Heinze ArchitekturAWARD 2026: Teilnehmer
Schwollbachhof
55767 Schwollen, Hauptstraße 48
Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: PUR+ Architekten
Basisdaten zum Objekt
Lage des Objektes
Hauptstraße 48, 55767 Schwollen, Deutschland
Objektkategorie
Objektart
Art der Baumaßnahme
Sanierung / Modernisierung
Fertigstellungstermin
12.2025
Zeichnungen und Unterlagen
Projektbeteiligte Firmen und Personen
Verwendete Produkte
Gebäudedaten
Bauweise
Mauerwerksbau
Tragwerkskonstruktion
Ziegelmauerwerk
Anzahl der Vollgeschosse
3- bis 5-geschossig
Raummaße und Flächen
Bruttorauminhalt
7.606 m³
Bruttogrundfläche
2.070 m²
Nutzfläche
1.400 m²
Verkehrsfläche
306 m²
Wohnfläche
700 m²
Grundstücksgröße
5.615 m²
Lage und Umgebung
Beschreibung
Objektbeschreibung
Eine neue Gebäudehülle, Photovoltaik, Wärmepumpe, Regenwasserspeicher sowie entsiegelte Außenflächen sorgen für eine hohe Autarkie und reduzieren den ökologischen Fußabdruck. Bei konstruktiven Neuerungen innen und außen lag der Fokus auf der Verwendung von Durchforstungsholz aus dem eigenen, angrenzenden Familienwald. Dies spiegelt sich besonders in den tragenden Douglasienstämmen wider, die die neuen Balkone tragen. Sie sorgen für einen hohen Wiedererkennungswert des Hunsrückhofs und fungieren als dauerhafte CO₂-Speicher. Die Fassade besteht ebenfalls aus eigener Douglasie, die in zwei unterschiedlichen Ausprägungen, sägerau unten und gehobelt oben, an die historische Fassade erinnert.
Des Weiteren sollten Bestandsmöbel und Innenausbauten, wenn möglich erhalten, aufbereitet und durch wohngesunde Holzwerkstoffplatten eines regionalen Herstellers ergänzt werden. Auch hier lag der Fokus auf massiven, biobasierten Materialien, die gerade in der hoch beanspruchten Nutzung im Beherbergungsbetrieb eine Wiederaufbereitbarkeit und spätere Wiederverwertung ermöglichen. Ergänzungen im Möbel- und Innenausbau wurden mit Kirsch-, Eschen-. Eichen- und Fichtenholz aus dem eigenen Wald ausgeführt.
Die behutsame Sanierung garantiert eine Weiterführung von bestehenden Materialkreisläufen und erzählt die über 150-jährige Geschichte des Hauses weiter – als naturverbundene Herberge und nachhaltiger Begegnungsort, der regionale Baukultur in zeitgemäßer Form weiterdenkt.
Beschreibung der Besonderheiten
Die behutsame Revitalisierung des Hofes, der nun in der sechsten und siebten Generation weitergeführt wird, verbindet bauliche Erneuerung mit der Kontinuität regionaler Baukultur. Ein wesentliches Element ist die konsequente Verwendung von Holz aus dem eigenen, angrenzenden Wald, das Tragwerk, Fassade sowie Möbel- und Innenausbau prägt und eine unmittelbare Verbindung zwischen Gebäude, Nutzung und Landschaft herstellt. Ganze, geschälte Douglasienstämme bilden das markante Tragwerk der neuen Balkone und machen den Hof auf den ersten Blick unverwechselbar. Ebenfalls aus dem eigenen Douglasienholz ist die unbehandelte zweiteilige Fassade mit rauer und glatter Schalung. Im Innenraum wurden Kirschbaum, Esche und Eiche zum Ausbau der Gästeräume genutzt. Schwalben und Fledermauskolonien, die am Haus seit Jahrzehnten beheimatet sind, finden neue Einfluglöcher sowie Unterschlüpfe an der neuen Fassade.
Die Erschließung folgt der Logik des Hofes und entwickelt bestehende Wege weiter. Innen- und Außenräume sind eng miteinander verzahnt und binden den Hof in die typische Hunsrücklandschaft aus Wald, Wiesen und Bachlauf ein.
Nachhaltigkeit
Im Sinne der Suffizienz bildet die Weiternutzung des historischen Bestands den Ausgangspunkt. Tragstruktur und wesentliche Bauteile wurden erhalten, ertüchtigt und funktional neu organisiert, wodurch graue Energie bewahrt und der Bedarf an neuen Materialien minimiert wird.
Die Materialstrategie basiert auf einem radikal regionalen Konzept: Ein Großteil der eingesetzten Baustoffe – insbesondere das Konstruktionsholz – stammt aus dem unmittelbar angrenzenden, eigenen Wald der Bauherrschaft. Dieses Holz wird konsequent für Tragwerk, Fassade sowie Möbel- und Innenausbau eingesetzt und regional verarbeitet. Dadurch entstehen kurze Transportwege, eine hohe Identifikation mit dem Ort sowie geschlossene, nachvollziehbare Materialkreisläufe. Im Sinne einer zirkulären Bauweise (Cradle-to-Cradle-Ansatz) wurden sortenreine, trennbare Konstruktionen bevorzugt, auf Verbundmaterialien weitgehend verzichtet und bestehende Bauteile sowie Möbel gezielt wiederverwendet. Neue Bauteile sind überwiegend geschraubt oder gesteckt und damit rückbaubar.
Das Energiekonzept folgt einem Low‑Tech-orientierten Effizienzansatz, bei dem passive Maßnahmen wie verbesserte Gebäudehülle, Speichermassen und konstruktiver sommerlicher Wärmeschutz mit einer reduzierten, robusten Anlagentechnik kombiniert werden. Eine Photovoltaikanlage, Wärmepumpe, Biomasseanteile, passive Raumlüftungen sowie Pufferspeicher ermöglichen einen hohen Anteil erneuerbarer Energien und reduzieren den Primärenergiebedarf deutlich.
In der Gesamtheit entsteht ein konsistentes Konzept, bei dem Materialherkunft, Konstruktion, Nutzung und Energieversorgung als zusammenhängendes System gedacht sind. Der Schwollbachhof verbindet so ressourcenschonende Bestandstransformation, regionale Wertschöpfung und energetische Optimierung zu einem langfristig tragfähigen, nachhaltigen Gebäudekonzept.
Auszeichnungen
Tag der Architektur Rheinland-Pfalz 206
Architekturpreis der Großregion - Longlist
Schlagworte
Energetische Kennwerte
Energiestandard
Energetische Kennwerte
Primärenergie
Umweltthermie (Luft / Wasser)
Sekundärenergie
Holz
Energetische Kennwerte
Primärenergiebedarf ("Gesamtenergieeffizienz")
158,63 kWh/(m²a)
Heizenergieverbrauchswert
52,00 kWh/(m²a)
Stromverbrauchswert
30,00 kWh/(m²a)
Energiebedarf (Prozentuale Verteilung)
Heizung
50 %
Warmwasser
20 %
Beleuchtung
10 %
Lüftung
20 %
Objektdetails
Gebäudespezifische Merkmale
Anzahl Betten
47
Das Objekt im Internet
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