Heinze ArchitekturAWARD 2026: Teilnehmer
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64720 Michelstadt (Michelstadt, Germany), Asselbrunn 33
Diese Objektpräsentation wurde angelegt von: Shakti Haus
Basisdaten zum Objekt
Lage des Objektes
Asselbrunn 33, 64720 Michelstadt (Michelstadt, Germany), Deutschland
Objektkategorie
Objektart
Art der Baumaßnahme
Neubau
Fertigstellungstermin
02.2025
Zeichnungen und Unterlagen
Projektbeteiligte Firmen und Personen
Verwendete Produkte
Gebäudedaten
Bauweise
Holzrahmenbau
Tragwerkskonstruktion
Holz
Anzahl der Vollgeschosse
3- bis 5-geschossig
Raummaße und Flächen
Bruttorauminhalt
1.388 m³
Bruttogrundfläche
399 m²
Nutzfläche
255 m²
Verkehrsfläche
54 m²
Grundstücksgröße
57.439 m²
Kosten
Veranschlagte Rohbaukosten des Bauwerks
733.521 Euro
Gesamtkosten der Maßnahme (ohne Grundstück)
1.286.879 Euro
Lage und Umgebung
Beschreibung
Objektbeschreibung
Architektonischer Kontext und solitäre Formfindung
Der kompakte,10-eckige Anbau erweitert das bestehende Verwaltungsgebäude aus den 1980er-Jahren um rund 310 m² Nutzungsfläche. Er beherbergt moderne Büroarbeitsplätze, einen großzügigen Besprechungsraum sowie zeitgemäße Sozial-, Umkleide- und Duschbereiche für die rund 20 Mitarbeitenden.
Die prägnante zehneckige Grundform (Dekagon) des Erweiterungsbaus ist kein rein ästhetisches Stilmittel, sondern eine bewusste, skulpturale Antwort auf den baulichen Kontext. Die polygonale Geometrie fungiert als formale Anknüpfung an die charakteristischen kreisrunden Klärbecken auf dem Betriebsgelände. Durch diese architektonische Abstraktion gelingt dem Entwurf eine harmonische, identitätsstiftende Synthese aus technischer Infrastruktur und zeitgemäßer Verwaltungsarchitektur. Gleichzeitig bricht der Baukörper die starre Orthogonalität des Bestandsgebäudes aus den 1980er-Jahren auf, minimiert die Hüllfläche im Verhältnis zum Raumvolumen und ermöglicht ein Maximum an natürlicher Belichtung für die innenliegenden Arbeitsplätze und Betriebsräume.
Konstruktiver Holzschutz und langlebige Materialität
Ein besonderes funktionales und gestalterisches Highlight des Gebäudes sind die zehn Fassadenflächen aus lasierter Douglasie, die als hinterlüftete Horizontalschalung in fünf fallenden Breiten präzise gefügt wurden. Um die Langlebigkeit des Holzbaus ohne den Einsatz umweltschädlicher, chemischer Holzschutzmittel zu maximieren, wurde die gesamte Fassade um 3 Grad nach innen geneigt. Dieser minimale, aber hocheffektive Neigungswinkel fungiert als optimierter, konstruktiver Witterungsschutz: Bei Niederschlag bleiben die Schalungsbretter nahezu trocken, da das Wasser kontrolliert abgeleitet wird. Dies verlängert die Lebensdauer der Holzkonstruktion drastisch, minimiert den zukünftigen Wartungsaufwand und sichert die ästhetische Alterungsfähigkeit des Pionierbaus.
High-Tech-Energieeffizienz mit Low-Tech-Naturmaterialien
Das Gebäude erbringt den Nachweis, dass durch die synergetische Verknüpfung von klimaschonender Effizienz (Strohdämmung & Klärgas-BHKW für Strom/Wärme), Konsistenz (regionales Holz, lokale Verarbeitung), Suffizienz (Verschnitt-Aktivierung & BUS-gesteuerte Nutzungsflexibilität) und Cradle to Cradle (Lehm, Strohballen, RC-Beton, Schaumglasschotter) ein zukunftsfähiges, CO₂-negatives Gebäude im öffentlichen Raum heute wirtschaftlich, ästhetisch und handwerklich vollumfänglich realisierbar ist.
Neben den 1200 Strohballen für Dach und Außenwände kommen Lehmputz und Lehmbauplatten zum Einsatz, die für ein gesundes Raumklima sorgen. Die Bodenplatte aus Recyclingbeton wurde mit Schaumglasschotter gedämmt – ressourcenschonend und kreislauffähig.
