Architekturobjekte

Heinze ArchitekturAWARD 2026: Teilnehmer


Sanierung und Erweiterung MEERESMUSEUM Stralsund

18439 Stralsund, Katharinenberg 14-20

Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: REICHEL SCHLAIER ARCHITEKTEN GMBH

Verbindungssteg zum Großaquarium - Sanierung und Erweiterung MEERESMUSEUM Stralsund

© Brigida González

Der neue Haupteingang - Sanierung und Erweiterung MEERESMUSEUM Stralsund

© Brigida González

Glasdach Westhof - Sanierung und Erweiterung MEERESMUSEUM Stralsund

© Brigida González

Foyer im Forum - Sanierung und Erweiterung MEERESMUSEUM Stralsund

© Brigida González

Denkmalgeschütztes Stabtragwerk der Katharinenhalle - Sanierung und Erweiterung MEERESMUSEUM Stralsund

© Brigida González

Großaquarium mit drei Besucherebenen - Sanierung und Erweiterung MEERESMUSEUM Stralsund

© Brigida González

Aquarien im historischen Kellergewölbe - Sanierung und Erweiterung MEERESMUSEUM Stralsund

© Brigida González

Kirschhof am Schildkrötengebäude - Sanierung und Erweiterung MEERESMUSEUM Stralsund

© Brigida González

Langer Gang - Sanierung und Erweiterung MEERESMUSEUM Stralsund

© Brigida González

Straßenflucht Direktion und Großaquarium - Sanierung und Erweiterung MEERESMUSEUM Stralsund

© Brigida González

Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: REICHEL SCHLAIER ARCHITEKTEN GMBH

Basisdaten zum Objekt

Lage des Objektes

Katharinenberg 14-20, 18439 Stralsund, Deutschland

Objektkategorie

Objektart

Art der Baumaßnahme

Erweiterung

Fertigstellungstermin

09.2025

Projektbeteiligte Firmen und Personen

Architekt/Planer

REICHEL SCHLAIER ARCHITEKTEN GMBH

Azenbergstr. 35

70174 Stuttgart

Deutschland

Tel. +49 711 120407-00

post@reichel-schlaier.de

Bauleitung (LPH 8)

MO Architekten Moritz + Krause PartGmbB

Rentzelstr. 10a

20146 Hamburg

Deutschland

Tel. +49 40 20007912-0

info@mo-architekten.de

Bauherr

Stiftung Deutsches Meeresmuseum

Katharinenberg 14-20

18439 Stralsund

Deutschland

Projektsteuerung, Objektüberwachung

HITZLER INGENIEURE

Lützowplatz 4

10785 Berlin

Deutschland

Tel. +49 30 6953575-0

info@hitzler-ingenieure.de

Architektur: Innenarchitekt

DIE WERFT – MÜNCHEN Ausstellungsgestaltung Innenarchitektur Raißle & Sieber PartG mbB Innenarchitekten

