Heinze ArchitekturAWARD 2026: Teilnehmer
Villa Beer - Generalsanierung von cp architektur
1130 Wien, Wenzgasse 12, Österreich
Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: cp architektur, Architekt Christian Prasser
Basisdaten zum Objekt
Lage des Objektes
Wenzgasse 12, 1130 Wien, Österreich
Objektkategorie
Objektart
Art der Baumaßnahme
Sanierung / Modernisierung
Fertigstellungstermin
12.2025
Zeichnungen und Unterlagen
Projektbeteiligte Firmen und Personen
Verwendete Produkte
Gebäudedaten
Bauweise
Sonstige
Tragwerkskonstruktion
Sonstige
Anzahl der Vollgeschosse
3- bis 5-geschossig
Raummaße und Flächen
Bruttorauminhalt
4.012 m³
Bruttogrundfläche
1.138 m²
Nutzfläche
973 m²
Grundstücksgröße
3.169 m²
Kosten
Gesamtkosten der Maßnahme (ohne Grundstück)
10.000.000 Euro
Lage und Umgebung
Beschreibung
Objektbeschreibung
Fünf wertvolle Jahre der Auseinandersetzung mit der Villa Beer liegen hinter cp architektur. Mit der Eröffnung der Villa Beer wird eines der bedeutendsten Schlüsselwerke der Moderne in Österreich der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Der umfassenden Sanierung ging eine mehrjährige, intensive Vorlaufphase voraus, in der die architektonischen, materialtechnischen und ideellen Qualitäten des Hauses grundlegend untersucht wurden. Auf Basis detaillierter restauratorischer Befundungen, einer analytischen Bestandsaufnahme der Bausubstanz sowie der theoretischen Auseinandersetzung im Rahmen der Symposien „Offene Moderne: Zur Zukunft der Villa Beer“ und „Eine menschliche Moderne: Zum Menschenbild der Villa Beer von Josef Frank“ wurde ein stringentes Konzept für die bestmögliche Erhaltung des Bauwerks entwickelt. Die Sanierungsarbeiten erfolgten von April 2024 bis Dezember 2025.
Das von Lothar Trierenberg und seinem Team entwickelte Nutzungskonzept für die Villa Beer gab auch für die architektonische Umsetzung den maßgeblichen Fahrplan vor. Oberstes Prinzip der Sanierung war es, das Haus im Sinne des Denkmalschutzes sorgsam zu erhalten und die historische Patina zu bewahren.
Im Kellergeschoss wurden die Räumlichkeiten an die Anforderungen musealer Nutzungen angepasst. Die ehemalige Garage sowie Lagerräume wurden zu einem barrierefreien Empfangsbereich mit Kassa, Shop, Garderobe und Veranstaltungsraum umgebaut. Unterirdisch – von außen nicht sichtbar – entstand unter der bestehenden Terrasse ein klimatisch kontrollierter Archivraum, der künftig die Sammlung der Villa Beer Foundation aufnehmen wird.
Eine größere gestalterische Freiheit ergab sich bei den Räumen im Dachgeschoss. Diese waren bereits in den Originalplänen nicht konkret definiert, zudem gab es keine Dokumentation über die Möblierung. In Zusammenarbeit mit dem schwedischen Einrichtungshaus Svenskt Tenn wurden die Räume großzügig mit Möbeln und Stoffen von Josef Frank ausgestattet, die bis heute produziert werden. Künftig stehen diese Räume für Artist- oder Researcher-in-Residence-Programme zur Verfügung und sollen den Bewohner:innen ein modernes Lebensgefühl im Sinne des Frank-Designs vermitteln.
Die herausforderndsten Bereiche waren jedoch jene mit der größten erhaltenen historischen Substanz, die zugleich die Repräsentationsräume der Familie Beer darstellten. Nach umfangreichen Bestandserhebungen wurde das Haus in seinen bauzeitlichen Stand von 1930 rückgeführt. Einbauten und Veränderungen, die seit den 1930er-Jahren bis zum Ankauf durch die Villa Beer Foundation vorgenommen worden waren, wurden rückgebaut – einschließlich der 2013 zu hoch errichteten Attika.
Ziel war es, die bauzeitliche Raumabfolge wieder erlebbar zu machen. Die von Frank geplanten Sichtachsen wurden freigelegt beziehungsweise – wie im Original – durch die Montage raumhoher Vorhänge betont. Sämtliche Bauelemente wie Bodenbeläge, Fenster und Heizkörper wurden aufgenommen, katalogisiert und saniert.
Eine besondere Herausforderung stellte die Frage nach einem möglichst ressourcenschonenden Heizsystem dar. Moderne alternative Systeme wie Geothermie sowie eine von unten nicht sichtbare Photovoltaikanlage auf dem Flachdach werden diesem Anspruch gerecht. Gleichzeitig wurde zugunsten der noch vorhandenen Originalsubstanz auf einen wärmedämmenden Außenputz sowie auf Isolierglasfenster verzichtet.
Ein anschauliches Beispiel für die von cp architektur angestrebte Balance zwischen dem Erhalt historischer Bausubstanz und den Anforderungen zukünftiger Nutzer:innen sind die Lichtschalter. Wenige Originalschalter haben den Lauf der Zeit überdauert. Da auf Schwarz-Weiß-Fotografien von Julius Scherb die dunklen Bakelitschalter als Gestaltungselement erscheinen, wurde entschieden, diese originalgetreu mittels 3D-Druck im Büro von cp architektur nachzubauen. Die Reproduktionen greifen nicht nur die visuelle Erscheinung der historischen Schalter auf, sondern vermitteln durch ihre Haptik auch ein sinnliches Moment, das Erinnerungen an frühere Wohnkultur wachruft.
Die schwarzen Schalter waren ursprünglich auf durchgefärbten Weißglasscheiben montiert, die jedoch durchwegs gesprungen waren – offenbar hielten sie dem Druck des Bakelit-Schalters auf die Glasplatte nicht stand. Um ein erneutes Springen zu verhindern, wurde zwischen Glasplatte und Schalter ein Gummiring eingesetzt. Dies entspricht zwar nicht der Originalkonstruktion, gewährleistet jedoch eine deutlich höhere Lebensdauer der zusätzlich auf der Rückseite folierten Glasplatten als bei den historischen Vorbildern.
Die Gestaltung des Gartens wurde von Auböck + Kárász Landscape Architects übernommen; er soll künftig im Rahmen eines Besuchs der Villa Beer ebenfalls für die Öffentlichkeit zugänglich sein.
Auszeichnungen
BIG SEE ARCHITECTURE AWARD 2026
Schlagworte
Energetische Kennwerte
Energiestandard
Energetische Kennwerte
Primärenergie
Geothermie
Sekundärenergie
Strom
Weitere Dokumente zum Objekt
Objektdetails
Objekte in der Umgebung
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