Heinze ArchitekturAWARD 2026: Teilnehmer
Haus Moench - Sanierung eines historischen Wirtschaftsgebäudes von Benediktinermönchen und Ersatzneubau anstelle eines Schafstalles
83373 Taching am See, Mönchspoint 3
Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: AMU Architekten
Basisdaten zum Objekt
Lage des Objektes
Mönchspoint 3, 83373 Taching am See, Deutschland
Objektkategorie
Objektart
Art der Baumaßnahme
Umbau
Fertigstellungstermin
05.2024
Zeichnungen und Unterlagen
Projektbeteiligte Firmen und Personen
Verwendete Produkte
Gebäudedaten
Bauweise
Sonstige
Raummaße und Flächen
Bruttorauminhalt
1.032 m³
Bruttogrundfläche
351 m²
Wohnfläche
259 m²
Grundstücksgröße
8.319 m²
Lage und Umgebung
Beschreibung
Objektbeschreibung
Am Waldrand von Tengling liegt ein alter Hof. Seine früheren Bewohner verliehen dem Ort seinen Namen: Hier lebten Benediktinermönche, weswegen der Weiler heute Mönchspoint heißt. Dieser Geschichte trägt das Projekt Haus Mönch konsequent Rechnung. Der Holzstrickbau wurde behutsam saniert, dass sein charakteristisches Erscheinungsbild bewahrt blieb. Trotzdem wird er den Bedürfnissen seiner heutigen Bewohner gerecht, die hier eine Form des gemeinschaftlichen Wohnens für sich ausprobieren – mit Gemeinschaftsflächen und privateren Rückzugsmöglichkeiten. Was
beweist: Die Arbeit im Bestand und der verantwortungsvolle Umgang mit regionalen Bautraditionen, schließen kein modernes Leben aus. Im Gegenteil. Im Haus Mönch entstand durch den Dialog zwischen Alt und Neu ein Ort im Einklang mit seiner Geschichte.
Erhalt und Aufwertung des Bestands
Die ursprüngliche Bauweise bestand ausschließlich aus natürlichen, regional verfügbaren Materialien wie Holz, Kalk, Kies, Lehm, Sand und Stein. Ausgehend von dieser materialgerechten Bauweise verfolgte die Sanierung das Ziel, den Einsatz industrieller Baustoffe auf ein Minimum zu reduzieren. Altes wiederzuverwenden und möglichst wenig ungesunde Spuren zu hinterlassen – auch um künftigen Generationen an diesem Ort Sondermüll zu ersparen.
Die größte konstruktive Herausforderung lag in der unzureichenden Tragfähigkeit der bestehenden Außenwände für die Aufnahme neuer Lasten. Als Antwort darauf wurde ein „Haus-im-Haus“-Konzept entwickelt. Ein neues, unabhängiges Tragwerk übernimmt sämtliche statischen Aufgaben und bildet zugleich das Auflager für den neuen Dachstuhl. Die historischen Holzstrickwände bleiben dabei erhalten und werden von zusätzlichen Lasten entlastet. Die architektonische Aufgabe bestand darin, die Übergänge zwischen Bestand und den neuen Eingriffen gestalterisch zu verbinden. Durch intensive Materialstudien sowie den gezielten Einsatz von Kalk- und Lehmoberflächen entstanden differenzierte Übergänge zwischen Alt und Neu. Regionale Materialkreisläufe wurden dabei bewusst genutzt: Kies und Kalk stammen aus unmittelbarer Umgebung. Sämtliche historischen Holzbalken wurden sorgfältig gereinigt, aufgearbeitet und mit Leinöl behandelt. Küche, Einbaumöbel, Türen sowie Teile der Absturzsicherungen entstanden aus Ahornholz aus den Sturmschäden des Jahres 2021 sowie aus heimischer Fichte. Die Oberflächen wurden mit natürlichen Ölen und Bioacryllacken hochwertig oberflächlich behandelt.
Entlang der historischen Trennwand zwischen Wohnhaus und Stall wurde eine Stampfbetonwand als aussteifendes Element eingefügt. Die bestehende Holzwand konnte dabei als verlorene Schalung erhalten werden. Durch diese Lösung blieb die historische Substanz bewahrt, während gleichzeitig die konstruktiven Anforderungen an das Gebäude erfüllt wurden.
