Architekturobjekt 10 von 14.374

Architekturobjekte

Heinze ArchitekturAWARD 2026: Teilnehmer


La Ruine de l'Écosystème

Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: Karlsruher Institut für Technologie/ École Nationale Supérieure de l'Architecture de Strasbourg, Architektur, Julia Wolfinger

Außenraumperspektive - La Ruine de l'Écosystème - La Ruine de l'Écosystème

© Julia Wolfinger

Lageplanmodell 1:1000 - La Ruine de l'Écosystème

© Julia Wolfinger

Strukturmodell 1:100 - La Ruine de l'Écosystème

© Julia Wolfinger

Modell 1:100 - La Ruine de l'Écosystème

© Julia Wolfinger

Schnittmodell Atrium 1:50 - La Ruine de l'Écosystème

© Julia Wolfinger

Perspektive "Schauraum des Ökosystems" - La Ruine de l'Écosystème

© Julia Wolfinger

Ergebnisse der theoretischen Ausarbeitung: Theoretische Ausarbeitung, Analyse der Ruine de l’Écosystème, Orientierungshilfe im Umgang mit Bestandsgebäuden und Ruinen - La Ruine de l'Écosystème

© Julia Wolfinger

Bestandsaufnahme La Ruine de l'Encensoir - La Ruine de l'Écosystème

© Julia Wolfinger

Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: Karlsruher Institut für Technologie/ École Nationale Supérieure de l'Architecture de Strasbourg, Architektur, Julia Wolfinger

Basisdaten zum Objekt

Lage des Objektes

Frankreich

Objektkategorie

Objektart

Art der Baumaßnahme

Entwurfskonzept

Fertigstellungstermin

04.2026

Gebäudedaten

Bauweise

Holzbau

Tragwerkskonstruktion

Holz

Anzahl der Vollgeschosse

3- bis 5-geschossig

Raummaße und Flächen

Bruttorauminhalt

8.295 m³

 

Bruttogrundfläche

2.342 m²

 

Nutzfläche

1.740 m²

 

Verkehrsfläche

496 m²

 

Grundstücksgröße

2.880 m²

Beschreibung

Objektbeschreibung

Das Projekt umfasst die Konzeption eines Forschungs- und Umweltbildungszentrums auf der Naturschutzinsel Île du Foulon in Tomblaine bei Nancy. Ausgangspunkt ist die Auseinandersetzung mit den zunehmenden Herausforderungen von Leerstand, baulichem Verfall und Ressourcenknappheit, die infolge gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Transformationsprozesse vielerorts die gebaute Umwelt prägen. Untersuchungsgegenstand ist die Ruine de l’Encensoir, ein ehemaliges Lager- und Wohngebäude, das nach einem Brand aufgegeben wurde und seither dem fortschreitenden Verfall ausgesetzt ist. Über die Jahre wurde die Ruine zunehmend von Vegetation überwachsen und ist heute integraler Bestandteil eines sensiblen Ökosystems innerhalb des geschützten Naturraums.

Die Planungsaufgabe bestand darin, auf Grundlage einer systematischen Analyse und Bewertung des Bestands einen angemessenen architektonischen Umgang mit der Ruine zu entwickeln. Ziel war es, eine Nutzungsperspektive für das Bauwerk aufzuzeigen, die sowohl den historischen Bestand als auch die ökologischen Rahmenbedingungen respektiert. Gleichzeitig sollten Aspekte der Kreislaufgerechtigkeit, des ressourcenschonenden Bauens und der Erhaltung vorhandener Bausubstanz in die Entwurfsstrategie integriert werden.

Die Lösung basiert auf dem Verständnis der Ruine als Teil des gewachsenen Naturraums. Anstatt den Bestand zu rekonstruieren oder zu überformen, wird dieser gesichert und durch einen eigenständigen, konstruktiv unabhängigen Holzbau ergänzt. Der neue Baukörper entwickelt sich innerhalb der bestehenden Mauern und tritt in einen bewussten Dialog mit dem Bestand. Durch seine reversible und ressourcenschonende Bauweise werden zusätzliche Belastungen für die historische Substanz und das umliegende Ökosystem minimiert.