Oettingenstr. 25

80538 München

Deutschland

Tel. +49 89 24205910

planung@diewerft.com

Fachplanung: Tragwerksplanung

Leonhardt, Andrä und Partner Beratende Ingenieure VBI AG

Stadtdeich 5

20097 Hamburg

Deutschland

Tel. +49 40-79416768-0

hamburg@lap-consult.com

Fachplanung: Elektrotechnik

AIU Architekten- und Ingenieurunion Stralsund GmbH

Carl-Heydemann-Ring 55

18437 Stralsund

Deutschland

Tel. +49 3831 2569

info@aiu.de

Fachplanung: Beleuchtung

Dinnebier Licht GmbH

Piepersberg 36

42653 Solingen

Deutschland

info@dinnebier-licht.de

Fachplanung: Gebäudetechnik

AIU Architekten- und Ingenieurunion Stralsund GmbH

Carl-Heydemann-Ring 55

18437 Stralsund

Deutschland

Tel. +49 3831 2569

info@aiu.de

Fachplanung: Bauphysik

GSE Ingenieur-Gesellschaft mbH Saar, Enseleit und Partner

Von-der-Gablentz-Str. 19

13403 Berlin

Deutschland

Tel. +49 30 417760

info@gseggmbh.com

Fachplanung: Brandschutz

CDI Ingenieure Matias Ceschi

Berliner Str. 40-41

10715 Berlin

Deutschland

Tel. +49 30 8040704200

post@cdi-ingenieure.de

Fachplanung: Erd- und Grundbau

IBK MV GmbH

Platz des Friedens 28

18437 Stralsund

Deutschland

Tel. +49 3831-311135

info@ib-kuechler.de

Architekturfotografie

Brigida González Fotografie

Liststraße 28/1

70180 Stuttgart

Deutschland

Tel. +49 711 64560720

mail@brigidagonzalez.de

Verwendete Produkte

Promat

Brandschutzverglasungen

Promat®-SYSTEMGLAS F1-90

RP Technik Profilsysteme

Rohrrahmen-Türen

Hermetic

Schörghuber Spezialtüren

Holztüren

Agrob Buchtal

Fliesen

Nova

ERCO

Beleuchtung Besucherrundgang

Eutrac + Optec LED

EUVAL Betonwerkstein

Werkstein Treppe

82.70 Ceppo 130

FSB Franz Schneider Brakel

Beschläge

1023

KME Germany

Kupfer-Außenwandbekleidungen

Nippura

Aquarienscheiben

Gebäudedaten

Bauweise

Sonstige

Tragwerkskonstruktion

Sonstige

Anzahl der Vollgeschosse

3- bis 5-geschossig

Raummaße und Flächen

Bruttorauminhalt

48.500 m³

 

Bruttogrundfläche

10.500 m²

 

Nutzfläche

6.600 m²

 

Verkehrsfläche

800 m²

Beschreibung

Objektbeschreibung

Das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund ist eine Institution. Über Jahrzehnte gewachsen steht es identitätsstiftend im kollektiven Gedächtnis der Stadt Stralsund. Es zählt zu den meistbesuchten Museen Norddeutschlands und genießt auch international einen hervorragenden Ruf als meereskundliches Museum und Großaquarium.

2017 fand ein internationaler Architekturwettbewerb statt, aus dem Reichel Schlaier Architekten aus Stuttgart als Sieger hervorgingen. Mit der Sanierung und Erweiterung galt es, das Stammhaus zu einem zeitgemäßen Museumsbau zu entwickeln. Dabei mussten Gebäudeteile und Zeitschichten aus unterschiedlichen Jahrhunderten und Generationen einbezogen werden. Ein sensibler Umgang mit der Bausubstanz war besonders wichtig, da das Ensemble zu einem der bedeutendsten Stadtbausteine der Hansestadt Stralsunds zählt, die aufgrund des Erhaltungsstandes zum UNESCO Welterbe gehört. Des Weiteren war es eine Herausforderung, in diesem baulichen Kontext neben der Museumsnutzung auch Großaquarien mitsamt ihrer Technik unterzubringen. Die ursprünglichen Aquarienbereiche wurden vollständig erneuert und um ein neues Großaquarium ergänzt.

Die größte architektonische Herausforderung bei dieser Aufgabe war es - vom Wettbewerbsentwurf an bis hin zu Materialentscheidungen und Detaillierung – einen guten Klang zwischen der historischen Klosteranlage, den späteren Ergänzungsbauten sowie den neu ergänzten Teilen zu finden, eine Architektur, die das Alte würdigt und das Neue stimmig ergänzt, selbstbewusst und sich dennoch einfügend.

Beschreibung der Besonderheiten

Architektonisches Konzept
Das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund ist eine Institution. Über Jahrzehnte gewachsen steht es identitätsstiftend im kollektiven Gedächtnis der Stadt Stralsund wie ein Fels in der Brandung. Es zählt zu den meistbesuchten Museen Deutschlands und genießt auch international einen hervorragenden Ruf als meereskundliches Museum und Großaquarium. Das nun umgebaute und erweiterte Stammhaus im Katharinenkloster wird immer noch „Das Meeresmuseum“ genannt. Inzwischen wird es durch 3 weitere Museumsstandorte unter der Dachmarke Deutsches Meeresmuseum ergänzt:​ dem Natureum im Leuchtturm am Darßer Ort, dem Nautineum, einem Freilichtmuseum sowie dem Ozeaneum auf der Hafeninsel Stralsunds, das 2010 zum European Museum of the Year gekürt wurde.

