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Architekturobjekte

Heinze ArchitekturAWARD 2026: Teilnehmer


Bürgerbräu Therme

Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: TU Berlin, Paul Winter

Bürgerbräu Therme - Bürgerbräu Therme

© Caroline Schuster, Paul Winter

Ansicht Bestand - Bürgerbräu Therme

© Caroline Schuster, Paul Winter

Silobecken - Bürgerbräu Therme

© Caroline Schuster, Paul Winter

Thermenhalle - Bürgerbräu Therme

© Caroline Schuster, Paul Winter

Saunalandschaft - Bürgerbräu Therme

© Caroline Schuster, Paul Winter

Grottenkammer - Bürgerbräu Therme

© Caroline Schuster, Paul Winter

Außenbereich - Bürgerbräu Therme

© Caroline Schuster, Paul Winter

Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: TU Berlin, Paul Winter

Basisdaten zum Objekt

Lage des Objektes

Deutschland

Objektkategorie

Objektart

Art der Baumaßnahme

Entwurfskonzept

Fertigstellungstermin

02.2026

Gebäudedaten

Bauweise

Mauerwerksbau

Tragwerkskonstruktion

Stahl

Anzahl der Vollgeschosse

3- bis 5-geschossig

Raummaße und Flächen

Bruttorauminhalt

16.526 m³

 

Bruttogrundfläche

1.028 m²

 

Nutzfläche

1.956 m²

 

Verkehrsfläche

1.028 m²

 

Grundstücksgröße

2.069 m²

Beschreibung

Objektbeschreibung

Die ehemalige Berliner Bürgerbräu-Brauerei in Friedrichshagen bildet den Ausgangspunkt dieser freien Bachelorarbeit. Während große Teile des historischen Brauereigeländes derzeit zu Wohn- und Büroflächen umgenutzt werden, widmet sich der Entwurf dem bislang unbeplanten ehemaligen Sudhaus und den angrenzenden Gärtanks aus den 1980er Jahren. Die Lage an Müggelspree, dem Trinkwasserreservoir Müggelsee und den umliegenden Naturschutzgebieten verleiht dem Ort eine besondere Erholungsqualität. Welche der Entwurf aufgreift und die Gebäude zu einer Thermenlandschaft entwickelt.

Im Zentrum steht die Frage, wie Architektur die Entspannung unterstützen kann und dabei sowohl dem Bedürfnis nach Ruhe und Abgeschiedenheit als auch dem nach Gemeinschaft und Austausch gerecht wird. Aus dieser Idee entstehen zwei konträre, aber eng miteinander verbundene Raumwelten, die ihre räumliche Entsprechung in zwei eigenständigen Baukörpern finden. Horizontal versetzte Ebenen verweben beide Bereiche zu einer zusammenhängenden räumlichen Struktur. Das Wechselspiel aus unterschiedlichen Raumhöhen und Raumgrößen begleitet den Besucher durch die Therme, während die klare Ordnung des Bestands stets ablesbar bleibt.

Das ehemalige Sudhaus wird zum kommunikativen Herzstück der Therme. Die offene Stahlskelettstruktur, großzügige Blickbeziehungen und gemeinschaftlich nutzbare Wasserflächen schaffen einen lebendigen Ort der Begegnung. Im Gegensatz dazu steht die Silohalle. Die außergewöhnliche Höhe der ehemaligen Gärtanks, gedämpftes Licht und geschützte Rückzugsräume erzeugen hier eine ruhige, beinahe sakrale Atmosphäre. Zwischen beiden Bereichen vermittelt eine zentrale Treppe, die Besucher intuitiv durch das Gebäude führt und individuelle Wege durch die Therme ermöglicht. Die Nutzung orientiert sich an einem Entspannungskreislauf aus Aktivieren, Aufwärmen, Abkühlen und Entspannen. Dieser kann sowohl im kommunikativen als auch im kontemplativen Bereich durchlaufen werden und erlaubt jedem Gast, die für ihn passende Form der Erholung zu finden.

Konstruktiv setzt der Entwurf bewusst auf den Erhalt des Bestands. Das Sudhaus bleibt in seiner Tragstruktur erhalten, das bestehende Vollgeschoss wird weiterverwendet und das Gebäude durch neue Ebenen ergänzt. Die charakteristischen Gärtanks werden nicht zurückgebaut, sondern in das neue Raumkonzept integriert. Während ihre unteren Bereiche von einer neuen Gebäudehülle umschlossen werden, die Form und Materialität der Tanks aufgreift, bleiben die oberen Abschnitte auf der Dachterrasse sichtbar und prägen die Saunalandschaft.

So entsteht aus den vorhandenen Strukturen ein neuer Ort der Erholung, der die Geschichte und den Charakter des Geländes bewahrt, einen nachhaltigen Umgang mit vorhandenen Ressourcen ermöglicht und die Gebäude einer langfristigen, gemeinsinnstiftenden Nutzung zuführt.
 