Aus dieser Haltung entsteht ein Forschungs- und Umweltbildungszentrum, das Natur, Öffentlichkeit und Wissenschaft miteinander verbindet. Der Neubau schafft Flächen für Forschung, Ausstellungen und Bildungsangebote, während die Ruine als räumlicher und atmosphärischer Träger der Geschichte des Ortes erhalten bleibt. Ein zentrales Atrium fungiert als „Schauraum des Ökosystems“ und macht die Wechselwirkungen zwischen Architektur, Natur und Bestand unmittelbar erlebbar.

Das Projekt zeigt exemplarisch, wie ruinöse Bestandsstrukturen durch eine sensible Weiterentwicklung in neue Nutzungskonzepte integriert werden können. Die Ruine wird dabei nicht als Relikt einer vergangenen Nutzung verstanden, sondern als wertvolle Ressource und Ausgangspunkt für eine nachhaltige, ressourcenschonende und zukunftsfähige Architektur.

Beschreibung der Besonderheiten

Besonderes Merkmal des Entwurfs ist die Integration des bestehenden Ökosystems als räumliches und funktionales Zentrum des Gebäudes. Die vorhandene Vegetation bleibt erhalten und wird als offenes Atrium zum identitätsstiftenden Kern des Forschungs- und Umweltbildungszentrums. Alle Nutzungsbereiche orientieren sich an diesem Naturraum und ermöglichen eine unmittelbare Auseinandersetzung mit den ökologischen Prozessen vor Ort.

Die räumliche Organisation schafft einen kontinuierlichen Dialog zwischen historischem Bestand, neuer Holzkonstruktion und Landschaft. Durch gezielte Sichtbezüge, offene Übergänge und differenzierte Aufenthaltsbereiche werden die Wechselwirkungen zwischen Architektur und Natur erfahrbar gemacht. Das Gebäude versteht sich dabei nicht als Gegenstück zur Natur, sondern als Teil eines gemeinsamen Systems aus Bestand, Nutzung und Ökologie.

Nachhaltigkeit

Das Projekt verfolgt einen suffizienzorientierten Ansatz, indem die bestehende Ruine als wertvolle Ressource erhalten und weitergenutzt wird. Anstelle eines vollständigen Neubaus bildet der Bestand die Grundlage für die neue Nutzung und reduziert den Bedarf an zusätzlichen Materialien und Flächenversiegelung.
Das Materialkonzept basiert auf einer unabhängigen Holztragstruktur, die den historischen Bestand ergänzt, ohne ihn statisch zu belasten. Als nachwachsender Rohstoff ermöglicht Holz eine ressourcenschonende Bauweise und einen geringen CO₂-Fußabdruck. Die klare Trennung von historischem Mauerwerk und neuer Konstruktion erhöht die Rückbaubarkeit und unterstützt ein kreislaufgerechtes Bauen.

Gleichzeitig orientiert sich der Entwurf an den Prinzipien der Konsistenz, indem das bestehende Ökosystem nicht verdrängt, sondern als zentraler Bestandteil des Gebäudes integriert wird. Die vorhandene Vegetation bildet das Herzstück des Entwurfs und macht ökologische Prozesse räumlich erfahrbar. Durch Bestandserhalt, Materialeffizienz und reversible Konstruktionen leistet das Projekt einen Beitrag zu einem nachhaltigen und ressourcenschonenden Umgang mit dem baulichen Bestand.

Auszeichnungen

Nominierung für den Förderpreis der Ruth und Erich Rossmann-Stiftung

Schlagworte

Bauen im Bestand, île du Foulon, Tomblaine, Leerstand, Verfall, Ruine, Holzbau, Mauerwerk

Energetische Kennwerte

Energetische Kennwerte

Primärenergie

Umweltthermie (Luft / Wasser)

Objektdetails

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