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Architekturobjekte

Heinze ArchitekturAWARD 2026: Teilnehmer


Riese Pio X

Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: IU Internationale Hochschule, Architektur, Jon-Michel Musche

Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: IU Internationale Hochschule, Architektur, Jon-Michel Musche

Basisdaten zum Objekt

Lage des Objektes

Italien

Objektkategorie

Objektart

Art der Baumaßnahme

Entwurfskonzept

Fertigstellungstermin

03.2026

Beschreibung

Objektbeschreibung

Der Entwurf „Riese Pio X“ widmet sich der architektonischen Transformation eines geschichtsträchtigen Areals im namensgebenden italienischen Ort Riese Pio X, um einen neuen sozialen Ankerpunkt zu setzen.
Verortet im „Veneto Diamond“, einer Region, die durch eine starke Zersiedelung und das Fehlen gewachsener Zentren geprägt ist, leidet Riese Pio X unter dieser Struktur, da der Ort willkürlich entlang von Straßen gewachsen ist und kaum eine eigene Infrastruktur entwickeln konnte.

Der Ort:​
Um in die Ortsanlayse einzusteigen, möchte ich erst einmal die gesamte Region „Veneto“ beleuchten. Während unseres Aufenthalts wurde uns viel vom „Veneto Diamond“ sowie der „Chita defusa“ erzählt. Was genau damit gemeint ist, kann man jedoch nicht anhand von Erzählungen oder Satelitenbildern nachvollziehen. Erst wenn man einen Blick auf die bebaute Fläche der Region legt, erkennt man wie sich dieser Diamant aus sechs Großstädten zusammensetzt und was die „Chita defusa“ - zu denen auch Riese Pio X zählt - eigentlich sind. Dies ist die italienische Beschreibung, für kleine Orte die zwar ländlich gelegen sind, jedoch aufgrund ihrer Nähe zu größeren Städten kaum eigene Infastruktur entwickeln. Zur Veranschaulichung habe ich hierfür mithilfe des „Global Urband Footprint“ des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt eine Karte der überbauten Flächen erstellt. Als nächstes habe ich diese Karte abstrahiert und lediglich die Städtenamen, sowie deren Fahrzeiten untereinander dargestellt. Hierbei wird auch deutlich, dass Riese Pio X genau ziwschen drei der Großstädte liegt. 
Nach dieser regionalen Betrachtung habe ich mich mit Riese Pio X und der überbauten Fläche im Ort beschäftigt. Dabei war besonders auffällig, dass der Ort nicht um sein Zentrum herum gewachsen ist, sondern fast schon sich zum Teil nicht einmal um Hauptstraßen oder wichtige Verkehrsadern handelt. Dies hat zur Folge, dass der Ort ziemlich zersiedelt ist und er trotz seiner geringer Größe keinen richtig belebten Ortskern hervorbringen kann. Bei dieser Beleuchtung des Ortes konnten auch viele Informationen der Exkursion wieder einfließen und ihren Platz finden, so unter anderem viele Geschichtsträchtige Orte wie das Rathaus mit Bauzeit im 18. Jahrhundert und das Priesterhaus. Aber auch die Kirche, das Geburtshaus von Pius X sowie zahlreiche Gebäude die er der Stadt spendete oder während seiner Zeit als Papst von seinem Sekretariat genutzt wurden, besuchten.
