sich ungebrannter Ziegel für den Weiterbau von Gebäuden verarbeiten lässt, welche Eigenschaften im Fokus stehen und wie diese nachhaltig eingesetzt werden können. Der Rohstoff wird nicht in seiner konventionellen Form zitiert, seine Qualitäten werden in eine neue Zeitschicht übersetzt: In Bauteile, die thermisch wirksam sind, die die Atmungsfähigkeit des Materials nutzen und so Räumen neue Qualitäten geben können.
Am Beispiel des Gebäudes der ehemaligen New-York Hamburger Gummi-Waaren Compagnie in Harburg wird eine Architektur entwickelt, die sich den drei Prinzipien des Weiterbauens annimmt: Das Schichten im Nebeneinander, im Hintereinander und im Übereinander.
Beschreibung der Besonderheiten
Die gewölbte Form der Kappendecke der Markthalle öffnet den Raum nach oben und verbessert die Raumakustik, indem sie den Schall streut. Die Kappen aus leichtem Lehmstein liegen zwischen zwei Holzbalken die auf einer Holzkonstruktion aufliegen und von Lehmstützen getragen werden. Der leichte Lehmstein eignet sich hier besonders aufgrund seines geringen Eigengewichts. Zusätzlich werden die Kappen mit einem Lehmputz bestrichen, der durch seine poröse Oberflächenstruktur Gerüche, Feuchtigkeit und Schall ideal aufnehmen kann. Die Kappendecke bildet das Dach der Markthalle aus, welche als soziales Zentrum des Innenhofes dient und deren Form durch die Verlängerung des Bestandsgebäudes gebildet wird. Hier wird somit eine neue Zeitschicht neben die Alte gesetzt.
Aus dem Rückbau einiger Hallen im Innenhof wird viel Material in Form von Klinker gewonnen und auf der anderen Seite vor Teile der Fassade gesetzt, um diese zu vereinheitlichen. So bekommt die lange und immer wieder zurückspringende Fassade im Süden eine einheitliche Flucht, beruhigt diese und setzt den Fokus wieder auf die identitätsstiftende Länge des Gebäudes. Durch das Zurücksetzen der Lehmstützen, können diese auch im Außenraum genutzt werden, da sie so vor direkter Bewitterung geschützt sind. Die hinteren Stützen bestehen aus einem schweren Lehmvollstein, der durch seine hohe Masse eine hohe Druckfestigkeit, Formstabilität und eine geringe Verformung unter Last hat. Durch die Setzung und die Form der Lehmstützen werden zwischen ihnen Räume erzeugt, die neben der Nutzung als Erschließung die Südseite auch als Aufenthaltsort nutzbar machen. Es wird eine neue Zeitschicht vor die Alte gesetzt.
Durch den durchgesteckten Wohnbereich verbindet sich die Wohnung nicht nur mit dem sonnigen Laubengang, sondern erstreckt sich auch bis zum grünen Innenhof. Durch das über die Dächer gespeiste Regenwasserbecken im grünen Innenhof fungiert dieser auch als kühlender Hof. Die Kombination der durchgesteckten Wohnung und des Wasserbeckens macht eine komplette kühlende Durchlüftung aller Räume möglich. Erwärmt wird die Wohnung durch bauteilaktivierte Lehmwände, die so angeordnet sind, dass jedes Zimmer Anschluss zu mindestens einer dieser hat. Sie bilden in der Mitte der Wohnung ein warmes Zentrum aus. Die bauteilaktivierten Wände sind durch den Wärmekreislauf vertikal miteinander verbunden und setzen sich in jedem Geschoss übereinander auf die Bestandkappendecken. So wird eine neue Zeitschicht über die Alte gesetzt.
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