Architekturobjekt 9 von 531

Architekturobjekte

Heinze ArchitekturAWARD 2026: Teilnehmer


VERGISSMEINNICHT GRÜNAU - Zusammenleben mit Demenz

Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: Technische Universität Braunschweig, Architektur, Bauingenieurwesen und Umweltwissenschaften, Lena Zimmermann

Außenperspektive - VERGISSMEINNICHT GRÜNAU - Zusammenleben mit Demenz

© Charlotte Gehrke, Lena Zimmermann

Modellfoto Fassade - VERGISSMEINNICHT GRÜNAU - Zusammenleben mit Demenz

© Charlotte Gehrke, Lena Zimmermann

Modellfoto Gesamt - VERGISSMEINNICHT GRÜNAU - Zusammenleben mit Demenz

© Charlotte Gehrke, Lena Zimmermann

Modellfoto Innenraum - VERGISSMEINNICHT GRÜNAU - Zusammenleben mit Demenz

© Charlotte Gehrke, Lena Zimmermann

Modellfoto - VERGISSMEINNICHT GRÜNAU - Zusammenleben mit Demenz

© Charlotte Gehrke, Lena Zimmermann

Visualisierung Gemeinschaftsbereich - VERGISSMEINNICHT GRÜNAU - Zusammenleben mit Demenz

© Charlotte Gehrke, Lena Zimmermann

Visualisierung Gemeinschaftsbad Demenz - VERGISSMEINNICHT GRÜNAU - Zusammenleben mit Demenz

© Charlotte Gehrke, Lena Zimmermann

Visualisierung Einzelzimmer Demenz - VERGISSMEINNICHT GRÜNAU - Zusammenleben mit Demenz

© Charlotte Gehrke, Lena Zimmermann

Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: Technische Universität Braunschweig, Architektur, Bauingenieurwesen und Umweltwissenschaften, Lena Zimmermann

Basisdaten zum Objekt

Lage des Objektes

Deutschland

Objektkategorie

Objektart

Art der Baumaßnahme

Entwurfskonzept

Fertigstellungstermin

02.2026

Gebäudedaten

Bauweise

Holzskelettbau

Tragwerkskonstruktion

Holz

Anzahl der Vollgeschosse

3- bis 5-geschossig

Raummaße und Flächen

Bruttogrundfläche

12.700 m²

 

Nutzfläche

8.200 m²

 

Verkehrsfläche

3.200 m²

 

Wohnfläche

3.500 m²

 

Grundstücksgröße

10.600 m²

Beschreibung

Objektbeschreibung

Demenz gehört zu den großen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit. Mit steigender Lebenserwartung wächst nicht nur die Zahl der Betroffenen, sondern auch die Vielfalt ihrer Lebenssituationen. Gleichzeitig stoßen klassische Pflegekonzepte und institutionelle Wohnformen zunehmend an ihre Grenzen. Die Frage lautet daher nicht mehr, wie Demenz verwaltet werden kann, sondern wie ein selbstbestimmtes Leben mit Demenz inmitten unserer Gesellschaft möglich wird.
Unser Entwurf „Vergissmeinnicht Grünau“ entstand als selbst erarbeitete Entwurfsaufgabe aus dem Anspruch heraus, dieser Frage architektonisch zu begegnen. Ausgangspunkt war eine intensive Auseinandersetzung mit der Erkrankung, den Bedürfnissen der Betroffenen und den räumlichen Bedingungen, die Orientierung, Sicherheit und soziale Teilhabe ermöglichen.
Der Standort in Leipzig-Grünau wurde bewusst gewählt. Sachsen weist bundesweit eine besonders hohe Demenzprävalenz auf, während Grünau als größte Großwohnsiedlung Leipzigs durch einen hohen Altersdurchschnitt geprägt ist. Auf dem seit dem Abriss der Konsum-Kaufhalle brachliegenden Grundstück entsteht ein neuer sozialer Mittelpunkt für das Quartier.
Anstelle eines Pflegeheims entwickelt der Entwurf eine neue Wohntypologie zwischen Quartier, Gemeinschaft und Pflege. Das Gebäude integriert unterschiedliche Stadien der Erkrankung innerhalb eines Hauses und schafft fließende Übergänge zwischen selbstständigem Wohnen, unterstütztem Wohnen und Pflege. Öffentlich nutzbare Bereiche verankern das Haus im Alltag des Stadtteils und machen Demenz als Teil gesellschaftlicher Realität sichtbar.
„Vergissmeinnicht Grünau“ versteht Demenz nicht als Pflegeaufgabe, sondern als räumliche und gesellschaftliche Herausforderung. Der Entwurf zeigt, wie Architektur Schutz bieten kann, ohne auszugrenzen, und Gemeinschaft ermöglichen kann, ohne zu überfordern.
 

Beschreibung der Besonderheiten

Die Architektur wird konsequent aus den Bedürfnissen von Menschen mit Demenz entwickelt. Orientierung entsteht nicht durch Beschilderung, sondern durch Raum. Eine windmühlenartige Grundrissfigur, klare Hierarchien, gezielte Blickbeziehungen und Tageslicht als Orientierungsträger schaffen Vertrautheit und Sicherheit im Alltag.
Ein zentrales Element sind die sogenannten „Unendlichkeitswege“. Durchgängige Rundläufe ohne Sackgassen ermöglichen freie Bewegung ohne Zielzwang und reduzieren Stresssituationen, die durch Umkehrpunkte oder Orientierungshindernisse entstehen können. Bewegung wird dadurch nicht kontrolliert, sondern selbstverständlich ermöglicht.
Das Gebäude organisiert unterschiedliche Schutz- und Betreuungsgrade als räumliches Kontinuum. Während das erste Obergeschoss reguläre Wohnformen aufnimmt, verschränkt das zweite Obergeschoss selbstständiges Wohnen mit demenzsensiblem Wohnen. Das dritte Obergeschoss beherbergt geschützte Pflegewohngruppen für höhere Demenzstadien. So entstehen fließende Übergänge statt institutioneller Grenzen.
Die innere Organisation folgt dem Prinzip eines räumlichen Schutzmantels. Ein äußerer Ring regulärer Wohnungen, die separat über einen Laubengang erschlossen werden, vermittelt zur Stadt, während die geschützte Innenwelt nach dem Zwiebelprinzip abgestufte Übergänge zwischen Privatheit, Nachbarschaft und Gemeinschaft schafft. Vier thematische Wohnwelten dienen als Identitätsanker und fördern Orientierung durch vertraute Alltagsbezüge.
Besonders ist die konsequente Verzahnung von Nutzung, Raum und Konstruktion. Aus zwei demenzspezifischen Wohnmodulen werden Grundriss, Maßstäblichkeit und Tragwerk entwickelt. Das daraus abgeleitete Holzskeletttragwerk macht die innere Organisation bis in die Fassade sichtbar und verbindet soziale Idee, räumliche Struktur und Konstruktion zu einem ganzheitlichen architektonischen System.
 

Schlagworte

Demenzsensible Architekur, Inklusives Wohnen, Soziale Nachhaltigkeit, Teilhabe, Demenz

Objektdetails

Gebäudespezifische Merkmale

Anzahl Betten

60

 

Anzahl Wohneinheiten

45

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