Heinze ArchitekturAWARD 2026: Teilnehmer
Heizwerk Erfurt
99084 Erfurt, Maximilian-Welsch-Straße 6
Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: hks architekten BDA
Basisdaten zum Objekt
Lage des Objektes
Maximilian-Welsch-Straße 6, 99084 Erfurt, Deutschland
Objektkategorie
Objektart
Art der Baumaßnahme
Sanierung / Modernisierung
Fertigstellungstermin
09.2021
Nachhaltigkeit
DMK Award für nachhaltiges Bauen 2023
Zeichnungen und Unterlagen
Projektbeteiligte Firmen und Personen
Verwendete Produkte
Gebäudedaten
Bauweise
Stahlbetonbau
Tragwerkskonstruktion
Sonstige
Anzahl der Vollgeschosse
3- bis 5-geschossig
Raummaße und Flächen
Bruttorauminhalt
45.804 m³
Bruttogrundfläche
8.950 m²
Nutzfläche
7.500 m²
Grundstücksgröße
5.085 m²
Kosten
Veranschlagte Rohbaukosten des Bauwerks
9.538.689 Euro
Gesamtkosten der Maßnahme (ohne Grundstück)
18.746.903 Euro
Lage und Umgebung
Beschreibung
Objektbeschreibung
Das Projekt ist Teil der langfristigen Transformation des Brühls von einem industriell geprägten Standort hin zu einem gemischt genutzten Wohn und Kulturquartier. Ziel der Maßnahme war die Sanierung, Umnutzung und behutsame Weiterentwicklung des historischen Bestands unter Erhalt seiner baugeschichtlichen und räumlichen Qualitäten.
Das Gebäude wird durch eine neue Nutzungsmischung aus Kultur, Veranstaltungen, Gastronomie und Arbeitswelten reaktiviert und als öffentlicher Ort in die Stadtstruktur integriert. Die industrielle Bausubstanz bleibt dabei als prägendes Grundgerüst erhalten und bildet die Grundlage für die neue Nutzung.
Ergänzt wird der Bestand durch bauliche Erweiterungen sowie verbindende Strukturen, die das Ensemble funktional und organisatorisch neu ordnen und die Einbindung in den städtischen Kontext stärken.
Beschreibung der Besonderheiten
Zentrale Besonderheit ist die Aktivierung der großmaßstäblichen Industriehallen, insbesondere der Maschinenhalle, des Kesselsaals und des Kohlenbunkers. Diese Bereiche bleiben als großvolumige, flexible Raumstrukturen erhalten und bilden die Grundlage für kulturelle und öffentliche Nutzungen. Die Offenheit der Hallen ermöglicht eine hohe Nutzungsflexibilität bei gleichzeitiger Wahrung des industriellen Charakters.
Ein wesentliches Element der Neuordnung ist die zwischen Alt und Neu angeordnete Gebäudefuge. Diese übernimmt funktionale, räumliche und klimatische Aufgaben. Sie dient als verbindendes und gleichzeitig trennendes Element, organisiert die vertikale Erschließung und schafft einen eigenständigen, galerieartigen Raum mit hoher Aufenthaltsqualität.
Der Erweiterungsbau ergänzt den Bestand funktional und strukturell. Er nimmt insbesondere konzentrierte Nutzungen wie Büro und Arbeitswelten auf und entlastet damit die großmaßstäblichen Hallenbereiche. Dadurch entsteht eine klare funktionale Differenzierung zwischen öffentlichen, halböffentlichen und internen Nutzungen.
Die Dachlandschaft des Neubaus greift das historische Prinzip des Sheddachs auf und interpretiert es zeitgenössisch weiter. Dabei kommt Holz im Tragwerk des Dachbereichs zum Einsatz. Die konstruktive Ausbildung basiert auf einer präzisen, digital unterstützten Planung und überführt die industrielle Typologie in eine neue architektonische Sprache.
