Architekturobjekte

Heinze ArchitekturAWARD 2026: Teilnehmer


Die Verknüpfung von Innen- und Außenraum im deutschen Wohnhaus des 20. Jahrhunderts

Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: Technische Universität München, Architektur, Jonas Teichmann

Cover - Die Verknüpfung von Innen- und Außenraum im deutschen Wohnhaus des 20. Jahrhunderts

© Jonas Teichmann

Betrachtungsraum - Die Verknüpfung von Innen- und Außenraum im deutschen Wohnhaus des 20. Jahrhunderts

© Jonas Teichmann

Verknüpfung - Die Verknüpfung von Innen- und Außenraum im deutschen Wohnhaus des 20. Jahrhunderts

© Jonas Teichmann

Überlagerung - Die Verknüpfung von Innen- und Außenraum im deutschen Wohnhaus des 20. Jahrhunderts

© Jonas Teichmann

Schwellenraum - Die Verknüpfung von Innen- und Außenraum im deutschen Wohnhaus des 20. Jahrhunderts

© Jonas Teichmann

Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: Technische Universität München, Architektur, Jonas Teichmann

Basisdaten zum Objekt

Lage des Objektes

Deutschland

Objektkategorie

Objektart

Art der Baumaßnahme

Entwurfskonzept

Fertigstellungstermin

03.2026

Gebäudedaten

Bauweise

Sonstige

Tragwerkskonstruktion

Sonstige

Anzahl der Vollgeschosse

2-geschossig

Beschreibung

Objektbeschreibung

Die Arbeit beschäftigt sich, Bezug nehmend auf das Einfamilienhaus, mit der
Verknüpfung von Innen- und Außenraum im deutschen Wohnhaus des 20. Jahr-
hunderts. Die tiefer gehende Beschäftigung mit dem Wohnen im Einfamilien-
haus, gründet auf einem Semesterprojekt, das - wie auch diese Arbeit -, am
Lehrstuhl für Entwerfen, Umbau und Denkmalpflege, den Umbau von Einfamili-
enhäusern im Raum München behandelt hat. Der große räumliche Unterschied
beim Wohnen im Einfamilienhaus gegenüber dem Geschosswohnungsbau ist in
der Regel der Garten, der das Haus umgibt und einfasst. Das Haus mit Garten
ist aber nicht zwangsläufig mit dem Garten verbunden oder das Wohnen mit dem
Gartenraum verknüpft. Dabei bildet der Garten eine spannende räumliche
Ressource für das Wohnen, die zur Erweiterung der innenräumlichen Tiefen-
wirkung und der Organisation sowie Koordination von Nutzungs- und Aneig-
nungsmöglichleiten dienen kann. Das Ziel dieser Arbeit lieg so nicht nur
auf der Feststellung der Umstände und Ausformulierung der Schnittstelle
zwischen Innen- und Außenraum im deutschen Wohnhaus des 20. Jahrhunderts,
sondern auch auf der produktiven Nutzbarmachung und Fassung von Maßnahmen
an der Gebäudekante, für den Umbau von Einfamilienhäusern. Das eine Haus
mit Garten gibt es natürlich nicht. Dennoch sind die Bilder und Attribute,
die damit assoziiert werden, sehr ähnlich und über Jahrzehnte hinweg durch
zahlreiche Beispiele verinnerlicht. Gerade die Grundstücksfläche vor, hinter und neben einem Haus bildet dabei den zentralen Unterschied zu den Möglichkeiten des Ge-
schosswohnungsbaus. Sie ermöglicht es, Ausblicke, Blickbezüge und räumliche Übergänge zwischen Innen- und Außenraum gezielt zu steuern. Um dem
näher zu kommen und die Verknüpfung von Innen- und Außenraum im deutschen Wohnhaus systematisch zu untersuchen, bietet das 20. Jahrhundert einen
geeigneten und klar eingrenzbaren Betrachtungsraum. Der Fokus liegt dabei – im Hinblick auf einen möglichst produktiven räumlichen Erkenntnisgewinn – nicht auf dem gesamten Bestand, sondern auf ausgewählten, als besonders ergiebig
eingeschätzten Positionen und Bauten namhafter deutscher Architekten. Bei den ausgewählten Architektenhäusern wird ein Bogen von Peter Behrens Wohnhaus auf der Mathildenhöhe von 1901 bis hin zu Werner Sobeks Wohnhaus R128 in Stuttgart
aus dem Jahr 2000 gespannt und so insgesamt 16 Architektenhäuser untersucht. Eine Beschreibung, auf die im weiteren Verlauf der Untersuchung bezüglich der Organisation eines solchen Bereichs – konkret zurückgegriffen wird, lieferte
der Architekt und Theoretiker Christopher Alexander 1977, in seinem Buch „A Pattern Language“ In Bezug auf die Verknüpfung von Innen- und Außenraum heißt es hier:​ „Geh daran, das Innere des Gebäudes mit dem Äußeren dadurch zu verknüp-
