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Architekturobjekte

Heinze ArchitekturAWARD 2026: Teilnehmer


Vis à Vis - Kirche auf Augenhöhe

Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: FH Erfurt, Architektur und Stadtplanung, Hannah Andree

Innenraum vis à vis - Vis à Vis - Kirche auf Augenhöhe

© Hannah Andree, Mara Förster

Außenraum vis à vis - Vis à Vis - Kirche auf Augenhöhe

© Hannah Andree, Mara Förster

Umgebungsmodell vis à vis - Vis à Vis - Kirche auf Augenhöhe

© Joerg Behrens

Innenraummodell 1:20 vis à vis - Vis à Vis - Kirche auf Augenhöhe

© Hannah Andree, Mara Förster

Fügung an Historische Stütze 1:20 vis à vis - Vis à Vis - Kirche auf Augenhöhe

© Hannah Andree, Mara Förster

Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: FH Erfurt, Architektur und Stadtplanung, Hannah Andree

Basisdaten zum Objekt

Lage des Objektes

Deutschland

Objektkategorie

Objektart

Art der Baumaßnahme

Entwurfskonzept

Fertigstellungstermin

03.2026

Gebäudedaten

Bauweise

Holzmodulbau

Tragwerkskonstruktion

Holz

Anzahl der Vollgeschosse

2-geschossig

Raummaße und Flächen

Bruttogrundfläche

887 m²

 

Nutzfläche

855 m²

 

Grundstücksgröße

4.280 m²

Beschreibung

Objektbeschreibung

In der Erfurter Altstadt, unweit der Krämerbrücke, soll in der denkmalgeschützten Schottenkirche ein neues ökumenisches Zentrum für die evangelische und katholische Jugendgemeinden Erfurts entstehen.

Der Entwurf trägt den programmatischen Titel „vis a vis“ , was aus dem Französischen übersetzt von „Angesicht zu Angesicht“ bedeutet. Dies soll als architektonische, räumliche und inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Gegenüber - zwischen Konfessionen, Generationen, Nutzungen sowie zwischen historischer Bausubstanz und zeitgenössischem Eingriff, verstanden werden.

Angrenzend an die Erfurter Volkshochschule und das Jugendtheater „Schotte“, schafft das „vis a vis“ im Stadtraum neue Akzente, insbesondere in der Gestaltung des Außenraums und sucht den Dialog mit seiner Umgebung. Der Name steht sinnbildlich für die Kontroversen und Chancen, die sich aus dem Neubau in einer denkmalgeschützten Kirche ergeben. Sowie für den ökumenischen Anspruch, katholische und evangelische Jugendarbeit unter einem Dach zusammenzuführen. Das Gegenüber wird hier nicht als Gegensatz verstanden, sondern als produktive Auseinandersetzung.

Dieses Prinzip des Gegenübers setzt sich in der Architektur fort. Es entstehen vielfältige Blickbeziehungen zwischen den beiden Ebenen des Einbaus, ebenso wie ein Spannungsfeld zwischen alt und neu. Der großräumig wahrnehmbare Kirchenraum trifft auf einen Einbau, der Chor mit Altar und Ambo bleibt dabei unberührt, ebenso die Orgel, sodass der Kirchenraum auch künftig als Resonanzkörper für Konzerte genutzt werden kann. Das gewohnte Bild beim Betreten der Kirche soll erhalten bleiben. Deshalb beschränkt sich der Einbau auf den hinteren Teil der Kirche. Somit bleibt die Großräumigkeit der Kirche erfahrbar.

Innerhalb der Kirche werden neue Nutzungen verortet. Eine großzügige Küche mit vielen Sitzgelegenheiten dient als zentraler Treffpunkt. Hier kann gemeinsam gekocht werden, sie ermöglicht Catering bei Festen und fungiert zugleich als Café, welches zeitweise von Jugendlichen selbst betrieben werden kann. Somit wird der Raum bewusst für die Öffentlichkeit geöffnet. Ergänzt wird das Raumprogramm durch einen Makerspace, der Raum zum Basteln und Werkeln bietet, sowie durch mehrere Seminarräume.

Die im oberen Geschoss gelegenen Seminarräume zeichnen sich durch ihre Flexibilität aus. Über das sogenannte Forum im Zentrum können sie zusammengeschlossen werden und lassen sich je nach Bedarf als ein großer, ein mittelgroßer oder drei separate Räume nutzen. Diese Offenheit ermöglicht vielfältige Formate – von Seminaren über gemeinsames Musizieren bis hin zu Kinoabenden mit Übernachtungen im „vis a vis“.