Wie bereits erwähnt den beiden Gebäuden als besteht Entwurfsgebiet 01 nur noch aus den Überresten des Brandes, was sich auf die massive Bodenplatte des ehemaligen Gebäudes beschränkt. Direkt nebenan befindet sich ein „Piazza“ (Platz) zum Gedenken an die gefallenen italienischen Soldaten des ersten Weltkrieges. Nördlich schließt ein kleiner Familienhof an, welcher nachträglich in den Entwurf aufgenommen wurde, nachdem die Familie von der Aufgabe gehört hatte. Gebiet 02 befindet sich im Osten der Stadt und grenzt an eine Wohnsiedlung. Es ist baulich durch das Super Cinema, dem Gemeindhaus sowie sehr viel versiegelter Fläche geprägt. Das Gemeindehaus war einst eine Schule, welche das Super Cinema als Turnhalle nutzte und den Bereich zwischen Schulhof. Zwischen den Gebäuden und der Wohnsiedlung befindet sich eine Wiese, welche von Kindern aus der Nähe als Fußballplatz genutzt wird. Nach dieser Auseinandersetzung mit dem Ort, traf ich die Entscheidung, das Gebiet rund um das Super Cinema in meinem Entwurf ausarbeiten zu wollen. Dafür analysierte ich besonders das Super Cinema noch einmal, da ich es zum Schwerpunkt des Entwurfs machen wollte. Das Super Cinema in seiner Wirkung äußerlich, als auch von innen hatten etwas Besonderes, welches durch seine geschichtliche Einordnung noch besonderer wurde. Es wurde in den 1950ern / 1960ern als Zeichen gegen den Faschismus gebaut, nachdem im zweiten Weltkrieg und unter Mussolinis Regime im Zentrum der Stadt ein Gebäude der In der Vogelperspektive faschistischen Partei gebaut wurde. Als diese Schreckenszeit vorbei war, wollte man ein monumentales Gebäude bauen, um den Faschismus zu übertrumpfen. Aus heutiger Sicht und ohne dieses Hintergrundwissen wirkt es in seinem Dasein jedoch selbst fast schon faschistisch. Während dies Erkenntnisse sind, die man im Gespräch oder vor Ort sammelte, stich mir die Draufsicht des Gebäudes schon früher ins Auge, da sie sehr der einer klassischen Basilika ähnelt. Eine Basilika war ursprünglich ein Raum für Gerichtssitzungen oder Handelsgeschäfte. Dass dieser Bautyp für eine Nutzung die von Dunkelheit und Stille geprägt war gewählt wurde ist durchaus erstaunlich. fällt des Weiteren auf, dass das Bauvolumen des Super Cinema deutlich größer ist, als das der tatsächlichen Kirche. Auch das war ein interessantes Detail für einen Ort der einen Papst als Namensgeber hat und machte dieses Gebiet zu einer einfachen Wahl. Zusätzlich erstellte ich noch ein Diagramm zum Sonnenverlauf, um die Lichteinfälle für die einzelnen Gebäude besser zu verstehen.

