Wenn Fassaden Marke zeigen: Sonnenschutz wird Architektur

Baier

Sonnenschutz muss nicht nur funktional sein. Bei anspruchsvollen Fassaden kann er selbst zum gestalterischen Element werden – und sogar die Identität eines Unternehmens sichtbar machen. Zwei Projekte zeigen, wie indi­vi­duell geplante Sonnenschutzlösungen Architektur und Marke miteinander verbinden.

WIKUS-Sägenfabrik: Die Fassade als Sägeband

Eine besonders konsequente Verbindung von Markenidentität und Architektur zeigt die Firmenzentrale der WIKUS-Sägenfabrik Wilhelm H. Kullmann GmbH & Co. KG in Spangenberg. Bieling Architekten realisierten eine außergewöhnliche architektonische Vision mit einem fassadenumgreifenden Sonnenschutz aus Metall.

Für die über drei Geschosse reichende, fließend wirkende Metallfassade wurden spezielle Beschattungs­ele­men­te aus perforiertem Metall entwickelt. Geschlossen bilden sie ein „W“, geöffnet klappen sie zu einem „Y“ auf und stehen wie Zacken eines Sägebandes von der Fassade ab. 161 bewegliche und 122 feststehende Schiebe­falt­laden­anlagen in vier unterschiedlichen Breiten und Höhen beschatten das moderne Gebäude, greifen die Formensprache eines Sägebands auf und übersetzen die Identität des Sägebandherstellers un­mittel­bar in die Architektur.

Grace-Hopper-Bau: Die Fassade als Spule

Auch beim Grace-Hopper-Bau der Technischen Universität Ilmenau ist der Sonnenschutz Teil des archi­tek­to­nischen Gesamtkonzepts. Das 2023 eingeweihte IT-Dienstleistungszentrum von HSP Architekten Ingenieure greift mit seiner Fassadengestaltung die Geschichte der Computertechnik auf.

Weiße und kupferfarbene Bänder wickeln sich um das Gebäude und erinnern an Kupferspulen – ein Grund­modul früher, raumfüllender Computeranlagen. Die Fenster in den kupferfarbenen Fensterbändern erhielten einen fassadenbündigen Sonnenschutz aus Streckmetall-Faltläden.

Die zwei- und vierflügeligen Anlagen mit besonders schmalen Ansichtsbreiten sitzen exakt in der Flucht der weiß verkleideten Brüstungen und Fassadenplatten. Um die Fassadenbündigkeit zu gewährleisten, wurden die Flügel deutlich vor der Laufschiene angeordnet. Dunkel eloxierte Lauf- und Führungsschienen verschwinden hinter der Fensterbank; hochwertige Edelstahlbeschläge ergänzen die zurückhaltende Gestaltung.

Funktion und Markenidentität zusammendenken

Beide Projekte zeigen, wie Sonnenschutz über seine eigentliche Funktion hinaus zum Bestandteil eines archi­tektonischen Konzepts werden kann. Durch die frühzeitige Integration in die Fassadenplanung lassen sich technische Anforderungen und gestalterischer Anspruch miteinander verbinden – bis hin zu einer sichtbaren Übersetzung der Markenidentität.

Sehen Sie beide Projekte auch im Video: WIKUS und Grace-Hopper-Bau.

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