Architekturobjekte
Möbelfabrik im norwegischen Wald
2240 Magnor, Gaustadvegen 140, Norwegen
Ein Referenzprojekt von Zinco
Ein Referenzprojekt von Zinco
Basisdaten zum Objekt
Lage des Objektes
Gaustadvegen 140, 2240 Magnor, Norwegen
Objektkategorie
Objektart
Art der BaumaĂnahme
Neubau
Fertigstellungstermin
06.2022
Nachhaltigkeit
BREEAM - Outstanding
Projektbeteiligte Firmen und Personen
Verwendete Produkte
Lage und Umgebung
Beschreibung
Objektbeschreibung
Wieder einmal entsteht durch revolutionĂ€res Denken eine neue Wirklichkeit, die es in dieser Form noch nie gegeben hat. DafĂŒr sind die visionĂ€ren Architekten der Bjarke Ingels Group ja schon bekannt. BIG entwarf fĂŒr den norwegischen Möbelhersteller Vestre AS die umweltfreundlichste und transparenteste Möbelfabrik der Welt, die gleichzeitig Ausflugsziel sowie Erlebnis- und Lernort fĂŒr alle Besucher ist. Das ist einzigartig. Versteckt in einem Kiefernwald hinterlĂ€sst die Passivhaus-Fabrik in Magnor den kleinsten nur denkbaren FuĂabdruck. Dazu trĂ€gt auch die 4.800 Quadratmeter groĂe ZinCo-DachbegrĂŒnung in regionaltypischer BiodiversitĂ€t bei, welche das Garten- und Landschaftsbauunternehmen MATTAK AS geplant und ausgefĂŒhrt hat. In die bis zu 20° geneigten GrĂŒnflĂ€chen sind 888 Solarmodule eingebettet und produzieren rund 250.000 kWh erneuerbare Energie pro Jahr. The Plus ist ein echtes Plus fĂŒr Mensch und Umwelt und sendet sein positives Signal ĂŒber alle Waldgebiete der Erde hinweg.
In direktem Kontakt mit dem Wald
Vestre und BIG vereinte der Wunsch nach einem GebĂ€ude, das ökonomisch, nachhaltig und sozial zugleich ist. An diesem Punkt war die Idee geboren, die Fabrik direkt in einen gepflanzten Kiefernwald zu betten und sowohl das GebĂ€ude also auch die 300 Hektar WaldflĂ€che als Erlebnisort fĂŒr alle zugĂ€nglich zu machen. Das Besondere an der gesamten GebĂ€udegeometrie von The Plus ist, dass man ringsum durch die riesigen Glasfassaden wie durch groĂe Schaufenster direkt in die Produktion blicken kann. Und ZugĂ€nge zur offensten und transparentesten Fabrik der Welt gibt es viele. So fĂŒhren zum Beispiel zwei 150 Meter lange, linear gegenlĂ€ufige Fassadentreppen auf das 6.350 Quadratmeter groĂe Dach, von dem aus nicht nur die FlĂŒgel des kreuzförmigen GebĂ€udes einsehbar sind, sondern auch der zentrale runde Innenhof mit solitĂ€rem Ahornbaum. Dorthin fĂŒhrt eine kreisförmige Treppe. Im Zuge der weiteren Raumentwicklung sollen sich zudem 250 Meter lange FuĂwege durch den Kiefernwald in die Höhe schlĂ€ngeln und das 15 Meter hohe Dach erklimmen. Man könnte sagen, The Plus wird dann Aussichtsplattform auf einem langen Baumwipfelpfad.
Kleiner FuĂabdruck
WĂ€hrend der Bauphase war oberstes Gebot, den gepflanzten Kiefernwald so nah wie möglich am GebĂ€ude zu erhalten. BĂ€ume wurden nur dort gefĂ€llt, wo absolut nötig, und ihr Holz direkt als Baumaterial fĂŒr The Plus verwendet. Wichtig zu bewahren war auch der Waldboden selbst, da dieser nichts anderes als eine riesige Samenbank darstellt. Er wurde also sorgfĂ€ltig abgetragen und spĂ€ter in der Umgebung und auch auf der DachbegrĂŒnung wieder ausgebracht. Um die Eingriffe in die Natur so gering wie möglich zu halten, installierte man alle nötige Infrastruktur wie Strom, Glasfaser, Wasser und Kanalisation entlang der vorhandenen StraĂen. The Plus erreicht in der BREEAM-Umweltbewertung die allerhöchste Stufe âHerausragendâ, was nur ein Prozent aller neuen Industrieprojekte weltweit gelingt. Dazu tragen viele Aspekte bei:â die hervorragende WĂ€rmedĂ€mmung und Fenster mit minimalem Energieverlust, WĂ€rmetauscher und eine Reihe von geothermischen Brunnen, ein fortschrittliches Energieversorgungssystem mit Nutzung der AbwĂ€rme aus der Produktion und die Kombination von Solarenergie und DachbegrĂŒnung. Insgesamt ist der Energiebedarf des GebĂ€udes um 90 Prozent geringer als der einer vergleichbaren konventionellen Fabrik. Dazu verfĂŒgt The Plus ĂŒber eine eigene Kreislaufproduktionslinie. Diese zirkulĂ€re Möbelproduktion senkt den Energieverbrauch drastisch und auch der Wasserverbrauch ist bei The Plus minimal, da ĂŒber 90 Prozent des in der Produktion verwendeten Wassers recycelt werden.