Entwurf:​
Herzstück des Entwurf sollte die Umnutzung des Super Cinemas werden, weshalb es auch als erstes und umfangreichsten bearbeitet wurde. Bei der Begehung des Gebäudes fand ich den Innenraum des ehemaligen Kinosaals sehr spannend. Die leeren Ränge, sowie die geometrischen Akustikinstallationen unter der Decke hatten eine Wirkung, welche ich gerne behalten wollte. Aus diesem Grund war mein erster Entwurfsgedanke, eine schwebene Ebene zwischen Sitzrängen und Tribüne zu schaffen, um diesen riesigen Raum aus einer anderen Ebene noch einmal spürbar zu machen. Nach der ersten Ausarbeitung und Betrachtung im Modell, sowie der Rücksprache mit meinen Prüfern wurde schnell klar, dass der Gedanke diesen großen Raum zu würdigen der Richtige ist, jedoch die Ausarbeitung sowie der Fokus darauf was erhaltenswürdig ist eventuell noch etwas Überarbeitung benötigen. Hierfür habe ich mich unter anderem mit vielen Referenzen zur Umnutzung von Kirchenbauten beschäftigt und bemerkte, dass der Raum keine großen Installationen oder Einbauten benötigt um seine Wirkung zu entfalten und eine Freifläche hier eher hilfreich wäre. Unter Berücksichtigung dieser Umbauten beschloss ich meinen ersten Entwurfsansatz zu verwerfen und zusätzlich den großen Saal komplett bis unter die Sparren zu entkernen. Nachdem ich nun á la Tabula rasa das Super Cinema neu bespielen konnte, wollte ich unter dem Motto „less is more“ einen Einbau schaffen, welcher die Ausstellungsfläche des Museums erweitern kann, jedoch dem Bestandsbau auch die Möglichkeit bietet weiterhin seine Wirkung zu behalten. Hieraus entstand der nun auch vorhandene Entwurf, eines rechteckigen Einsatzes in den ehemaligen Eingangsbereich des Gebäudes. Der Einsatz ist dabei bewusst durch einen Zwischenraum abgesetzt um hier dem Bestand Respekt zu zollen und durch den Schatteneinfall auch visuell eine Abgrenzung zwischen Bestand und Neubau zu erschaffen. Für die Dimensionierung habe ich die vorhandene Fläche des Saals gedrittelt und mich dazu entschieden zwei Drittel frei zu lassen. Diese Einteilung soll erneut dazu dienen, dem Raum in seiner Wirkung so wenig Platz wie möglich zu rauben. Im Verlauf des Entwurfs kam mir der Gedanke, verschieden große Cubes in den Einsatz einzufügen, um einer späteren Museumsnutzung trotzdem eine flexible Nutzung zu bieten. Diese können dann bei Bedarf individuell im Saal aufgestellt und angeordnet werden. Während dieser Ausarbeitung der Kuben kam die Idee, den gesamten Entwurf des Super Cinemas in einem Raster durchzuplanen. Der Abstand zwischen Bestand und Einsatz passte bereits zum Raster, ohne dies vorher bedacht zu haben. Hinzu kam das konsequente durchrastern der Fußböden, Stärke der Geschossdecke, Steigung und Auftritt der Treppe sowie die Tragstruktur, als auch die Einteilung der Oberlichter. Um das Raster nicht nur visuell sondern auch konstruktiv im Entwurf unterzubringen, entwarf ich einen eigenen Mauwerksstein. Dieser startet mit einem 50 x 50cm Kalksandstein, welcher im ersten Schritt oben sowie unten eine Aussparung erhält. In den weiteren Schritten ergeben sich dann für besondere Stellen wie der ersten Schicht am Boden, sowie der letzten Schicht oben, Ausführungen mit nur jeweils einer Tasche. Für Situationen an den seitlichen Abschlüssen der Wände sowie über Stürzen können die Steine passend zugeschnitten werden. Zusätzlich zu diesen Maßnahmen werden in die Dächer des Mittelschiffs zwei Einschnitte in die Dachhaut vorgenommen. Dabei wird der größere Ausschnitt mit lichtdurchlässigen Dachziegeln der Firma NEBESYS gedeckt. Diese bieten eine neutrale, natürliche Belichtung von oben und können mit dem dazugehörigen Verschattungssystem des Herstellers bei hohen Temperaturen abgedunkelt werden. Das letzte konstruktive Highlight stellt ein 12x24 Doppel-T Träger dar, welcher als Ringanker des Kubus dient. Um das obere Geschoss des Kubus zu belichten, sollen Doppel-T Träger im Raster verlegt und von diesen Milchglasscheiben abgehängt werden. Um auch bei schlechten Lichtverhältnissen über das Dach die Möglichkeit zu haben den Raum zu erhellen werden vereinzelt Lichtröhren verbaut. Den Abschluss der Ausstellung bildet eine Spiegelinstallation auf der Bühne, welche das Raster des Innenraums vom Boden in Richtung des Dachausschnitz fliegen lässt und somit das Raster, sowie den Besucher aus dem Super Cinema saugt.