Ergänzt wird das Ensemble durch Brückenbauwerke, die sowohl die interne Erschließung als auch die stadträumliche Vernetzung verbessern. Sie verbinden das Heizwerk mit den angrenzenden Quartieren und setzen gleichzeitig markante städtebauliche Akzente.
Insgesamt entsteht ein Ensemble, das den industriellen Bestand nicht überformt, sondern durch gezielte, reduzierte Eingriffe aktiviert und weiterentwickelt. Das Projekt versteht den Umgang mit dem Bestand als kulturelle und ressourcenschonende Haltung, bei der vorhandene Substanz und gespeicherte Energie als Grundlage der Weiterentwicklung dienen.
Nachhaltigkeit
Zur Reduktion des Trinkwasserbedarfs und des Abwasseraufkommens kommen wassersparende Sanitäranlagen sowie ausgewählte „Best of Class“-Produkte im Sanitärbereich zum Einsatz. Ein wesentlicher Bestandteil des Konzepts ist zudem die konsequente Nutzung der bestehenden Bausubstanz, wodurch die im Gebäude gespeicherte graue Energie erhalten und weiterverwendet wird.
Bei den baulichen Ergänzungen werden überwiegend nachwachsende Rohstoffe eingesetzt, insbesondere einheimisches Holz in Form von Brettsperrholz (BSP) und Brettschichtholz (BSH), das für konstruktive und raumbildende Interventionen genutzt wird.
Zur teilweisen Eigenenergieversorgung wurde auf den Terrassendächern des Kohlenbunkers eine Photovoltaikanlage installiert, die insbesondere den Veranstaltungsbereich unterstützt. Insgesamt folgt das Projekt einem ressourcenschonenden Ansatz des Weiterbauens im Bestand, bei dem der Energie- und Materialeinsatz minimiert und die vorhandene Struktur langfristig aktiviert wird. Das Heizwerk im Erfurter Stadtteil Brühl wird im Zuge der Sanierung und Erweiterung energetisch nachhaltig entwickelt. Der Erweiterungsbau unterschreitet den zulässigen Jahres-Primärenergiebedarf deutlich und erreicht mit 141,06 kWh/(m²·a) nur 71,2 % des Grenzwerts.
Die Wärmeversorgung erfolgt über eine Kombination aus Wärmepumpe (Abwärmenutzung) und Fernwärme aus Kraft-Wärme-Kopplung. Der sommerliche Wärmeschutz wurde nach DIN 4108-2 nachgewiesen und trägt zur Reduzierung des Kühlbedarfs bei. Im Bestand werden aufgrund des Denkmalschutzes energetische Maßnahmen an der Gebäudehülle nur eingeschränkt umgesetzt, sodass Substanzerhalt und Energieeffizienz in Einklang gebracht werden. Insgesamt verbindet das Projekt effiziente Gebäudetechnik, den Einsatz erneuerbarer Energien und denkmalgerechte Sanierung zu einem nachhaltigen Gesamtkonzept.
Auszeichnungen
BDA Architekturpreis Thüringen „eins zu eins“ - Ausgezeichnete Bauten in Thüringen 2021
BMWi Preis für Energieoptimiertes Bauen 2011
Otto-Borst-Preis für Stadterneuerung 2022
Thüringischer Denkmalschutzpreis für die Revitalisierung des Erfurter Heizwerks 2022
Schlagworte
Energetische Kennwerte
Energiestandard
Energetische Kennwerte
Primärenergie
Fernwärme
Sekundärenergie
Sonstige Heizenergie
Energetische Kennwerte
Primärenergiebedarf ("Gesamtenergieeffizienz")
141,10 kWh/(m²a)
Heizenergieverbrauchswert
54,50 kWh/(m²a)
Stromverbrauchswert
19,00 kWh/(m²a)
Energiebedarf (Prozentuale Verteilung)
Heizung
37 %
Warmwasser
29 %
Beleuchtung
10 %
Lüftung
1 %
Kühlung inkl. Befeuchtung
23 %
Weitere Dokumente zum Objekt
Objektdetails
Das Objekt im Internet
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