Architekturobjekt 1 von 3.644

Architekturobjekte

Heinze ArchitekturAWARD 2026: Teilnehmer


Reithalle in Achern, Ein Denkmal der Zukunft

77855 Achern, Julius Hirsch Platz 2

Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: Michael Welle Architektur GmbH

Eingang - Reithalle in Achern, Ein Denkmal der Zukunft

© Patrick Möhrle

Reithalle - Reithalle in Achern, Ein Denkmal der Zukunft

© Patrick Möhrle

Energie - Reithalle in Achern, Ein Denkmal der Zukunft

© Patrick Möhrle

Wohnung - Reithalle in Achern, Ein Denkmal der Zukunft

© Patrick Möhrle

Markthalle und Büros - Reithalle in Achern, Ein Denkmal der Zukunft

© Patrick Möhrle

Platz - Reithalle in Achern, Ein Denkmal der Zukunft

© Patrick Möhrle

Toiletten - Reithalle in Achern, Ein Denkmal der Zukunft

© Patrick Möhrle

Laden - Reithalle in Achern, Ein Denkmal der Zukunft

© Patrick Möhrle

Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: Michael Welle Architektur GmbH

Basisdaten zum Objekt

Lage des Objektes

Julius Hirsch Platz 2, 77855 Achern, Deutschland

Objektkategorie

Objektart

Art der Baumaßnahme

Sanierung / Modernisierung

Fertigstellungstermin

04.2022

Projektbeteiligte Firmen und Personen

Architekt/Planer

Michael Welle Architektur GmbH BDA

Kirchplatz 3

77652 Offenburg

Deutschland

Tel. 0781 95098980

info@michael-welle.de

Bauleistung: Zimmerei, Ingenieurholzbau

Zimmerei Erich Armbruster e.K.

Hausacher Str. 23

77716 Haslach im Kinzigtal

Deutschland

Bauleistung: Installation Gebäudetechnik

Gerold Weber Solartechnik GmbH

Gerberstraße 11

77855 Achern-Mösbach

Deutschland

Fachplanung: Tragwerksplanung

Müller und Günter Ingenieurbüro für Bauwesen GbR

Beethovenstraße 13

72250 Freudenstadt

Deutschland

Sonstige

Lignotrend Produktions GmbH

Landstraße 25

79809 Weilheim-Bannholz

Deutschland

Architektur: Landschaftsarchitekt

QuerfeldEins Landschaft I Städtebau I Architektur

Bautzner Str. 21

01099 Dresden

Deutschland

Tel. +49 351 89514046

mail@querfeldeins.de

Verwendete Produkte

Licht Kraus GmbH

Beleuchtung

Lignotrend Produktions GmbH

Holzbau / Holzbausysteme

LIGNO® Rippe Q3 | Deckenbauteil - LIGNO® Block Q3 | Dachbauteil

SenerTec Kraft-Wärme-Energiesysteme GmbH

Energieversorgung / Haustechnik

Dachs BHKW zur Erzeugung von Strom und Wärme (KWK)

Gebäudedaten

Bauweise

Mauerwerksbau

Tragwerkskonstruktion

Ziegelmauerwerk

Anzahl der Vollgeschosse

2-geschossig

Raummaße und Flächen

Bruttorauminhalt

19.470 m³

 

Bruttogrundfläche

2.455 m²

 

Nutzfläche

2.250 m²

 

Wohnfläche

548 m²

 

