Heinze ArchitekturAWARD 2026: Teilnehmer
Erweiterung und Sanierung Amtsgericht Kaufbeuren
87600 Kaufbeuren, Ganghoferstraße 9-11
Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: löhle-neubauer architekten BDA pmbb
Basisdaten zum Objekt
Lage des Objektes
Ganghoferstraße 9-11, 87600 Kaufbeuren, Deutschland
Objektkategorie
Objektart
Art der Baumaßnahme
Erweiterung
Fertigstellungstermin
09.2024
Zeichnungen und Unterlagen
Projektbeteiligte Firmen und Personen
Verwendete Produkte
Gebäudedaten
Bauweise
Stahlbetonbau
Tragwerkskonstruktion
Stahlbeton
Anzahl der Vollgeschosse
3- bis 5-geschossig
Raummaße und Flächen
Bruttorauminhalt
26.300 m³
Bruttogrundfläche
6.340 m²
Nutzfläche
3.246 m²
Verkehrsfläche
1.170 m²
Grundstücksgröße
7.275 m²
Lage und Umgebung
Beschreibung
Objektbeschreibung
Der Erweiterungsneubau fügt sich harmonisch zwischen die historischen, denkmalgeschützten Bestandsgebäude aus den Baujahren 1805 und 1890 ein und ordnet sich diesen durch seine zurückversetzte Positionierung sowie die niedrige Höhenentwicklung bewusst unter. Die Bestandsgebäude bleiben weiterhin als solitäre Baukörper erlebbar. Gleichzeitig schafft die Erweiterung eine gut auffindbare, identitätsstiftende Adresse und bildet als verbindendes Element zwischen den Baukörpern das neue Herzstück des Ensembles.
Die bestehende Struktur wurde originalgetreu erhalten; die historischen Gebäude wurden ressourcenschonend und in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz saniert. Der Neubau orientiert sich an den vorhandenen Gebäudefluchten und den Grenzen des beengten Baufeldes. Durch die Organisation in einer Split-Level-Typologie nimmt er die topografische Höhenentwicklung des Grundstücks auf. Während die Erweiterung straßenseitig lediglich als eingeschossiges Fugenelement in Erscheinung tritt, öffnet sie sich zum östlich angrenzenden Jordanpark mit einem zweigeschossigen Grünraumbezug. Eingriffe in das Biotop werden dabei vermieden, der vorhandene Baumbestand weitgehend erhalten und durch Leitgehölze zur Stärkung der Flugrouten von Fledermäusen ergänzt.
ENTWURF UND FUNKTION
Die drei Gebäude des Ensembles dienen zugleich der funktionalen Gliederung der Nutzungsbereiche. Die nicht öffentlichen Büro- und Verwaltungsnutzungen sind in den denkmalgeschützten Bestandsgebäuden untergebracht, während sämtliche öffentlichen Funktionen im neuen Erweiterungs- und Verbindungsbau konzentriert werden.
Über den Kontrollbereich am Haupteingang gelangen Besucherinnen und Besucher in das zentral gelegene Foyer des Neubaus. Dieses fungiert als Orientierungspunkt für das gesamte Ensemble sowie als Aufenthalts- und Wartebereich. Neben einer Medienwand mit Informationen befinden sich hier das Bürgerbüro sowie Warte- und Betreuungsräume für Verfahrensbeteiligte. Die denkmalgeschützten Fassaden der Bestandsgebäude bleiben im Innenbereich sichtbar und bilden eine historische Kulisse für den neuen Binnenraum.
Vom Foyer aus werden sowohl die öffentlichen Bereiche als auch die gesicherten Büroräume der Bestandsgebäude erschlossen. Direkt angrenzend befinden sich, jeweils um ein Halbgeschoss versetzt, insgesamt fünf Sitzungssäle, die sich als „Gerichtsräume im Grünen“ mit großzügigen bodentiefen Verglasungen zum Jordanpark öffnen. Die räumliche Erweiterung in die Parklandschaft schafft eine helle, freundliche Atmosphäre und stärkt die Aufenthaltsqualität. Der nicht-öffentliche Bereich des Neubaus ist klar vom Publikumsverkehr getrennt und in der Ebene -1 angeordnet.
KONSTRUKTION UND TRAGWERK
Der Neubau ist sowohl formal als auch konstruktiv bewusst von den historischen Bestandsgebäuden gelöst. Dies ermöglicht eine bestandsschonende und wirtschaftliche Realisierung sowie eine Umsetzung in Teilabschnitten. Aufgrund des hohen Anteils erdberührter Bauteile wird für den Erweiterungsbau eine Stahlbetonkonstruktion gewählt.
