Architekturobjekte

Heinze ArchitekturAWARD 2026: Teilnehmer


Co-Care - Wohnen als Gemeinschaftliche Praxis, Berlin

12101 Berlin, Hoeppnerstraße 1

Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: TU Dresden, Architektur, Dorothea Harrer

Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: TU Dresden, Architektur, Dorothea Harrer

Basisdaten zum Objekt

Lage des Objektes

Hoeppnerstraße 1, 12101 Berlin, Deutschland

Objektkategorie

Objektart

Art der Baumaßnahme

Neubau

Fertigstellungstermin

03.2025

Projektbeteiligte Firmen und Personen

Architekt/Planer

Dorothea Harrer (Studentin)

Dammweg 1b

01097 Dresden

Deutschland

Verwendete Produkte

xx

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Gebäudedaten

Bauweise

Holzbau

Tragwerkskonstruktion

Holz

Anzahl der Vollgeschosse

6- bis 10-geschossig

Beschreibung

Objektbeschreibung

Der Entwurf Co‑Care ist ein genossenschaftlicher Wohnungsbau in der Nähe des S‑Bahnhofs Tempelhof (Berlin), der die räumliche Reorganisation von Care‑Arbeit fördert. Ziel ist es, androzentristische Wohnstrukturen aufzubrechen und Wohnen als Ort der Erholung auch für Sorgegebende neu zu denken. Das Motto „Wohnen ist Arbeiten“ der 1970er‑Frauenbewegung wird umgesetzt, indem Care‑Arbeit aus privaten Räumen in gemeinschaftlich genutzte Zonen verlagert wird. Unter Care‑Arbeit werden direkte Fürsorgeleistungen wie Kinderbetreuung, Altenpflege, Haushalt, emotionale Unterstützung und soziale Reproduktionsarbeit verstanden. Gesellschaftlich ist sie strukturell unsichtbar und ökonomisch unterbewertet, oft von Frauen geleistet, schlecht entlohnt und nicht in volkswirtschaftlichen Bilanzen erfasst, obwohl sie essentiell für Wirtschaft und Gesellschaft ist. Co‑Care zielt auf eine kollektive, sichtbare Neuorganisation dieser Arbeit. Der fünfgeschossige Holz‑Massivbau integriert ökologisch, reproduktiv, gemeinschaftlich, gesellschaftlich und selbstfürsorglich orientierte Räume. Städtebaulich gliedert sich das Gebäude in einen Nord‑Riegel mit Wohnungen und halböffentlicher Erdgeschosszone, einen Ost‑Turm mit Platz und Café in einem alten Umschaltwerk, einen regionalen Markt im Supermarkt‑Anbau, eine Fahrradwerkstatt im historischen Gebäude und eine inszenierte Treppe zum Tempelhofer Feld. Zentrale Care‑Funktionen wie Waschsalon, Kinderbetreuung und eine Kiezkantine liegen im Erdgeschoss bzw. in einer eingeschossigen Struktur – sie entlasten private Wohnungen und stärken Gemeinschaft. Ergänzt werden diese durch Urban‑Gardening, Co‑Working, Ateliers, Fahrradstellplätze, Gemeinschaftsgarten, Hausaufgaben‑, Bastel‑ und Musikräume. Die Wohnbereiche sind gestaffelt:​ im Norden holzrahmige Außenwände mit Wellblech; im Süden eine passive, schallschirmende Doppelfassade mit winterlichem Wärmepuffer und sommerlichem Kamineffekt. Wohnformen reichen von Cluster‑WG über 2-3‑Zimmer‑Wohnungen bis zu Einzimmer‑ und temporären Einzelapartments. Laubengänge erschließen, verengen sich in Schlafzonen. Die Auslagerung von Care‑Arbeit ermöglicht kompakte private Wohnflächen. Konstruktiv basiert der Bau auf Holz‑Schotten, schallentkoppelten Holzbalkendecken, Holzrahmen-Außenwänden und einer südlichen Doppelfassade. Co‑Care ist ein räumlich-strukturelles Modell für solidarisches Wohnen:​ Es macht Care‑Arbeit sichtbar, verteilt sie gerecht und verbindet Wohnen mit gemeinschaftlicher Infrastruktur und öffentlichem Raum.

Nachhaltigkeit

Das energetische Konzept des Entwurfs basiert auf dem Zusammenspiel aus ressourcenschonender Materialisierung, passiver Solararchitektur und einer hocheffizienten Gebäudeklimatik. Die Tragstruktur in Holzschottenbauweise sowie die holzrahmigen Außenwände minimieren den Anteil an grauer Energie im Vergleich zu konventionellen Massivbauten und fungieren als langfristiger Kohlenstoffspeicher. Durch die architektonische Einbindung des historischen Umschaltwerks und des bestehenden Supermarkt-Anbaus wird zudem vorhandene graue Energie weitestgehend erhalten. Als zentrales Element der passiven Klimatisierung dient die südseitig orientierte, schallschirmende Doppelfassade:​ Im Winter fungiert sie als solarer Wärmepuffer zur Reduktion des Heizwärmebedarfs, während im Sommer die Ausnutzung des thermischen Auftriebs (Kamineffekt) eine wirksame natürliche Nachtauskühlung der Wohnbereiche ermöglicht. Demgegenüber minimieren die hochgedämmten, holzrahmigen Außenwände der Nordfassade die Transmissionswärmeverluste. Die konsequente Auslagerung von Care-Infrastrukturen wie Waschsalon und Kiezkantine in das Erdgeschoss hält die privaten Wohnflächen kompakt, was den pro Kopf verzeichneten Heiz- und Betriebsstrombedarf direkt senkt. Darüber hinaus bieten die gewerblichen und gemeinschaftlichen Nutzungen im Erdgeschoss Potenziale zur synergetischen Kopplung von Abwärme- und Warmwasserkreisläufen, beispielsweise durch die Einbindung der Abwärme von Kühl- und Großküchengeräten. Ergänzt wird das System durch als Retentionsflächen konzipierte Dachflächen und Gemeinschaftsgärten, die den Regenwasserabfluss verzögern und durch Verdunstungskühlung das lokale Mikroklima positiv beeinflussen.

Auszeichnungen

Konrad-Wachsmann-Preis 2025

Schlagworte

Genossenschaftlicher Wohnungsbau, Feministische Stadtplanung, Holzmassivbauweise, Nachhaltigkeit, Genossenschaft, Klimaresilienz, Care-Arbeit, Cluster-Wohnen, Maisonette

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