Architekturobjekte
Hyparschale Magdeburg
39114 Magdeburg, Kleiner Stadtmarsch 7
Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: gmp · Architekten von Gerkan, Marg und Partner
Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: gmp · Architekten von Gerkan, Marg und Partner
Basisdaten zum Objekt
Lage des Objektes
Kleiner Stadtmarsch 7, 39114 Magdeburg, Deutschland
Objektkategorie
Objektart
Art der Baumaßnahme
Sanierung / Modernisierung
Fertigstellungstermin
06.2024
Zeichnungen und Unterlagen
Projektbeteiligte Firmen und Personen
Verwendete Produkte
Gebäudedaten
Bauweise
Stahlbetonbau
Tragwerkskonstruktion
Stahlbeton
Anzahl der Vollgeschosse
2-geschossig
Raummaße und Flächen
Bruttorauminhalt
23.058 m³
Bruttogrundfläche
3.948 m²
Nutzfläche
2.993 m²
Lage und Umgebung
Beschreibung
Objektbeschreibung
Denkmalgerechter Umbau und Sanierung
Nach über zwanzig Jahren Leerstand ist der zuvor stark verfallene Betonschalenbau von 2019 bis 2024 im Auftrag der Landeshauptstadt Magdeburg und nach den Plänen der Architekten von Gerkan, Marg und Partner (gmp) umfassend saniert und umgebaut worden. Im Mittelpunkt des Entwurfs von gmp steht der Erhalt der räumlichen Wirkung des Schalendachs und die Wiederbelebung der seit 1998 denkmalgeschützten Halle als multifunktionaler Veranstaltungs- und Ausstellungsort. Durch das Zusammenspiel aus Anforderungen des Denkmalschutzes und programmatischer Neukonzeption ist die „neue“ Hyparschale exemplarisch für den Erhalt und die Modernisierung weiterer Müther-Bauten und anderer Bauwerke der Nachkriegsmoderne.
Die Hyparschale am östlichen Elbufer konstruierte der Bauingenieur Ulrich Müther (1934–2007) aus vier hyperbolischen Paraboloiden. Die regelmäßig doppelt gekrümmten Dachflächen überspannen zusammen eine Fläche von 48 x 48 Metern und ermöglichen eine komplett stützenfreie Halle. Damit ist die 1969 für die Magdeburger Messe als Mehrzweckhalle erbaute Hyparschale eines der größten erhaltenen Bauwerke dieser Art.
Eine neue Raumstruktur im Innenraum greift Müthers quadratisches Grundsystem auf und macht den offenen Raum mit seinem geschwungenen Dach vielfältig erlebbar: Zur Umsetzung des von der Landeshauptstadt Magdeburg in Auftrag gegebenen kleinteiligen Raumprogramms wurden vier Kuben mit Grundflächen von 15 x 15 Metern jeweils in den Ecken der Halle angeordnet. Auf den Kuben entstehen Galerien, die durch Brücken miteinander verbunden sind. Die flexibel nutzbare Struktur erzeugt zusammenschaltbare Räume für kleinere Veranstaltungen, Seminare, Ausstellungen und Gastronomie, die den großen Veranstaltungssaal für bis zu 500 Personen in der Mitte der Halle räumlich fassen.
Durch die Sanierung der Betonschalen mit Carbonbeton konnte die Tragfähigkeit des Daches nicht nur wiederhergestellt werden, sondern sie wurde sogar erhöht. Zudem wurden die zwischen den Schalen verlaufenden Oberlichter wieder geöffnet. Ursprünglich mit Glasbausteinen ausgefacht, waren sie wegen Undichtigkeit schon kurz nach Fertigstellung des Gebäudes geschlossen worden.
Konstruktiv und gestalterisch knüpfen die hinzugefügten Einbauten an die ursprünglich industriell geprägte, vertikal betonte Außenfassade aus Stahl und Glas an. Die neue transparente Glasfassade ermöglicht den Blick zum und vom Rotehornpark – dem im Zentrum Magdeburgs gelegenen Stadtpark – und ersetzt die bisherige transluzente Industrieverglasung, wobei die originale Fassadengliederung erhalten wurde.
Beschreibung der Besonderheiten
In der ersten Phase der Sanierung der Hyparschale wurde die Tragfähigkeit des Daches wiederhergestellt und sogar noch auf das Anderthalbfache erhöht. Nur 70 Millimeter beträgt die ursprüngliche Schalendicke, die durch die Sanierung mit Carbonbeton wieder erreicht werden konnte. Aufgebracht in einem speziell für die Hyparschale Magdeburg entwickelten Verfahren, verstärkt der flexible Verbundwerkstoff das zuvor durch Korrosion gefährdete Schalendach an der Innen- und Außenfläche.
Auf Basis einer Bestandsanalyse wurde das nachhaltige und behutsame Konzept mithilfe von Carbonbeton entwickelt. Dieser besteht aus Feinbeton und einer Bewehrung aus Carbonmatten. Feinste Fasern aus Carbon werden zu Garnen zusammengefasst und zu einer Gitterstruktur weiterverarbeitet. Die Gelege oder Matten lassen sich in ihrer Tragfähigkeit, Flexibilität und Verformbarkeit variieren. Im Unterschied zum Stahlbeton, bei dem die Betonschicht die Bewehrung vor Korrosion schützen muss, sind besonders leichte, filigrane und tragfähigere Konstruktionen möglich. Mit der nur für die Hyparschale Magdeburg zugelassenen Ausführung konnte passgenau auf deren Anforderungen reagiert werden. Die vier separaten Dachsegmente erlaubten zudem einen optimalen Bauablauf: Während der Betonage eines Quadranten wurden parallel die anderen Flächen vorbereitet.
Dazu wurden zunächst die bestehenden Betonflächen innen und außen abgestrahlt und leicht begradigt. Um im Sinne des Denkmalschutzes die Proportionen des Daches nicht zu verändern und seine Tragfähigkeit nicht zu gefährden, wurde von der 7 Zentimeter dicken Betonschale millimetergenau genau so viel abgeschliffen, wie später mit dem Carbetonbeton-Verfahren wieder aufgebracht wurde, insgesamt 2 Zentimeter an der Schalenober- und -unterseite. Nachdem Stellen mit offenliegender Bewehrung ausgebessert waren, wurde die erste Feinbeton-Schicht aufgebracht, die bewehrende Carbonmatte eingelegt und mit der zweiten Betonlage bedeckt. Das Nass-in-Nass-Arbeiten gleicht nahezu dem handwerklichen Vorgehen zu Müthers Zeiten, allerdings mit den technischen Möglichkeiten von heute.
Nachhaltigkeit
Auszeichnungen
19. Ernst & Sohn Ingenieurbaupreis - Preisträger, 2026
DAM Preis 2026 - Shortlist
Balthasar Neumann Preis 2025 - Anerkennung
Architizier A+ Award 2025 - Sustainable Adaptive Reuse / Renovation Project - Finalist
European Award Architectural Heritage Intervention (AHI) - Shortlist, 2025
Stadtumbau Award Sachsen-Anhalt 2025 - Engere Wahl
Bauwerk des Jahres 2024, AIV Magdeburg
Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt 2025 - Auszeichnung
db-Preis "Respekt und Perspektive" 2024 - Anerkennung
Iconic Awards 2024 - Gebäudeleitsystem - Winner
DER DEUTSCHE LICHTDESIGN-PREIS 2026 - Nominierung
Schlagworte
Objektdetails
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