Beschreibung der Besonderheiten
Passivhaus-Standard der Außenhülle ohne fossile Dämmstoffe: Dank eines durchgängig exzellenten U-Werts von 0,126 W/(m²K) für alle opaken Bauteile (Außenwände, Dach und Bodenplatte) erfüllt die Gebäudehülle die strengen Kriterien des Passivhaus-Standards. Dieser Spitzenwert wird vollkommen ohne erdölbasierte Materialien realisiert – getragen von 1.200 regionalen Strohballen und zirkulärem Schaumglasschotter.
Radikale Regionalität & Mondphasen-Holz: Rund 95 % des Bauholzes stammen aus dem nachhaltig bewirtschafteten städtischen Forst, das nach dem Mondkalender eingeschlagen und durch lokale Familienbetriebe im Odenwald zu Bauholz verarbeitet wurde. Transportwege wurden so auf ein absolutes Minimum reduziert.
Null-Abfall-Prinzip durch Kaskadennutzung: Rund 36 % der geernteten Holzmenge fielen als Verschnitt an. Statt der thermischen Entsorgung wurden diese Reste vollständig aktiviert: als statisch aussteifende Diagonalschalung für Decken und Wände sowie als hochwertige, gebürstete und geölte Innenwandbekleidungen und für die tiefen Fensterlaibungen.
Sektorenkopplung & Zirkuläre Haustechnik: Das Gebäude nutzt die betriebseigene Infrastruktur der Kläranlage meisterhaft. Wärme und Strom werden CO₂-neutral und zu 100 % autark über ein mit hauseigenem Klärgas betriebenes Blockheizkraftwerk (BHKW) erzeugt. Dadurch stürzt der Jahres-Primärenergiebedarf im GEG-Nachweis (DIN V 18599) auf herausragende 46,9 kWh/m²a.
Passive Geothermie & Smarte Suffizienz: Die sommerliche Kühlung erfolgt komplett passiv, klimafreundlich und ohne Kältemittel über eine Lüftungsanlage mit Erdwärmetauscher. Ein integriertes Gebäude-Bussystem sichert die hocheffiziente Steuerung im Alltag und garantiert maximale räumliche Flexibilität für zukünftige Nutzungsänderungen.
Konsequentes Cradle-to-Cradle-Konzept: Jedes Bauteil fungiert als temporäres Materiallager. Vom Recycling-Beton in der Bodenplatte über die geschraubten Holzverbindungen bis hin zu biologisch abbaubaren Ziegenhaarteppichen, Lehm und Strohballen sind alle Materialien schadstofffrei, sortenrein trennbar und vollständig in den biologischen oder technischen Kreislauf rückführbar.
Nachhaltigkeit
Effizienz: Minimierung von Primärenergie & Autarke Betriebsenergie: Durch den Einsatz einer strohgedämmten Holzrahmenbauweise wird ein unübertroffener Effizienzwert bei der Hüllflächenökologie erreicht. Im direkten Vergleich benötigt eine konventionelle Kalksandsteinaußenwand mit Wärmedämmverbundsystem (WDVS) den rund 6,8-fachen Primärenergiebedarf in der Herstellung; ihr Treibhauspotenzial ist mehr als doppelt so hoch.
Die im Betrieb benötigte thermische und elektrische Energie wird zu 100 % aus lokalen, regenerativen Abfallströmen gewonnen. Das Heizungskonzept basiert auf einer CO₂-neutralen Nahwärmeversorgung über das betriebseigene Blockheizkraftwerk (BHKW), welches mit anfallendem Klärgas gespeist wird. Die hocheffiziente Wärmeverteilung im Gebäude erfolgt niedertemperaturig über eine behagliche Fußbodenheizung. Auch der gesamte Strombedarf des Erweiterungsbaus wird autark über dieses hauseigene BHKW abgedeckt. Die baubetriebliche Effizienz wurde zudem durch einen optimierten Modulbau mit hohem Vorfertigungsgrad in den werkseigenen Hallen des Abwasserverbandes realisiert.
Konsistenz:
Das Konzept der Konsistenz – das Bauen in geschlossenen, naturverträglichen Stoff- und Energiekreisläufen unter Nutzung regionaler Produkte – zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Projekt. Insgesamt 1.200 lokale Strohballen (Weizenstroh) wurden von einem Landwirt aus dem Nachbarort bezogen und ohne energetische Nachbehandlung direkt eingebaut. Diese stoffliche Konsistenz wird durch die beispiellose regionale Wertschöpfungskette des Bauholzes untermauert: Rund 95 % der ca. 130 m³ benötigten Fichten- und Douglasienhölzer stammen aus dem zertifizierten, nachhaltig bewirtschafteten Michelstädter Forst und wurden von lokalen Sägewerken zu Bauholz verarbeitet. Ca. 36% der geernteten Holzmenge blieb bei diesem Projekt als Verschnittholz übrig, das sich nicht zu verwertbaren Kanthölzern verarbeiten ließ. Diese Resthölzer wurden zur kompletten Aussteifung des Gebäudes und zur Bekleidung der Decken, Innenwände und Innenseite der Außenwände eingesetzt.
