Architekturobjekt 2 von 460

Architekturobjekte

Heinze ArchitekturAWARD 2026: Teilnehmer


Warenhaus der Wissenschaften

Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: Universität der Künste Berlin, Gestaltung, Roman Stamborski

Modell 1-100 - Warenhaus der Wissenschaften

© Roman Stamborski

Der neue Baukörper der Bibliothek repräsentiert Öffentlichkeit im Stadtraum. Die identitätsstiftende Bestandsfassade von 1968 wird erhalten. - Warenhaus der Wissenschaften

© Roman Stamborski

Das öffentliche Atrium veknüpft die Ebenen im Erdgeschoss und 3. Obergeschoss durch die Laborgeschosse hindurch und macht Forschung im Alltag erlebbar. - Warenhaus der Wissenschaften

© Roman Stamborski

Die Galerie im 3. Obergeschoss bildet die Schnittstelle zwischen Atrium, Dachlandschaft und Bibliothek - Warenhaus der Wissenschaften

© Roman Stamborski

Die Dachebene des Bestandsgebäudes wird zum Grünraum. - Warenhaus der Wissenschaften

© Roman Stamborski

Die Stadtbibliothek öffnet den Blick über die Dächer von Cottbus. - Warenhaus der Wissenschaften

© Roman Stamborski

Modell 1-100 - Warenhaus der Wissenschaften

© Roman Stamborski

Modell 1-100 - Warenhaus der Wissenschaften

© Roman Stamborski

Modell 1-1000 - Warenhaus der Wissenschaften

© Roman Stamborski

Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: Universität der Künste Berlin, Gestaltung, Roman Stamborski

Basisdaten zum Objekt

Lage des Objektes

Deutschland

Objektkategorie

Objektart

Art der Baumaßnahme

Entwurfskonzept

Fertigstellungstermin

04.2026

Gebäudedaten

Bauweise

Stahlbetonbau

Tragwerkskonstruktion

Stahlbeton

Anzahl der Vollgeschosse

6- bis 10-geschossig

Beschreibung

Objektbeschreibung

Die Masterarbeit Warenhaus der Wissenschaften untersucht im Kontext schrumpfender Städte im Strukturwandel die Potentiale von Wissenschaftsnutzungen als neue Stadtbausteine zur funktionalen Diversifizierung von Innenstädten. Am Beispiel der Stadt Cottbus wird ein prototypischer Ansatz zur Generierung synergetischer Effekte zwischen Forschung und städtischer Öffentlichkeit entwickelt.

Cottbus steht dabei exemplarisch für zahlreiche weitere Städte in Deutschland und Europa. Nach einem Bevölkerungsverlust von rund 25% in der Nachwendezeit reagierte die Stadt im Rahmen des Stadtumbaus mit dem Rückbau der Stadt von außen nach innen bei gleichzeitiger Stärkung der Kernstadt. Als kulturelles und politisches Zentrum der Niederlausitz steht Cottbus heute durch das Ende der Braunkohleverstromung in Deutschland erneut vor einem tiefgreifenden Wendepunkt.

Zur Förderung des Strukturwandels fließen im Rahmen des Investitionsgesetz Kohleregionen (InvKG) 14 Mrd. Euro an Bundesfördermitteln direkt an die betroffenen Länder. In diesem Rahmen entstehen in Cottbus neben weiteren Projekten der Lausitz-Science-Park am nordwestlichen Stadtrand und die Seevorstadt als östliche Stadterweiterung. Diese Konzepte stehen im Widerspruch zum zentralen Anliegen des Stadtumbaus, die Innenstadt zu stärken. Insbesondere im Lausitz-Science-Park entsteht ein monofunktionales Quartier als Gewerbe- und Wissenschaftsstandort vor den Toren der Stadt.
Im Gegensatz dazu könnte durch eine Integration von Labornutzungen innerhalb bestehender Quartiere der öffentliche Raum belebt und vorhandene Infrastruktur effizienter genutzt werden. Zugleich adressiert ein solcher Ansatz die interne wissenschaftliche Debatte um die unzureichende gesellschaftliche Wahrnehmung von Forschung. Laborgebäude könnten als städtische, öffentlich wirksame Typologien neu gedacht und als räumliche Schnittstellen zwischen Forschung und Stadtgesellschaft entwickelt werden.

