Architekturobjekte

Heinze ArchitekturAWARD 2026: Teilnehmer


Bauen für Morgen? Ein zweites Leben für das ehemalige Gewerbegebäude in Luzern

6005 Luzern, Tribschenstrasse 51, Schweiz

Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: HTWG Konstanz, Architektur, Caroline Schwarz

Laubengang - Bauen für Morgen? Ein zweites Leben für das ehemalige Gewerbegebäude in Luzern

© Copyright 2026. All rights reserved.

3.5 Zimmerwohnung im Bestandsbau - Bauen für Morgen? Ein zweites Leben für das ehemalige Gewerbegebäude in Luzern

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Quartiersplatz - Bauen für Morgen? Ein zweites Leben für das ehemalige Gewerbegebäude in Luzern

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Modellfoto - Bauen für Morgen? Ein zweites Leben für das ehemalige Gewerbegebäude in Luzern

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Ehemaliges Gewerbegebäude Stand 2025 - Bauen für Morgen? Ein zweites Leben für das ehemalige Gewerbegebäude in Luzern

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Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: HTWG Konstanz, Architektur, Caroline Schwarz

Basisdaten zum Objekt

Lage des Objektes

Tribschenstrasse 51, 6005 Luzern, Schweiz

Objektkategorie

Objektart

Art der Baumaßnahme

Entwurfskonzept

Fertigstellungstermin

02.2026

Gebäudedaten

Bauweise

Stahlbetonbau

Tragwerkskonstruktion

Stahlbeton

Anzahl der Vollgeschosse

3- bis 5-geschossig

Raummaße und Flächen

Bruttogrundfläche

3.060 m²

 

Grundstücksgröße

2.500 m²

Beschreibung

Objektbeschreibung

Ausgangspunkt des Entwurfs ist das ehemalige Gewerbegebäude von Carl Mossdorf aus dem Jahr 1933, ein prägnantes Zeugnis des Neuen Bauens in Luzern. Der Bau entstand als funktionaler Arbeitsort für Handwerksbetriebe und folgt einer klaren architektonischen Haltung:​ einem streng kubischen Baukörper, einer Eisenbeton-Skelettkonstruktion, einem begehbaren Flachdach sowie bandartigen Fensteröffnungen ohne dekorative Elemente. Die Architektur war auf Zweckmäßigkeit, Flexibilität und Rationalität ausgerichtet und verstand sich als zeitgemäßer Ausdruck einer modernen, industriell geprägten Bauweise. Der offene Grundriss, der außenliegende Laubengang und der bewusst rohe Ausbau erlaubten ursprünglich eine vielfältige Nutzung und Anpassung an unterschiedliche Anforderungen.

Im Laufe der Jahrzehnte wurde das Gebäude jedoch mehrfach überformt. Umbauten, funktionale Anpassungen und gestalterische Eingriffe veränderten den ursprünglichen Ausdruck des Hauses. Gleichzeitig verlor das Gebäude durch den Wegfall seiner gewerblichen Nutzung zunehmend an öffentlicher Präsenz. Der angrenzende Freiraum, insbesondere der östlich gelegene, heute als Schotterparkplatz genutzte Bereich, blieb weitgehend ungenutzt und trug zur räumlichen Isolation des Bestands bei.

Die Stadt Luzern bildet den übergeordneten Kontext des Projekts. Als historisch gewachsener Ort zwischen See, Reuss und voralpinem Raum ist Luzern von einem dichten Nebeneinander unterschiedlicher städtebaulicher Schichten geprägt. Gerade in innenstadtnahen Lagen treffen bauliche Zeugnisse der Moderne auf heutige Anforderungen an Wohnen, Verdichtung und Nachhaltigkeit. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie bestehende Gebäude nicht nur erhalten, sondern aktiv weiterentwickelt und in neue räumliche Zusammenhänge eingebettet werden können. Der Entwurf versteht das Gewerbegebäude daher nicht als abgeschlossenes Objekt, sondern als Ausgangspunkt für die Transformation des gesamten Grundstücks. Ziel ist es, den Bestand als identitätsstiftendes Element zu bewahren und gleichzeitig durch eine neue Nutzung und räumliche Ergänzungen zu aktivieren. Das ehemalige Gewerbehaus wird in eine Wohnnutzng überführt und erhält ein öffentliches Erdgeschoss, das den Bau wieder stärker mit dem Stadtraum verknüpft. Nutzungen wie eine Quartierswerkstatt, ein Café und Co-Working-Angebote öffnen das Gebäude nach außen und schaffen eine niederschwellige Schnittstelle zwischen Quartier und Wohnen. Ergänzt wird der Bestand durch einen eigenständigen Neubau, der ebenfalls als Wohngebäude mit öffentlichem Erdgeschoss konzipiert ist. Der Neubau versteht sich nicht als Konkurrenz zum Bestand, sondern als dessen zeitgemäße Weiterentwicklung. Er greift grundlegende Prinzipien der Moderne, Klarheit, Ordnung und Flexibilität, auf, übersetzt diese jedoch in eine heutige architektonische Sprache und reagiert auf aktuelle gesellschaftliche und ökologische Anforderungen. Gemeinsam bilden Bestand und Neubau ein neues Ensemble, das das Grundstück städtebaulich fasst und räumlich neu ordnet.

