Architekturobjekte
Heinze ArchitekturAWARD 2026: Teilnehmer
VERGISSMEINNICHT GRÜNAU - Zusammenleben mit Demenz
Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: Technische Universität Braunschweig, Architektur, Bauingenieurwesen und Umweltwissenschaften, Lena Zimmermann
Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: Technische Universität Braunschweig, Architektur, Bauingenieurwesen und Umweltwissenschaften, Lena Zimmermann
Basisdaten zum Objekt
Lage des Objektes
Deutschland
Objektkategorie
Objektart
Art der Baumaßnahme
Entwurfskonzept
Fertigstellungstermin
02.2026
Zeichnungen und Unterlagen
Gebäudedaten
Bauweise
Holzskelettbau
Tragwerkskonstruktion
Holz
Anzahl der Vollgeschosse
3- bis 5-geschossig
Raummaße und Flächen
Bruttogrundfläche
12.700 m²
Nutzfläche
8.200 m²
Verkehrsfläche
3.200 m²
Wohnfläche
3.500 m²
Grundstücksgröße
10.600 m²
Beschreibung
Objektbeschreibung
Unser Entwurf „Vergissmeinnicht Grünau“ entstand als selbst erarbeitete Entwurfsaufgabe aus dem Anspruch heraus, dieser Frage architektonisch zu begegnen. Ausgangspunkt war eine intensive Auseinandersetzung mit der Erkrankung, den Bedürfnissen der Betroffenen und den räumlichen Bedingungen, die Orientierung, Sicherheit und soziale Teilhabe ermöglichen.
Der Standort in Leipzig-Grünau wurde bewusst gewählt. Sachsen weist bundesweit eine besonders hohe Demenzprävalenz auf, während Grünau als größte Großwohnsiedlung Leipzigs durch einen hohen Altersdurchschnitt geprägt ist. Auf dem seit dem Abriss der Konsum-Kaufhalle brachliegenden Grundstück entsteht ein neuer sozialer Mittelpunkt für das Quartier.
Anstelle eines Pflegeheims entwickelt der Entwurf eine neue Wohntypologie zwischen Quartier, Gemeinschaft und Pflege. Das Gebäude integriert unterschiedliche Stadien der Erkrankung innerhalb eines Hauses und schafft fließende Übergänge zwischen selbstständigem Wohnen, unterstütztem Wohnen und Pflege. Öffentlich nutzbare Bereiche verankern das Haus im Alltag des Stadtteils und machen Demenz als Teil gesellschaftlicher Realität sichtbar.
„Vergissmeinnicht Grünau“ versteht Demenz nicht als Pflegeaufgabe, sondern als räumliche und gesellschaftliche Herausforderung. Der Entwurf zeigt, wie Architektur Schutz bieten kann, ohne auszugrenzen, und Gemeinschaft ermöglichen kann, ohne zu überfordern.
Beschreibung der Besonderheiten
Ein zentrales Element sind die sogenannten „Unendlichkeitswege“. Durchgängige Rundläufe ohne Sackgassen ermöglichen freie Bewegung ohne Zielzwang und reduzieren Stresssituationen, die durch Umkehrpunkte oder Orientierungshindernisse entstehen können. Bewegung wird dadurch nicht kontrolliert, sondern selbstverständlich ermöglicht.
Das Gebäude organisiert unterschiedliche Schutz- und Betreuungsgrade als räumliches Kontinuum. Während das erste Obergeschoss reguläre Wohnformen aufnimmt, verschränkt das zweite Obergeschoss selbstständiges Wohnen mit demenzsensiblem Wohnen. Das dritte Obergeschoss beherbergt geschützte Pflegewohngruppen für höhere Demenzstadien. So entstehen fließende Übergänge statt institutioneller Grenzen.
Die innere Organisation folgt dem Prinzip eines räumlichen Schutzmantels. Ein äußerer Ring regulärer Wohnungen, die separat über einen Laubengang erschlossen werden, vermittelt zur Stadt, während die geschützte Innenwelt nach dem Zwiebelprinzip abgestufte Übergänge zwischen Privatheit, Nachbarschaft und Gemeinschaft schafft. Vier thematische Wohnwelten dienen als Identitätsanker und fördern Orientierung durch vertraute Alltagsbezüge.
Besonders ist die konsequente Verzahnung von Nutzung, Raum und Konstruktion. Aus zwei demenzspezifischen Wohnmodulen werden Grundriss, Maßstäblichkeit und Tragwerk entwickelt. Das daraus abgeleitete Holzskeletttragwerk macht die innere Organisation bis in die Fassade sichtbar und verbindet soziale Idee, räumliche Struktur und Konstruktion zu einem ganzheitlichen architektonischen System.
Schlagworte
Objektdetails
Gebäudespezifische Merkmale
Anzahl Betten
60
Anzahl Wohneinheiten
45
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