Mit der Sanierung und Erweiterung galt es, das Stammhaus zu einem zeitgemäßen Museumsbau zu entwickeln. Dabei mussten Gebäudeteile und Zeitschichten aus unterschiedlichen Jahrhunderten und Generationen einbezogen werden. Ein sensibler Umgang mit der Bausubstanz war besonders wichtig, da das Ensemble zu einem der bedeutendsten Stadtbausteine der Hansestadt Stralsunds zählt, die aufgrund des Erhaltungsstandes zum UNESCO Welterbe gehört. Des Weiteren war es eine Herausforderung, in diesem baulichen Kontext neben der Museumsnutzung auch Großaquarien mitsamt ihrer Technik unterzubringen. Die ursprünglichen Aquarienbereiche wurden vollständig erneuert und um ein neues Großaquarium ergänzt.

2017 fand ein anonymer internationaler Architekturwettbewerb mit einem renommierten Teilnehmerkreis statt, bei dem Reichel Schlaier Architekten mit dem 1. Preis ausgezeichnet wurden. Das Preisgericht würdigte das Konzept, das die wesentlichen Attraktionen des über Jahrzehnte gewachsenen Meeresmuseums im historischen Katharinenkloster erhält, herausarbeitet und neu belebt. Das Museum wird nun um Attraktionen erweitert, zeitgemäße Anforderungen an einen Museumsbau werden gelöst und selbstverständlich integriert.

Die größte architektonische Herausforderung bei dieser Aufgabe war es - vom Wettbewerbsentwurf an bis hin zu Materialentscheidungen und Detaillierung – einen guten Klang zwischen der historischen Klosteranlage, den späteren Ergänzungsbauten sowie den neu ergänzten Teilen zu finden, eine Architektur, die das Alte würdigt und das Neue stimmig ergänzt, selbstbewusst und sich dennoch einfügend.


Freilegung des Bestands
Die gotische Anlage eines ehemaligen Dominikanerklosters aus dem frühen 14. Jahrhundert wurde in ihrer wechselvollen Geschichte durch die sich ändernden Nutzungen fortlaufend umgebaut und ergänzt. Nach der Reformation diente die Anlage als Schule, Arsenal und Waisenhaus bis schließlich im 20. Jahrhundert die heutigen Nutzungen einzogen. Die Klosteranlage beherbergt seither neben dem Meeresmuseum auch das Stralsund Museum. Weitere baulichen Ergänzungen aus verschiedenen Epochen sowie die Teilung der Anlage in zwei unterschiedliche Museen erschwerten es, das in seiner Substanz noch fast vollständig erhaltene Kloster zusammenhängend erfahrbar zu machen.

Eine einfache Lösung zur baulichen Klärung der Situation wäre der Rückbau aller hinzugefügter Substanz gewesen, um die historische Anlage wieder freizulegen. Nur waren für die Nutzung als Meeresmuseum weiterhin Ergänzungen erforderlich. Auch waren einige Eingriffe aus späterer Zeit – wie das besondere Stabtragwerk aus DDR-Zeiten im Kirchenschiff – selbst von zeitgeschichtlichem und kulturellem Wert und damit als Denkmal zu erhalten.

Wir entschieden uns deshalb für eine differenzierte Herangehensweise. Ziel war es, die neuen Nutzungen respektvoll in Einklang mit der wertvollen Substanz aller Bauschritte zu bringen und den historischen Kern dennoch wieder ablesbar zu machen.

Hierfür wurden die einzelnen baulichen Ergänzungen auf ihren kulturellen und historischen Wert hin untersucht. Substanz von geringer Bedeutung wurde zurückgebaut oder entkernt. Auf diese Weise konnte z.B. die historische Hülle zur Stadtmauer hin wieder freigelegt werden. Die Struktur der Klosteranlage mit ihren ursprünglichen Raumbeziehungen wurde wieder sichtbar. So legte der Rückbau einer Trennwand zum Stralsund Museum den „Langen Gang“ wieder frei, der die historischen Kreuzgänge bis zur Stadtmauer hin verband. Der historische Westhof wurde durch den Rückbau von Ergänzungen aus der DDR-Zeit wieder erlebbar. Das besondere Raumtragwerk im Kirchenschiff wurde behutsam angepasst, um den Sakralraum wieder in seiner Höhe und Größe erfahrbar zu machen.