Das ehemalige Gemeindehaus nahm in der Ausarbeitung den kleinsten Platz ein. Grund hierfür war jedoch nicht ein Mangel an Potential, sondern das erreichen der gewünschten Räumlichkeiten mit minimalen Eingriffen in die Bestandsstruktur. Durch die ehemalige Nutzung als Schule, boten viele Räume bereits genügend Fläche um passend für mein Konzept genutzt werden zu können. Die Eingriffe im Erdgeschoss beschränkten sich auf das Öffnen von Wänden im Bereich des Check-Ins und der Lounge, sowie das Einbringen zweier Fenster inklusive Tür, um die bereits vorhandene Cafeteria zum Innenhof zu öffnen.


Den Abschluss bilden die Ateliers, welche als Neubau dem Super Cinema sowie dem Gemeindehaus hinzugefügt werden. Im Gegensatz zu den massiven Bestandsgebäuden, setzen die Ateliers auf eine Kombination aus Holzrahmenbau sowie großflächiger Glasfassaden. Dies dient nicht nur der Belichtung, sondern lässt die Neubauten auch leichter zwischen Innenhof und dem neu begrünten südlichen Teil des Grundstücks stehen. Um einen möglichst großen Raum für die Arbeitsfläche der Ateliers zu schaffen, habe ich im Entwurfsprozess das „Minimalbad“ noch einmal neu gedacht und weiter minimiert. So werden Dusche und WC zu einer Nasszelle kombiniert, das Waschbecken so gelegt, dass es jederzeit benutzt werden kann sowie ein kleiner Ausziehschrank integriert. Neben der konstruktiven Unterscheidung zu den Bestandsgebäuden verfügen die Ateliers über einen manuell verstellbaren Sonnenschutz. Die statische Bedachung wurde leicht von der Dachtkonstruktion abgesetzt, wodurch Platz für eine bewegbare zweite Ebene gewonnen wurde. Diese kann von den Nutzern über einen Stab beliebig ausgezogen oder hochgeschoben werden.


Einen kleinen aber feinen abschließenden Teil des Entwurf nahm die Bearbeitung der Freiflächen in Anspruch. Um konträr zum oberen Teil des Gebiets, welches von viel Baumasse bestimmt ist, im unteren Unbebauten Teil dennoch ein paar Gedanken einfließen zu lassen, plante ich hier eine großflächige Bewaldung. Dies würde die Freifläche zum einen mit vorhandenen kleinen Baumgruppen von benachbarten Grundstücken verbinden, sowie die Möglichkeit einer Verschattung bieten. Zur Umsetzung hierfür, schaute ich mir typische Baumarten aus der Region an und verteilte sie prozentual wie folgt:​ Stieleiche Feldahorn Hainbuche Sommerlinde Manna-Esche Elsbeere Walnuss Maulbeerbaum 30% 20% 15% 15% 5% 5% 5% 5% Den Jugendfußballplatz erhielt ich, er wird lediglich etwas aufgebessert sowie um eine Laufbahn erweitert.

Beschreibung der Besonderheiten

Innovativer Mauerwerksstein und Zirkularität:​ Eine der prägnantesten Besonderheiten ist der eigens entwickelte 50 x 50 cm Mauerwerksstein. Durch ein integriertes „Taschen-System“ lässt er sich wie Klemmbausteine mörtel- und klebefrei zusammensetzen. Dies spart beim Bau Ressourcen und ermöglicht einen vollkommenen, zerstörungsfreien Rückbau.

Das Quadrat:​ Die Neuplanung im Super Cinema entspringt einem quadratischem Raster komplett. Dieses ordnet nicht nur die neu entwickelten Mauersteine, sondern auch die Fußböden, die Stärke der Geschossdecken, die Treppensteigungen, die Tragstruktur sowie die Einteilung der Oberlichter. Um ein homogenes Erscheinungsbild zu wahren, wurden sämtliche Fliesen an Ecken auf Gehrung geschnitten.

Lichtdramaturgie und Unendlichkeit:​ Das Dach des Museums erhält Einschnitte mit lichtdurchlässigen Dachziegeln, die eine neutrale, natürliche Belichtung von oben ermöglichen. Den atmosphärischen Abschluss bildet eine Spiegelinstallation auf der Bühne, die das Bodenraster reflektiert und optisch in Richtung Himmel „fliegen“ lässt, wodurch der Besucher symbolisch aus dem Gebäude gesaugt wird.

Funktionale Innovationen (Minimalbad & Sonnenschutz):​ In den neu gebauten Ateliers wurde das „Minimalbad“ neu gedacht, indem Dusche und WC in einer kompakten Nasszelle kombiniert wurden, um die Arbeitsfläche zu maximieren. Zudem verfügen die Ateliers über einen manuell verstellbaren Sonnenschutz:​ Nutzer können über einen Stab eine zweite Dachebene ausziehen, um das Raumklima individuell zu steuern.

Ökologische Aufwertung:​ Der Entwurf sieht eine großflächige Bewaldung ehemals versiegelter Flächen im südlichen Teil vor. Hierbei wird eine spezifische Mischung regionaltypischer Baumarten (z. B. 30 % Stieleiche, 20 % Feldahorn) gepflanzt, um einen öffentlich zugänglichen Rückzugsort zu schaffen.

Schlagworte

Nachhaltigkeit, Transformation, Zirkularität, Partizipation, Bachelorarbeit

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