Nominiert für die Shortlist der Jury 2026
Festspielhaus Hellerau – Europäisches Zentrum der Künste, Dresden, Umbau und Sanierung Flügel Ost
01109 Dresden, Karl-Liebknecht-Straße 46–58
Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: heinlewischer
Basisdaten zum Objekt
Lage des Objektes
Karl-Liebknecht-Straße 46–58, 01109 Dresden, Deutschland
Objektkategorie
Objektart
Art der Baumaßnahme
Umbau
Fertigstellungstermin
12.2024
Zeichnungen und Unterlagen
Projektbeteiligte Firmen und Personen
Verwendete Produkte
Gebäudedaten
Bauweise
Mauerwerksbau
Tragwerkskonstruktion
Sonstige
Anzahl der Vollgeschosse
2-geschossig
Raummaße und Flächen
Bruttorauminhalt
13.060 m³
Bruttogrundfläche
3.456 m²
Nutzfläche
1.273 m²
Verkehrsfläche
590 m²
Wohnfläche
162 m²
Kosten
Veranschlagte Rohbaukosten des Bauwerks
1.500.000 Euro
Gesamtkosten der Maßnahme (ohne Grundstück)
12.000.000 Euro
Lage und Umgebung
Beschreibung
Objektbeschreibung
Für zeitgenössische Kunst mit klarem Fokus auf Tanz, Musik und Theater zählt Hellerau zu den führenden Zentren – regional wie international. Für den Empfang von Künstlerinnen und Künstlern aus aller Welt wurde die denkmalgeschützte ehemalige Kaserne Ost auf dem kulturhistorisch bedeutsamen Festspielgelände zu einem Residenz- und Probenzentrum umgebaut.
Die ursprüngliche städtebauliche Gestaltung des Gesamtensembles von Heinrich Tessenow in transformierter Form wiederherzustellen, ist die zentrale Idee des Entwurfes. Ein gebäudehohes, lichtdurchflutetes Foyer stellt heute die historische Verbindung zwischen dem Festspielplatz und der umliegenden Gartenstadt wieder her.
Über das Foyer werden die Künstlerresidenzen und die Gastronomie erschlossen und die beiden großen Säle miteinander verbunden. Ihre Gestaltung verweist auf die verschiedenen Phasen künstlerischen Schaffens. Während die Studiobühne als »Blackbox« auf den fokussierten Auftritt zielt, steht das Probestudio als »White Cube« für einen transparenten und ergebnisoffenen Austausch im Entwicklungsprozess.
Zwischen den beiden Sälen fungiert das offene Foyer als flexibel gestaltbare Schnittstelle, durch die sich das Publikum teils über Brücken frei in alle Richtungen bewegen kann. Um den Blick auf den Dachstuhl aus Kroher-Bindern – das herausragende Merkmal des denkmalgeschützten Hauses – schon beim Betreten des Hauses freizulegen, wurden im Foyer alle Decken bis unter das Dach entfernt.
Beschreibung der Besonderheiten
Zwischen Effizienz und Effektivität bewegt sich das Konzept für den Umbau: Dachziegel, Mauerwerk, Außen- und Innenputz konnten zum Großteil erhalten werden. Decken und Wände wurden punktuell ertüchtigt, um den Einbau modernster Bühnentechnik und Lüftungsanlage zu ermöglichen. Der schichtweise Umbau der kleinteiligen Struktur in durchlässige Räume verlangte Umsicht und Fingerspitzengefühl und eine aufwendige Objektüberwachung mit täglicher Präsenz. So konnte die bestehende Dacheindeckung weiterverwendet und das Dach umgedeckt werden. Eine integrale Planung und der wertschätzende Umgang mit dem historischen Bestand sicherten die Qualität der einzelnen Schritte bis zur Fertigstellung. Kollisionsprüfungen und eine Visualisierung der Technik begleiteten und unterstützen die Schritte digital auf BIM Level 2.
Alle Bauteile wurden energetisch so optimiert, dass mit minimaler Dämmung die maximal mögliche Energieeinsparung erreicht wurde und trotzdem keine Abstriche beim Feuchtigkeitsschutz gemacht werden mussten. Und obwohl auf eine Außendämmung der Wände verzichtet wurde, konnte eine deutliche Reduzierung des Energiebedarfs erreicht werden.