Durch diesen Rückbau kamen an manchen Stellen Zeugen der Geschichte des Gebäudes wieder ans Tageslicht. Die Öffnung des Chorbodens brachten Fundamente einer Vorgängerkirche ans Tageslicht und unter dem Forum wurden mittelalterliche Keller gefunden.


Alt und Neu
Nach dem sensiblen Rückbau einzelner weniger Elemente galt es nunmehr, die gotische Klosteranlage mit den Ergänzungsbauten aus dem 19.Jh. sowie den 50er, 70er und 90er-Jahren architektonisch zu überarbeiten. Dabei sollte so viel wie möglich Bausubstanz erhalten und nur dort eingegriffen werden, wo es aus funktionalen Gründen unbedingt erforderlich wurde.

Die Aufgabe war damit nicht eine Rückführung zur historischen Figur mit behutsamen kleineren Ergänzungen. Vielmehr war eine Antwort auf die Frage zu formulieren, wie Alt und Neu zusammenfinden können und vor allem, wie jede Zeitschicht sichtbar bleiben und sich dennoch in das Ganze einfügen kann. Aufgrund der Integrität, des hohen Alters und des besonderen Wertes der gotischen Architektur war für uns ein Weiterbauen im gleichen Duktus nicht denkbar, zumal die modernen baulichen Eingriffe der letzten 50 Jahre bereits eigenen Denkmalwert besitzen. Die Ablesbarkeit von Alt und Neu im Sinne der Charta von Venedig erschien uns als der einzig mögliche Weg.

Zugleich bestand mit der Baumaßnahme die Möglichkeit, die zufällig wirkende Heterogenität in eine klare, eindeutige Ablesbarkeit von Historisch und Neuzeitlich zu überführen. Alle Ergänzungen und neueren Bestandserweiterungen erhielten aus diesem Grund eine einheitliche äußere Erscheinung. Dies gilt sowohl für die Wahrnehmung aus der Nähe, durch ihr Material und dessen Struktur als auch für deren Fernwirkung – das Ensemble ist durch seine Lage an der Stadtmauer von Weitem sichtbar – durch die einfachere, abstraktere Volumetrie. Alle neueren Gebäudeteile erhielten eine einheitliche Hülle aus Kupferblech, die als Bedachung der historischen Backsteinkirchen in Stralsund ein vertrautes Material darstellen. Die handwerklich hergestellte Leistendeckung, eine besondere Art der Verlegung der Kupferbleche, betont die Gliederung in der Fläche und nimmt Bezug auf die Rhythmisierung der benachbarten gotischen Architektur.

Verglaste Elemente verbinden die geschlossenen Volumina der Erweiterungsbauten mit dem Bestand. Die verglasten Flächen führen dabei den Rhythmus der Kupferfassaden fort und bleiben damit Teil des Neuen. Sie erlauben zugleich an der richtigen Stelle den Blick auf die gotische Architektur des Bestandes. So ermöglicht eine gläserne Fuge zwischen dem neuen Dach des Westhofs und der Katharinenhalle, die Giebelseite des Kirchenschiffs auch weiterhin in seiner ganzen Höhe zu erleben.


Eine neue Route
Die schrittweise Erweiterung des Meeresmuseums über Jahrzehnte trug nicht nur zur beschriebenen Heterogenität der Anlage bei. Sie führt auch zu einer Route, die die Besucher auf verschlungenen Wegen über verschiedene Ebenen durch die Anlage führte. Die Aufgabe, Übersicht und einfache Orientierung zu schaffen, war deshalb nicht einfach zu lösen. Schon in der Wettbewerbsauslobung wurden aus diesem Grund neue bauliche Elemente und die Umnutzung weiterer Gebäudeteile angeregt. Auch der etwas unvermittelte seitliche Eingang in das Kirchenschiff als Hauptzugang in das Museum war zu überdenken.

