Heinze ArchitekturAWARD 2026: Teilnehmer
Erweiterung Kinder- & Jugendpsychiatrie LKH Graz II Süd
Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: NOW Architektur ZT GmbH
Basisdaten zum Objekt
Lage des Objektes
8053 Graz, Österreich
Objektkategorie
Objektart
Art der Baumaßnahme
Erweiterung
Fertigstellungstermin
09.2023
Zeichnungen und Unterlagen
Projektbeteiligte Firmen und Personen
Verwendete Produkte
Gebäudedaten
Bauweise
Holzbau
Tragwerkskonstruktion
Holz
Anzahl der Vollgeschosse
2-geschossig
Raummaße und Flächen
Bruttorauminhalt
11.280 m³
Bruttogrundfläche
2.988 m²
Nutzfläche
2.348 m²
Verkehrsfläche
640 m²
Beschreibung
Objektbeschreibung
KINDER- & JUGENDPSYCHIATRIE
Der Zubau und die Adaptierung der bestehenden Kinder- und Jugendpsychiatrie ist ein auf den Menschen fokussiertes Gesundheitsgebäude, das sich an den Bedürfnissen der Patient*innen und des Personals orientiert. Dabei wurden gesetzliche Vorgaben aus der klassischen Krankenhausplanung zugunsten der spezifischen Bedürfnisse dieser ganz speziellen psychiatrischen Abteilung hinterfragt, neu verhandelt und umgesetzt.
Das Landeskrankenhaus Graz II Süd ist geprägt von einer Parklandschaft mit großen Bäumen und weitläufigen Wiesen. Die einzelnen Fachabteilungen sind als Pavillons organisiert.
Die Aufgabe bestand darin, die Kinder- und Jugendpsychiatrie um eine Bettenstation mit 22 Betten, eine Tagesklinik für 5 Jugendliche, Therapieräume und die Neuorganisation der Ambulanz und der Tagesklinik für Kinder im Bestandsgebäude zu erweitern.
Der neue Zubau in reiner Holzbauweise tritt in einen Dialog mit seiner Umgebung, schafft unterschiedliche Qualitäten sowie Bezüge zu Außenräumen und fügt sich als eigenständiges Pavillongebäude in die Parklandschaft ein.
Der neue Vorplatz zwischen Zubau und Bestand, der in einen offenen Verbindungsgang – die Avenue genannt – übergeht, schafft einen niederschwelligen Zugang und ist nicht nur Eingang, sondern Galerie, Wartebereich, Anmeldungs- und Besucherzone zugleich.
Krankenhausarchitektur für den Menschen
Der beachtliche Baukörper des Bestandsgebäudes wirkt durch seine Satteldächer, Vor- und Rücksprünge wie eine Aneinanderreihung von kleineren Häusern und schafft dadurch trotz seiner Größe einen überschaubaren „menschlichen“ Maßstab. Der Zubau nimmt diesen kleinen Maßstab und die bestehenden Elemente (z.B. Satteldächer, Fensterformate) des Bestandsgebäudes auf, löst sich jedoch von der strengen rechteckigen Figur und verzahnt sich mit der Parklandschaft des LKH Graz II Süd.
Vier Patientenzimmer und ein Gemeinschaftsraum bilden eine Einheit (Gruppen). Ergänzt werden diese Einheiten durch zwei Dienstzimmer für Pflegepersonal, Assistenzärzt:innen und Ärzt:innen. Das Personal ist somit aktiver Teil der Wohngruppe und als Bezugsperson im Alltag der Patient:innen auf der Station präsent. Ein „Haus“ steht für eine Gruppe von 6 Patient:innen. Eine familiäre, soziale und bauliche Einheit, die den Patient:innen einen überschaubaren Rückzugsort bietet.
Die vier „Häuser“ (mit jeweils einer Gruppen-Einheit) und das zweigeschossige Haus mit Therapieräumen, Tagesklinik für Jugendliche und Personalräumen sind um ein gemeinsames Zentrum – den sogenannten „Dorfplatz“ – gruppiert. Dadurch entsteht eine Raumstruktur, die Wege, Plätze, Ausblicke und Durchblicke mit unterschiedlichen Qualitäten bietet. Der menschliche Maßstab wird zur Gestaltungsprämisse – vom Aufbau des Zubaus, über die Dimension der Außenräume bis hin zum filigranen Aufbau der Holzfassade.