Die Haustechnik spiegelt diese zirkuläre Konsistenz perfekt wider: Die Nutzung von Klärgas zur autarken, gekoppelten Strom- und Wärmeerzeugung verwandelt ein vermeintliches Abfallprodukt der Abwasserreinigung direkt in nutzbare Betriebsenergie. Zur sommerlichen Kühlung und Frischluftversorgung nutzt die installierte Lüftungsanlage ein rein naturanaloges Prinzip: Über einen Erdwärmetauscher erfolgt eine komplett passive, natürliche Rückkühlung der Zuluft über die thermische Masse des Erdreichs. Mechanische, kältemittelbasierte Klimaanlagen werden somit obsolet.
Suffizienz: Das richtige Maß & Zukunftssichere Flexibilität
Suffizienz bedeutet die Reduktion auf das Notwendige, den bewussten Umgang mit knappen Ressourcen sowie die Vermeidung zukünftiger baulicher Fehlinvestitionen. Die Bauaufgabe selbst entspringt einer suffizienten Bedarfsplanung: Statt eines großflächigen Solitär-Neubaus wurde das bestehende Gebäude aus den 1980er-Jahren gezielt um einen kompakten Anbau von rund 310 m² Nutzungsfläche erweitert (Büroarbeitsplätze, Sozialraum, Umkleiden und Besprechungsraum). Auf Materialebene manifestiert sich die Suffizienz in einer kompromisslosen Resteverwertung: Rund 36 % des geernteten Holzes wurden als Verschnitt nicht entsorgt, sondern zu einer aussteifenden Diagonalschalung für Decken und Wände sowie zu hochwertigen, gebürsteten und geölten Innenwandbekleidungen und Fensterlaibungen verarbeitet.
Um den Energieverbrauch des Gebäudes auch langfristig niedrig zu halten und strukturelle Umbauten bei sich ändernden Anforderungen zu vermeiden, wurde ein modernes Gebäude-Bussystem installiert. Diese intelligente Gebäudeautomation vereinfacht die Steuerung der unterschiedlichen Nutzungsanforderungen im Arbeitsalltag erheblich und ermöglicht eine maximale, flexible Nutzung der Räumlichkeiten. Das Bussystem fungiert als technischer Enabler für Suffizienz, indem es Energieverschwendung proaktiv verhindert und das Gebäude ohne bauliche Eingriffe zukunftssicher anpassbar hält.
Cradle to Cradle (C2C): Konsequente Kreislauffähigkeit
Das Gebäude wurde als temporäres Materiallager konzipiert. Nahezu alle eingesetzten Baustoffe können nach Ablauf des Lebenszyklus ohne Qualitätsverlust in den biologischen oder technischen Kreislauf rückgeführt werden. Die Holz-Stroh-Lehm-Konstruktion der Außenwände ist vollkommen schadstofffrei, rückbaubar und kompostierbar (biologischer Kreislauf).
Auch im Fundamentbereich und Innenausbau wird die C2C-Philosophie durch konsequenten Materialersatz getragen:
Bodenplatte: Gegossen aus ressourcenschonendem Recycling-Beton.
Unterseitige Dämmung: Vollständiger Verzicht auf erdölbasiertes XPS/EPS; stattdessen kam lastabtragender, kreislauffähiger Schaumglasschotter (ein reines Recyclingprodukt) zum Einsatz.
Innenwände & Decken: Einsatz von trennbaren Holzweichfaserdämmstoffen und rückbaubaren Lehmbauplatten anstelle von Verbundmaterialien.
Bodenbeläge & Fassade: Verwendung von biologisch abbaubarem Ziegenhaarteppich im Besprechungsraum, Kautschukbelag in den Büros und einer langlebigen, um 3 Grad geneigten Douglasien-Fassadenschalung, die ohne chemische Anstriche komplett kreislauffähig bleibt.
Schlagworte
Energetische Kennwerte
Energiestandard
Energetische Kennwerte
Primärenergie
Biogas
Energetische Kennwerte
Primärenergiebedarf ("Gesamtenergieeffizienz")
27,40 kWh/(m²a)
Heizenergieverbrauchswert
15,00 kWh/(m²a)
Stromverbrauchswert
25,00 kWh/(m²a)
Energiebedarf (Prozentuale Verteilung)
Heizung
18 %
Warmwasser
20 %
Beleuchtung
35 %
Lüftung
22 %
Kühlung inkl. Befeuchtung
5 %
Weitere Dokumente zum Objekt
Objektdetails
Gebäudespezifische Merkmale
Anzahl Arbeitsplätze
20
Anzahl Stellplätze
9
Das Objekt im Internet
Objekte in der Umgebung