Zwischen den beiden Baukörpern entsteht ein zentraler Freiraum, der als grünes Herz des Quartiers ausgebildet ist. Durch gezielte Entsiegelung und eine starke Begrünung wird der bislang versiegelte Bereich ökologisch aufgewertet. Das leicht abgesenkte Terrain, das aus der Bestandssituation abgeleitet ist, erzeugt eine spürbare Schwelle zwischen dem Straßenraum und dem ruhigeren, gemeinschaftlich nutzbaren Innenhof. Dieser Übergang unterstützt die Wahrnehmung des Ortes als Rückzugs- und Aufenthaltsraum innerhalb des städtischen Gefüges, ohne ihn vom Umfeld abzuschotten. Ein verbindendes Element zwischen Alt und Neu bildet der Laubengang. Er nimmt Bezug auf den ursprünglichen, an der Westseite des Bestands angeordneten Erschließungsgang, wird jedoch neu interpretiert und auf die Südostseite des Gebäudes verlegt. Als selbsttragende, vorgelagerte Struktur fungiert der Laubengang heute nicht mehr nur als Erschließung, sondern als gemeinschaftlicher Außenraum. Er vermittelt zwischen Wohnung und öffentlichem Raum, ermöglicht Begegnungen im Alltag und verknüpft Bestand und Neubau auf räumlicher Ebene, ohne ihre konstruktive Eigenständigkeit aufzugeben.

Das Entwurfskonzept verfolgt das Ziel, aus dem Zusammenspiel von Bestand, Neubau und Freiraum ein lebendiges, gemischt genutztes Quartier zu entwickeln. Wohnen, Arbeiten, Freizeit und gemeinschaftliche Nutzungen greifen ineinander und schaffen kurze Wege sowie vielfältige Aufenthaltsangebote. Der Entwurf versteht Wandelbarkeit nicht als kurzfristige Anpassung, sondern als strukturelle Qualität:​ Sowohl der Bestand als auch der Neubau sind so angelegt, dass sie auf zukünftige Veränderungen reagieren können, ohne ihre architektonische Grundhaltung zu verlieren.

Beschreibung der Besonderheiten

Grundrissorganisation
Die Grundrissorganisation im Bestandsgebäude nutzt die vorhandene Stützen-Träger-Konstruktion aus Stahlbeton als räumliches und konstruktives Gerüst. Zwischen die bestehenden Stützen werden nicht-tragende Holzwände eingestellt. Dadurch entsteht eine hohe Flexibilität in der Aufteilung der Wohnungen, ohne in die bestehende Tragstruktur einzugreifen. Die kleinste Wohneinheit befindet sich innerhalb eines einzelnen Stützenfeldes und ist als kompakte 1,5-Zimmer- Wohnung organisiert. Wird die Wohnungstrennwand im südöstlichen Bereich weggelassen, können zwei Einheiten zusammengeschaltet werden, sodass größere Wohnungstypologien entstehen. Auf diese Weise lassen sich unterschiedliche Wohnungsgrößen realisieren, die je nach Nachfrage angepasst oder kombiniert werden können. Die Organisation der Räume folgt dabei einer klaren Logik. Die Schlafzimmer sind konsequent auf der Westseite angeordnet, wodurch sie ruhiger liegen und vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt sind. Die innenliegenden Badkerne befinden sich im dunkelsten Bereich. Zur Südostseite orientieren sich die Wohn-, Koch- und Essbereiche, die von der Belichtung und der Nähe zum Laubengang profitieren. Die bestehende Stahlbetonkonstruktion bleibt sichtbar und prägt die räumliche Atmosphäre der Wohnungen. In Kombination mit der großzügigen Raumhöhe von rund 2,90 m entsteht ein offenes und großzügiges Raumgefühl, das den industriellen Charakter des Bestands bewahrt. Der neu angeordnete Laubengang fungiert dabei nicht nur als Erschließung, sondern als gemeinschaftlicher Außenraum, der Alt und Neu verbindet und als Treffpunkt für die Bewohnerinnen und Bewohner dient.

