Heinze ArchitekturAWARD 2026: Teilnehmer
RETHINKING HEALING TYPOLOGIES: NEW NOTION FOR THE INFRASTUCTURE OF CARE IN THE TRANSFORMATIVE FUTURE
Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: Technische Universität Berlin, Fakultät VI - Planen Bauen Umwelt, Mariia Liashchenko
Basisdaten zum Objekt
Lage des Objektes
Ukraine
Objektkategorie
Objektart
Art der Baumaßnahme
Entwurfskonzept
Fertigstellungstermin
12.2025
Zeichnungen und Unterlagen
Gebäudedaten
Bauweise
Holzhybridbau
Tragwerkskonstruktion
Holz
Anzahl der Vollgeschosse
3- bis 5-geschossig
Raummaße und Flächen
Bruttorauminhalt
71.200 m³
Bruttogrundfläche
17.660 m²
Nutzfläche
15.540 m²
Verkehrsfläche
2.120 m²
Grundstücksgröße
12.000 m²
Beschreibung
Objektbeschreibung
Das Projekt befindet sich in Kyiv, in einem historischen Medizinviertel, das sich seit fast einem Jahrhundert entwickelt hat, einem der größten und ältesten medizinischen Zentren der Stadt. Gegenstand des Entwurfs ist die Rekonstruktion und adaptive Umnutzung zweier verlassener Krankenhausgebäude aus den 1950er und 60er Jahren. Das Ziel war es, das enorme Potenzial dieses Standorts zu aktivieren: die bestehende Infrastruktur der Fürsorge, die natürliche Umgebung und die Vorteile der zentralen städtischen Lage.
Das neue Rehabilitationszentrum ist als dynamische Struktur konzipiert, die künftig an neue Funktionen angepasst werden kann. Der Entwurf sieht zwei neue Baukörper vor, mit Rehabilitationsbereichen, Mensa, Sportzonen und Patientenstationen, sowie eine Erweiterung des therapeutischen Blocks. Die ursprüngliche sowjetisch-modernistische Ästhetik des Bestands wird bewahrt, während eine modulare Logik in Grundriss und Tragwerk eingebettet ist. Diese Modularität tritt in der Fassade nicht in Erscheinung, offenbart sich jedoch im Grundriss: Funktionsbereiche können sich im Laufe der Zeit verändern, anstatt statisch zu bleiben.
Im Rahmen der Forschungsphase wurden Interviews mit Rehabilitationstherapeuten und Fachspezialisten geführt. Daraus entstand die Überzeugung, dass die Zukunft der Gesundheitsarchitektur sich vom Bild einer „gesichtslosen, roboterhaften Maschine" lösen und stattdessen einem kleinen Dorf ähneln sollte, einem Ökosystem, in dem jeder Beteiligte einen klaren Platz hat: Arzt, Prothetiker, Patient, Angehörige. Wahre Heilung entsteht in dieser Synergie des Miteinanders.
Der Genesungsprozess, insbesondere in der posttraumatischen Phase nach militärischen Verletzungen, ist das Ergebnis kollektiver Anstrengung. Der Weg eines Patienten endet nicht mit dem Erlernen einer Prothese; viele sind von komplexen Polytraumata betroffen. Die Struktur des Zentrums folgt daher einem klaren Programm mit eigenen Bereichen für Sozialarbeit, Prothesenversorgung und Verwaltung.
Das Projekt ist als Geschenk für das Kyiver Stadtspital Nr. 18 konzipiert. Die Stationsgrundrisse schaffen eine Balance zwischen privaten Rückzugsräumen und gemeinschaftlichen Begegnungsbereichen. Ein besonderes Augenmerk liegt auf dem Raum für das medizinische Personal: Die Spezialisten in der Ukraine behandeln unter enormem Druck zehntausende Verwundete und benötigen eigene Bereiche zur Erholung.
Ein zentrales architektonisches Element ist der Verbindungsbrückengang zwischen den zwei neuen Baukörpern, ein in der ukrainischen Rehabilitationstypologie etabliertes Detail, entlang dessen Patienten das Gehen üben und ein Gangtraining absolvieren.
