Heinze ArchitekturAWARD 2026: Teilnehmer
Werk:Karree - Campus im Bestand
Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: Technische Universität Berlin, Fakultät VI - Planen Bauen Umwelt, Viktor Kalinov
Basisdaten zum Objekt
Lage des Objektes
Deutschland
Objektkategorie
Objektart
Art der Baumaßnahme
Entwurfskonzept
Fertigstellungstermin
02.2026
Zeichnungen und Unterlagen
Beschreibung
Objektbeschreibung
Luckenwalde ist historisch eine Stadt des Handwerks und der Produktion. Industrie, Werkstätten und Ausbildung prägten lange Zeit die wirtschaftliche und räumliche Entwicklung. Im Teilgebiet Karree ist dieses Erbe bis heute baulich präsent: Fabrikantenvillen, Wohnhäuser, Werkhallen, Remisen und Gebäudereste strukturieren das Quartier. Gleichzeitig ist Karree von Leerstand, Brachen und ungenutzten Blockinnenbereichen geprägt. Die vorhandenen Strukturen wirken fragmentiert, introvertiert und im Alltag kaum aktiviert. Im Rahmen der vorbereitenden Untersuchung im Jahr 2021 wurden Neuordnungsbereiche definiert. Viele von den leerstehenden Gebäuden sind als störende Bauten beschrieben, Abriss und Neubau gelten als mögliche Entwicklungsstrategie. Vor dem Hintergrund von Klimakrise und Ressourcenknappheit wird dieser Ansatz kritisch hinterfragt. Der vorhandene Bestand stellt kein Defizit dar, sondern ein räumliches und materielles Potenzial für eine zukunftsfähige Stadtentwicklung.
Leitidee
Das Projekt versteht Weiterbauen als zentrale Strategie im Umgang mit Leerstand. Statt Abriss setzt es auf die schrittweise Aktivierung, Umnutzung und Ergänzung bestehender Strukturen und begreift den vorhandenen Gebäudebestand als Ressource. Der Teilraum Karree wird als offener Campus gelesen, der Produktion, Lernen und Wohnen wieder im Stadtzentrum zusammenführt und neue Formen des Austauschs ermöglicht. Die industrielle und handwerkliche DNA Luckenwaldes bildet dabei die Grundlage für eine zeitgemäße Weiterentwicklung hin zu einer wissensbasierten WerkStadt, in der Arbeiten, Lernen und Leben räumlich und sozial miteinander verknüpft sind.
Beschreibung der Besonderheiten
Der offene Campus verknüpft lokale Handwerksbetriebe, innovationsorientierte Industrien und Ausbildungsinstitutionen mit der Bewohnerschaft des Karrees. Studierende, Auszubildende und Forschende kommen temporär oder langfristig nach Luckenwalde, arbeiten mit lokalen Akteuren zusammen und nutzen bestehende Gebäude als Lern-, Arbeits- und Wohnorte. Der Austausch von Wissen, Praxis und Erfahrung wird räumlich sichtbar und im Quartier verankert. Leerstehende Gebäude werden dabei als Teil eines zusammenhängenden Systems betrachtet. Unterschiedliche Typologien erhalten differenzierte Nutzungen, angepasst an ihre Struktur, ihren Zustand und ihre Lage. So entsteht ein feinmaschiges Netzwerk aus Werkstätten, Lernorten, Produktionsflächen, gemeinschaftlichen Räumen und Wohnangeboten.
Prozesshafte Transformation
Die Entwicklung des Karrees erfolgt in Phasen. Kleinmaßstäbliche Eingriffe aktivieren zunächst Blockinnenbereiche für die Öffentlichkeit.
Garagen, Remisen, kleinere Bauten und Gebäudereste in den Blockinnenbereichen gewinnen eine neue Nutzung als Werkstätten, temporäre Pavillons, Gemeinschaftsorte und Treffpunkte. Introvertierte Höfe gewinnen neue Nutzungen für Handwerk, Lernen und Austausch.
Diese kleinmaßstäblichen Interventionen setzen größere Transformationsprozesse im Karree in Gang. In der zweiten Phase werden leerstehende Gebäude weitergedacht und behutsam umgenutzt. Bestehende Strukturen bleiben erhalten, Materialien finden neue Verwendungen, gezielte Aufstockungen schaffen zusätzliche Räume. Lernlabore, Werkhallen und Produktionsflächen entstehen für Auszubildende, Studierende und lokale Betriebe. Produktive Aktivitäten, Arbeiten und Lernen rücken wieder ins Zentrum der Stadt. Darauf aufbauend werden größere leerstehende Gebäude behutsam weitergebaut und für Bildung und Produktion geöffnet. Der offene Campus wächst und verfestigt sich im Karree. Durch Weiterbauen und behutsame bauliche Maßnahmen entstehen in einem dritten Schritt zusätzliche Wohnräume, gemeinschaftliche Orte, ergänzende Infrastrukturen wie Mensa und Labore. Temporäre Nutzungen gehen in dauerhafte Strukturen über. Der Campus wird Teil des alltäglichen Stadtlebens.
Vor dem Hintergrund einer Bauwende rückt die Arbeit mit dem Bestand ins Zentrum architektonischer und städtebaulicher Aufgaben. Weiterbauen erfordert Kooperation, unterschiedlicher Akteurinnen. Die Transformation des Karrees wird daher nicht als lineare Maßnahme verstanden, sondern als anpassungsfähiger Entwicklungsprozess. Der Bestand bleibt prägend, neue Nutzungen kommen hinzu, und Karree entwickelt sich zu einem lebendigen Teil von Luckenwalde.
Auszeichnungen
AIV-Schinkel-Wettbewerb 2026 | Luckenwalde - Sonderpreis Soziale Stadtentwicklung gestiftet von der Stern-Stiftung
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