Nominiert für die Shortlist der Jury 2026 - Nachwuchsarbeiten

Architekturobjekte

Nominiert für die Shortlist der Jury 2026 - Nachwuchsarbeiten


Eisenhüttenstadt - Revitalisierung des City Hotels Lunik und der Juri-Gagarin-Schule

Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: Fachhochschule Erfurt, Architektur, Toni Kertscher

Hotel Lunik - Blick in den Gemeinschaftsgarten - Eisenhüttenstadt - Revitalisierung des City Hotels Lunik und der Juri-Gagarin-Schule

© Toni Kertscher, Moritz Recke

Hotel Lunik - Bestandsbau von der Lindenallee - Eisenhüttenstadt - Revitalisierung des City Hotels Lunik und der Juri-Gagarin-Schule

© Toni Kertscher, Moritz Recke

Hotel Lunik - Schnittmodell - Eisenhüttenstadt - Revitalisierung des City Hotels Lunik und der Juri-Gagarin-Schule

© Toni Kertscher, Moritz Recke

Hotel Lunik - ehemalige Hotelküche - Eisenhüttenstadt - Revitalisierung des City Hotels Lunik und der Juri-Gagarin-Schule

© Toni Kertscher, Moritz Recke

Hotel Lunik - Veranstaltungsraum in der ehemaligen Küche - Eisenhüttenstadt - Revitalisierung des City Hotels Lunik und der Juri-Gagarin-Schule

© Toni Kertscher, Moritz Recke

Hotel Lunik - Make Again! - Eisenhüttenstadt - Revitalisierung des City Hotels Lunik und der Juri-Gagarin-Schule

© Toni Kertscher, Moritz Recke

Juri-Gagarin-Schule - neue hofseitige Fassade - Eisenhüttenstadt - Revitalisierung des City Hotels Lunik und der Juri-Gagarin-Schule

© Toni Kertscher, Moritz Recke

Juri-Gagarin-Schule - ehemaliger Schulhof - Eisenhüttenstadt - Revitalisierung des City Hotels Lunik und der Juri-Gagarin-Schule

© Toni Kertscher, Moritz Recke

Juri-Gagarin-Schule - neue Gebäudeschicht mit Arbeits- und Pausendecks - Eisenhüttenstadt - Revitalisierung des City Hotels Lunik und der Juri-Gagarin-Schule

© Toni Kertscher, Moritz Recke

Juri-Gagarin-Schule - Schnittmodell - Eisenhüttenstadt - Revitalisierung des City Hotels Lunik und der Juri-Gagarin-Schule

© Toni Kertscher, Moritz Recke

Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: Fachhochschule Erfurt, Architektur, Toni Kertscher

Basisdaten zum Objekt

Lage des Objektes

Deutschland

Objektkategorie

Objektart

Art der Baumaßnahme

Entwurfskonzept

Fertigstellungstermin

07.2025

Gebäudedaten

Bauweise

Holzhybridbau

Beschreibung

Objektbeschreibung

Kann Architektur dort Impulse geben, wo Leerstand und Zerfall Teil der Normalität geworden sind?

Diese Frage beschäftigte uns bei der Auseinandersetzung mit Eisenhüttenstadt und entspringt einem persönlichen Interesse, das uns seit unserer Kindheit begleitet. Aufgewachsen in ostdeutschen Städten, zur Schule gegangen in Gebäuden der Nachkriegsmoderne, haben wir schon früh erlebt, wie gering die Wertschätzung für diese Bauten häufig war – trotz ihrer räumlichen Qualitäten und städtebaulichen Ambitionen. Diese Erfahrung war prägend und wurde zum Ausgangspunkt für eine intensive, selbst gestellte Aufgabenstellung mit der gebauten Geschichte Eisenhüttenstadts.

Eisenhüttenstadt, die erste sozialistische Stadtgründung der DDR, bildet in dieser Auseinandersetzung ein mustergültiges Fallbeispiel. Die Stadt wurde ab 1950 auf Grundlage der 16 Grundsätze des Städtebaus geplant und realisiert, mit klarer Gliederung, öffentlichen Freiräumen und einer städtebaulichen Struktur, die auch heute noch eine starke Grundlage bietet. Seit der Stadtneugründung war sie mit vielen Herausforderungen konfrontiert. Sinkende Einwohnerzahlen und strukturelle Probleme erfordern zukünftig weitere notwendige Maßnahmen.

