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NEUE STUDIOKULTUR DER ZUKUNFT_Das funktionalische Erbe der TU Berlin neu denken
Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: Technische Universität berlin, Gebäudekunde und Entwerfen, Eunho Jeong
Basisdaten zum Objekt
Lage des Objektes
Deutschland
Objektkategorie
Objektart
Art der Baumaßnahme
Entwurfskonzept
Fertigstellungstermin
07.2025
Zeichnungen und Unterlagen
Gebäudedaten
Bauweise
Stahlbau
Tragwerkskonstruktion
Stahl
Anzahl der Vollgeschosse
6- bis 10-geschossig
Beschreibung
Objektbeschreibung
Evolution der Studiokultur und interdisziplinärer Austausch
Die „Studiokultur“ ist das Herzstück der Architekturausbildung – ein bewährter Ort der Zusammenarbeit, an dem Studierende frei kommunizieren, diskutieren und gemeinsam Ideen verwirklichen. Während es früher vor allem darum ging, reine Entwurfstechniken zu erlernen, müssen wir diesen Prozess heute aktiv für den Austausch mit anderen Disziplinen öffnen. Denn die komplexen Herausforderungen unserer Zeit – wie Klimakrise, Ressourcenknappheit und demografischer Wandel – lassen sich mit architektonischem Wissen allein nicht mehr lösen.
Die Architekturausbildung der Zukunft muss daher die offene Kommunikation des Studios nutzen, um sich mit anderen Fachbereichen zu vernetzen und gemeinsam praxisnahe Antworten auf drängende Zukunftsfragen zu entwerfen. Um diese neue Vision von Bildung jedoch wirklich leben zu können, braucht es eine räumliche Transformation: Die in die Jahre gekommenen Strukturen der Architekturfakultäten müssen zukunftsorientiert und grundlegend neu gedacht werden.
2. TU Berlin Architekturgebäude – Betriebliche Grenzen
Notwendigkeit eines interdisziplinären Testbeds
Das Architekturgebäude der TU Berlin stößt heute an die Grenzen seiner exklusiven Nutzung: Massive Budgetkürzungen führten kürzlich zur Schließung von Mensa und Studierendencafé und gipfelten sogar in einem Aufnahmestopp für das Fachgebiet Typology. Um diese Krise zu überwinden, müssen wir das bisherige, geschlossene Betriebsmodell aufbrechen und das Gebäude in ein „interdisziplinäres Testbed“ verwandeln. Anstatt die Räume weiterhin als exklusives Eigentum der Architektur zu betrachten, müssen wir sie für andere Fachbereiche öffnen. Diese gemeinsame Nutzung steigert nicht nur die betriebliche Effizienz und hilft, finanzielle Engpässe zu lösen. Sie schafft gleichzeitig einen lebendigen Knotenpunkt für praxisnahe Zusammenarbeit – einen Ort, an dem Experten unterschiedlichster Disziplinen zusammenkommen, um gemeinsam Antworten auf die drängenden Herausforderungen unserer Zeit zu erforschen.
3. Das funktionalistische Erbe der TU Berlin - 1
Klare räumliche Hierarchie und Flexibilität der Fertigteilbauweise
Das 1965 von Bernhard Hermkes entworfene Architekturgebäude der TU Berlin basiert auf einem strikten Funktionalismus. Eine klare funktions-bedingte Hierarchie zeigt sich sowohl im Grundriss durch die strikte Trennung von Lehr- und Studierendenbereichen als auch im Schnitt, wo sich Büros (3 m) und Studios (4 m) seitlich gespiegelt und ineinander verzahnt wiederholen. Zudem ermöglicht die Errichtung in Fertigteilbauweise eine äußerst unkomplizierte Demontage und Neukonfiguration der Räume. Folglich untermauern das klare funktionale System und die strukturelle Flexibilität des Gebäudes nachdrücklich die technische Machbarkeit der in diesem Projekt vorgeschlagenen interdisziplinären räumlichen Eingriffe.
4. Das funktionalistische Erbe der TU Berlin - 2
Mapping des Lebens im Architekturgebäude
Um die tatsächliche Funktionsweise der Räume und das Nutzungsverhalten der Studierenden zu analysieren – Aspekte, die sich aus reinen Grundrissen nicht ablesen lassen –, habe ich das Gebäude vor Ort untersucht und ein „Mapping“ des alltäglichen Lebens durchgeführt. Dabei zeigte sich, dass abseits der vom Grundriss vorgegebenen Laufwege vielfältige, von den Nutzerinnen und Nutzern initiierte räumliche Aneignungen und Transformationen stattfinden. Diese lassen sich in drei Hauptkategorien unterteilen:
Architektonische Elemente : Räume, in denen der Architekt das Verhalten der Nutzer bewusst lenkt, (z.B. die breite Begegnungstreppe im Erdgeschoss oder die ikonische Labyrinth-Treppe im Lichthof)
Installative Eingriffe : Räume, deren Nutzung durch nachträglich hinzugefügte Elemente nach der Fertigstellung erweitert wurde (z.B. das Café im EG, flexible Bänke im Foyer)
Nutzergesteuerte Aneignung : Räume, die von Studierenden spontan und selbstbestimmt besetzt und genutzt werden (z.B. informelle Treffpunkte in den Nischen des Lichthofs)
Diese Mapping-Analyse veranschaulicht eindrucksvoll die Eigeninitiative der Studierenden, die selbst innerhalb der funktionalistischen Einschränkungen Nischen finden und diese räumlich für sich nutzen. Daher bedarf es physischer Transformationen, die die Form und den Raum des Gebäudes an die tatsächliche Nutzung anpassen. Nur so können die Aktivitäten und Lebensweisen, die sich bereits organisch im Gebäude entwickelt haben, einen adäquaten Rahmen finden und sich weiter entfalten.
