Architekturobjekt 1 von 2.135

Architekturobjekte

Heinze ArchitekturAWARD 2026: Teilnehmer


Schichtsalat

Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: Technische Universität Dresden, Architektur, Ludwig Schwarz

"Schichtsalat" Straßenansicht - Schichtsalat

© Henny Krätzschmar & Ludwig Schwarz

"Schichtsalat" Hofansicht - Schichtsalat

© Henny Krätzschmar & Ludwig Schwarz

"Schichtsalat" Dreiraumwohnung mit abgesenktem Wohnraum - Schichtsalat

© Henny Krätzschmar & Ludwig Schwarz

"Schichtsalat" Werkstatt in der Remise mit Öffnung zum Wohngarten - Schichtsalat

© Henny Krätzschmar & Ludwig Schwarz

"Schichtsalat" Schnittmodell Straßenansicht 1:50 - Schichtsalat

© Henny Krätzschmar & Ludwig Schwarz

"Schichtsalat" Schnittmodell Detail 1:50 - Schichtsalat

© Henny Krätzschmar & Ludwig Schwarz

"Schichtsalat" Schnittmodell Rückansicht 1:50 - Schichtsalat

© Henny Krätzschmar & Ludwig Schwarz

"Schichtsalat" Strukturmodell mit Umgebung Südansicht 1:200 - Schichtsalat

© Henny Krätzschmar & Ludwig Schwarz

"Schichtsalat" Strukturmodell mit Umgebung Nordansicht 1:200 - Schichtsalat

© Henny Krätzschmar & Ludwig Schwarz

"Schichtsalat" Fassade - Schichtsalat

© Henny Krätzschmar & Ludwig Schwarz

Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: Technische Universität Dresden, Architektur, Ludwig Schwarz

Basisdaten zum Objekt

Lage des Objektes

Deutschland

Objektkategorie

Objektart

Art der Baumaßnahme

Entwurfskonzept

Fertigstellungstermin

03.2025

Gebäudedaten

Bauweise

Lehmbau

Tragwerkskonstruktion

Lehm

Anzahl der Vollgeschosse

6- bis 10-geschossig

Raummaße und Flächen

Bruttogrundfläche

6.280 m²

 

Nutzfläche

2.227 m²

 

Wohnfläche

2.812 m²

Beschreibung

Objektbeschreibung

Der Entwurf stellt sich der Frage, wie und wo wir in Zukunft in Städten wohnen werden. Ausgangspunkt der Betrachtung ist die ineffiziente Raumnutzung von eingeschossigen Supermärkten in der Stadt. Unser Projekt „Schichtsalat“ zeigt, wie diese Grundstücke durch genossenschaftliche Wohnnutzung über Supermärkten nachverdichtet werden können, zusätzlich der Prämisse, sozial förderbaren Wohnraum zu schaffen.

Das Grundstück liegt an einem harten städtischen Übergang. Hier trifft die industriell anmutende Bahntrasse des S-Bahn-Haltepunkts Tempelhofer Feld auf eine vierspurige Hauptverkehrsstraße mit dem Tempelhofer Feld auf der einen und der charmanten, kleinteiligen Fliegersiedlung auf der anderen Seite. Der Entwurf versteht sich an dieser Stelle als versöhnendes Bindeglied zweier ungleicher Atmosphären.
Die mit grün glasierten Fliesen ornamentartig verzierte, für Berlin typische, Fassade, versteckt sich teilweise hinter einer robusten Schicht aus grünen Stahlträgern und Metallgittern. Durch dieses filigrane Zusammenspiel der Materialien entsteht ein weicher Übergang zwischen den städtischen Szenarien.
Um den Supermarkt im Erdgeschoss des genossenschaftlichen Wohn- und Gewerbehybriden von der Hauptanlaufstelle aus Richtung Tempelhofer Feld und S-Bahn gut wahrnehmen zu können, schmiegt sich der Entwurf an seinen Nachbarn am Eingang zur Fliegersiedlung an. Auf seiner prominenteren Seite öffnet sich somit ein Freiraum. Diese städtebauliche Vorplatzsituation leitet zum Markteingang ein und schafft Platz für Parkflächen und Mobilitätsformen jeglicher Art. Straßenseitig bietet das Erdgeschoss zudem noch Platz für kleinere Geschäfte, wie Spätis, Imbisse, Cafés oder kleine Büchereien, welche den Straßenraum weiter beleben. 