Am Fallbeispiel des ehemaligen konsument-Warenhauses wird ein typologisch motivierter Ansatz verfolgt, der die Umnutzung von Handelsbauten zu Laborgebäuden im Kontext ihres urbanen Umfelds vorsieht. Durch ihre hohe BGF, großzügige Geschosshöhen, hohe Tragfähigkeit, ihren technischen Ausrüstungsstandard und flexible Skelettkonstruktionen bieten Handelsbauten besonders günstige Voraussetzungen für die Umnutzung. Gleichzeitig steht ihre bisherige Nutzung zunehmend zur Disposition. Das 1966-68 errichtete Gebäude in Cottbus liegt zentral zwischen Hauptbahnhof und Universität am Rand der Altstadt. Als Teil des sozialistischen Zentrumsensembles ist es ein identitätsstiftender Stadtbaustein der Ostmoderne unter Walter Ulbricht. Nach der Aufgabe des Standorts Cottbus durch Galeria 2023 steht das Gebäude größtenteils leer und befindet sich wieder in städtischem Eigentum.

Der Entwurf betrachtet das Gebäude als öffentlichen Ort, der die sonst hermetisch abgeschlossene Forschung räumlich mit der Stadtgesellschaft verknüpft. In diesem Sinne werden mit dem Hörsaal im Erdgeschoss und der Stadtbibliothek auf dem Dach zwei öffentliche Pole aufgespannt, die über ein Atrium durch die Laborgeschosse hindurch verbunden werden. Die Erdgeschosszone wird als durchläs­sige Passage mit Pop-up-Fläche, Citizen-Science-Lab, Stadtarchiv und Kantine neu interpretiert und die Dachebene als öffentlicher Raum aktiviert. Die Laborgeschosse im ersten und zweiten Obergeschoss werden vom Atrium erschlossen und folgen einem flexiblen, reversiblen Raster, das auf sich verändernde Nutzer und Anforderungen reagieren kann. Geteilte Servicezonen, interne Vertikalerschließungen und teilbare Cluster ermöglichen eine langfristige Adaptierbarkeit und bei Bedarf die parallele Nutzung durch verschiedene Akteure. Drei Strategien:​ Öffnung zum Atrium, punktuelle Öffnung der Decke und Öffnung der Fassade durch Verlängerung der bestehenden Fensterbänder, schaffen räumliche Varianz und belichten die ehemaligen Verkaufsflächen unter Erhalt der charakteristischen Fassadengestaltung. Auf dem Dach entsteht eine Parklandschaft, die auf Traufhöhe der Stadt Raum für Erholung, Biodiversität und Regenwasserretention bietet. Die Bibliothek bildet den räumlichen Abschluss des Atriums. Als gläserner, zweigeschossiger Baukörper ist sie, kontrastierend zum Bestand, filigran und extrovertiert gestaltet und erlaubt durch das Ausreizen der Hochhausgrenze von 22 m einen Rundumblick über die Dächer von Cottbus. Die Gliederung in eine kommunikative Ebene im vierten Obergeschoss und eine ruhigere Studienzone im fünften Obergeschoss mit einer großen Lesetreppe als verbindendem Element übersetzt die räumliche Logik des Atriums in die Aufstockung. Die hängende Stahlkonstruktion mit geschosshohem Primärtragwerk ermöglicht große Spannweiten über Atrium und Hörsaal hinweg und integriert sich zugleich in die Bestands­konstruktion. Textile Sonnensegel verschatten die Glasflächen und zitieren als spielerisches Element die in der DDR verbreiteten Spannbeton-Faltdächer der 1960er und 70er Jahre.

Auszeichnungen

Max-Taut-Preis 2026

Shortlist Architekturpreis der deutschen Wirtschaft 2026

Schlagworte

Masterarbeit, Bestand, Laborgebäude, Hörsaal, öffentliche Gebäude, Cottbus, Universität der Künste Berlin, Stahlbau, Aufstockung, Forschung, Wissenschaft, Kaufhaus, Revitalisierung, Handelsbauten, Bibliothek, Denkmalschutz, Stadtentwicklung, Archiv

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