Die restauratorische Untersuchung des Putzes und der Holzelemente konnte nicht nur im Vorfeld dazu beitragen, dass etwa der Innenputz der Treppenhäuser komplett oder der Außenputz der Giebelseiten erhalten und restauriert wurde: An anderer Stelle wurde der neue Putz nach altem Rezept angerührt und aufgetragen.
Wesentlichkeit
Nur wo es nutzungsbedingt sinnvoll war, kam hocheffiziente Anlagentechnik zum Einsatz, etwa mit Wärmerückgewinnung. Ansonsten ist das Haus mit einfachster Technik ausgestattet. Einzig im Foyer sorgt die DALI-Steuerung für programmierte LED-Beleuchtung. Alle Leuchtmittel können unabhängig ausgewechselt werden.
Die zu erneuernden Fenster wurden als Kastenfenster mit hohem Wärmeschutz ausgeführt. Die Decken wurden minimal gedämmt. So konnte die Geometrie des Daches unverändert bleiben.
Innovation aus Tradition
In den 1930er-Jahren entwickelte der Baumeister Ludwig Kroher eine Binder-Konstruktion, um in Zeiten akuten Holzmangels Material zu sparen. Derartig geometrisch imposant angeordnete Brettbinder-Dachstühle sind heute eine absolute Seltenheit. Umso klarer fiel die Entscheidung, diese als bedeutendes architektonisches Kulturerbe im Flügel Ost offenzulegen. Es lohnt sich, solche Konzepte im Sinne von Lowtech und Materialeinsparung wiederzuentdecken.
Ingenieurskunst sichtbar machen
Der Flügel Ost öffnet nicht nur Räume für künstlerische Prozesse, er stärkt die Verbindungen zur Gartenstadt. Das offene Foyer fungiert als Schnittstelle, durch die das Publikum sich mit Blick auf die Kroher-Binder frei in alle Richtungen bewegen kann.
Zur Verstärkung der Idee, die denkmalgeschützte Dachkonstruktion als Blickfang zu inszenieren, erarbeitete die Lichtplanerin Ulrike Brandi ein Beleuchtungskonzept, das verschiedenste Lichtstimmungen eröffnet.
Wahren, weiterentwickeln und teilen
Mit dem Ansatz, bestehende Gebäudesubstanz und historische Bauteile wiederzuverwenden – darunter Dachziegel, Dachstühle, Außen- und Innenputz, Wände, Treppenhäuser – steht der Umbau des Flügel Ost im Zeichen von Lowtech und einer ökologisch wie ökonomisch verstandenen Nachhaltigkeit. Die räumliche Öffnung der Verbindung zur Gartenstadt, die Veranstaltungen und das gastronomische Angebot sorgen für eine Stärkung der Gemeinschaft.
Nutzungen
Foyer
Gastronomie mit 54 Sitzplätzen und 4 Arbeitsplätzen
»White Cube« – Probestudio
»Blackbox« – öffentliche Studiobühne mit 135 Sitzplätzen
Residenzen mit 6 Appartments und 8 Betten – insgesamt 162 m²
Energiekonzept & Bauökologie
(ohne Ausweis, da im Denkmal/gemäß Denkmalschutzgesetz)
Die Kaserne Ost ist unter der Objektnummer 09210375 als Einzeldenkmal in die Liste der Kulturdenkmale in Dresden eingetragen. Aufgrund des Status Einzeldenkmal war es nicht möglich, die Fassade von außen zu dämmen. Auch das Dach durfte nur sehr moderat mit 40 mm gedämmt werden, damit sich die Geometrie im Traufbereich nicht ändert. Zum Zeitpunkt der Planung der Sanierung galt die EnEV 2014. Die EnEV 2014 regelt in § 16 die Ausstellung von Energieausweisen. Denkmäler sind von der Ausstellung eines Energieausweises befreit.
