Der Entwurf Co‑Care ist ein genossenschaftlicher Wohnungsbau in der Nähe des S‑Bahnhofs Tempelhof (Berlin), der die räumliche Reorganisation von Care‑Arbeit fördert. Ziel ist es, androzentristische Wohnstrukturen aufzubrechen und Wohnen als Ort der Erholung auch für Sorgegebende neu zu denken. Das Motto „Wohnen ist Arbeiten“ der 1970er‑Frauenbewegung wird umgesetzt, indem Care‑Arbeit aus privaten Räumen in gemeinschaftlich genutzte Zonen verlagert wird. Unter Care‑Arbeit werden direkte Fürsorgeleistungen wie Kinderbetreuung, Altenpflege, Haushalt, emotionale Unterstützung und soziale Reproduktionsarbeit verstanden. Gesellschaftlich ist sie strukturell unsichtbar und ökonomisch unterbewertet, oft von Frauen geleistet, schlecht entlohnt und nicht in volkswirtschaftlichen Bilanzen erfasst, obwohl sie essentiell für Wirtschaft und Gesellschaft ist. Co‑Care zielt auf eine kollektive, sichtbare Neuorganisation dieser Arbeit. Der fünfgeschossige Holz‑Massivbau integriert ökologisch, reproduktiv, gemeinschaftlich, gesellschaftlich und selbstfürsorglich orientierte Räume. Städtebaulich gliedert sich das Gebäude in einen Nord‑Riegel mit Wohnungen und halböffentlicher Erdgeschosszone, einen Ost‑Turm mit Platz und Café in einem alten Umschaltwerk, einen regionalen Markt im Supermarkt‑Anbau, eine Fahrradwerkstatt im historischen Gebäude und eine inszenierte Treppe zum Tempelhofer Feld. Zentrale Care‑Funktionen wie Waschsalon, Kinderbetreuung und eine Kiezkantine liegen im Erdgeschoss bzw. in einer eingeschossigen Struktur – sie entlasten private Wohnungen und stärken Gemeinschaft. Ergänzt werden diese durch Urban‑Gardening, Co‑Working, Ateliers, Fahrradstellplätze, Gemeinschaftsgarten, Hausaufgaben‑, Bastel‑ und Musikräume. Die Wohnbereiche sind gestaffelt: im Norden holzrahmige Außenwände mit Wellblech; im Süden eine passive, schallschirmende Doppelfassade mit winterlichem Wärmepuffer und sommerlichem Kamineffekt. Wohnformen reichen von Cluster‑WG über 2-3‑Zimmer‑Wohnungen bis zu Einzimmer‑ und temporären Einzelapartments. Laubengänge erschließen, verengen sich in Schlafzonen. Die Auslagerung von Care‑Arbeit ermöglicht kompakte private Wohnflächen. Konstruktiv basiert der Bau auf Holz‑Schotten, schallentkoppelten Holzbalkendecken, Holzrahmen-Außenwänden und einer südlichen Doppelfassade. Co‑Care ist ein räumlich-strukturelles Modell für solidarisches Wohnen: Es macht Care‑Arbeit sichtbar, verteilt sie gerecht und verbindet Wohnen mit gemeinschaftlicher Infrastruktur und öffentlichem Raum.