Als neuer Auftakt und Haupteingang in das Museum dient aus diesem Grund nun das ehemalige Forum am Nordhof, das ursprünglich als Sporthalle im 19.Jh. gebaut und zuletzt als Konferenz- und temporärer Ausstellungsraum genutzt wurde. Hier befinden sich nun die Kassen und die zentrale Information. Von hier aus gelangt man in den historischen Westhof des Klosters, der mit seiner leichten Gebäudehülle zu einem zentralen Treffpunkt mit Sitzgelegenheiten und Museumsshop wird.

Durch die Verlegung des Eingangs und die Wegeführung über den Westhof kann die Ausstellung in der Katharinenhalle nun über das historische Portal des Kirchenschiffs betreten werden. Großzügige Deckenöffnungen und eine überarbeitete Wegeführung erleichtern die Orientierung in der Katharinenhalle, der sakrale Raum aus der Gründungszeit des Klosters ist jetzt in seiner Gesamtheit erfahrbar. Ein neuer mehrgeschossiger Baustein mit Großaquarium schafft die vertikale Wegeverbindung zwischen der Ausstellung und den 25 weiteren Aquarien im Untergeschoss, von denen man am Ende der Route mit den Meeresschildkröten wieder auftaucht. Über den Langen Gang führt der Weg wieder zurück zum Ausgangspunkt in den Westhof.

Die Barrierefreiheit für alle Gäste und Besucher:​innen war bei der Planung der neuen Wegeführung eine besondere Herausforderung. Die historischen Gebäudeteile und deren Erweiterungsbauten haben in den verschiedenen Ebenen unterschiedliche Niveaus. Durch geneigte Böden in Westhof und Haselbergbau gelang es, die Anzahl der Aufzüge deutlich zu reduzieren. Der Weg durch den „Langen Gang“ führt über einen Steg oberhalb des deutlich niedrigeren ursprüngliche Bodenniveaus. Die leichte Stahlkonstruktion ist von den Wänden des Ganges abgelöst. Die historische Raumproportion bleibt erhalten.


Ausstellung
Die Ausstellung wurde vom Büro „Die Werft“ aus München in Zusammenarbeit mit den Ausstellungsmachern des Meeresmuseums entwickelt und umgesetzt. Es wurde viel Wert daraufgelegt, dass viele beliebte Exponate auch nach dem Umbau wieder in der Ausstellung zu sehen sind und diese durch hervorragende neue Exponate in einer modernen Ausstellung ergänzt werden.

Auf den drei Ebenen der Katharinenhalle und im angrenzenden Haselbergbau veranschaulichen vier Ausstellungsbereiche die Evolution des Lebens aus dem Meer, beleuchten Wechselwirkungen zwischen Mensch und Meer, präsentieren die Vielfalt und zeigen Strategien für eine nachhaltige Fischerei. Im Großaquarium taucht man ab in die Welt der Aquarien. Von hier an folgt der Besucher einer spektakulären Reise durch Karibik und Pazifik bis hin zum Indischem Ozean.


Konzept nachhaltiges Bauen
Der sensible Umgang mit dem Bestand folgte nicht nur den Anforderungen der wertvollen historischen Bausubstanz, sondern war vielmehr Teil eines Konzeptes, die bestehende bauliche Anlage sowie das Museum mit geringstmöglichem Einsatz an grauer Energie zu erneuern. So wurden außer der für die Wegeführung und die Reattraktivierung zwingend erforderlichen Erweiterung des Großaquariums nur wenig neue Bausubstanz hinzugefügt. Alle nicht mit Wasser oder Erdreich verbundenen neuen Gebäudehüllen wurden als Holzkonstruktion ausgeführt. Wo möglich, wurde Substanz erhalten und rückgebautes Material wiederverwendet:​ Der neue Bodenbelag des Westhofs wurde aus Bestandskopfsteinpflaster historischer Granitsteine geschnitten, die das Museum über Jahre aufbewahrt hatte. Mauerwerksarbeiten wurden mit vorhandenen und gelagerten Ziegeln ausgeführt. Alte Brandschutzverglasungen wurden sorgfältig ausgebaut und gesichert, um sie an anderer Stelle wieder einzubauen. Die vorhandenen Garderobenschränke wurden überarbeitet und im neuen Garderobenbereich wiederverwendet. In allen Bereichen der Planung wurde sorgfältig abgewogen, ob nicht das Bestehende erhalten bleiben oder an anderer Stelle wieder eingesetzt werden kann. So wurden sämtliche bestehenden Fenster erhalten, die Geländer wurden nur dort erneuert, wo es baurechtlich nötig war. Ausgebautes Holz wurde aufgearbeitet und z.B. als Treppenstufen oder Sitzbänke wieder verwendet. Der Plattenbelag der Katharinenhalle wurde gänzlich erhalten.


