Heinze ArchitekturAWARD 2026: Teilnehmer
Nagelfabrik Rübenau
09496 Rübenau, Unterer Natzschungweg 1
Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: Meyer-Grohbrügge Planer GmbH
Basisdaten zum Objekt
Lage des Objektes
Unterer Natzschungweg 1, 09496 Rübenau, Deutschland
Objektkategorie
Objektart
Art der Baumaßnahme
Umbau
Fertigstellungstermin
06.2026
Zeichnungen und Unterlagen
Projektbeteiligte Firmen und Personen
Verwendete Produkte
Gebäudedaten
Bauweise
Holzskelettbau
Tragwerkskonstruktion
Holz
Anzahl der Vollgeschosse
3- bis 5-geschossig
Raummaße und Flächen
Bruttorauminhalt
3.310 m³
Bruttogrundfläche
833 m²
Nutzfläche
529 m²
Verkehrsfläche
58 m²
Grundstücksgröße
2.583 m²
Lage und Umgebung
Beschreibung
Objektbeschreibung
Das Erzgebirge hat eine lange Tradition als Erholungsgebiet. Ziel des Bauvorhabens war es, nachhaltigen Tourismus in der Region zu ermöglichen und ihr touristisches Potenzial neu zu beleben. Im Fokus stand die Wiederentdeckung einer Gegend, die einst stark vom Tourismus geprägt war, seit der Wende jedoch kaum noch eine Rolle spielt. Statt Fernreisen soll die Region wieder als nachhaltiges Urlaubsziel vor Ort wahrgenommen werden.
Das Gebäude ist freistehend, fernab jeder Nachbarschaft, kurz vor der deutsch-tschechischen Grenze, am Ufer des Flusses Natzschung gelegen – in einem Tal wunderschöner Landschaft zwischen Wiesen und Wäldern. Es handelt sich um ein Ferienhaus für bis zu zehn Personen mit Schlaf- und Aufenthaltsräumen.
Ein Jahrhundert voller Anbauten wurde entfernt, das ursprüngliche Bauvolumen freigestellt. Alle Funktionen, die für die neue Nutzung zusätzlich erforderlich sind, wurden in einen Anbau verlegt, welcher in den Hang eingebettet wurde und sich mit der ehemaligen Fabrik verzahnt. Er ordnet sich der Topographie unter und tritt so kaum in Erscheinung. Der Landschaft folgend öffnet er sich zum Tal und Haupthaus hin. Die geschwungene Aluminiumfassade, die Innen und Außen verbindet, spiegelt die Landschaft, die Atmosphäre und das Geschehen im Haus je nach Lichteinfall unterschiedlich wider.
Die Schlaf- und Wohnräume befinden sich im bestehenden Gebäude, während der neue Anbau alle wasserbezogenen Einrichtungen beherbergt. Das wiedererrichtete Dachgeschoss bietet mit seinem Panoramablick einen idealen Raum für Aktivitäten in der Gruppe: für die Nutzerinnen und Nutzer des Hauses aber auch für die Nachbarschaft.
Aufgrund von Kontaminationen durch die frühere industrielle Nutzung musste das bestehende Gebäude vollständig entkernt werden. In die erhaltene Hülle wurde eine neue Tragkonstruktion aus regionalem Fichtenholz eingebaut, um die neuen Stockwerke zu bilden. Der 1923 durch einen Brand zerstörte Dachboden wurde anhand einer historischen Fotografie rekonstruiert. Die Außenwände aus Bruchstein wurden mit Holzfasern und Lehm gedämmt.
Die Energieversorgung erfolgt durch das ursprüngliche Wasserkraftwerk mit einer 80 Jahre alten Turbine und einer Solaranlage auf dem Dach, wodurch das Gebäude weitgehend autark ist. Das häusliche Abwasser wird über eine Kleinkläranlage gereinigt, das Poolabwasser über einen separaten Poolabwasserspeicher aufbereitet und anschließend in den Fluss eingeleitet.
Die Bauarbeiten wurden von regionalen Unternehmen durchgeführt, wobei viele Materialien aus der Umgebung verwendet und das spezifische Fachwissen des Erzgebirges genutzt wurden.
Beschreibung der Besonderheiten
Der rekonstruierte Dachraum dient als flexibel nutzbarer Gemeinschaftsbereich mit direktem Bezug zur Landschaft.
Die technische Infrastruktur und Energieversorgung sind dezent integriert und ermöglichen einen weitgehend autarken Betrieb auf Basis von Wasser- und Solarenergie.
Nachhaltigkeit
Im Zentrum steht der respektvolle Umgang mit dem historischen Bestand: Der Umbau knüpft sowohl kulturell als auch architektonisch an den Originalbau an. Es wurden erhebliche konstruktive Anstrengungen unternommen, um die massiven Außenwände aus Bruchsteinmauerwerk zu erhalten. Ergänzt wird der Bestand durch ein neues Tragwerk aus regionalem Fichtenholz (Mondholz), das aus den umliegenden Wäldern stammt.
Die Erweiterung des Gebäudes erfolgte bewusst als Neubau aus Stahlbeton, der sich topografisch unterordnet und den Eingriff in die Landschaft reduziert. Die funktionale Trennung von Bestand und Neubau ermöglicht eine klare, ressourcenschonende Organisation: Die Wohn- und Schlafräume befinden sich im Bestand, während die wasserführenden Funktionen im Neubau untergebracht sind. Dadurch wird die technische Komplexität im Altbau reduziert.
Ein wesentlicher Beitrag zur ökologischen Qualität liegt in der konsequenten Verwendung regionaler und natürlicher Materialien. Holz aus der Umgebung – Fichte, Tanne und Esche – prägt Tragwerk, Innenausbau und Oberflächen. Ergänzt wird dies durch Holzfaser- und Zellulosedämmungen sowie Lehmputze. So entsteht ein diffusionsoffenes, wohngesundes und rückbaubares Bausystem. Die Konstruktionen sind auf Trennbarkeit und spätere Wiederverwertung ausgelegt, wodurch sich die langfristigen Umweltauswirkungen deutlich reduzieren.
Die Energieversorgung erfolgt weitgehend autark über ein historisches Wasserkraftwerk mit reaktivierter Turbine sowie über eine Photovoltaikanlage auf dem Dach. Damit wird ein hoher Anteil erneuerbarer Energien direkt vor Ort erzeugt. Das System wird durch eine separate Wasser- und Abwasserbewirtschaftung mit Kleinkläranlage und Aufbereitung des Poolwassers ergänzt.
Die Ausführung durch lokale Unternehmen und die Nutzung ortsspezifischer handwerklicher Kompetenzen stärken die regionale Bauwirtschaft und verringern den Transportaufwand.
Schlagworte
Energetische Kennwerte
Energetische Kennwerte
Primärenergie
Holz
Sekundärenergie
Strom
Umweltthermie (Luft / Wasser)
Solarthermie
Energetische Kennwerte
Primärenergiebedarf ("Gesamtenergieeffizienz")
69,43 kWh/(m²a)
Heizenergieverbrauchswert
96,97 kWh/(m²a)
Stromverbrauchswert
35,00 kWh/(m²a)
Energiebedarf (Prozentuale Verteilung)
Heizung
18 %
Warmwasser
22 %
Beleuchtung
16 %
Lüftung
44 %
Objektdetails
Gebäudespezifische Merkmale
Anzahl Betten
5
Das Objekt im Internet
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