Grundstücksgröße

3.367 m²

Beschreibung

Objektbeschreibung

Erläuterungsbericht
Die Sanierung und Umnutzung der denkmalgeschützten Reithalle in Achern orientiert sich überwiegend an der Kraft und den Stärken des Bestandes, welcher zu einem Gebäudeensemble mit viel Historie gehört. Das bestehende Gebäude ist und bleibt Hauptakteur, von dem auch die Nachbargebäude respektvoll Abstand halten.
Der Gedanke einer großen Halle, in der alles stattfindet, ist nach wie vor ablesbar. Die Reithalle wird zur großen Markthalle, welche Platz für ein Café, einem Unverpacktladen, einem Floristen, einer Buchhandlung und einer Ausstellungsfläche bietet. Aber auch Wohn- und Büroräume finden hier Platz. Die Markthalle fungiert sozusagen als Marktplatz und dient als Verteiler. Von hier aus erreicht man die verschiedenen Nutzungen und treffen sich sowohl die Bewohner als auch die externen Besucher der Anlage. Der Zugang zur ehemaligen Reithalle erfolgt absichtlich nur über einen gemeinsamen Eingang um die soziale Interaktion
zu stärken und die Identität unter den Nutzern zu fördern. Während die Fassade weitestgehend erhalten bleibt, wird der Innenraum durch eingeschobene Kuben aus regionalem Holz gegliedert. Dadurch entsteht ein Wechselspiel zwischen großen Freibereichen und schlichten Einbauten, welche Platz für die neuen Nutzungen bietet. Die loftartigen Wohnungen im rückwärtigen Bereich entwickeln sich über zwei Etagen und sind trotz der geringen Änderungen in der Fassade lichtdurchflutet. Z. B. befinden sich hinter den vorhandenen Toren eine 2-geschossige Glasfassade, die den Innenraum mit dem Außenbereich verbindet. Trotz der vielfältigen Nutzungen bleibt Raum für Privatsphäre. Gemeinschaftliche und private Zonen finden sich außerdem auch in der Außenanlage wieder. Diese gliedert sich in private Rückzugsbereiche der Wohnungen, Erschließungszonen
und einem öffentlichen Biergarten. Die Gestaltung der Außenanlage trägt wesentlich zur Neugestaltung und Aufwertung des Areals bei. Die Versorgung der Halle mit Strom und Wärme erfolgt über die auf dem Dach installierte Solaranlage und ein im Gebäude integriertes Blockheizkraftwerk sowie einem Pelletkessel. Alle Objekte innerhalb der Reithalle werden so technisch angebunden und versorgt. Die vorgegebenen Strukturen der denkmalgeschützten Halle erforderten unkonventionelle Ansätze bei der Planung, was nicht zuletzt die Besonderheit und die Einzigartigkeit dieses Ortes ausmacht.

Statement zum Projekt
Besonders an diesem Projekt ist, dass es lediglich einen gemeinsamen Eingang für alle Nutzer und Besucher gibt, der immer durch die Markthalle führt. Die Markthalle in der Funktion als großer Marktplatz, auf dem man sich trifft und welcher das soziale Gefüge stärkt, verbindet geschickt die Nutzungen untereinander und schafft Zugangsmöglichkeiten zu den verschiedenen Einheiten. Die eingeschobenen Kuben in der Halle ordnen sich nach dem „Haus im Haus“-Prinzip dem Bestand unter. Die verschiedenen Nutzungen - Wohnen, Arbeiten und Freizeit - fördern zusätzlich die Durchmischung des Gebäudes und tragen zu einem belebten und beliebten Gebäudekomplex bei.
Innovativ ist, dass die gesamte Technik nicht in einem Technikraum untergebracht ist, sondern sichtbar im Innenraum der Markthalle zur Schau gestellt wird. Die integrierte Belichtung über die PV Module im Dach sind ebenfalls nach innen sichtbar und schaffen so einen interessanten Übergang des denkmalgeschützten Gebäudes zur modernen Technik. Mit wenigen Mitteln wurde hier eine Umnutzung erreicht. Dies spiegelt sich ebenso in der Materialwahl wieder welche sich auf eine geringe Anzahl an Materialien - Stein, Beton und Holz - beschränkt. Die Materialien sind meist naturbelassen bzw. „roh“. Der sichtbare Betonboden ist beispielsweise Trag- und Nutzschicht in einem Bauteil. Auf aufwendige Verkleidungen wird verzichtet.