Räume der Gemeinschaft
Ein wesentlicher Bestandteil der neuen Wohnqualität ist der vorgestellte Laubengang. Dieser verbindet den Bestand mit dem Neubau und fungiert nicht nur als Erschließung, sondern auch als gemeinschaftlich genutzter Außenraum. Jede Wohnung erhält hier einen direkten Bezug nach außen, wodurch ein zusätzlicher Aufenthaltsbereich entsteht. Der Laubengang dient als alltägliche Begegnungszone der Bewohnerinnen und Bewohner, bietet Raum für informelle Kontakte und kurze Aufenthalte und unterstützt damit die soziale Durchmischung innerhalb des Hauses. In Verbindung mit den öffentlichen Nutzungen im Erdgeschoss wird er Teil eines abgestuften Systems von öffentlichen, halböffentlichen und privaten Räumen. Durch die Neuorganisation der Erdgeschosszonen und den Rückbau versiegelter Flächen entsteht zwischen Bestandsgebäude und Neubau ein neuer, gemeinschaftlich nutzbarer Freiraum. Im Erdgeschoss des Bestands sind ein Quartierscafé sowie eine Quartierwerkstatt angeordnet, die gezielt zum Platz hin orientiert sind und diesen beleben. Der abgesenkte Terrainverlauf, der auf den ursprünglichen Bauzustand zurückgeht, erzeugt dabei eine spürbare Schwelle zwischen dem öffentlichen Straßenraum und dem ruhigeren, grünen Innenbereich. Der entstehende Platz wird nicht als repräsentative Geste verstanden, sondern als niedrigschwelliger Aufenthaltsort, der angeeignet, bespielt und unterschiedlich genutzt werden kann. In Kombination mit den offenen Erdgeschossnutzungen bildet er das räumliche Zentrum des neuen Quartiers und trägt wesentlich zur Aktivierung des Areals und zur Stärkung der Quartiersbildung bei.

Nachhaltigkeit

Materialität und Konstruktion
Der bestehende Gewerbebau wird behutsam renoviert und energetisch ertüchtigt, um seine architektonische Identität zu bewahren und zugleich heutigen Anforderungen an Nachhaltigkeit, Komfort und Energieeffizienz gerecht zu werden. Die Eingriffe erfolgen mit Zurückhaltung und orientieren sich am Bestand. Zur Verbesserung der energetischen Performance wird das Gebäude von innen nachgedämmt, sodass das äußere Erscheinungsbild und die charakteristische Fassadengliederung erhalten bleiben. Auf diese Weise bleibt der Bau als Zeitzeuge der Moderne ablesbar, während seine Nutzbarkeit langfristig gesichert wird. Die Ergänzungen am Bestand sowie der Neubau folgen einer Holzbauweise. Ausschlaggebend dafür sind sowohl ökologische als auch konstruktive Überlegungen. Holz ermöglicht eine ressourcenschonende Bauweise mit geringerem CO₂-Ausstoß und eignet sich zugleich für eine präzise, vorgefertigte Konstruktion. Im Bestand werden neue Einbauten, Wohnungstrennwände und Badkerne ebenfalls in Holz ausgeführt. Dadurch bleiben die Eingriffe reversibel und die bestehende Tragstruktur weiterhin klar ablesbar. Ein vorgestellter, selbsttragender Laubengang aus pulverbeschichtetem Metall verleiht den Gebäuden eine filigrane zusätzliche Schicht. Er verbindet Bestand und Neubau gestalterisch, ohne diese konstruktiv miteinander zu verknüpfen. Der Laubengang ist bewusst als eigenständiges Element ausgebildet und fungiert als vermittelnde Struktur zwischen Alt und Neu. Seine Farbigkeit in Rosa bildet einen bewussten Kontrast zur klassischen weißen Moderne. Während Weiß lange Zeit für Reinheit, Rationalität und Neutralität stand, setzt die gewählte Farbgebung einen Akzent, der Offenheit, Wärme und soziale Aneignung betont. Gleichzeitig schafft sie eine klare Abgrenzung zur historischen Substanz und macht die zeitliche Weiterentwicklung des Gebäudes sichtbar.

Schlagworte

Bestand, Bauen im Bestand, Flexibel, Umnutzung, Grundrisstypologien, Holz, Laubengang

Objektdetails

Gebäudespezifische Merkmale

Anzahl Wohneinheiten

30

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