Auch die Freianlagen folgen dem Prinzip der Wiederverwendung. Materialien aus dem Rückbau wurden unmittelbar in die Neugestaltung integriert: Die Terrasse entstand aus den alten Biberschwanzziegeln, Wegeeinfassungen aus Sparren des ehemaligen Dachstuhls, ein Tomatenbeet aus alten Dachlatten.
Nachhaltigkeit und energetisches Konzept
Das energetische Konzept versteht sich als Weiterentwicklung der vorhandenen Bausubstanz mit möglichst geringem Ressourceneinsatz und einem hohen Anteil natürlicher Materialien. Als Dämmmaterialien kamen Holzfaserdämmung und Glasschaumschotter zum Einsatz. Die Wärmeversorgung erfolgt über eine Luft-Wasser-Wärmepumpe in Kombination mit einem wasserführenden Holzofen. Langfristig wird das System durch eine Photovoltaikanlage ergänzt.
Alle Holzblockaußenwände wurden durch eine Vorständerkonstruktion zusätzlich gedämmt und neu verputzt. Die Feuchteregulierung von aufsteigender Feuchtigkeit erfolgt über Nullleitungen in den Außenwänden, wodurch auf konventionelle Abdichtungsmaßnahmen wie bituminöse Anstriche, Injektionen oder Horizontalsperren verzichtet werden konnte. Die gemauerten Bestandswände wurden zusätzlich mit Wandheizungen ausgestattet und als thermische Speichermasse aktiviert.
Für den neuen Bodenaufbau im Erdgeschoss wurde das Erdreich ausgehoben und durch eine 50 Zentimeter starke Schicht aus Glasschaumschotter ersetzt. Darauf wurden eine bitumenfreie, alu-kaschierte Abdichtungsbahn, sowie die neue Bodenplatte mit integrierter Fußbodenheizung aufgebaut.
Durch die Kombination aus verbesserter Gebäudehülle, erhöhter Speichermasse und den wiederhergestellten, historischen Fensterformaten konnte ein Effizienzhaus-85-EE-Standard erreicht werden. Gleichzeitig sorgt das Konzept für ein ausgeglichenes Raumklima und einen wirksamen sommerlichen Hitzeschutz. Da das Gebäude nicht an die öffentliche Kanalisation angeschlossen ist, wurde eine Pflanzenkläranlage errichtet. Das bestehende Dreikammersystem konnte erhalten und als Regenwasserspeicher für die Gartenbewässerung weitergenutzt werden.
AMU OFFICE - ATELIERHAUS (Ersatzbau für das Nebengebäude)
Auf der ehemaligen Grundfläche des Schafstalls wurde ein Atelierhaus in massiver Holzbauweise errichtet. Das Atelierhaus ist als kompakter, klar ablesbarer Baukörper entworfen. Die archetypische Hausform mit Satteldach nimmt die vertraute Typologie ländlicher Bebauung auf. Präzise Detaillierung, sorgfältig gefügte Materialien und eine differenziert abgestimmte Farbigkeit verleihen dem Atelierhaus eine zeitgenössische Architektursprache. Der Baukörper, fügt sich selbstverständlich in den landschaftlichen Kontext ein und formuliert zugleich eine eigenständige, klare Haltung gegenüber der umgebenden Bebauung.
Im Zentrum des Entwurfskonzepts steht die Idee eines offenen, flexibel nutzbaren Arbeitsraums. Das Erdgeschoss ist als durchgängiger Atelierbereich organisiert. Der Raum bleibt weitgehend frei von festen Einbauten, wodurch unterschiedliche Arbeits- und Nutzungsvarianten möglich sind.
Großzügige Verglasungen entlang der Längsseite sorgen für eine gleichmäßig Belichtung und schaffen einen fließenden Übergang zwischen Innen- und Außenraum mit Blickbeziehung zur umgebenden Landschaft. Die Funktionen wie Küche, Sanitär- und Technikbereiche sind kompakt an eine Seite des Grundrisses gelegt und zonieren den Grundriss, ohne die räumliche Durchlässigkeit zu beeinflussen. Die Splitlevel-Typologie gliedert das Volumen über einen halbgeschossigen Versatz im südlichen Gebäudeteil. Das obere Splitlevel ergänzt den Arbeitsbereich um eine private Rückzugsebene. Hier ist der Schlaf- und Ruhebereich angeordnet, der sich bewusst vom offenen Charakter des Ateliers differenziert.