Bedürfnisorientierte Planung
Bei der Planung einer Kinder- und Jugendpsychiatrie müssen die widerstreitenden Bedürfnisse nach Rückzug und Schutz gemeinsam mit Überwachung und Kontrolle gedacht werden. Durch seine Anordnung und Fassung der Räume schafft der Zubau klar lesbare Schwellen vom öffentlichen Vorplatz, über den Eingang, über den Dorfplatz, in die Gruppenräume der Häuser bis hin zum intimsten Rückzugsort – dem Bett der Patient:in. Gezielte Ein-, Aus- und Durchblicke, die Positionierung der Pflegestation als Treffpunkt am „Dorfplatz“ und die Lage der Diensträume in der Nähe der Patient:innen, ermöglichen eine subtile Überwachung durch das Personal, eine gute Orientierung und schaffen gleichzeitig vielfältige Rückzugs-, Austausch- und Gemeinschaftsmöglichkeiten für Patient:innen und Personal.
Der wichtigste Aspekt bei der Gestaltung war jedoch, eine Atmosphäre zu schaffen, die alle Sinne (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Tasten) anspricht und der Stigmatisierung psychiatrischer Stationen durch Offenheit und Transparenz entgegenwirkt. „NICHT wie ein Krankenhaus“, sondern wie ein Gesundheitsgebäude, das Geborgenheit ausstrahlt, zum Wohlfühlen einlädt und trotz der nötigen Überwachung das Gefühl vermittelt, nicht eingesperrt zu sein.
Die Massivholzbauweise des Zubaus ist hierzulande ein Novum im Krankenhausbau, eignet sich jedoch in mehrfacher Hinsicht für die Psychiatrie: Die kurze Bauzeit reduziert Lärmbelästigung, die sichtbaren Holzoberflächen schaffen eine warme, angenehme Atmosphäre und die Präzision in der Detailausführung erzeugt eine hohe Wertigkeit. Damit wird bewusst mit dem kalten und sterilen Stereotyp eines Krankenhauses gebrochen.
Ein Krankenhaus zu planen bedeutet nicht nur, eine Anforderung zu erfüllen. Es ist essentiell, dass auf die Bedürfnisse von Personal und Patient:innen evidenzbasiert eingegangen wird. Deshalb ist es wichtig, dass sich Auftraggeberin und Architekt:innen in alle Benutzer:innen, Patient:innen und Besucher:innen hineinversetzen, um Räume evidenzbasiert zu gestalten, die alle körperlichen Sinne positiv stimulieren und somit zu einer besseren Genesung der Patient:innen beitragen.
Beschreibung der Besonderheiten
Die Funktionsbereiche werden als eigenständige Baukörper – "Häuser" (Haus 1, 2, 3, 4 und 5) – definiert. Zueinander gestellt, entsteht somit eine Raumstruktur, die Wege, Räume, Aus- und Durchblicke mit verschiedenen Qualitäten bietet. Diese Zwischenräume bilden einen transparenten Begegnungs- und Kommunikationsraum im Wechselspiel von umschlossenen und offenen Räumen, Gebäude und umgebender Parklandschaft. Auf der städtebaulichen wie auf Wahrnehmungsebene nimmt sich die eingeschoßige, pavillonartige Bebauung am Grundstück stark zurück und verfolgt vor allem das Entwurfsprinzip des menschlichen Maßstabs. Während die eingeschoßigen stationären Einheiten locker im Park eingebettet werden, definiert der zweigeschoßige Eingangsbaukörper (Haus 1) eine klare Eingangs- und Platzsituation und tritt zusammen mit dem Haupthaus deutlich in Erscheinung. Durch die differenzierte Anordnung der neuen Baukörper wird der vorgefundene Freibereich neu definiert und klar strukturiert (Vorplatz, Gemeinschafts- und Gruppengärten, Terrassen und Atrien). Ausdifferenzierung und Ablesbarkeit der Funktionsbereiche in einzelne Volumen („Häuser“) dienen sowohl einer entsprechend kleinmaßstäblichen Außenwirkung (im Sinne eines menschlichen Maßstabs) als auch der Orientierung innerhalb des Gebäudes und Identifikation mit den einzelnen Hausgemeinschaften (Gruppen), welche quasi in eigenen "Häusern" wohnen
Nachhaltigkeit
Das Gebäude wurde im Rahmen der KAGes Richtlinie "TRPBB 038 Kriterienkatalog Nachhaltigkeit" hergestellt. Der Kriterienkatalog legt die Grundausrichtung für die Planung und Umsetzung konkreter Nachhaltigkeitskriterien im Krankenhausbau fest und definiert die umzusetzenden Mindestanforderungen. Jedes Themenfeld (Ökologie, Ökonomie, soziokulturelle und funktionale Aspekte, Technik, Prozesse und Standort) ist in mehrere Kriterien gegliedert, für welche jeweils messbare Zielwerte definiert wurden.