5. Entwurfsvorschlag
Realisierung eines interdisziplinären Tesbeds durch vertikale Eingriffe
Basierend auf der vorangegangenen Raumanalyse und dem Mapping habe ich das 3. und 5. Obergeschoss – die am stärksten in sich geschlossenen Bereiche des Gebäudes – als Ausgangspunkt für dieses Renovierungsprojekt gewählt. Diese beiden Etagen bestehen als einzige im Gebäude ausschließlich aus Büros und sind somit strikt vom studentischen Alltag getrennt. Insbesondere die innenliegenden Mittelzonen ohne Außenbezug konnten bisher nicht als Orte des Austauschs fungieren, sondern wurden lediglich als Lagerräume vernachlässigt. Mein Ansatz ist es zunächst, diese Lagerfunktionen in verfügbare Flächen im Untergeschoss auszulagern und den so frei gewordenen Raum im Zentrum zu einem neuen, zentralen Knotenpunkt für interdisziplinäre Vernetzung umzuprogrammieren.
Die zentrale architektonische Strategie für diesen Bereich besteht in der praktischen Neuinterpretation der „Vertikalität“, einem der Hauptkonzepte des ursprünglichen Entwurfs. Mein räumlicher Eingriff beschränkt sich dabei nicht auf eine zweidimensionale Umgestaltung einzelner Geschosse. Vielmehr respektiere ich die vertikale Ordnung des Bestandsgebäudes und schlage eine komplexe räumliche Struktur vor, die die bisher voneinander isolierten Studios und Büros durch dreidimensionale, vertikale Wegeführungen (Erschließungen) miteinander verwebt. Diese neu geschaffene vertikale Verbindung dient nicht nur der reinen Fortbewegung. Sie wird als potenzialreicher Übergangsraum (Transitional Space) fungieren, in dem die bereits im Mapping beobachtete „spontane Aneignung“ durch die Studierenden jederzeit stattfinden kann.
Letztendlich wird dieser dreidimensionale Raum der Begegnung das Herzstück des interdisziplinären Testbeds bilden und dabei helfen, die aktuelle Krise der Architekturfakultät zu überwinden. Die an die neue vertikale Achse angrenzenden Studios und Forschungsräume werden gezielt für andere Disziplinen – wie etwa Umweltingenieurwesen, Stadtsoziologie oder Data Science – geöffnet und mit diesen geteilt. Auf diese Weise entsteht eine wahrhaft zukunftsorientierte Bildungsumgebung: Ein Ort, an dem die Architektur physisch mit anderen Fachbereichen verschmilzt und kontinuierlich produktive Synergien erzeugt, um konkrete Lösungsansätze für drängende gesellschaftliche Herausforderungen wie die Klimakrise oder Ressourcenknappheit zu entwickeln.
Beschreibung der Besonderheiten
Ich möchte die Ausrichtung der zeitgenössischen Architekturausbildung thematisieren. Die globalen und gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit lassen sich durch den interdisziplinären Dialog bewältigen. Die Architektur besitzt dabei das Potenzial, als verbindendes Element im Zentrum verschiedener Disziplinen zu stehen. Daher muss der disziplinübergreifende Austausch in Architekturprojekten noch stärker gefördert werden, was eine entsprechende Anpassung der räumlichen Strukturen unabdingbar macht.
2. Der Umgang mit dem funktionalistischen Erbe
Zudem möchte ich einen angemessenen Ansatz für die Nutzung des funktionalistischen Architekturerbes vorschlagen. Die räumliche Anpassungsfähigkeit der Fertigteilbauweise ist ein zeitgemäßer Entwurf, der das zukünftige Entwicklungspotenzial nicht nur dieses spezifischen Gebäudes, sondern auch anderer Bauwerke, die auf extrem funktionalistischem Denken basieren (Brutalismus), symbolisiert.
3. Der Wert des Bauens im Bestand (Umbau)
Schließlich soll der Wert des Umbaus aufgezeigt werden. Das Ziel der Architektur sollte nicht allein darin bestehen, stetig neuen Raum hinzuzufügen. Die Bemühungen, den Wert von Räumen mit abnehmender Nutzung wiederzubeleben, gehen weit über die reine Wirtschaftlichkeit hinaus; es ist vielmehr genau die Art von Architekturpraxis, die in der heutigen Zeit zwingend verfolgt werden sollte.
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