Das Nutzungsspektrum des neuen Zentrums ist bewusst breit gefächert. Es reicht vom Jugendtreff mit Taizé-Abenden, über Gottesdienste, Kommunions- und Konfirmationsunterricht bis hin zu Kinoabenden mit LAN-Partys und Übernachtungen in der Kirche. Private Feiern wie Hochzeiten oder Geburtstage sind ebenso denkbar. Genau so wie öffentliche Veranstaltungen, bei denen die Kirchenräume angemietet werden können. Ergänzend können Floh- oder Weihnachtsmärkte stattfinden, insbesondere in Kooperation mit der angrenzenden Volkshochschule und dem Theater „Schotte“.

Der Außenraum spielt dabei eine zentrale Rolle. Der nördlich gelegene Hof wird künftig gemeinsam von Volkshochschule, Theater und „vis a vis“ genutzt. Er schafft einen Ort des Zusammenkommens – im Somer für informelle Treffen und Feste, im Winter beispielsweise für Weihnachtsmärkte. Ein Garten bietet Raum für gärtnerische Aktivitäten oder gemütliche Lagerfeuerabende, während eine neu geschaffene Terrasse zu Sommerpartys einlädt und den Außenraum als Erweiterung des Innenraums begreifbar macht.

Auch das alte Pfarrhaus auf dem Grundstück wird in das Gesamtkonzept eingebunden und umgenutzt. Hier entstehen Büros für acht bis zehn Mitarbeitende der katholischen und evangelischen Jugendarbeit sowie eine Wohnung, in der künftig FSJ-ler untergebracht werden können. Damit wird das Areal nicht nur Veranstaltungsort, sondern auch alltäglicher Arbeits- und Lebensraum, der von den Bewohnenden gestaltet werden kann.

Konstruktiv setzt das Projekt auf eine klare, zeitgemäße Sprache in Holzbauweise. Sichtbare Holzbalkendecken prägen die neuen Einbauten und stehen in bewusstem Kontrast zum historischen Mauerwerk der Kirche, das weitestgehend unangetastet bleibt. Lediglich wenige, Verankerungen zur Aussteifung der neuen Konstruktion greifen in die bestehende Substanz ein. Das ist wichtig, um den Rückbau des neu geplanten Einbaus gewährleisten zu können, falls in Zukunft eine weitere Umnutzung vorgesehen ist.

Neu entstehen zwei schlichte, nicht historisierende Fensterdurchbrüche in der Nord- und Südfassade. Zudem wird eine ehemalige Tür in der Nordfassade wieder geöffnet. Dies ist nicht nur für die Licht und Luftversorgung essenziell, sondern auch für das Brandschutzkonzept. Es ist vorgesehen, einen zweiten Rettungsweg in der ehemaligen Sakristei anzuordnen, wodurch man im Brandfall aus dem Obergeschoss sicher nach Außen gelangen kann. Zur Gewährleistung der Barrierefreiheit wird das Eingangsniveau abgesenkt. So ist es möglich die Kirche stufenlos und ohne Barrieren zu betreten.

Eine wichtige Maßnahme zur Umnutzung der Kirche wird der Einbau der Fußbodenheizung sein. Diese soll im gesamten Kirchenraum für eine angenehme Temperatur sorgen. Wichtig dabei ist die Anordnung der getrennten Heizkreise. So kann das Kirchenschiff moderat beheizt werden, was die Behaglichkeit im Innenraum erhöht, die historische Substanz und Einbauten jedoch nicht beschädigt.
Währendessen können im Einbau bei Bedarf höhere Temperaturen angesetzt werden, um die Atmosphäre und das Raumklima wohnlich zu gestalten.

Ingesamt versteht dich das sas Projekt „vis a vis“ als behutsame, aber dennoch selbstbewusste Weiterentwicklung der Schottenkirche – als Ort des Dialogs, der Begegnung und des gemeinschaftlichen Lebensmitten in der lebendigen Altstadt Erfurts.

Schlagworte

Bauen im Bestand, Kirchenumbau, Ökumenisches Zentrum, Studentischer Entwurf, Kirche, Gemeinschaft, Nahhaltigkeit, Gemeinde, Denkmalschutz, Dialog, Jugendzentrum

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