Die neuen Baukörper werden aus nachhaltigen Materialien errichtet: Strohisolierung und Holzschindeln knüpfen an lokale ukrainische Bautraditionen an und thematisieren zugleich die Frage, in welchem Umfang biobasierte Materialien im klinischen Kontext einsetzbar sind. Balkone und Gesimse mit Photovoltaikpaneelen sind als flexibel demontierbare Elemente konzipiert.
Die befragten Experten teilen einen gemeinsamen Traum: dass ihre Patienten eines Tages vollständig genesen sind und solche Zentren nicht mehr gebraucht werden. Für diesen Tag ist das Gebäude entworfen, transformierbar, zukunftsoffen, für eine friedliche Zeit.
Auf dem Weg zur Gesundheit steht eine ganze Gemeinschaft von Menschen, deren Einsatz den Patienten in der Ukraine Kraft und Hoffnung gibt. Diese kollektive Arbeit braucht dynamische architektonische Lösungen, das ist es, was dieses Projekt zum Ausdruck bringen möchte.
Beschreibung der Besonderheiten
Therapeutische Brücke
Das verbindende Element zwischen den zwei Neubauten ist gleichzeitig Erschließung und zentraler Therapieraum. Gangtraining und Ganganalyse finden hier entlang eines definierten Bewegungskorridors statt, eine in der ukrainischen Rehabilitationstypologie etablierte Praxis, die im Entwurf bewusst ins architektonische Zentrum gerückt wird. Die Brücke ist kein Nebenraum, sondern das Herzstück des therapeutischen Alltags: ein Ort, an dem Fortschritt sichtbar und erlebbar wird.
Modulare Grundrisslogik
Die Raumstruktur basiert auf einem flexiblen Raster, das im Fassadenbild zurückhaltend bleibt, aber im Grundriss eine spätere Umnutzung der Gebäude ermöglicht. Die klare Trennung von Tragwerk und Raumnutzung erlaubt es, Stationen zu Wohneinheiten, Gemeinschaftsräume zu Ateliers oder Kliniken zu Bildungseinrichtungen umzubauen für eine Zeit, in der diese Zentren nicht mehr gebraucht werden. Die Transformation ist bereits in die Struktur eingeschrieben.
Gesunde Materialität und regionale Bautradition
Die Neubaukörper sind in Holzrahmenbauweise mit 340 mm Strohisolierung und Holzschindelverkleidung errichtet. Diese Materialien greifen lokale ukrainische Bautraditionen auf insbesondere Techniken aus Tschernihiw und der nördlichen Ukraine und stellen zugleich eine ernsthafte architektonische Frage: In welchem Ausmaß sind biobasierte Materialien im klinischen Kontext vertretbar? Wo liegt die Grenze zwischen Tradition, Nachhaltigkeit und hygienischen Anforderungen? Das Projekt versteht diese Spannung nicht als Problem, sondern als produktiven Ausgangspunkt für eine neue Baukultur im Gesundheitswesen.
Räume für Fachkräfte
Ein wesentlicher programmatischer Schwerpunkt liegt auf dedizierten Erholungs- und Rückzugsbereichen für das medizinische Personal. Die Spezialisten in der Ukraine behandeln unter enormem Druck zehntausende Verwundete oft ohne ausreichende Möglichkeit zur eigenen Regeneration. Das Projekt begreift auch das Personal als Teil der Heilungsgemeinschaft und widmet ihm eigene Räume: für Stille, Begegnung und Erholung. Denn wer andere heilt, muss selbst einen Ort der Kraft haben.
Sinnesgarten und Heilgarten
Mehrere aufeinander abgestimmte Außenräume bilden ein integriertes Freiraumsystem für unterschiedliche Stadien der Genesung: der sensorische Garten für frühe taktile und visuelle Stimulation, der therapeutische Garten für geführte Bewegung im Freien, der städtische Garten als Ort der sozialen Begegnung und Normalität, sowie ein Spielbereich für Kinder von Patienten und Mitarbeitenden. Die Grünfläche von 1.740 m² ist kein dekoratives Element, sondern integraler Bestandteil des therapeutischen Programms.