Der auf dem Supermarkt thronende Wohnbau unterteilt sich in zwei Hauptbaukörper:​ einen vorne bündig an der Straße stehenden Wohnbau und einen gegenüber, bündig an der Rückseite stehenden gewerblichen Mehrzweckbau. Neben seiner Funktion als Schallschutz gegenüber dem von der S-Bahn emittierten Lärm dient dieser Bau auch dazu, den grünen Innenhof auf dem Dach des Supermarkts zu beleben, der zwischen beiden Bauvolumen aufgespannt wird. Mögliche Akteure für diese Gewerbeeinheiten könnten beispielsweise Fahrradwerkstätten, Kindertagesbetreuung, Tanzschulen, Werkstätten oder auch gemeinschaftliche Kino- und Veranstaltungssäle sein. Neben dem direkten Nutzen dieser Einrichtungen für die Bewohnerschaft, hat man auch gleichzeitig starke gewerbliche Akteure mit dem Willen einen regen Austausch unter den Hausbewohner*innen zu fördern und den Hof als Gemeinschaftsraum zu beleben. So können gemeinsame Hofflohmärkte oder auch Hoffeste und Workshops veranstaltet werden. Es entsteht ein kommunikativer Raum, den die Bewohner*innen nutzen und in den sie sich freiwillig einbringen können, ohne, dass dieser Verantwortungen und Verpflichtungen mit sich bringt.
Ähnlich wie sich das Hinterhaus sehr geschlossen zum Bahndamm und offen zum Innenhof gibt, so baut sich auch der Hauptwohnbau mit seinen einzelnen thematischen Schichten geschlossen zur Straße und sehr leicht und offen zum Hof auf.
Während die Haupterschließung der Remise größtenteils über die einladende gelbe, seitlich am Erdgeschoss schwebende Außentreppe erfolgt, erreichen die Hausbewohner*innen ihre Wohnungen zusätzlich straßenseitig über die barrierefreien Hauseingänge mit dem Aufzug. Gleichermaßen, ob über den Aufzug oder die hofseitig außenliegenden Treppen gelangt man auf die offenen, kommunikativen Erschließungsplateaus. Diese dienen als vorgelagerte Übergangszone zur abgeschlossenen Wohnung, als Austauschort mit den Nachbarn oder als eigener ruhiger Balkon.
Über einen kleinen Windfang betritt man die Wohnungen. Hier schließen sich direkt die kommunikativsten und öffentlichsten Räume einer Wohnung an:​ die Küche und das Wohnzimmer. Eine Schicht weiter dahinter befinden sich, aufgrund ihrer einheitlichen Größe flexibel nutzbare, ruhige Schlaf-, Arbeits- oder Kinderzimmer. Diese werden zusätzlich von einer letzten, balkonartigen Pufferschicht vom Straßenraum abgegrenzt. Die einheitlich und praktisch proportionierten Räume bieten nicht nur innerhalb der Nutzungstypologie des Wohnens eine hohe Flexibilität der Raumverteilung, sondern lassen sich darüber hinaus als Büroräume oder Ateliers verwenden.

Schematisch und konstruktiv abgebildet in Bauweise, Materialien und Grundrissaufteilung, entwickelt sich der Entwurf von den sehr geschlossenen, ruhigen, behütenden Schichten außen, immer weiter über die sehr kommunikativen Orte in der eigenen Wohnung, zu den geteilten offenen Vorzonen, bis hin zum komplett gemeinschaftlich genutzten Innenhof. Somit soll ein Ort entstehen, an welchem die Bewohnerschaft zusammenwachsen kann, aber auch Platz für Rückzug geboten ist.
Durch die Verbindung von kreislaufgerechter Konstruktion und einer flexiblen Typologie schafft „Schichtsalat“ eine robuste und anpassungsfähige Antwort für das Wohnen der Zukunft. Das Projekt fungiert als ein Ort, der durch seine Struktur das solidarische Zusammenleben in einer Hausgemeinschaft auf natürliche Weise fördert und eine konkrete Lösung auf die drängende Frage der Nachverdichtung in der Stadt von morgen bietet.