Das Atelierhaus zeichnet sich durch ein innovatives und als bewegliches System konzipiertes Fassadenelement auf der Süd-West-Seite des Gebäudes aus. Das verschiebbare und öffenbare Fassadenmodul ist in einer Laufschiene mit Doppelgelenk Rollapparat gelagert. Dieser Teil der Fassade fungiert gleicherweise als schützende Hülle sowie als dynamisches Bauteil, mit welchem flexibel auf unterschiedliche Anforderungen reagiert werden kann. Es interpretiert den Begriff der Gebäudehülle neu und verknüpft als Gestaltungselement Architektur mit Nutzung.
Durch das großformatige, bewegliche Element lässt sich die Gebäudehülle je nach Bedarf öffnen, schließen oder partiell verschieben. Es entstehen fließende Übergänge zwischen Innen- und Außenraum, die insbesondere für die atelierartige Nutzung von hoher Qualität sind. Tageslicht, Belüftung und Blickbeziehungen können individuell gestaltet werden und schaffen optimale Arbeitsbedingungen für kreative Prozesse.
Das Gebäude verfügt über einen doppelten Dachstuhl, der als hinterlüftete Konstruktion ausgebildet ist. Zwischen der äußeren Dachhaut und der inneren Tragstruktur entsteht ein Luftzwischenraum, der eine kontinuierliche Luftzirkulation ermöglicht. Diese wirkt im Sommer temperaturausgleichend, indem aufgewärmte Luft abgeführt und ein Hitzestau im Innenraum reduziert wird. Dadurch trägt die Konstruktion maßgeblich zu einem passiven Kühlungseffekt und einem ausgeglichenen Raumklima bei.
Die Entwässerung erfolgt über eine Bodenregenrinne, auf außenliegende Dachrinnen wird bewusst verzichtet. Dieses Prinzip lässt das Niederschlagswasser frei von der Dachkante abtropft. Bei Regen entsteht ein feiner Wasservorhang vor den großformatigen Fixverglasungen der Längsseiten, der die Wahrnehmung zwischen Innen- und Außenraum temporär verändert. Reflexionen durch die Wasseroberfläche bilden sich auf der Dachuntersicht ab. Sie beeinflussen die Lichtstimmung im Innenraum und erzeugen eine sich wandelnde Atmosphäre für die Nutzer/innen.
Beschreibung der Besonderheiten
Erhalt der historischen Substanz, Integration moderner Technik und Einhaltung strenger Bauvorgaben (§35 BauGB).
Optionale Trennung des Gebäudes in zwei Wohneinheiten.
Einsatz natürlicher Materialien, Wiederverwendung alter Bauteile, innovative Tragwerkslösungen und nachhaltiges Energiekonzept.
Verbinden von Tradition und Moderne.
Respektieren der Geschichte des Ortes.
AMU OFFICE - ATELIERHAUS
Einbettung in den ländlichen Raum und deren Umgebung mit Fokus auf unterordnender Haltung des Nebengebäudes zur Haus- und Hofstelle.
Einsatz natürlicher Materialien, Betonkernaktiverung, klimafreundliche Deckenheizung und Kühlung mit wassergeführten Lehmbauplatten.
Konzipierung einer späteren Umnutzung in eine eigenständige Wohneinheit.
Hinterlüftete, doppelte Dachkonstruktion erlaubt eine natürliche Durchlüftung der äußeren Dachhaut und schützt das Gebäude vor sommerlicher Hitze.
Öffenbares Fassadenelement auf Süd-West-Seite des Gebäudes, gelagert in einer Laufschiene mit Doppelgelenk Rolllapparat.
Entwässerung des Daches über Bodenregenrinne - freies Abtropfen des Niederschlagswassers von der Dachkante.
Schlagworte
Energetische Kennwerte
Energiestandard
Energetische Kennwerte
Primärenergie
Umweltthermie (Luft / Wasser)
Sekundärenergie
Umweltthermie (Luft / Wasser)
Objektdetails
Gebäudespezifische Merkmale
Anzahl Arbeitsplätze
4
Anzahl Betten
5
Anzahl Wohneinheiten
2
Das Objekt im Internet
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