Architekturobjekte

Heinze ArchitekturAWARD 2026: Teilnehmer


Unlisted Berlin

Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: Technische Universität Berlin, Fakultät VI - Planen Bauen Umwelt, Viktor Kalinov

Buch - Unlisted Berlin

© Viktor Kalinov

Erweiterung vom Denkmalschutzgesetz - Unlisted Berlin

© Viktor Kalinov

Steglitzer Kreisel - Unlisted Berlin

© Viktor Kalinov

Stadtebene - Unlisted Berlin

© Viktor Kalinov

Stadtplateau - Unlisted Berlin

© Viktor Kalinov

Eigentumsmodell - Unlisted Berlin

© Viktor Kalinov

Turm - Unlisted Berlin

© Viktor Kalinov

Riegel - Unlisted Berlin

© Viktor Kalinov

Parkhaus - Unlisted Berlin

© Viktor Kalinov

Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: Technische Universität Berlin, Fakultät VI - Planen Bauen Umwelt, Viktor Kalinov

Basisdaten zum Objekt

Lage des Objektes

Deutschland

Objektkategorie

Objektart

Art der Baumaßnahme

Entwurfskonzept

Fertigstellungstermin

04.2026

Beschreibung

Objektbeschreibung

Unlisted Berlin – Wertmaßstäbe und Strategien zum Weiterbauen des Vergessenen

(I) Abrisskataster Berlin
Diese Arbeit untersucht den gegenwärtigen Umgang mit dem baulichen Bestand in Berlin. Obwohl Abriss erhebliche ökologische und soziale Folgen verursacht, gilt er weiterhin als selbstverständliches Instrument der Stadtentwicklung. In einer marktgetriebenen Logik wird Wert primär über wirtschaftliche Verwertbarkeit definiert. In diesem Rahmen erscheinen bestehende Gebäude häufiger als Hindernis oder sogenannte ''Burden Buildings'', deren Abriss als konsequente Entscheidung legitimiert wird. Diese Abrissprozesse werden bislang nur durch zivilgesellschaftliche Plattformen erfasst. Im ersten Schritt werden diese verstreuten Informationen in einem beispielhaften Abrisskataster zusammengeführt, um die Notwendigkeit einer offiziellen systematischen Erfassung dieser Prozesse zu verdeutlichen. Diese Sammlung von ungefähr 140 abgerissenen oder abrissbedrohten Gebäuden in Berlin dient der Anlyse, um wiederkehrende Muster des Verschwindens zu erkennen. Die Untersuchung verdeutlicht, dass Entscheidungen über Erhalt oder Abriss häufig weniger auf baulichen Notwendigkeiten als auf ökonomischen Bewertungsmaßstäben beruhen.

(II) Erweiterung vom Denkmalschutzgesetz
Vor diesem Hintergrund hinterfragt die Arbeit die bestehenden Schutzmechanismen des Denkmalschutzes. Die heutigen Kriterien orientieren sich vor allem an historischen, künstlerischen oder städtebaulichen Werten und greifen angesichts der Klima- und Wohnungskrise zu kurz. Als Erweiterung des Berliner Denkmalschutzgesetzes schlägt die Arbeit zwei zusätzliche, verbindliche Prüfverfahren vor:​ den Substanzschutz und den Erinnerungsschutz.
Der Substanzschutz bewertet Gebäude anhand der in ihnen gebundenen materiellen Ressourcen, der grauen Energie und der gespeicherten Emissionen. Gebäude werden dabei als Ressourcenspeicher verstanden, deren Erhalt gegenüber Abriss und Neubau ökologisch vorteilhafter sein kann. Der Erinnerungsschutz ergänzt diese Perspektive um eine soziale Dimension. Er untersucht die Bedeutung eines Gebäudes für kollektive Erinnerungen, alltägliche Nutzungen, soziale Netzwerke und bestehende Gemeinschaften. Im Zentrum steht dabei insbesondere die Frage, welche Formen der Verdrängung und des Verlusts sozialer Strukturen durch einen Abriss ausgelöst würden. Erfüllt ein Gebäude eines der beiden Kriterien, gilt es als erhaltenswert.