Beschreibung der Besonderheiten

Neben dem maßgeblichen Aufbau des Gebäudes in seine thematischen und konstruktiven Schichten lässt sich der Baukörper, um seiner geforderten Prototyphaftigkeit und Anpassbarkeit gerecht zu werden, im Rhythmus von zwei nebeneinanderliegenden Wohneinheiten teilen, erweitern oder verkürzen. So kann er sich den Gegebenheiten unterschiedlichster Grundstücke und deren Anforderungen beugen. Auch in der Höhe reagiert der Entwurf auf unterschiedliche städtische Rahmenbedingungen. Neben der vertikal verschachtelten dreigeschossigen Einheit aus Drei- und Vierraumwohnungen mit überhohen Wohnzimmern, welche jeweils noch eine Ein- und Zweiraumwohnung in ihrer Mitte aufnehmen, können geschossweise Etagen ohne Überhöhe aufgestockt oder entfernt werden. Je nach Anforderung sind die unterschiedlichsten Bautypen möglich. Dadurch kann sich der Entwurf ebenso als Turm an prominenter Stelle, als Zeile in einem Blockrand oder als Solitär in einer lockeren städtebaulichen Umgebung einfügen.
Über verschiedene Grundrisse mit Ein-, Zwei-, Drei- und Vierraumwohnungen sowie verschiedenen Geometrien in der Vertikalen wird eine vielschichtige, heterogene Bewohnerschaft in den verschiedensten Lebensphasen gefördert. Die teilweise sich doppelgeschossig anhebenden oder absenkenden Wohnräume bieten viel Raum zur eigenständigen kreativen Entfaltung der Mieter*innen und lassen sich über mögliche einziehbare Ebenen an jede Lebenssituation anpassen. So schafft man einen flächenmäßigen Mehrwert für die Wohnungen, die sich an den Größenvorgaben für sozial förderbaren Wohnraum in Berlin orientieren.

Nachhaltigkeit

Um nicht nur über die Anpassbarkeit der förderbaren Wohnungen eine soziale Nachhaltigkeit zu generieren, beschränkt sich die Konstruktion des Gebäudes neben dem Beton im Erdgeschoss auf kreislaufgerechte Materialien. Diese können nach dem Ende des Lebenszyklus des Gebäudes wieder in die Natur zurückgeführt oder rückgebaut und in anderen Gebäuden weiterverwendet werden.
So können zum Beispiel alle Schraubverbindungen zwischen den Stahlträgern gelöst und diese problemlos rückgebaut werden. Alle tragenden Wände des statischen Schottensystems und Außenwände bestehen aus Lehmziegeln. Diese können vor Ort hergestellt werden, wodurch lange Transportwege vermieden werden; zudem lassen sie sich ohne großen Energieverbrauch herstellen und am Lebensende der Erde wieder zuführen. Um die guten Eigenschaften der Raumluftregulierung der Lehmziegel zu unterstützen, besteht die Dämmung aus diffusionsoffenen Hanf-Lehm-Ziegeln, die ebenfalls aus regionalen Rohstoffen hergestellt werden können. Als Wetterschicht wird der Lehm außen an einigen Stellen mit einer dünnen Klinkerschicht und Keramikfliesen geschützt. Ökonomisch betrachtet stellt die schichtartige Konstruktion eine äußerst kostengünstige und statisch effektive Bauweise dar. Über Photovoltaikanlagen auf dem Dach kann der Energiebedarf des Gebäudes auf nachhaltige Weise unterstützt werden.

Auszeichnungen

1. Preis Joanes-Preis 2025

Schlagworte

genossenschaftlicher Wohnbau, Lehmziegel, reversibel, zirkulär, sortenreiner Rückbau, Wohnbau, Neubau, wohnen über Supermarkt, Prototyp, sozialer Wohnungsbau, förderbarer Wohnungsbau, Nachverdichtung

Objektdetails

Gebäudespezifische Merkmale

Anzahl Wohneinheiten

40

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