Beschreibung der Besonderheiten

Besonders die Gegenüberstellung der beiden Baukörper verleiht der Berliner Bürgerbräutherme ihren Charakter. Die rationale Stahlskelettbauhalle des ehemaligen Sudhauses steht dem von zwölf Silos geprägten Baukörper gegenüber. Obwohl beide Gebäudeteile dieselbe Nutzung beherbergen, erzeugen sie durch ihre unterschiedlichen Proportionen, Raumhöhen und Lichtstimmungen grundlegend verschiedene Raumerlebnisse.

Der Entwurf verfolgt dabei einen möglichst realistischen Ansatz. Vorhandene Tragstrukturen werden weitgehend erhalten und weitergenutzt. Das Sudhaus bleibt in seiner Struktur nahezu unverändert, während die bestehenden Gärtanks nicht zurückgebaut, sondern in die neue Nutzung integriert werden. Neue Bauteile ergänzen den Bestand dort, wo sie funktional notwendig sind und machen die Eingriffe nachvollziehbar. Dadurch bleibt die industrielle Geschichte des Ortes auch nach der Umnutzung ablesbar.

Besonders die Nutzung der ehemaligen Gärtanks eröffnet räumliche Qualitäten, die in einem Neubau nur schwer reproduzierbar wären. Die charakteristischen Silos prägen nicht nur das Erscheinungsbild des Gebäudes, sondern werden selbst zu Aufenthalts-, Sauna- und Grottenräumen. So entsteht aus einem stillgelegten Industriegebäude ein Ort der Erholung, ohne die Identität des Bestands aufzugeben.
 

Nachhaltigkeit

Thermen zählen aufgrund ihrer hohen Raumtemperaturen, großen Raumvolumina und des erheblichen Bedarfs an warmem Wasser zu den energieintensivsten öffentlichen Gebäudetypen. Umso wichtiger ist ein ganzheitliches Energiekonzept, das bereits in den grundlegenden Entwurfsentscheidungen verankert wird. So stellt bereits die Entscheidung für die Umnutzung des Bestands einen wesentlichen Beitrag zur Ressourcenschonung dar. Durch den Erhalt der vorhandenen Strukturen und die Weiterverwendung der Gärtanks bleiben große Mengen grauer Energie gebunden. Die Kombination verschiedener ökologisch gedämmter Fassadensysteme ermöglicht die energiesparende Umnutzung und erhält gleichzeitig ein bedeutendes Zeugnis Berliner Industriegeschichte. Darüber hinaus verzichtet der Entwurf vollständig auf zusätzliche Flächenversiegelung. Bestehende versiegelte Bereiche werden teilweise rückgebaut und in eine begrünte Außenanlage der Therme umgewandelt.

Auch die Organisation des Gebäudes folgt diesem Gedanken. Die für Thermen ungewöhnliche vertikale Bauwerksorganisation ermöglicht eine kompakte Gebäudeform mit einem günstigen Verhältnis von Hüllfläche zu Volumen. Dadurch können Wärmeverluste reduziert und die energetischen Anforderungen des Gebäudes deutlich gesenkt werden. Ebenso wurde der Innenraum präzise thermisch zoniert, sodass Bereiche mit ähnlichen Temperaturanforderungen zusammengefasst werden. In Verbindung mit zeitgemäßen Dämmstandards und der Nutzung interner Wärmequellen lässt sich der Energiebedarf weiter reduzieren.

Zu guter Letzt wird die auf den Dachflächen verfügbare Solarenergie konsequent genutzt. Großflächig installierte PVT-Module erzeugen gleichzeitig elektrische und thermische Energie und bilden das Herzstück der Energieversorgung. In Verbindung mit geeigneten Speichertechnologien und einer Wasser-Wasser-Wärmepumpe, die die Energie der Müggelspree nutzt, kann der Betrieb der Therme rechnerisch vollständig gedeckt werden.

Es entsteht ein energieeffizientes Gebäude ohne Verzicht und räumliche Einschränkungen. Der verantwortungsvolle Umgang mit dem Bestand, die kompakte Bauform und die intelligente Nutzung erneuerbarer Energien bilden die Grundlage für eine nachhaltige, wirtschaftliche und langfristig zukunftsfähige Architektur.
 

Schlagworte

Bürgerbräu, Therme, Müggelsee, Bauen im Bestand, Erholung, Silo, Lagertank

Energetische Kennwerte

Energiestandard

Niedrigenergiehaus

Energetische Kennwerte

Primärenergie

Solarthermie

 

Sekundärenergie

Umweltthermie (Luft / Wasser)

Energetische Kennwerte

Primärenergiebedarf ("Gesamtenergieeffizienz")

38.000,00 kWh/(m²a)

 

Heizenergieverbrauchswert

511.858,00 kWh/(m²a)

 

Stromverbrauchswert

51.626,00 kWh/(m²a)

Energiebedarf (Prozentuale Verteilung)

Heizung

72 %

 

Warmwasser

18 %

 

Beleuchtung

1 %

 

Lüftung

9 %

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