Grundlegend wird in der Planung versucht, einen LOW-TECH Ansatz im gesamten Gebäude zu verfolgen um den Ansprüchen eines nachhaltigen Bauens gerecht zu werden:
Die Primärkonstruktion ist als Holzmassivbau mit regionaler Materialherkunft geplant und hergestellt. Vorteil des Holzmassivhaus mit BSP Elementen ist neben einer guten CO2 Bilanz, die gute Rückbaubarkeit durch einfaches Zerlegen der Holzelemente.
Der Primärenergiebedarf für Heizen und Kühlen wird durch Nutzen des Grundwassers mittels Wärmepumpe (Wasser/Wasser) aufgebracht, hierzu wurde ein neuer Entnahmebrunnen hergestellt. Die Gebäudelüftung funktioniert über ein natürliches Lüftungskonzept. Lüftungsöffnungen sind derart konzipiert, dass der laufenden Betrieb (Aufsichtspflicht) ungestört funktioniert (Fensterläden, Oberlichten). Die Querlüftung wird über 2 Atrien im Gebäude erzeugt. Im Sommer ergänzt wird das Free-Cooling über die Fußböden durch ein Sommernachtslüftungskonzept ergänzt. Die Dachlandschaft mit ihren Schrägdächern wird durch vollflächigen Photovoltaik Einsatz zusätzlich zur Energieerzeugung genutzt. Untergeordnete Flachdächer werden begrünt.
*Detailinformationen zur Nachhaltigkeit siehe Bericht Audit für Nachhaltigkeit von Vatter & Partner ZT GmbH.
Haustechnik - Wärme
Die Wärmeerzeugung erfolgt über eine Wärmepumpe (Wasser/Wasser). Diese wird in einem der derzeit ungenutzten Luftschutzbunker des bestehenden Haus K errichtet. Als Wärmequelle wird Brunnenwasser eingesetzt. Notversorgung: Die Notversorgung wird durch einen Anschluss an das bestehende Primärversorgungsnetz (Fernwärme durch Energiezentrale) gewährleistet. Die Fernwärme wird über eine bestehende Umformerstation auf das notwendige Temperatur- und Druckniveau herabgesetzt. Im Falle eines Ausfalles der Wärmepumpe kommt es zur Notversorgung durch die bestehende Energiezentrale in Haus K.
Raumausstattungskonzept: Dienstzimmer, Therapieräume, Patientenzimmer, Sanitärräume und Erschließungsflächen werden mit Fußbodenheizung ausgestattet. Vereinzelt, wenn es die Nutzung erfordert, kommen Infrarotstrahler zum Einsatz (Therapiebad, Wickeltisch, etc.) In der bestehenden Tagesklinik kommt es zur Erneuerung der installierten Heizkörper in Hygieneausführung.
Raumkonditionen: Raumtemperatur: nach ÖNORM H6020
Leistungsdaten:Heizbedarf Zubau: 72 kW - Installierte Leistung Zubau (FBH): 84 kW, Wärmepumpe: 89 kW
Versorgungstemperatur: Fußbodenheizung: 38°C/33°C
Haustechnik - Lüftung
Grundsätzlich wird im zukünftigen Haus J eine natürliche Lüftung angestrebt, wodurch weitestgehend auf Klimatisierung und mechanische Lüftung verzichtet werden kann. Durch die Fensterlüftung wird es den Patienten ermöglicht ihr „Kleinklima“ selbst zu beeinflussen. Die generelle Konzeption zielt daher darauf ab, lediglich jene Räume mechanisch zu entlüften, welche aus hygienischen Gründen notwendig sind. Hierunter fallen alle Sanitärräume sowie innenliegenden Räume. Die Abluft erfolgt je Haus mittels Abluftventilatoren. Der Abluftventilator wird im Dachbodenraum situiert. Zugänglichkeit zur Wartung muss baulich gegeben sein. Die Fortluft wird über das Dach mittels eines entsprechenden Deflektors ausgeblasen.
Raumluftkonditionen
Die Raumluftkonditionen werden gemäß ÖNORM H6020 definiert. Die Einhaltung erfolgt durch eine natürliche Außenluftnachführung basierend auf Fensterlüftung und aktiver Gebäudeatmung (Projektierung und Simulation durch GP/BPH)
Leistungsdaten
Der maximale Abluftstrom für den neuen Zubau beträgt 3.770 m³/h. Die Luftmenge wurde auf Basis der H6020 ermittelt. Die Lüftungsanlage für die Garderoben wird mit 2100 m³/h vorgesehen.
