Architekturobjekte
Umbau der Kirche St. Nikolaus zur Geschäftsstelle der WBGW
44867 Bochum, Westenfelder Str. 115
Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: JK Kotulla Architekten Part. mbB
Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: JK Kotulla Architekten Part. mbB
Basisdaten zum Objekt
Lage des Objektes
Westenfelder Str. 115, 44867 Bochum, Deutschland
Objektkategorie
Objektart
Art der Baumaßnahme
Sanierung / Modernisierung
Fertigstellungstermin
06.2025
Zeichnungen und Unterlagen
Projektbeteiligte Firmen und Personen
Verwendete Produkte
Gebäudedaten
Bauweise
Mauerwerksbau
Tragwerkskonstruktion
Stahlbeton
Anzahl der Vollgeschosse
2-geschossig
Raummaße und Flächen
Bruttorauminhalt
9.530 m³
Bruttogrundfläche
2.650 m²
Nutzfläche
1.500 m²
Grundstücksgröße
4.560 m²
Lage und Umgebung
Beschreibung
Objektbeschreibung
Im Rahmen eines 2017 durchgeführten Investorenauswahlverfahrens verfolgte die Pfarrgemeinde St. Gertrud von Brabant das Ziel, eine Lösung zu finden, die den Kirchenbau als identitätsstiftendes Gebäude erhält und zugleich eine zukunftsfähige Nutzung für das Gesamtareal ermöglicht.
Mit der Umnutzung zur Geschäftsstelle der Wohnungsbaugenossenschaft Wattenscheid eG sowie ihres Tochterunternehmens der WBGW BauService Wattenscheid GmbH wird der Bestand in einen neuen funktionalen und gesellschaftlichen Kontext überführt. Als lokal verankertes Unternehmen mit eigenem Wohnungsbestand im direkten Umfeld setzt die Bauherrschaft damit ihre genossenschaftliche Tradition der Bestandspflege und Weiterentwicklung konsequent fort.
Entwurfskonzept
Der Entwurf versteht die Transformation des Kirchenraums als Weiterbau im Bestand, der den Charakter des Baukörpers respektiert und zugleich eine eigenständige, zeitgemäße Nutzung ermöglicht.
Das äußere Erscheinungsbild der Kirche bleibt weitgehend erhalten. Die Eingriffe beschränken sich auf präzise gesetzte Maßnahmen, die funktionale Anforderungen mit einer lesbaren architektonischen Haltung verbinden. Zentraler Eingriff ist die Öffnung der Seitenschiffe: Durch den Rückbau ihrer Dächer entstehen zwei introvertierte Höfe, die Licht, Luft und Außenbezug in die Tiefe des Baukörpers führen.
Eine neue, zurückhaltend eingesetzte Glasfassade bildet die Grenze zwischen Innenraum und Höfen. Sie ermöglicht eine gleichmäßige Belichtung der Arbeitsbereiche im Erdgeschoss und macht die Transformation des ehemaligen Sakralraums ablesbar.
Die Ergänzungen in der historischen Außenwand beschränken sich auf wenige, gezielt gesetzte Öffnungen. Bestehende Proportionen und Einfassungen bleiben erhalten und sichern die Kontinuität des architektonischen Ausdrucks.
Erweiterung und städtebauliche Setzung
Der Erweiterungsbau ergänzt den Bestand in einer klar untergeordneten Haltung. Er entwickelt sich U-förmig um den Kirchenbaukörper und fasst einen steinernen Innenhof, der als ruhiger, introvertierter Außenraum dient.
Zur Straße hin tritt der Neubau bewusst zurück: Im Bereich des Turms bleibt er eingeschossig und wahrt so die Dominanz der historischen Eingangsfassade. Der Neubau ordnet sich dem Bestand nicht nur volumetrisch, sondern auch materiell unter – das Verblendmauerwerk nimmt den Farbton des Natursteins der Kirche auf und übersetzt ihn in eine zeitgenössische Architektursprache.
Neben Büroflächen integriert der Erweiterungsbau auch das Lager der WBGW BauService und die Räume der professionellen Sozialberatung, die ein Angebot für die Mieter der Genossenschaft ist.
Innenräumliche Organisation
Im Inneren wird der ehemalige Sakralraum in eine neue räumliche Ordnung überführt, ohne seine ursprüngliche Dimension zu negieren.
Ein zentraler, ellipsenförmiger Luftraum verbindet Erd- und Obergeschoss und bildet das räumliche Zentrum des Gebäudes. Er inszeniert die vertikale Großzügigkeit des ehemaligen Kirchenschiffs neu und schafft eine identitätsstiftende Mitte für die Arbeitswelt der Genossenschaft.
Die ursprüngliche Längsachse bleibt erhalten: Vom Eingang aus öffnet sich der Blick durch den Luftraum bis in den ehemaligen Chorraum, der heute das zentrale Sitzungszimmer aufnimmt. Die gläsernen Trennwände wahren die visuelle Kontinuität und machen die räumliche Tiefe des Bestands weiterhin erfahrbar.
Die Arbeitsbereiche sind entlang der bestehenden Struktur organisiert und profitieren von den neu geschaffenen Belichtungs- und Außenraumbezügen.
Haltung
Das Projekt versteht sich als Transformation eines sakralen Bestands in eine zeitgemäße Arbeitsumgebung, die Geschichte nicht konserviert, sondern weiterentwickelt.
Durch minimale, gezielte Eingriffe bleibt die Identität des Bauwerks ablesbar, während neue räumliche Qualitäten entstehen. Bestand und Ergänzung treten in einen ruhigen Dialog, in dem Hierarchie, Materialität und Raumwirkung sorgfältig austariert sind.
Der ehemals introvertierte Sakralraum wird so zu einem offenen, gemeinschaftsorientierten Ort, der die genossenschaftliche Idee räumlich übersetzt und in die Zukunft trägt.
Schlagworte
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