U-Werte
– Bodenplatte oberseitig gedämmt U = 0,274 W/(m²K)
– Bodenplatte unterseitig gedämmt U = 0,292 W/(m²K)
– Kellerdecke U = 0,289 W/(m²K)
– Außenwand Küche, innen gedämmt mit Porenbeton-Vormauerung U = 0,40 W/(m²K)
– Außenwand Duschen der Umkleiden und der Wohnungen, innen gedämmt mit Mineraldämmplatten U = 0,463 W/(m²K)
– Steildach U = 0,577 W/(m²K), zulässige Dicke aus Gründen des Dankmalschutzes und der vorhandenen historischen Konstruktion begrenzt
– Decke zum Dachraum U = 0,204 W/(m²K)
– Trennwände zu unbeheizten Dachräumen U = 0,247 W/(m²K)
– Fenster U = 1,3 W/(m²K)
Regenwassernutzung
– Sammlung in entsprechender Zisterne
– Grauwassernutzung zur Bewässerung der Außenanlagen (u. a. Gemeinschaftsgarten)
Reduktion des Trinkwasserbedarfs und des Abwasseraufkommens
– Einsatz wassersparender Sanitärarmaturen zur Verringerung des Trinkwasserverbrauchs
Nachhaltige Ressourcenverwendung
– Erhalt und Instandsetzung aller wesentlichen Decken und Wände
– Erhalt von tragfähigem Bestandsputz innen wie außen
– Aufarbeitung und Erhalt möglichst vieler Holzkastenfenster
– Wiederverwendung von Mauerwerksziegeln
– Erhalt und Instandsetzung des Dachtragwerks
– Wiederverwendung von Dachziegeln/Wiedereinbau der bestehenden Dachziegel
Einsatz nachwachsender Rohstoffe aus regionalen Anbaugebieten
– Holzfenster, Holzinnen- und Außentüren
– Holzparkett
– HWL-Platten [Holzwolle-Leichtbau-Platten, zementungebunden]
– Denkmal mit Fokus auf Erhalt und Pflege des Bestehenden
Nutzungsart und -vielfalt
– Umwandlung in ein Haus für die Öffentlichkeit (im absoluten Gegensatz zur vorherigen Nutzung als geschlossene Kaserne)
– Verbindung zwischen Platz und Stadt: tagsüber geöffnetes Foyer mit Gastronomie (Hellerau und die ganze Welt treffen sich) und Durchgang zur Bahn
– Probezentrum mit öffentlicher Bühne und Proberäumen
– Gestaltung des Platzes als geschichtsträchtiger Ort
– der offene Gemeinschaftsgarten Golgi-Park – Interkultureller Garten Hellerau für geflüchtete Menschen, Anwohnerinnen und Anwohner sowie Künstlerinnen und Künstler fördert Kommunikation und Biodiversität
Barrierefreiheit
– Übererfüllung der Anforderungen an Inklusion: hohe Anforderungen an Barrierefreiheit und Inklusion, auch bezogen auf alle Inszenierungen
– nachgerüsteter Aufzug
– Türöffner
– visuelles Leitsystem (Piktogramme mit leicht verständlicher Symbolik)
– taktiles Leitsystem
– Hörschleife/induktive Höranlage für die Bühne
Komfort
– erhöhte Schallschutzanforderungen im Bestand
– Schallschutz nach Innen (der Flughafen Dresden liegt in der Nähe)
– Schallschutz nach Außen (zum Schutz der umliegenden Wohnbebauung)
Speicherfähigkeit, Belüftung
– drei von vier raumlufttechnischen Anlagen mit hocheffizienter Wärmerückgewinnung und stromsparenden Antrieben
– Einbau von LED-Lampen (Gestaltung in unmittelbarer Anlehnung an die historischen Lampen)
Weiteres
– [Schadstoff-]Rückbau aller giftigen Bestandselemente (u. a. alte HWL-Platten)
– Rückbau aller schadhafter Bauteile (u. a. nach Schimmel-/Holzbefall)
– Nistkästen entlang der Dachkanten
– Fledermausquartier/Dachraum als Fledermaushotel
– Wiederverwendung möglichst aller ausgebauten Baustoffe (teilweise Einlagerung u. a. auch für mögliche Kunstprojekte)
– Standardisierte Lösungen für alle neuen Elemente: Kosteneinsparung durch Standards und Massen (hier ist die Rückbaubarkeit aller Elemente gegeben)
Auszeichnungen
Nominierung polis award 2026
Nominierung DAM Preis 2027
Anerkennung Otto-Borst-Preis 2026
Anerkennung Sächsischer Staatspreis für Baukultur 2026
Schlagworte
Energetische Kennwerte
Energiestandard
Energetische Kennwerte
Primärenergie
Fernwärme
Energetische Kennwerte
Heizenergieverbrauchswert
178.000,00 kWh/(m²a)
Objektdetails
Gebäudespezifische Merkmale
Anzahl Arbeitsplätze
4
Anzahl Betten
8
Anzahl Wohneinheiten
6
Anzahl Sitzplätze
189
Anzahl Stellplätze
32
Das Objekt im Internet
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