Photovoltaik-Integration
Balkone und Gesimse der Neubauten sind mit Photovoltaikpaneelen ausgestattet, die als flexible, demontierbare Elemente konzipiert sind. Sie können angepasst, erweitert oder bei einer künftigen Umnutzung des Gebäudes vollständig neu konfiguriert werden im Einklang mit der modularen Gesamtlogik des Entwurfs.
Bombenluftschutzraum
Das Projekt beinhaltet einen vollständig ausgearbeiteten unterirdischen Schutzraum unter dem Verbindungsbau eine in der heutigen Ukraine unerlässliche programmatische Anforderung. Der Raum ist als eigenständige funktionale Einheit konzipiert, mit Sanitärräumen, Ruhebereichen und medizinischer Grundversorgung, und kann im Normalbetrieb als Lagerraum oder technische Fläche genutzt werden.
Adaptive Umnutzung des sowjetischen Bestands
Der Entwurf stellt die Frage, wie modernistisches Erbe nicht nur erhalten, sondern aktiviert werden kann. Die Bestandsgebäude aus den 1950er und 60er Jahren werden nicht musealisiert, sondern in ein neues funktionales Gefüge integriert mit Respekt vor ihrer architektonischen Identität und gleichzeitiger Offenheit für die Anforderungen der Gegenwart.
Nachhaltigkeit
Die Gebäudehülle basiert auf einem Holzrahmentragwerk mit 340 mm Strohisolierung, einem nachwachsenden, CO₂-speichernden Dämmmaterial mit sehr geringem Primärenergiebedarf in der Herstellung. Als Fassadenverkleidung kommen Holzschindeln zum Einsatz, die an die nordukrainische Holzbautradition anknüpfen, langlebig, wartungsarm und biologisch abbaubar.
Die Haustechnik basiert auf einem integrierten System aus Wärmepumpen, Wärmerückgewinnungseinheiten (HRU) in jedem Geschoss sowie natürlicher Querlüftung. Ein unterirdischer Regenwasserspeicher versorgt die Gartenanlagen. Klimaschutzbalkone regulieren den sommerlichen Wärmeeintrag passiv.
Zur aktiven Energiegewinnung sind Photovoltaikmodule auf den Dach- und Balkonelämenten aller drei Baukörper integriert: 950 m² + 1.650 m² + 1.150 m² = 3.750 m² Gesamtfläche, mit einer Spitzenleistung von 750 kWp und einer jährlichen Stromerzeugung von ca. 825.000 kWh. Dies entspricht einer CO₂-Einsparung von rund 330 Tonnen pro Jahr. Im Sommer deckt die Anlage den Kühlenergiebedarf des Gebäudes vollständig ab; im Winter liefert sie eine wertvolle Ergänzung zur Wärmepumpe.
Das Gesamtkonzept folgt dem Prinzip von Cradle to Cradle und regionaler Kreislaufwirtschaft. Alle Materialien sind auf Rückbaufähigkeit und Wiederverwendbarkeit ausgelegt im Einklang mit dem Leitmotiv des Projekts: ein Gebäude für eine transformierbare, friedliche Zukunft.
Auszeichnungen
CHARITÉ SPECIAL PRIZE
ARCHITECTURE FOR HEALTH STUDENT AWARD 2026
Schlagworte
Energetische Kennwerte
Energiestandard
Energetische Kennwerte
Primärenergie
Fernwärme
Geothermie
Sekundärenergie
Strom
Solarthermie
Energiebedarf (Prozentuale Verteilung)
Heizung
40 %
Warmwasser
20 %
Beleuchtung
15 %
Lüftung
20 %
Kühlung inkl. Befeuchtung
5 %
Objektdetails
Gebäudespezifische Merkmale
Anzahl Betten
165
Anzahl Sitzplätze
200
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