Dach mit regionaltypischer BiodiversitÀt
Die Architekten haben dem Dach von The Plus eine besondere Geometrie dadurch verliehen, dass jeweils eine Ecke jedes GebĂ€udeflĂŒgels angehoben ist. So hat man beim Zugang aufs Dach gleichzeitig Einblick ins GebĂ€udeinnere und Ausblick auf die GebĂ€udeflĂŒgel. Das erfahrene Garten- und Landschaftsbauunternehmen MATTAK AS war maĂgeblich beim Design und der Projektplanung des Daches verantwortlich und ĂŒbernahm die komplette AusfĂŒhrung der DachbegrĂŒnung. Die Rahmenkonstruktion des zwischen 0° und 20° geneigten Daches besteht aus BrettschichtholztrĂ€gern mit freien Spannweiten von 24 Metern. FĂŒr die DĂ€mmung wurden Holzfasern eingesetzt. Auf einer bereits wurzelfest ausgebildeten Abdichtung startete der ZinCo-Systemaufbau beginnend mit der Speicherschutzmatte SSM 45 und den DrĂ€n- und Wasserspeicherelementen Floradrain FD 40. Diese 40 Millimeter hohen Elemente aus tiefgezogenem Recycling-Polyolefin speichern Wasser in ihren Mulden und leiten Ăberschusswasser dank unterseitigem Kanalsystem sicher ab. Das ist die richtige Basis fĂŒr die gewĂŒnschte Bepflanzung der FlĂ€chen mit höherem Artenreichtum und bietet dank vollflĂ€chiger Verlegung auch die erforderliche Lagesicherheit bis in die stĂ€rker geneigten Dachbereiche. Es folgte das Systemfilter SF als Abdeckung sowie rund 12 bis 40 Zentimeter Substrat, das in Turbobags via Kran aufs Dach gebracht wurde. MATTAK AS hatte dazu eigens eine Substratmischung hergestellt unter Verwendung des vormals abgetragenen Waldbodens, um die verschiedenen heimischen Arten anzusiedeln. Neben dieser Ausbringung der Pflanzen in Form von Samen im Waldboden, setzte man sage und schreibe auch 20.000 PflĂ€nzchen, welche in der Umgebung als Stecklinge gesammelt und extra kultiviert worden waren. Durch die Nutzung dieses biologischen Materials wĂ€chst auf dem Fabrikdach genau die Artenvielfalt, die fĂŒr die Region typisch ist. Das ist die hochwertigste Form der Vegetationsansiedlung, zumal gebietseigene Flora auch die passende Nahrungsgrundlage fĂŒr die heimische Insektenwelt darstellt. Um die Vegetation zu etablieren, bewĂ€sserte MATTAK AS das BiodiversitĂ€tsdach in der Anwachsphase und kĂŒmmert sich auch ĂŒber die erste Saison hinaus um die Pflege.
Plus Solar
GrĂŒndĂ€cher sind wunderbar mit Solaranlagen zu kombinieren, das wissen auch die Architekten bei BIG. Synergieeffekte ergeben sich beispielsweise dadurch, dass die Bepflanzung fĂŒr eine kĂŒhlere Umgebungstemperatur sorgt und damit ihren Ertrag erhöht. In dieser Hinsicht haben die 888 Solarmodule von The Plus auch durch die Waldumgebung und ihren klimatischen Standort einen Pluspunkt. So werden pro Jahr rund 250.000 kWh Strom produziert. FĂŒr die fachgerechte Planung einer Solaranlage sind eine ganze Reihe unterschiedlicher Einflussfaktoren von Bedeutung:â Standort des GebĂ€udes (Windzone, GelĂ€ndekategorie, Sonnenexposition), Geometrie und Höhe des GebĂ€udes sowie die Position der Anlage auf dem Dach (Innen-, Rand- oder Eckbereich). Ausgelegt auf die objektspezifischen Gegebenheiten bietet auch ZinCo ein umfangreiches Produktportfolio rund um das Thema Solar und GrĂŒn.
Entwicklung fĂŒr die Zukunft
Mit der Eröffnung von The Plus im Sommer 2022 ist das Projekt noch nicht abgeschlossen. In dem 300 Hektar groĂen Waldgebiet entstehen Spiel- und PicknickplĂ€tze, ein lyrischer Pfad und ein Aussichtsturm sowie Klettermöglichkeiten auf megagroĂen Vestre-Möbeln. Eine neue BrĂŒcke ĂŒber das FlĂŒsschen Vrangselva wird den Park mit der Ortschaft Magnor verbinden. Mit dem Gemeinderat arbeitet Vestre auch an der schrittweisen Entwicklung einer gröĂeren BiodiversitĂ€t im Wald, der durch Bewirtschaftung und Rodung bislang nicht wild wachsen konnte.
Mit dem gesamten Konzept demonstriert Vestre, wie es möglich ist, Industrie, Klima und Natur zu vereinen. The Plus ist ein inspirierendes und lehrreiches Industrieprojekt mit echter Symbolkraft ĂŒber Branchen- und LĂ€ndergrenzen hinweg â ein positives Zeichen fĂŒr die Zukunft ganz nach dem Motto von Vestre âJeder kann die Welt retten. Zumindest ein bisschenâ.
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