fen, dass die Kante zwischen beiden ein eigener Ort wird und menschliche Details erhält.“ Aus den so beschriebenen Ansätzen ergeben sich die folgenden Untersuchungsschritte, mithilfe derer, sowohl ein Verständnis für die Verknüpfung
von Innen- und Außenraum im deutschen Wohnhaus des 20. Jahrhunderts, als auch eine Fassung des untersuchten Verknüpfungsraumes zur produktiven
Gestaltung dieses Bereichs vermittelt werden soll. Auf zwei Schritten aus dem Vorsemester aufbauend, bei denen Texte deutscher Architekten im Fokus standen, werden bei der Masterthesis so
folgende Schritte vorgenommen:​ Welche baulichen Verknüpfungen lassen sich in Architektenhäusern des 20. Jahrhunderts in Deutschland erkennen? Vorhandenen Schwellenräume werden dabei identi-
fiziert, in ihrer räumlichen Konfiguration herausgearbeitet, textlich bewertet und eingeordnet. Ausgewählte Schellenräume werden dann exemplarisch auf ein unabhängiges Wohnhaus übertragen
und dort hinsichtlich ihrer räumlichen Qualitäten und Wirkung weiter überprüft. Die untersuchten Ebenen werden abschließend zusammengeführt, um die räumlichen und architektonischen Potenziale an der Schnittstelle zwischen Innen- und Außenraum übergeordnet zu fassen. Die Untersuchung der Schwellenräume deutscher Architektenhäuser des 20.
Jahrhunderts zeigt, dass sich deren
räumliche Qualität weder aus stilis-
tischen Merkmalen noch aus der bloßen
Existenz einzelner architektonischer
Elemente ableiten lässt. Vielmehr
entsteht der Schwellenraum dort, wo
mehrere räumliche Mittel in eine spe-
zifische Konfiguration gebracht werden
und dadurch eine Sequenz bilden, die
zwischen Innen und Außen vermittelt.
In den frühen Beispielen des Jahrhun-
derts wird die Gebäudekante konse-
quent als räumliche Zone ausgebildet.
Die Häuser von Peter Behrens und Her-
mann Muthesius zeigen, dass der Über-
gang zwischen Innen und Außen nicht
als punktuelles Ereignis gedacht
wird, sondern als Annäherung. Veran-
den, Brüstungen, Treppen und Überdachungen greifen ineinander und erzeugen eine Abfolge von Teilräumen, die den eigentlichen Austritt ins Freie vorberei-ten. In der zweiten Jahrhunderthälfte tritt die visuelle Verschmelzung von Innen und Außen in den Vordergrund. Die Häuser von Sep Ruf, Gottfried Böhm oder Frei Otto zeigen das deutlich. Großflächige Verglasungen und leichte Konstruktionen
ermöglichen intensive Blickbeziehungen in den Garten, reduzieren jedoch häufg die räumliche Tiefe der Schwelle. Verglichen mit den verdichteten Sequenzen früherer Projekte erscheint der Übergang
hier oftmals deutlich verkürzt. Dem Haus von Werner Sobek kommt in diesem
Zusammenhang und als letztem Projekt der Sammlung, das gleichermaßen das
Ende des 20. Jahrhunderts markiert, eine besondere Bedeutung zu. Die Ge-
bäudekante ist nur noch als präzise gesetzte Linie ausgebildet, die zwar
überwunden werden kann, aber keine zwischenräumlichen Entfaltungen mehr
zulässt. Um die räumlichen Qualitäten und Wirkung der behandelten Verknüp-
fungen weiter zu untersuchen, werden fünf ausgewählte Schwellenräume auf
ein freistehendes Wohnhaus aus den 1960er Jahren übertragen. Nachdem hier
aber kein vollständiger Umbau im Fokus der Arbeit steht, sondern ein punktueller Eingriff stellvertretend für die Untersuchung stehen soll, bildet die Lage auf dem Grundstück zusammen mit der Organisation des Erdgeschossgrundrisses die Entscheidungsgrundlage für den Angriffspunkt am Bestand.
Der größte Teil des Gartens – des aktivierbaren Außenraums – liegt vor der
Südfassade, hinter der sich auch das Wohnzimmer als Hauptwohnraum befindet.
Daraus ergibt sich zwangsläufig, dass die Ergebnisse der Arbeitssammlung an
dieser Fassadenseite mit dem Bestand überlagert werden, um wiederum eine
Konfiguration zu entwickeln, die einen möglichst vielfältigen Schwellenraum
zur Folge hat. Bei der Prüfung innerhalb der Überlagerung geht es darum zu
ermitteln, um welche Elemente die Situation weiter ergänzt werden muss, damit entlang der Südfassade ein Schwellenraum entstehen kann, der in Abhängigkeit zum Bestand eine qualitativ hochwertige, indirekte Erweiterung des Wohnens ermög-
