Heinze ArchitekturAWARD 2026: Teilnehmer
„MittenIm“: Neue Ortsmitte Niederwerrn
97464 Niederwerrn, Schulstraße 7
Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: Schlicht Lamprecht Kern Architekten BDA PartGmbB
Basisdaten zum Objekt
Lage des Objektes
Schulstraße 7, 97464 Niederwerrn, Deutschland
Objektkategorie
Objektart
Art der Baumaßnahme
Neubau
Fertigstellungstermin
09.2024
Zeichnungen und Unterlagen
Projektbeteiligte Firmen und Personen
Verwendete Produkte
Gebäudedaten
Bauweise
Holzhybridbau
Tragwerkskonstruktion
Stahlbeton
Anzahl der Vollgeschosse
2-geschossig
Raummaße und Flächen
Bruttorauminhalt
3.137 m³
Nutzfläche
575 m²
Grundstücksgröße
2.300 m²
Lage und Umgebung
Beschreibung
Objektbeschreibung
Mitten im Herzen der Gemeinde Niederwerrn ist am Übergang des alten Ortskerns zum gewachsenen Siedlungsgebiet die neue Ortsmitte „MittenIm“ entstanden. Zwei zueinander versetzt stehende Satteldachgebäude – ein „Haus aus Holz und ein Haus aus Stein", wie die Architekten das Bild vertrauter Materialitäten formulieren – bilden das neue Bürgerzentrum, das sich in Körnung und Maßstäblichkeit an der umgebenden Bebauung des alten Ortskern orientiert. Im Inneren sind die beiden Häuser miteinander verbunden und bieten multifunktionale Räume – als Bürgersaal, Vereinsraum oder Trauzimmer nutzbar – sowie ein Café. Die Setzung der Neubauten ermöglicht dabei eine niedrigschwellige Kontaktaufnahme unterschiedlicher Gruppen und Generationen.
Zwei unmittelbar angrenzende, ortsbildprägende Gebäude wurden in Abstimmung mit der Denkmalpflege saniert: Das historische Fachwerkhaus beherbergt als „Ladenmuseum“ die Sammlung eines alteingesessenen Lebensmittelhändlers, und eine historische fränkische Scheune versorgt nun zur „Energiescheune“ transformiert mit autarker, nachhaltiger Energie sämtliche Gebäude des Ensembles und benachbarte Gemeindebauten.
Begrünte Plätze für Markt und den traditionellen Plantanz, ein Bauerngarten sowie Sitzstufen für Veranstaltungen der benachbarten Gemeindebibliothek und Musikschule verbinden die bestehenden und die beiden neuen Gebäude zu einer identitätsstiftenden Einheit. Deren generationsübergreifendes Nutzungskonzept war mit der Bevölkerung im Rahmen des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzepts (ISEK) entstand. Die neue Ortsmitte „MittenIm“ verbindet so die Wünsche der Bevölkerung nach Reaktivierung des Leerstands im alten Ortskern, nach einer Verbindung zwischen Altort und Siedlungsgebiet sowie nach Orten der Begegnung für mehr soziales Miteinander.
Für den benötigten Grund und den Prozess der Neuordnung betrieb die Gemeinde eine aktive Grunderwerbspolitik durch zielgerichteten Erwerb von den Eigentümern der benötigten Grundstücke, bzw. Tausch durch Leerstände im Ort, Grundstücke oder barrierefreie Wohnungen im benachbarten Seniorenwohnheim. Geduld und Ausdauer bei der Grundstückspolitik führten nach fünf Jahren schließlich zur Realisierung des nachhaltigen Nutzungskonzepts, um dem „Aussterben“ des Altorts mit einer neuen Mitte entgegenzuwirken.
Bestand neu interpretieren und Neues mit bestehendem Bauen
Das neue Ensemble steht aber auch für einen verantwortungsbewussten Umgang mit Bestand und für einen hohen Anspruch an nachhaltiges Bauen, Kreislaufwirtschaft und Upcyling: Vom Fundament bis zur Fassade bestehen sämtliche Betonbauteile aus Recyclingbeton. Im neuen Bürgerzentrum „MittenIm“ findet sich die knapp 40 Kilometer entfernte, in den Sechzigerjahren errichtete und 2019 rückgebaute Talbrücke Rothof bei Würzburg wieder. Im Sinne der kurzen Transportwege wurde der Beton hierfür in einem etwa 40 Kilometer entfernten Recyclingwerk aufbereitet.