Beschreibung der Besonderheiten

(III) Fallstudie Steglitzer Kreisel
Die entwickelten Bewertungsmaßstäbe werden am Steglitzer Kreisel erprobt. Aufgrund von Leerstand, gescheiterten Transformationsversuchen, technischen Herausforderungen und komplexen Eigentumsverhältnissen gilt das Gebäude als ein Hinderniss und ein potenzieller Abrisskandidat.
Betrachtet im Rahmen der zeitgemäßeren Neubewertung stellt das Gebäude ein großes Potenzial dar. Aufgrund seiner massiven Tragstruktur und der großen Menge gebundener Ressourcen erfüllt der Steglitzer Kreisel eindeutig die Kriterien des Substanzschutzes und ist damit erhaltenswert. Die Wahrnehmung des Gebäudes in der Öffentlichkeit ist hingegen überwiegend negativ, häufig wird es als „Schandfleck“ oder gescheitertes Bauvorhaben beschrieben. Aus diesem Grund reicht Erinnerungsschutz allein nicht aus, um einen Schutzstatus zu begründen, macht jedoch ortsspezifische Qualitäten und soziale Zusammenhänge sichtbar, die als Leitfaden für die Transformation dienen. Die zentrale Frage verschiebt sich dadurch von der Entscheidung zwischen Abriss und Erhalt hin zur Frage, wie ein als Last wahrgenommenes Gebäude transformiert und wieder besiedelt werden kann.

(IV) Besiedlungstrategie - Eigentum nach Verantwortungsebenen
Die Arbeit identifiziert dabei nicht die bauliche Substanz, sondern die bestehende Organisationsstruktur als wesentliches Hindernis für eine langfristige Transformation. Solange Risiko, Kontrolle und Gewinn in einer zentralen Akteursstruktur gebündelt bleiben, folgen Entscheidungen zwangsläufig kurzfristigen Verwertungslogiken. Als Alternative entwickelt die Arbeit ein Modell, das Eigentum über Verantwortungsebenen organisiert.
Die Struktur wird in die Ebenen Substanz, Infrastruktur und Besiedlung gegliedert. Die Stadt übernimmt die Verantwortung für die langfristige Sicherung der erhaltenswerten Rohbaustruktur und entzieht diese dem spekulativen Markt. Aufbauend darauf entwickeln Projektgruppen aus bestehenden und neuen Akteur:​innen die infrastrukturellen Grundlagen einzelner Gebäudeteile. Über Erbpacht erwerben sie langfristige Nutzungs- und Entwicklungsrechte und investieren in Gebäudehülle, technische Versorgung sowie räumliche Organisation. Die eigentliche Aneignung erfolgt anschließend durch Nutzer:​innen, die die vorbereiteten Räume schrittweise ausbauen und besiedeln. Transformation wird dabei nicht als einmaliger Eingriff verstanden, sondern als langfristiger, kollektiver Prozess.
Architektonisch wird dieses Modell durch drei Infrastrukturen übersetzt. Der Riegel entwickelt sich als Infrastruktur der Aneignung, die durch neue Versorgungssysteme entlang der Fassade flexible und langfristig anpassbare Nutzungen ermöglicht. Der Turm wird zur Infrastruktur der Fürsorge, in der gemeinschaftliche Schwellenräume alltägliche Care-Arbeit sichtbar machen und soziale Durchmischung auf Geschoss- und Nachbarschaftsebene fördern. Aus dem geplanten Luxushochhaus entsteht eine kollektive Wohnstruktur. Das Parkhaus wird zur Infrastruktur der Versorgung, die Energiegewinnung durch Solarenergie, Windkraft und die Nutzung der Abwärme des U-Bahntunnels mit Materialkreisläufen, urbaner Logistik und lokaler Produktion verbindet. Im Erdgeschoss und auf dem neuen öffentlichen Stadtplateau treffen diese Strategien zusammen und bilden einen gemeinsamen urbanen Raum.
 

Nachhaltigkeit

Die Arbeit plädiert für einen grundlegenden Perspektivwechsel im Umgang mit dem Bestand. Die Transformation darf nicht erst auf der Ebene des Entwurfs ansetzen, sondern bereits auf der Ebene ihrer Bewertung und Regulierung. Gebäude sollten nicht primär nach ihrem Marktwert beurteilt werden, sondern nach ihrem materiellen, räumlichen und sozialen Potenzial. Am Beispiel des Steglitzer Kreisels wird gezeigt, wie ein gescheitertes Projekt vom ''Burden Building'' zum Träger zukünftiger Stadtentwicklung werden kann. Voraussetzung dafür sind neue Bewertungsmaßstäbe, Eigentumsmodelle jenseits spekulativer Verwertungslogiken und ein Verständnis von Transformation als gemeinschaftlich getragenem Prozess. Bestand wird dabei nicht als Belastung, sondern als Ressource verstanden – und Stadtentwicklung nicht als Ersetzen, sondern als Weiterbauen.

Schlagworte

Denkmalschutz, Spekulationsobjekte, gescheiterte Entwicklung, Bestand, Transformation, Steglitzer Kreisel, Eigentum nach Verantwortungsebenen, Prozesshaft, Weiterbauen, Besiedlungsstrategien, Stadtentwicklung, Berlin

Weitere Dokumente zum Objekt

Bitte melden Sie sich an

Um diese Funktion nutzen zu können, müssen Sie bei heinze.de registriert und angemeldet sein.

Hier anmelden
Diese Seite weiterempfehlen
1519588063