Durch die kompakte Positionierung zwischen den Bestandsgebäuden und die Einbindung in das Gelände werden ein günstiges A/V-Verhältnis, eine geringe Flächenversiegelung sowie eine Minimierung der oberirdischen Gebäudekubatur und Fassadenflächen erreicht.
MATERIALITÄT UND FASSADE
Die Gestaltung des Neubaus folgt dem Leitbild einer zurückhaltenden, zeitlosen und ruhigen Architektur. Die Materialität der historischen Bestandsgebäude wird bewusst nicht übernommen, um den Neubau als eigenständiges, verbindendes Fugenelement ablesbar zu machen.
Die Fassade besteht aus vorgehängten, großformatigen Metallpaneelen mit strukturierter Prägung. Im Inneren werden Sichtbetonflächen durch vorgelagerte anthrazitfarbene Wandelemente kontrastreich ergänzt. In Verbindung mit linearen Lichtelementen unterstützen diese die intuitive Orientierung innerhalb des Gebäudes. Durchblicke in den Grünraum sowie die Verglasungen der Split-Level-Ebenen sorgen für Transparenz, Übersichtlichkeit und eine helle Raumatmosphäre.
Für die Bodenbeläge werden regionale Kiese zu Terrazzo-Oberflächen verarbeitet und schaffen so einen Bezug zum angrenzenden Jordanbach.
NACHHALTIGKEIT UND ENERGIEKONZEPT
Die nachhaltige Gesamtstrategie basiert auf dem Erhalt der historischen Bausubstanz sowie auf einem ressourcenschonenden Erweiterungsbau mit reduziertem Energiebedarf.
Die Wärmeversorgung erfolgt über eine zentrale Pelletheizung für das gesamte Ensemble. Aufgrund der besonderen Sicherheitsanforderungen des Gerichtsgebäudes wurde eine mechanische Lüftungsanlage geplant. Auf den Dachflächen sind Photovoltaik-Module installiert; ergänzend sorgen Dachoberlichter für die natürliche Belichtung der innenliegenden Bereiche.
MASSNAHMEN IM BESTAND
Im denkmalgeschützten Bestand wurden die Fenster erneuert, beziehungsweise vorhandene historische Kastenfenster erhalten und energetisch ertüchtigt. Die Mansarddächer wurden von außen gedämmt und die Dacheindeckungen erneuert. Darüber hinaus erfolgten funktionale und organisatorische Anpassungen der Grundrisse, die Erneuerung technischer Anlagen sowie die brandschutztechnische Ertüchtigung gemäß aktuellen Anforderungen.
Die Anpassung der historischen Gebäude an aktuelle Vorschriften stellte hohe konstruktive Anforderungen. Ziel der Tragwerksplanung war es, die bestehende Tragstruktur weitestgehend zu erhalten und Eingriffe auf ein Minimum zu reduzieren. Der Bestand wurde detailgetreu aufgenommen, realitätsnah modelliert und nachgerechnet. Historische Knotenausbildungen wurden real abgebildet, um Lastumlagerungen präzise berücksichtigen zu können. Nutzungen wurden angepasst, um umfangreiche Verstärkungen zu vermeiden. Schädigungen im historischen Mauerwerk wurden durch minimalinvasive Vernadelungen stabilisiert. Die intensive Bestandsanalyse ermöglichte eine deutliche Reduzierung konstruktiver Eingriffe und leistet damit einen wesentlichen Beitrag zur nachhaltigen Sicherung der denkmalgeschützten Bausubstanz.
Alle Maßnahmen wurden in enger Abstimmung mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege durchgeführt.
Die Historie des Bestandes und der Kattunfabrik wurde im Kunstbeitrag von Christoph Brech aufgegriffen und zeitgemäß interpretiert.
SICHERHEITSKONZEPT
Der Planung liegen neben den „Empfehlungen für den Bau von Justizgebäuden“ (Fassung 09/2015) auch die mit den vorgesetzten Dienststellen abgestimmten Sicherheitsanforderungen des Amtsgerichts Kaufbeuren zugrunde. Die Gebäudeorganisation gewährleistet eine klare Trennung öffentlicher und nicht öffentlicher Bereiche und erfüllt die besonderen Anforderungen an Sicherheit, Kontrolle und Betriebsabläufe eines modernen Gerichtsstandorts.