Die Bearbeitung begann mit einem Aufenthalt vor Ort und führte zuerst in eine umfangreiche Analyse der städtischen Entwicklung, der baulichen Schichten und räumlichen Strukturen. Daraus wurde ein umfangreiches städtebauliches Konzept entwickelt, das an die ursprünglichen Planungsprinzipien anknüpft. Es stärkt die vorhandenen Grünzüge, aktiviert zentrale Wegeverbindungen und definiert programmatische Schwerpunkte. Ziel ist es, die Stadt nicht neu zu erfinden, sondern ihre Potenziale sichtbar zu machen und auf heutige Anforderungen zu übertragen.

Zwei architektonisch und emotional bedeutende Bestandsgebäude übernehmen dabei eine aktivierende Rolle im Konzept:​ die Juri-Gagarin-Schule und das ehemalige Hotel Lunik. Beide liegen an städtebaulich markanten Positionen und sind tief im Gedächtnis der Bevölkerung verankert. Sie werden nicht als bloße Umnutzungsobjekte betrachtet, sondern als Katalysatoren für neue Angebote, die Bildung, Arbeit, Kultur und Öffentlichkeit in Eisenhüttenstadt verbinden. Damit sollen sie zu Impulsgebern für eine zukunftsorientierte Stadtentwicklung werden. Die Entwürfe zeigen, wie Transformation im Bestand über verschiedene Maßstabsebenen hinweg gelingen kann:​ vom großräumlichen städtebaulichen Zusammenhang über funktionale und programmatische Konzepte bis hin zum konkreten konstruktiven Detail, etwa im Umgang mit Fassade, Materialität und räumlicher Struktur. Die Tiefe der Bearbeitung reflektiert unsere Überzeugung, dass nur durch ein genaues Hinsehen, ein ernsthaftes Weiterbauen und eine klare Haltung für die Zukunft solcher Städte, wie es Eisenhüttenstadt ist, neue Perspektiven entstehen können.

Diese Arbeit zeigt, dass architektonische Relevanz nicht allein im Neuen liegt, sondern oft im präzisen Weiterdenken des Vorhandenen. Die Auseinandersetzung mit Eisenhüttenstadt macht deutlich, wie viel Potenzial in einer gebauten Struktur steckt, wenn man bereit ist, sie ernst zu nehmen – räumlich, kulturell und sozial. Unser zentrales Anliegen ist es, den Bestand als Ausgangspunkt für Zukunft zu begreifen:​ nicht als Hemmnis, sondern als Ressource. Die entworfenen Transformationen verstehen sich als konkrete Beiträge zu einer zeitgemäßen Umbaukultur, die auf Qualität, Kontext und Kontinuität setzt und darin neue Perspektiven für Stadt und Gesellschaft eröffnet.

Energiekonzept & Bauökologie

Die Nachhaltigkeitsstrategie der Projekte basiert auf dem Weiterbauen und dem bewussten Umgang mit dem Bestand. Durch die Umnutzung des Hotels Lunik und der Juri-Gagarin-Schule bleiben Tragstrukturen, Materialien und gespeicherte graue Energie erhalten. Der Bestand wird als wertvolle materielle und kulturelle Ressource verstanden.

Die Eingriffe erfolgen bewusst minimalinvasiv und orientieren sich an den Prinzipien der Suffizienz, Effizienz und Konsistenz. Vorhandene Flächen werden weitergenutzt, der Energiebedarf durch gezielte Maßnahmen gesenkt und kreislauffähige Materialien eingesetzt. Ergänzende Bauteile sind als rückbaubare Konstruktionen gedacht, sodass sie demontiert, wiederverwendet oder sortenrein recycelt werden können.

Flexible Grundrisse, robuste Strukturen und multifunktionale Flächen ermöglichen nutzungsoffene Räume und hohe Aneignungsfähigkeit. Räume können sich veränderten gesellschaftlichen, wirtschaftlichen oder demografischen Bedingungen anpassen und durch ihre Nutzerinnen und Nutzer aktiv weiterentwickelt werden. Darüber hinaus umfasst Nachhaltigkeit auch soziale und baukulturelle Aspekte. Die Reaktivierung prägender Leerstände stärkt Identität, Erinnerung und öffentliche Nutzung. Bestehende Gebäude werden zu neuen Orten für Bildung, Arbeit, Kultur und Begegnung transformiert. So verbindet das Projekt ökologische Verantwortung mit städtebaulicher Resilienz und zeigt, wie aus dem Bestand zukunftsfähige Räume entstehen können.

Schlagworte

Revitalisierung, Bauen im Bestand, Transformation, Eisenhüttenstadt, Städtebau, Architektur, nachhaltiges Bauen, Wertschätzung, Umbaukultur

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