Statement zur Um-Baukultur
Das Projekt zeichnet eine große Wertschätzung gegenüber der baukulturellen Leistung vergangener Epochen aus. Die Energie, die für die Herstellung der vorhandenen Materialien benötigt wurde, bleibt weitestgehend erhalten. Das bestehende Gebäude ist und bleibt Hauptakteur. Die Reithalle wird zur großen Markthalle, die für die Öffentlichkeit zugänglich ist und bei dem die Halle als konzeptioneller Überbau fungiert. Das Projekt geht auf den Bestand ein und verzichtet auf große Eingriffe. Mit kleinen, vielleicht auch unscheinbaren Mitteln ein Gebäude umzufunktionieren Bedarf einer hohen Sensibilität, Rücksichtnahme und Zurückhaltung des Architekten damit die Kraft des Bestandes unverfälscht bestehen bleibt. Die vorhandene Struktur wird intelligent genutzt. Die gesamte Halle bleibt von außen und von innen „roh“. Das Gebäude versteht sich nicht als Denkmal des
Architekten sondern als Gemeinschaftswerk, das sich mit der Zeit immer wieder verändern wird.

Beschreibung der Besonderheiten

Die Reithalle, ursprünglich Teil eines Kasernenareals in Achern, bildet heute das Zentrum eines neuen Quartiers. Astrid und Gerold Weber stellten sich der Herausforderung, die Halle nach langem Leerstand zu öffnen und ins Areal zu integrieren. Eine durchdachte Außenanlage verbindet die Halle mit dem Umfeld und lässt die Grenzen verschwimmen. Die Sanierung orientiert sich stark an der historischen Bausubstanz, die als Herzstück des Areals fungiert. Die Halle wurde zur Markthalle umgenutzt, mit Café, Unverpacktladen, Florist, Buchhandlung, Ausstellungsfläche sowie Wohn- und Büroräumen. Ein gemeinsamer Eingang fördert soziale Interaktion und Identität. Innen gliedern Kuben aus regionalem Holz den Raum, während die Fassade fast unverändert bleibt. Wohnungen erstrecken sich über zwei Etagen und sind trotz weniger Fassadenänderungen lichtdurchflutet. Die denkmalgeschützte Struktur erforderte kreative Ansätze, die den einzigartigen Charakter des Gebäudes bewahren.
Das Projekt zeigt große Wertschätzung für die baukulturelle Leistung vergangener Epochen. Den Bauherren war es wichtig, den denkmalgeschützten Bestand so wenig wie möglich zu verändern und die vorhandene Bausubstanz zu erhalten. Die Reithalle bleibt das Herzstück des Areals, und der Umbau zielt darauf ab, ihre Wirkung nach außen zu verstärken und das Areal zu öffnen. Die Umnutzung zur Markthalle ermöglicht vielfältige Nutzungen, wobei auf große Eingriffe bewusst verzichtet wurde. Durch sensible und zurückhaltende Planungen konnten die Kraft und Struktur des Bestands bewahrt werden. Der Rohbau bleibt als gestalterisches Element sichtbar und das Gebäude versteht sich als flexibles Gemeinschaftswerk, das sich an die Bedürfnisse der Nutzer anpasst.

Nachhaltigkeit

Energiekennwerte
Höhe der CO2-Emissionen (Tonnen/Jahr) 376
Anteil erneuerbarer Energien (%) 50
Energieversorgung (Heizung + Warmwasser):​
Wärmerückgewinnung aus den Kühlanlangen ca. 9.000 kWh/a
Solarwärme 20 m2 Kollektorfläche ca.10.800 kWh/a
Kleinblockheizkraftwerk 5,5 kW elektrisch und 11,5 kW thermische Leistung
26.950 kWh/a Strom u. 56.350 kWh/a Wärme
Pelletkessel mit 35 kW Leistung, Verbrauch 12 Tonnen , entspricht 60.270 kWh/a
26 kWp PV in dem Dach erzeugen im Jahr 21.900 kWh/a
Ausserdem Nutzung einer Zisterne mit 24.000 L Volumen für die Gartenbewässerung
so wie alle WC im Gebäude.