Die Betonoberflächen wurden mit alten und nahezu vergessenen Handwerkstechniken wie Scharrieren und Spitzen bearbeitet, um den steinernen Charakter herauszuarbeiten und der Fassade ein lebendiges Erscheinungsbild zu geben. Gestaltungselemente wie die Gewände um die Fenster, scharrierte und strukturierte Oberflächen oder die geringen Dachüberstände greifen den Stil der Region auf, wie selbstverständlich fügt sich das neue Ensemble so in seine Umgebung.
Alle weiteren Gebäudeteile des Neubaus sind als Holzmassivbau mit Holz- statt Mineralwolle errichtet und bis auf wenige Ausnahmen wurde auf jegliche Folien und Verklebung verzichtet.
Upcycling galt auch für die Bretterschalung der Betonwände: Sie bilden in der „Energiescheune“ Wandverkleidung sowie Boxen, in denen die technischen Anlagen zur Energieerzeugung für das Ensemble für interessiertes (Fach)Publikum zur Information einsehbar sind.
Mit der Vision eines sich wandelnden Ortes ist im intensiven Dialog mit der Bevölkerung und dank der finanziellen und inhaltlichen Unterstützung durch die Städtebauförderung eine neue soziale Mitte ganz im Sinne einer nachhaltigen Innenentwicklung entstanden.
- Baukosten: Neubauten R-Beton + Holzhybrid: 2,2 Mio. € netto reine Baukosten
- Finanzierung / Förderung: Das Projekt wird im Städtebauförderungsprogramm „Sozialer Zusammenhalt“ mit Mitteln des Bundes und des Freistaates Bayern gefördert.
Nachhaltigkeit
Alle weiteren Gebäudeteile des Neubaus wurden als Holzmassivbau errichtet. Bis auf wenige Ausnahmen wurde hierbei auf jegliche Folien und Verklebung verzichtet.
Die zur Energiegewinnung des gesamten Ensembles (neben den beiden Gebäuderiegeln des Neubaus zwei sanierte historische Gebäude) und der angrenzenden Gemeindebauten benötigten technischen Anlagen (Wärmepumpe, Pelletsheizung und Photovoltaik)* finden sich in der "Energiescheune" wider. Die sanierte historische Scheune ist ein Infohub für interessiertes (Fach)Publikum, die Anlagen sind zur Information einsehbar. Die PV-Module sind zum Dorfplatz hin gebäudeintegriert – in Farbe und Form der Ziegel fügen sie sich in das Dach, – um dem historischen Bild der Scheune am Dorfplatz Rechnung zu tragen.
* Technik im Detail (Leistung / Anteil):
– Luft-Wärmepumpe: 20 kW / 65%
– Photovoltaik: 29KW peak / 19 oder 63%
– Biomasse-Kessel Pellets: Quelle O+V: 100 KW / 35%
– Sonstiges:
Wärmerückgewinnung: Kreuzstromplattenwärmetauscher / Wirkungsgrad: 80,7 % (Lüftungsanlage Bürgersaal), 93,7 % (Lüftungsanlage Café); Gegenstrom-Wärmetauscher / Wirkungsgrad: 80 – 85 % (Lüftungsanlage Sanitärräume)
– Energiespeicherung: Batterie (22KWh Volmen); Pufferspeicher (Schichtenspeicher, 3.000 Liter, Sailer KDO, Durchmesser: 1.500mm, Höhe: 2,050 mm)
Unter den Dorfplätzen befinden sich Zisternen (30 m³) zur Regenwassernutzung, ein niedriges Wasserbecken erhöht die Aufenthaltsqualität in den Sommermonaten, Pflastersteine mit wassersensiblen Eigenschaften ergänzen die Maßnahmen zur Kühlung des Mikroklimas.
Auszeichnungen
Architekturpreis Beton 2026 (Preisträger)
DAM Preis 2026 (Shortlist)
BDA Preis Bayern 2025 (Preisträger)
Bauen im Bestand 2025 (Anerkennung)
BDA-Architekturpreis Nike 2025 (Shortlist)
Deutscher Architekturpreis 2025 (Shortlist)
Auszeichnung guter Bauten in Franken 2024 (Auszeichnung)
Schlagworte
Energetische Kennwerte
Energetische Kennwerte
Primärenergie
Umweltthermie (Luft / Wasser)
Sekundärenergie
Solarthermie
Sonstige Biomasse
Energetische Kennwerte
Primärenergiebedarf ("Gesamtenergieeffizienz")
43,50 kWh/(m²a)
Heizenergieverbrauchswert
130,00 kWh/(m²a)
Stromverbrauchswert
22,00 kWh/(m²a)
Objektdetails
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