Beschreibung der Besonderheiten
Das großzügige Foyer fungiert als zentraler Verteiler mit direkter Anbindung an Bürgerbüro, Wartebereiche, Sitzungssäle und die gesicherten Bürobereiche. Die Split-Level-Typologie ermöglicht kurze Wege, eine optimale Einbindung in die Topographie sowie differenzierte Raumbeziehungen zum Jordanpark.
Hervorzuheben sind die intuitive Orientierung innerhalb des Gebäudes sowie die enge Verzahnung von Innenraum und Freianlagen durch großzügige Verglasungen der Sitzungssäle.
Nachhaltigkeit
Das Energiekonzept des Neubaus basiert auf einer nachhaltigen und energieeffizienten Gesamtstrategie. Durch die Kombination aus einer hochgedämmten Gebäudehülle, moderner Gebäudetechnik und dem Einsatz regenerativer Energien wird der Primärenergiebedarf gegenüber dem Referenzgebäude deutlich reduziert. Die Anforderungen der EnEV 2016 werden dabei um rund 30 % beim Jahresprimärenergiebedarf sowie um etwa 20 % bei den Wärmedurchgangskoeffizienten unterschritten.
Die Wärme- und Kälteversorgung erfolgt über eine thermische Grundwassernutzung in Verbindung mit einer Wasser-Wasser-Wärmepumpe. Das Grundwasser dient dabei als regenerative Energiequelle für Heizung und Kühlung und trägt wesentlich zur Reduzierung des Energieverbrauchs und der CO₂-Emissionen bei. Unterstützt wird das System durch Niedertemperatur-Heizflächen in Form von Fußboden- und Deckenheizungen.
Zur weiteren Energieeinsparung werden Lüftungsanlagen mit hocheffizienter Wärmerückgewinnung sowie LED-Beleuchtung mit Präsenzsteuerung eingesetzt. Ergänzend wird auf dem Dach des Neubaus eine Photovoltaikanlage zur Eigenstromnutzung installiert.
Das Materialkonzept des Neubaus orientiert sich insbesondere an den Prinzipien der Effizienz und Konsistenz. Durch die kompakte Positionierung zwischen den Bestandsgebäuden werden Fassadenflächen, Flächenversiegelung und Materialeinsatz reduziert. Gleichzeitig ermöglicht die klare Trennung von Neubau und Bestand eine wirtschaftliche und flexible Umsetzung.
Die gewählten Materialien sind langlebig, robust und wartungsarm. Großformatige Metallpaneele, Sichtbeton und Terrazzo-Oberflächen sorgen für eine dauerhafte und zeitlose Gestaltung. Für die Bodenbeläge werden regionale Kiese verwendet, wodurch zusätzlich ein Bezug zum Ort hergestellt wird.
BESTAND
Auch im Umgang mit dem Bestand zeigt das Konzept Zukunftsfähigkeit: Die Heizsysteme werden so ausgelegt, dass eine spätere Umstellung auf regenerative Wärmeerzeugung möglich bleibt. Insgesamt entsteht ein technisch schlüssiges Energiekonzept mit einem klaren Fokus auf Effizienz, regenerative Energieversorgung und langfristige Nachhaltigkeit.
Ein wesentlicher Aspekt der Nachhaltigkeit liegt im ressourcenschonenden Umgang mit dem denkmalgeschützten Bestand. Historische Bauteile wie Kastenfenster bleiben erhalten und werden ertüchtigt, während notwendige Sanierungsmaßnahmen behutsam umgesetzt werden. Dadurch werden bestehende Ressourcen weitergenutzt und die Lebensdauer der Gebäude langfristig gesichert.
Die kompakte Organisation der Nutzungen und die Einbindung des Neubaus in das Gelände führen zu einem flächensparenden Gesamtkonzept.
Auszeichnungen
Architekturpreis Bezirk Schwaben 2024
German Design Award 2026
Schlagworte
Energetische Kennwerte
Energiestandard
Energetische Kennwerte
Primärenergie
Strom
Umweltthermie (Luft / Wasser)
Holz
Sekundärenergie
Gas
Strom
Energetische Kennwerte
Primärenergiebedarf ("Gesamtenergieeffizienz")
261,00 kWh/(m²a)
Heizenergieverbrauchswert
719,00 kWh/(m²a)
Stromverbrauchswert
48,00 kWh/(m²a)
Energiebedarf (Prozentuale Verteilung)
Heizung
92 %
Warmwasser
2 %
Beleuchtung
3 %
Lüftung
3 %
Objektdetails
Gebäudespezifische Merkmale
Anzahl Arbeitsplätze
120
Das Objekt im Internet
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