Freianlagen
Der Nordhof mit den alten Pflasterungen, Bäumen sowie dem Museumsschiff etc. bleibt im Wesentlichen erhalten. Die vorhandene Stufenanlage vor dem Forum wurde verbreitert, um den barrierefreien Zugang zum neuen Haupteingang zu ermöglichen. Durch das Beibehalten der bestehenden Geländeoberkanten bleibt der ehemalige markante Eingang in die Katharinenhalle mit seinem Torbogen in voller Größe wahrnehmbar.


Archäologie
Im Zuge der Umbauten haben Archäologen mehrere, teilweise bedeutsame Funde gemacht. So wurden ca. hundert Skelette von Menschen gefunden, die vor etwa 250 Jahren einer Pulverexplosion zum Opfer gefallen sind. Bei Ausgrabungen im Chor der Katharinenkirche kam das Feldsteinfundament einer Kapelle zu Tage. Da die Überreste aus der Zeit vor 1282 stammen, handelt es sich um die älteste bekannte Kirche der Hansestadt. Unterhalb des Forums wurden mittelalterliche Keller gefunden, die erhalten und in den Bau integriert werden konnten. Diese und andere Funde werden den Museumsbesuchern im neuen Ensemble an mehreren Orten sichtbar gemacht und erläutert. Die gesamte Baumaßnahme wurde von der Bauforschung umfangreich archäologisch begleitet.


Energiekonzept
Auch hier folgte das Projekt der Maxime, bestehende Substanz weiterzuverwenden, wo es technisch und energetisch sinnvoll war. Für die Bestandsbauteile galt, technische Komponenten wieder zu verwenden, oder auf unwirtschaftliches klimatechnisches Nachrüsten zu verzichten.

Ermöglicht wurde diese Vorgehensweise durch die Strategie, so wenig Technik, wie möglich zu verwenden. So konnte hier in großen Teilen auf aktive Lüftung verzichtet, dafür bestehende Heizkörper und Leitungen wiederverwendet werden. Die techn. Infrastrukturen für den Betrieb als Ausstellung und Aquarium waren bereits vorhanden. Sie mussten lediglich für die neuen Gebäudeteile erneuert und ergänzt werden.

Mittels Kontraktor wurden die Heizungszentralen zu Gunsten besserer Wirkungsgrade erneuert, und auch neue hocheffiziente Luft-Wasser-Wärmepumpen mit Wärmerückgewinnung installiert.
Neue Gebäudeteile werden durch Fußbodenheizung und Lüftung temperiert, sämtliche Anlagen werden durch Rotationswärmetauscher unterstützt, dies ermöglicht 80% Energierückgewinnung.

Das Betreiben von Aquarien macht einen großen Teil des Gesamtenergiebedarfs aus, daher wurde auch hier auf den neusten Stand der Technik aufgerüstet. Durch den Einsatz von Gleichstrompumpen und neusten Drehstrompumpen werden Energieeinsparungen von fast 50% gegenüber den zuvor verwendeten technischen Anlagen möglich. Auch hier konnten bestehende Reservoire, Abschäumer und Leitungen wiederverwendet werden.
Um den Gesamtenergiebedarf weiter zu drosseln, wurde nicht nur die Objekt- und Ausstellungsbeleuchtung, sondern auch die gesamte Aquarienbeleuchtung mit aktueller LED-Technik ausgestattet.

Auszeichnungen

Bernhard Remmers Award 2026

DAM-Preis - Longlist

Rear Transformation - Shortlist

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