• 50 % erneuerbare Energien im Energiemix
• Blockheizkraftwerk (BHKW) liefert Strom & Wärme
• Pelletkessel mit regionalem Brennstoff (12 t/Jahr)
• Solarthermie und Photovoltaik zur Eigenstrom- und Warmwasserproduktion
• Wärmerückgewinnung aus Kühlanlagen
• Regenwassernutzung für WC-Spülung und Bewässerung

Aufgrund der integrativen Mischnutzung aus Wohnen und Nichtwohnen ergeben sich zwei Energieausweise. Gerade diese Programmvielfalt macht jedoch die besondere Qualität und Originalität des Projekts aus.
"Energiemanagement als Schlüssel
Die Lösung für die energetischen Anforderungen fand sich in einer Kraft-Wärme-Kopplungsanlage (KWK) vom Typ „Dachs“ des Unternehmens SenerTec. Diese Technologie erzeugt Strom und nutzt die dabei entstehende Wärme für die Raumheizung. Damit wird eine hocheffiziente Energieversorgung sichergestellt, die den CO₂-Ausstoß deutlich reduziert und die Energiekosten senkt.
Das technische Herzstück wurde bewusst sichtbar in die Halle integriert. Anstatt die Anlage im Keller zu verstecken, steht sie zentral im Raum – als funktionales Element und als Zeichen für Transparenz und Effizienz. Ergänzt wird die KWK-Anlage durch einen Holzpelletkessel für Spitzenlasten, einen Pufferspeicher mit 5.500 Litern sowie eine Photovoltaikanlage mit 26 kWp zur Eigenstromversorgung. Die KWK-Anlage deckt mit 5,5 kW elektrischer und 13,5 kW thermischer Leistung die Grundlast und läuft rund 4.000 Stunden pro Jahr.

Das gesamte Energiesystem ist digital vernetzt und überwacht. Die KWK-Anlage ist H₂-ready und kann bereits heute mit einem Anteil von bis zu 20 Prozent Wasserstoff oder mit grünen Gasen betrieben werden. Damit ist die Reithalle Achern nicht nur ein gelungenes Beispiel für die Verbindung von Denkmalpflege und moderner Architektur, sondern auch ein Modellprojekt für nachhaltige Energieversorgung in historischen Gebäuden."

Auszeichnungen

1. 2023 Ausgezeichnet mit Hugo Häring Preis

2. 2024 Staatspreis für Baukultur BW

3. 2024 Aufnahme Architektur Route Schwarzwald

4. 2024 Denkmalschutzpreis BW

5. 2024 Brownfield Award 3.Platz

6. 2024 Preisträger DB "Respekt und Perspektive" Bauen im Bestand

2025 Finalist des Bundespreises Umwelt & Bauen 2025 - Anerkennung

8. 2025 Deutscher Städtebau Preis, Sonderpreis, Belobigung

9. 2025 Flächenrecyclingpreis Baden Württemberg - Nominierung

10. 2025 Auszeichnung für Beispielhaftes Bauen Ortenau

11. 2025 B!WRD PROJEKTENTWICKLERPREIS Nominierung

12. 2026 Deutscher Baupreis 3.Platz

Schlagworte

Umnutzung, Denkmalschutz, Bestandsentwicklung, Nutzungsmischung, Wohnen /Arbeiten / Flanieren, Gemeinschaft, Zentraler Zugang, Begegnung, Haus-im-Haus-Prinzip, Materialreduktion, Sichtbare Technik, Nachhaltigkeit, Minimalinvasiver Eingriff, Öffentliche Nutzung, Quartiersbelebung

Energetische Kennwerte

Energiestandard

Sonstiges

Energetische Kennwerte

Primärenergie

Sonstige Biomasse

 

Sekundärenergie

Solarthermie

Energetische Kennwerte

Primärenergiebedarf ("Gesamtenergieeffizienz")

9,50 kWh/(m²a)

 

Heizenergieverbrauchswert

73,00 kWh/(m²a)

 

Stromverbrauchswert

5,30 kWh/(m²a)

Objektdetails

Gebäudespezifische Merkmale

Anzahl Wohneinheiten

3

Das Objekt im Internet

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