Haustechnik - Kühlung
Die Kälteerzeugung wird mit einer Wasser/Wasser geführten Wärmepumpe ausgeführt. Dadurch kann, auch im Sommer, kühles Brunnenwasser das Kühlsystem über FreeCooling betreiben. Bei maximaler Belastung wird die Wärmepumpe im aktiv Cooling Betrieb gefahren. Die Kälteerzeugung inkl. Kältespeicher wird im Untergeschoss des bestehenden Haus K in einer Technikzentrale (ehem. Luftschutzbunker) errichtet.
Raumausstattungskonzept: Dienstzimmer, Therapieräume, Patientenzimmer und Erschließungsflächen werden mit Fußbodenheizung ausgestattet, diese werden zur Kühlung herangezogen.
Die Kühlung über FreeCooling wird durch ein Nachtkühlungskonzept ergänzt: Hierbei sind Fenster- bzw. Lüftungsöffnungen derart geplant, dass ein ungestörter Betrieb (Aufsichtspflicht bei Minderjährigen Patienten) ohne zusätzliche Maßnahmen gewährleistet ist.
Im Zuge einer Gebäudesimulation seitens Bauphysik wurden Räume, die von sommerlicher Überwärmung (über 26°C) betroffen sind, festgestellt, sodass durch gezielten Einsatz von Umluftkühlgeräten dieser entgegengewirkt wurde.
Die Raumkonditionen wurden auf Basis einer Kühllastberechnung gem. VDI 2078 und einer Gebäudesimulation bewertet. Die Kühllastberechnung berücksichtigt die seitens der Nutzer festgelegten Betriebszeiten, Personenanzahl und sonstige Wärmeabgaben gem. Nutzerabstimmung.
Leistungsdaten:
Kälteerzeugung durch Wärmepumpe: 70 kW (inkl. Reserven)
Versorgungstemperaturen:
Verbrauchergruppe Fußbodenkühlung: 18°C/21°C
Verbrauchergruppe Umluftkühler: 16°C/19°C
Haustechnik - Sanitär
Die neue Warmwasserbereitungsanlage versorgt das bestehende Haus K sowie den Neubau/Zubau Haus J. Das Warmwassersystem wird grundsätzlich als zentrales Frischwassersystem ausgeführt. Zur Spitzenlastabdeckung werden Speicher eingesetzt. Die Speicher werden im Heizungskreislauf vorgesehen. Zur energetischen Optimierung kommt es zur Wärmerückgewinnung der Wärmepumpe.
Das Objekt wird aus dem Wasserspeicher der Eigenwasseranlage mit Brunnenwasser versorgt. Hierzu wird die bereits bestehende Wasserversorgung von Haus K angeschlossen und für den neuen Zubau mit verwendet. Hierzu wird das Kaltwasser an der Rohwasserversorgung und das zur Warmwasserbereitung verwendete Wasser an der Weichwasserversorgung von Haus K entnommen. Der Hausanschluss wird über den bestehenden Kollektor hergestellt.
Wasserbedarf:
Der Wasserbedarf wurde in Anlehnung an DIN 1988 - 300 berechnet. Die Spitzendurchflüsse (Summendurchfluss inkl. Gleichzeitigkeit) ergeben sich für den Zubau wie folgt: Zubau Kaltwasser („Rohwasser“): 2,72 l/s. Zubau Warmwasser („Weichwasser“): 1,97 l/s Die erforderliche Wasserversorgung für die erweiterte Kinder- und Jugendpsychiatrie erfolgt aus dem Bestand. Die Aufstellung der einzelnen Entnahmemengen wird dem Entwurf beigelegt.
Auszeichnungen
Big See Award
Hospital Concepts Award 2024
Schlagworte
Energetische Kennwerte
Energiestandard
Energetische Kennwerte
Primärenergie
Geothermie
Sekundärenergie
Sonstige Heizenergie
Energetische Kennwerte
Primärenergiebedarf ("Gesamtenergieeffizienz")
72,00 kWh/(m²a)
Stromverbrauchswert
400.000,00 kWh/(m²a)
Objektdetails
Gebäudespezifische Merkmale
Anzahl Arbeitsplätze
30
Anzahl Betten
22
Das Objekt im Internet
Objekte in der Umgebung
Ähnliche Objekte
Beliebte Objekte
- MEDICUM Erweiterungsbau an das Klinikum Altenburger Land
- Zentral-OP Martin-Luther-Krankenhaus Berlin
- Refugium Regenerativum - Bezirkskrankenhaus Baraka, DR Kongo
- OP-Zentrum Waldkrankenhaus Spandau
- Filderklinik - Umbau und Aufstockung Künstlerische Therapie / Psychosomatik
- Klinik für Altersmedizin ZfP Reichenau
- Schwarzwald - Baar Klinikum - Klinikum des Lichts