licht und eine Brücke zwischen Innen- und Außenraum schlägt. Die durchgeführten Untersuchungen zeigen, dass der Schwellenraum nicht als einzelnes architektonisches Element oder als
bloße Erweiterung eines Wohnraums zu verstehen ist, sondern als überge-
ordnete räumliche Figur, die aus der Überlagerung unterschiedlicher baulicher Situationen an der Gebäudekante hervorgeht. Die anschließende Weiterentwicklung ist damit selbst als Ergebnis dieser Überlagerung zu begreifen. 
Über die Begriffe Raum, Form, Funktion, Konstruktion, Ereignis sollen die Erkenntnisse nun weiter Fassbar gemacht werden. Diese fünf Systembegriffe bieten – in Anlehnung an Dirk Beackers Überlegungen in „Unbeobachtbare Welt“ – zwar keine geschlossene Theorie, wohl aber ein Gerüst zur Orientierung, das die komplexen Zusammenhänge an der Gebäudekante beschreibt und übertragbar macht. Ausgangspunkt ist die grundlegende räumliche Erkenntnis, dass Schwellenräume
dort entstehen, wo mehrere Elemente zu einer gestaffelten Abfolge von Teilräumen verschränkt werden. Raum bildet dabei einen neutralen Hintergrund architektonischer Setzung. Er entsteht durch Unterscheidung und das
Ziehen einer Grenze. Form ist nicht Gestalt im klassischen Sinn, sondern
eine operative Unterscheidung. Der Begriff fungiert daher als strukturierendes Prinzip, das nicht nur räumliche Anordnung, sondern auch Wahrnehmungs- und Nutzungsmöglichkeiten festlegt. Funktion ist kein objektiv im Raum beschriebener Zweck, sondern eine Beobachterzuschreibung, die bestimmte Nutzungen privilegiert und andere ausblendet. Die Bewegungsräume
müssen daher durch situative Aneignung geprägt sein. Die Konstruktion wird
erst im Licht der Form relevant. Sie ist eine ermöglichende oder verhindernde Bedingung, die als operativer Hintergrund dient und formale und räumliche Differenzen stabilisiert, ohne sie zu bestimmen. Durch das ziehen einer Grenze an sich entsteht Gleichzeitigkeit, Vor- und Nacheinander. Diese zeitliche Dimension kommt im Ereignis
zum Ausdruck. Architektur ereignet sich erst durch Bewegung, Gebrauch und Wahrnehmung. Sie muss daher konsequent als zeitlich und körperlich erfahrbare Konstellation betrachtet werden. Der
Schwellenraum wird so zu einem Ort des Übergangs – ein Raum, der durchschrit-
ten, erlebt und genutzt wird. Aus all diesen Teilstücken, der Untersuchung und Prüfung auf Anschlussfähigkeit und der mittels
dieser fünf Systembegriffe erfolgten übergeordneten Fassung des Schwel-
lenraums lässt sich zusammenfassend folgendes festhalten:​ Erst wenn mehrere Motive räumlich aufeinander bezogen sind,
entsteht eine Sequenz, die zwischen Innen und Außen vermittelt. Wo diese Beziehung fehlt, bleibt ein Übergang rein funkti-
onal oder rein visuell. Wo sie vorhanden ist, entsteht ein Schwellenraum mit eigener Qualität. Die Qualität des Schwellenraums entsteht nicht aus einzelnen architektoni-
schen Elementen oder stilistischen Zuordnungen, sondern ist das Resultat
einer spezifischen Organisation von Raum, Form, Funktion, Konstruktion und Ereignissen.

Beschreibung der Besonderheiten

Die Arbeit untersucht Schwellenräume als funktionale Verknüpfung zwischen Innen- und Außenraum im deutschen Einfamilienhaus des 20. Jahrhunderts. Analysiert werden räumliche Abläufe, Blickbeziehungen und Übergänge zwischen Wohnräumen und Garten. Anhand ausgewählter Architektenhäuser wird gezeigt, wie Sequenzen aus Terrassen, Veranden, Treppen oder Überdachungen Bewegungen lenken, Nutzungen koordinieren und den Wohnraum indirekt erweitern. Die Erkenntnisse werden exemplarisch auf ein Wohnhaus der 1960er Jahre übertragen, um funktionale und räumliche Potenziale an der Gebäudekante für Umbau und Weiterentwicklung nutzbar zu machen.

Schlagworte

Innen- und Außenverhältnis, Bauen im Bestand, Architektenhäuser im 20. Jahrhundert, Schwellenräume, Haus und Garten

Energetische Kennwerte

Energiestandard

Sonstiges

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