Architekturobjekt 3 von 2.778

Architekturobjekte

Heinze ArchitekturAWARD 2026: Teilnehmer


Stadtfransen

Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: Technische Universität Berlin, Fakultät VI, Ferdinand Storjohann

Straßenansicht - Stadtfransen

© Viktor Kalinov, Ferdinand Storjohann

Werkhof - Stadtfransen

© Viktor Kalinov, Ferdinand Storjohann

Innenvisualisierung - Stadtfransen

© Viktor Kalinov, Ferdinand Storjohann

Raumperspektive Aufgang - Stadtfransen

© Viktor Kalinov, Ferdinand Storjohann

Raumperspektive Magistrale - Stadtfransen

© Viktor Kalinov, Ferdinand Storjohann

Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: Technische Universität Berlin, Fakultät VI, Ferdinand Storjohann

Basisdaten zum Objekt

Lage des Objektes

Deutschland

Objektkategorie

Objektart

Art der Baumaßnahme

Entwurfskonzept

Fertigstellungstermin

01.2025

Gebäudedaten

Bauweise

Holzhybridbau

Tragwerkskonstruktion

Holz

Anzahl der Vollgeschosse

6- bis 10-geschossig

Raummaße und Flächen

Wohnfläche

2.350 m²

Beschreibung

Objektbeschreibung

Die Aufgabe bestand in der Entwicklung eines Prototyps für zukunftsweisenden genossenschaftlichen Wohnungsbau über einer Supermarktfiliale, exemplarisch bearbeitet anhand eines realen Grundstücks am S-Bahnhof Tempelhof in Berlin. Die zentrale Herausforderung bestand darin, zwei scheinbar gegensätzliche Anforderungen miteinander zu verbinden:​ ein auf Wiederholbarkeit und Übertragbarkeit angelegtes Prototypkonzept, das an unterschiedlichsten Standorten funktionieren soll, und eine überzeugende, ortsspezifische städtebauliche Antwort für das konkrete Grundstück.
Die Antwort des Entwurfs liegt in der konsequenten Zweiteilung des Gebäudes:​ Ein ortsspezifischer Sockel nimmt den Supermarkt sowie gemeinschaftliche Erdgeschossnutzungen auf und reagiert unmittelbar auf die jeweilige städtebauliche Situation. Darüber entsteht ein freies System von Baukörper, das unabhängig vom Standort funktioniert und so die geforderte Übertragbarkeit des Prototyps sicherstellt. Für das Grundstück in Tempelhof übersetzt sich dieses Prinzip in eine strenge, der Bahntrasse folgende Sockelkante, die sich zum Stadtraum hin durch gezielte Einschnitte auflockert. Diese Einschnitte erschließen sowohl den Supermarkt als auch die gemeinschaftlichen Erdgeschossnutzungen und führen über Treppen hinauf zu einer großzügigen, gemeinschaftlich genutzten Terrasse auf dem Sockeldach.
Auf dem Sockel stehen vier Baukörper in Nord-Süd-Ausrichtung. Ihre Geschossigkeit staffelt sich im an der Höhe der umgebenden Bebauung. In ihnen sind unterschiedliche Wohntypologien möglich wie auch Maisonette-, Cluster oder großzügige Familienwohnungen. Im ersten Obergeschoss liegt der Kiezraum, der nicht nur der Hausgemeinschaft, sondern auch der Nachbarschaft im Tempelhofer Kiez offensteht und als sozialer Mittelpunkt der Genossenschaft fungiert.

Beschreibung der Besonderheiten

Durch den ortsspezifischen Sockel und den frei anordnenbaren Wohnkörpern darüber, ist das Konzept städtebaulich von der Kleinstadt bis hin zum Stadtzentrum von Berlin umsetzbar. Je nach Grundstücksgröße und -zuschnitt sind unterschiedliche Anzahlen und Längen von Baukörpern möglich. Auch die Wohnungstypologie selbst ist als System gedacht:​ In einer rigiden Schicht sind Erschließung, Nassräume, Schächte und feste Möbel gebündelt, während die übrigen, gut belichteten Räume flexibel und unterschiedlich nutzbar bleiben. Diese rigide Schicht lässt sich auf verschiedenste Grundrissvarianten anwenden und bildet das organisatorische Rückgrat unterschiedlichster Wohnformen.
Den genossenschaftlichen Gedanken trägt der Entwurf konsequent in den Wohnalltag:​ Waschräume, Gästezimmer, Arbeitszimmer, Werkstätten und Freiräume werden gemeinschaftlich genutzt und reduzieren so den individuellen Flächenbedarf, ohne den Wohnkomfort zu schmälern. Zusätzlich lassen sich Wohnungen über sogenannte Joker-Räume erweitern.

Nachhaltigkeit

Der Sockel mit Supermarkt und Erdgeschossnutzungen ist in Stahlbeton mit vorgesetztem Sichtmauerwerk aus Kalksandstein ausgeführt. So können große Spannweiten sowie Brand- und Schallschutzanforderungen des Einzelhandels eingehalten werden. Die darüberliegenden Baukörper hingegen sind als Holz-Skelettbauweise mit aussteifenden Kernen konzipiert.
Die Fassade der oberen Geschosse besteht aus vertikal hinterlüfteter Vollholzbekleidung vor diffusionsoffener Holzfaserdämmung und Zellulose-Einblasdämmung in den Holzständerwänden. Somit werden hier nachwachsende, kreislauffähige Baustoffe mit geringem Herstellungsaufwand eingesetzt. Innenseitig kommen Lehmbauplatten mit Lehmputz zum Einsatz, die ein feuchteregulierendes, gesundes Raumklima schaffen und am Lebensende rückstandslos in den Materialkreislauf zurückgeführt werden können. In den Geschossdecken sorgt eine Brettsperrholzdecke mit ungebundener Kalksplitt-Schüttung für ausreichende Masse zum Trittschallschutz, ohne dafür auf eine massive Betondecke angewiesen zu sein; als Bodenbelag kommt Linoleum als weiterer nachwachsender, gut rückbaubarer Baustoff zum Einsatz.
Auch jenseits der Konstruktion zeigt sich Nachhaltigkeit als Suffizienzprinzip:​ Durch das Teilen von Innen- und Freiräumen sinkt der individuelle Flächenbedarf pro Bewohner*in, mit entsprechend geringerem Material- und Energieaufwand pro Wohneinheit. Die Joker-Räume verstärken diesen Effekt, da sich Wohnraum flexibel statt dauerhaft erweitern lässt. Ergänzt wird dies durch ein konsequent autofreies Mobilitätskonzept mit ausreichend überdachten Fahrradstellplätzen anstelle von PKW-Stellplätzen für die Genossenschaftswohnungen.

Auszeichnungen

2. Preis Joanes-Preis 2025

Schlagworte

genossenschaftlicher Wohnungsbau, Wohnbau, Neubau, wohnen über Supermarkt, Nachverdichtung

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